Franziskus empfängt nach langem wieder Kardinal Sarah in Audienz

Der Weg durch die Wüste eines „Papabile”

Ein seltenes Bild: Papst Franziskus mit Kardinal Robert Sarah bei seiner Ernennung zum Präfekten der Gottesdienstkongregation 2014.
Ein seltenes Bild: Papst Franziskus mit Kardinal Robert Sarah bei seiner Ernennung zum Präfekten der Gottesdienstkongregation 2014.

(Rom) Im ver­gan­ge­nen Mai ver­dich­te­ten sich in Rom Gerüch­te über eine bevor­ste­hen­de Ent­fer­nung von Kar­di­nal Robert Sarah aus sei­nem Amt als Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung. Es blieb jedoch ruhig. Heu­te tat sich plötz­lich Unge­wöhn­li­ches.

Kar­di­nal Sarah voll­ende­te am 15. Juni sein 75. Lebens­jahr und erreich­te damit jene kano­ni­sche Alters­gren­ze, die vor­sieht, dem Papst den Rück­tritt anzu­bie­ten. Der aus Gui­nea stam­men­de Kar­di­nal war von Fran­zis­kus selbst am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats zum Dikaste­ri­en­lei­ter ernannt wor­den, als die­ser einen „Ratz­in­ge­ria­ner” aus der Römi­schen Kurie ent­fern­te. Die Beru­fung Sarahs gilt seit­her als „Betriebs­un­fall”. Sei­ne fünf­jäh­ri­ge Amts­zeit lief 2019 aus, ohne daß sein Man­dat ver­län­gert wur­de. Zusam­men mit der erreich­ten Alters­gren­ze kann Fran­zis­kus Sarah jeder­zeit das Amt ent­zie­hen, ganz ohne eine gewag­te Aus­le­gung der Rechts­nor­men bemü­hen zu müs­sen.

Die Abnei­gung, die San­ta Mar­ta gegen den rang­höch­sten afri­ka­ni­schen Kar­di­nal in Rom hegt, gilt als sprich­wört­lich. Wann immer der Papst sei­nen wich­tig­sten Mit­ar­bei­tern eine Audi­enz gewähr­te, wuß­te man, daß Kar­di­nal Sarah nicht unter den Gela­de­nen sein wird. Obwohl Fran­zis­kus die Dikaste­ri­en­lei­ter fast wöchent­lich zu sich ruft, um sich infor­mie­ren zu las­sen und Auf­trä­ge zu ertei­len, gilt das für Kar­di­nal Sarah schon lan­ge nicht mehr.

Katholisches.info berich­te­te 2016, wie Kar­di­nal Sarah von Papst Fran­zis­kus geschnit­ten und im eige­nen Dikaste­ri­um iso­liert wur­de. Kurz zuvor hat­te der Kar­di­nal sein Buch „Die Kraft der Stil­le” vor­ge­stellt. Dar­in bekräf­tig­te er „gegen das vati­ka­ni­sche Demen­ti, ob nun Ankün­di­gung, Wunsch oder Pro­phe­zei­ung, daß die ‚Reform der Reform‘ statt­fin­den wer­de”. Statt­des­sen folg­te eine wei­te­re Pha­se im Umbau der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on. Der Kar­di­nal­prä­fekt wur­de zwar im Amt belas­sen, was von Ber­go­glia­nern als „die Tole­ranz von Fran­zis­kus“ her­vor­ge­ho­ben wird, aber inner­halb sei­ner Kon­gre­ga­ti­on an den Rand gedrängt.

Der Kar­di­nal, der sei­ner Stim­me vor allem durch Bücher Gehör zu ver­schaf­fen sucht, blieb trotz der ein­ge­schränk­ten Mög­lich­kei­ten nicht untä­tig. Er for­der­te den Weltk­le­rus auf, zur Zele­bra­ti­ons­rich­tung Osten zurück­zu­keh­ren, was einen hef­ti­gen Schlag­ab­tausch mit dem Hei­li­gen Stuhl zur Fol­ge hat­te, an dem sich Fran­zis­kus per­sön­lich betei­lig­te.

Anfang 2020 leg­te sich der Kar­di­nal in Zusam­men­ar­beit mit Bene­dikt XVI. mit dem Buch „Aus der Tie­fe des Her­zens“, einem Plä­doy­er für das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum, den „ama­zo­ni­schen” Bestre­bun­gen einer Zöli­bats­auf­wei­chung erfolg­reich in den Weg. Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein koste­te es aller­dings sei­nen Posten als Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses.

Die letz­te Audi­enz, die Fran­zis­kus sei­nem Mini­ster Sarah gewähr­te, liegt lan­ge zurück. So lan­ge, daß sich auf Anhieb nie­mand mehr genau dar­an erin­nern kann. Heu­te plötz­lich änder­te sich das. Das Tages­bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes ver­zeich­ne­te den Kar­di­nal in der Rubrik „Audi­en­zen”. Am heu­ti­gen Vor­mit­tag wur­de er von Fran­zis­kus emp­fan­gen.

Es darf bezwei­felt wer­den, daß Kar­di­nal Sarah zum Papst vor­ge­las­sen wur­de, um mit ihm Maß­nah­men zu bespre­chen, wie die vie­len Bischö­fe zur Ord­nung geru­fen wer­den könn­ten, die unter Ver­weis auf das Coro­na­vi­rus ein Ver­bot der Mund­kom­mu­ni­on erlas­sen und den Gläu­bi­gen die Hand­kom­mu­ni­on auf­ge­zwun­gen haben.

Es gibt viel­mehr die Befürch­tung, Papst Fran­zis­kus habe dem Kar­di­nal mit­ge­teilt, des­sen kir­chen­recht­lich vor­ge­schrie­be­nes Rück­tritts­ge­such anzu­neh­men, sich bei ihm bedankt und ihm alles Gute gewünscht. Das wäre zwar die höf­li­che­re Ent­las­sungs­va­ri­an­te als jene, die Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler oder Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke zu spü­ren beka­men, doch Ent­las­sung bleibt Ent­las­sung. Vor­erst liegt aber kei­ne Bestä­ti­gung für einen sol­chen Schritt vor.

Tat­sa­che ist, daß Kar­di­nal Sarah nach lan­ger Zeit erst­mals wie­der von Papst Fran­zis­kus in Audi­enz emp­fan­gen wur­de. Über den Inhalt des Gesprächs wur­de offi­zi­ell noch nichts bekannt­ge­ge­ben.

Kar­di­nal Sarah gilt als „Papa­bi­le“ für die Nach­fol­ge von Papst Fran­zis­kus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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