Anti-Medjugorje-Bischof emeritiert: Weg frei für römische Lösung?

39 Jahre Medjugorje

Mit Bischof Ratko Perić, Bischof von Mostar, wurde eine Bastion gegen Medjugorje aus dem Weg geschafft.
Mit Bischof Ratko Perić, Bischof von Mostar, wurde eine Bastion gegen Medjugorje aus dem Weg geschafft.

(Rom) Am ver­gan­ge­nen Sams­tag, dem 11. Juli, eme­ri­tier­te Papst Fran­zis­kus den Bischof von Mostar, Msgr. Rat­ko Perić, und setz­te damit den näch­sten Schritt auf dem Weg zur „Nor­ma­li­sie­rung“ von Med­jug­or­je. Dort soll seit 1981 einer Grup­pe von Kin­dern, heu­te Erwach­se­nen, die Got­tes­mut­ter Maria erschei­nen. Bischof Perić, zu des­sen Bis­tum Med­jug­or­je gehört, lehn­te eine Aner­ken­nung die­ses Phä­no­mens kate­go­risch ab.

Msgr. Rat­ko Perić wur­de 1944 etwas öst­lich von Agram (Zagreb) gebo­ren. Der Kroa­te wur­de 1969 zum Prie­ster des her­ze­go­wi­ni­schen Bis­tums Mostar-Duv­no geweiht. Er stu­dier­te an der Urba­nia­na in Rom und lehr­te an der Gre­go­ria­na eben­dort. 1992 wur­de er von Papst Johan­nes Paul II. zum Bischof­ko­ad­ju­tor von Mostar-Duv­no und Tre­bin­je-Mrkan ernannt und 1993 Diö­ze­san­bi­schof.

Der Name der bei­den Bis­tü­mer, die ihm über­tra­gen wur­den, offi­zi­ell auch Bis­tum Mostar-Duv­no (-Tre­bin­je-Mrkan) geschrie­ben, ist aus histo­ri­schen Grün­den etwas sper­rig. Grund war die osma­ni­sche Beset­zung und Isla­mi­sie­rung die­ses Teils des Bal­kans. 590 ent­stand das Bis­tum Duv­no, um die erste Jahr­tau­send­wen­de ist für den süd­öst­li­chen Teil der Her­ze­go­wi­na auch das latei­ni­sche Bis­tum Tre­bin­je belegt. Ab 1300 wur­den zudem die Bis­tü­mer Mostar und Mrkan errich­tet. Unter tür­ki­scher Herr­schaft, die von 1463–1878 dau­er­te, konn­ten sich in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, wie im Hei­li­gen Land, nur die Fran­zis­ka­ner hal­ten und die Seel­sor­ge für die Katho­li­ken sicher­stel­len. Im 17. Jahr­hun­dert wur­den fak­tisch erlo­sche­ne Bis­tü­mer von Rom auf­ge­ho­ben.

Erst im 19. Jahr­hun­dert wur­de unter Öster­reich-Ungarn eine Wie­der­be­le­bung und Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der kirch­li­chen Hier­ar­chie mög­lich. Dabei wur­de an die Tra­di­ti­on ein­sti­ger Bis­tü­mer ange­knüpft, und dies auch nament­lich zum Aus­druck gebracht, so in der Dop­pel­be­zeich­nung des 1881 errich­te­ten Bis­tums Mostar-Duv­no. Seit 1890 ist der Bischof von Mostar-Duv­no zugleich Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor von Tre­bin­je-Mrkan. Vier in histo­risch unter­schied­li­chen Momen­ten ent­stan­de­ne Bis­tü­mer wur­den also zunächst zu zwei Diö­ze­sen zusam­men­ge­faßt und vor 130 Jah­ren in einer Hand ver­eint. Der Anteil der Kroa­ten, also der Katho­li­ken, betrug im Dop­pel­bis­tum am Beginn der kom­mu­ni­sti­schen Herr­schaft 60 Pro­zent und liegt heu­te, nach Dik­ta­tur und Bür­ger­krieg, bei knapp 44 Pro­zent.

Med­jug­or­je liegt im Bis­tum Mostar, des­sen Bischof auch das Bis­tum Tre­bin­je (hell­blau dar­un­ter) lei­tet

Als Msgr. Perić Koad­ju­tor wur­de, war Msgr. Pavao Žanić Bischof und Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor, der sei­ne bei­den Ämter 1980 ange­tre­ten hat­te. Msgr. Žanić stell­te sich ent­schie­den gegen das Erschei­nungs­phä­no­men von Med­jug­or­je, vor­aus sich ein bis heu­te anhal­ten­der Kon­flikt mit den Fran­zis­ka­nern der her­ze­go­wi­ni­schen Ordens­pro­vinz ergab, die die Pfarr­seel­sor­ge in Med­jug­or­je inne­ha­ben und daher die geist­li­chen Füh­rer der tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Seher­kin­der wur­den. Msgr. Žanić ließ das Phä­no­men in den 80er Jah­ren von zwei Kom­mis­sio­nen unter­su­chen, die jeweils zu einem nega­ti­ven Urteil gelang­ten. Schließ­lich setz­te die damals noch zustän­di­ge Jugo­sla­wi­sche Bischofs­kon­fe­renz eine Kom­mis­si­on ein, die zum sel­ben Ergeb­nis kam.

Jugo­sla­wi­en gibt es nicht mehr. Med­jug­or­je und das Dop­pel­bis­tum Mostar und Tre­bin­je sind seit 1995 Teil der kroa­tisch-bos­ni­schen Föde­ra­ti­on Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, die wie­der­um auf inter­na­tio­na­len Druck mit der Repu­bli­ka Srps­ka (Ser­bi­sche Repu­blik von Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, nicht zu ver­wech­seln mit der Repu­bli­ka Srbi­ja, der Repu­blik Ser­bi­en) zum Bun­des­staat Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na ver­ei­nigt wur­de.

Als Msgr. Žanić eme­ri­tiert wur­de, änder­te das an der Posi­ti­on des Bis­tums zu Med­jug­or­je nichts, da Msgr. Perić an der Hal­tung sei­nes Vor­gän­gers fest­hielt. Wie­der­holt beton­te er: „Maria ist in Med­jug­or­je nicht erschie­nen.“

Der Hei­li­ge Stuhl hält sich seit Jahr­zehn­ten in der Sache zurück, nicht zuletzt auch des­halb, weil das Phä­no­men auch nach 39 Jah­ren noch andau­ert. Zurück­hal­tend zeig­te sich auch Papst Bene­dikt XVI., der 2010 eine hoch­ran­gig besetz­te Kom­mis­si­on unter Lei­tung von Kar­di­nal Camil­lo Rui­ni ein­setz­te, um das Phä­no­men zu unter­su­chen. Sein über­ra­schen­der Amts­ver­zicht ver­hin­der­te die Bekannt­ga­be eines Ergeb­nis­ses und dar­aus fol­gen­de Schrit­te. Aller­dings erließ die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Anwei­sun­gen an den Welt­epi­sko­pat, die Auf­trit­te von ein­zel­nen Sehern samt ange­kün­dig­ten Erschei­nun­gen zu unter­sa­gen. Damit wur­de deren Wir­ken auf Med­jug­or­je ein­ge­schränkt und ins­ge­samt mini­miert.

Papst Fran­zis­kus ging anders vor. In der Früh­pha­se sei­nes Pon­ti­fi­kats, im Sep­tem­ber 2013, gab er ziem­lich schroff zu ver­ste­hen, von dem Phä­no­men nichts zu hal­ten. Maria sei „kei­ne Post­bo­tin“, die zu bestell­ter Zeit und an bestell­tem Ort erschei­ne und das gleich tau­send­fach. Als Nega­tiv­bei­spiel nann­te er bei einer mor­gend­li­chen Pre­digt in San­ta Mar­ta aus­drück­lich Med­jug­or­je. Das wur­de zwar von den Pres­se­ver­ant­wort­li­chen des Vati­kans unter den Tisch gekehrt, ist aber durch Ohren­zeu­gen zuver­läs­sig belegt. Dann schien aber auch er die Ange­le­gen­heit auf die lan­ge Bank schie­ben zu wol­len. Trotz Ankün­di­gun­gen tat sich eini­ge Jah­re nichts mehr.

Es kommt Bewegung in die Sache

Im Febru­ar 2017 ent­sand­te Fran­zis­kus Erz­bi­schof Hen­ryk Hoser, den Bischof von War­schau, einen Polen, als Son­der­ge­sand­ten nach Med­jug­or­je. Sein Auf­trag bestand dar­in, dem Papst pasto­ra­le Vor­schlä­ge zu unter­brei­ten, wie die Seel­sor­ge für die zahl­rei­chen Med­jug­or­je-Pil­ger im kirch­li­chen Sinn sicher­ge­stellt und ver­bes­sert wer­den könn­te. Dok­tri­nä­re Fra­gen bezüg­lich der „Bot­schaf­ten“ von Med­jug­or­je und eine Beur­tei­lung des Erschei­nungs­phä­no­mens wur­den aus­drück­lich aus­ge­nom­men.

Erz­bi­schof Hoser äußer­te sich weni­ge Mona­te spä­ter, zum Abschluß sei­ner Auf­ga­be, den­noch dazu und ließ kei­nen Zwei­fel dar­an, sich von der Echt­heit der Erschei­nun­gen über­zeugt zu haben. Das erstaun­te. Aller­dings sag­te dann im August 2017 der alba­ni­sche Jesu­it Ernest Simo­ni, den Fran­zis­kus 2016 zum Kar­di­nal kre­iert und als sei­nen Dele­ga­ten zu einem Jugend­fe­sti­val nach Med­jug­or­je geschickt hat­te, vor 50.000 Jugend­li­chen, daß der Papst „sei­ne Mei­nung zu Med­jug­or­je geän­dert“ habe.

Dafür spricht, daß Fran­zis­kus Erz­bi­schof Hoser als Bischof von War­schau-Pra­ga eme­ri­tier­te und Ende Mai 2017 zum päpst­li­chen Son­der­vi­si­ta­tor ad nutum Sanc­tae Sedis der Pfar­rei Med­jug­or­je ernann­te. Damit unter­stell­te er die­se fak­tisch dem Hei­li­gen Stuhl. Weni­ge Tage zuvor, am 1. April 2017, hat­te Fran­zis­kus mit dem Motu pro­prio Sanc­tua­ri­um in Eccle­sia die Wei­chen für die Inter­na­tio­na­li­sie­rung von Gebets­stät­ten durch die Über­tra­gung der Juris­dik­ti­on an den Päpst­li­chen Rat zur För­de­rung der Neue­van­ge­li­sie­rung gestellt. In die­sem Sin­ne lie­ßen sich die Wor­te Hosers inter­pre­tie­ren, der am 5. April sag­te, daß „Med­jug­or­je bereits Teil der Neue­van­ge­li­sie­rung ist“.

Erz­bi­schof Hoser, päpst­li­che Son­der­vi­si­ta­tor für Med­jug­or­je, erlaub­te seit Juli 2019 nur die Mund­kom­mu­ni­on (bis Coro­na)

Schon zuvor hat­te es Gerüch­te gege­ben, daß Rom Med­jug­or­je als inter­na­tio­na­les Hei­lig­tum aner­ken­nen und direkt dem Vati­kan unter­stel­len könn­te. Zugleich wur­de spe­ku­liert, daß damit die Fra­ge der Echt­heit der Erschei­nun­gen und die Aner­ken­nung der Bot­schaf­ten aus­ge­klam­mert blei­ben könn­ten, wie dies für zahl­rei­che histo­ri­sche Wall­fahrts­or­te der Fall ist. Die mei­sten Erschei­nun­gen wur­den von der Kir­che nicht als sol­che, aber die Erschei­nungs­or­te als Gebets­stät­ten aner­kannt. Das hat einer­seits mit der Schwie­rig­keit zu tun, die Fra­ge der Über­na­tür­lich­keit in letz­ter Kon­se­quenz fest­zu­stel­len, und der Tat­sa­che, daß die gött­li­che Offen­ba­rung nach kirch­li­cher Leh­re abge­schlos­sen ist, wes­halb Pri­va­tof­fen­ba­run­gen für Leh­re und Ord­nung der Kir­che letzt­lich nicht von Bedeu­tung sind.

Die Entflechtung auf dem Balkan

Seit 1981 hält der Kon­flikt zwi­schen Fran­zis­ka­nern und Diö­ze­se an. Der Kon­flikt zwi­schen den Brü­dern des hei­li­gen Franz von Assi­si, die durch Jahr­hun­der­te das kirch­li­che Leben in Bos­ni­en und der Her­ze­go­wi­na exklu­siv präg­ten, und dem Weltk­le­rus, der erst seit dem 19. Jahr­hun­dert wie­der eine Rol­le spielt, ist noch älter. Mit der zwei­ten Ernen­nung Hosers wur­de die Fran­zis­ka­ner­pfar­rei Med­jug­or­je nicht nur der römi­schen Auf­sicht unter­stellt, son­dern auch der Kon­trol­le von Diö­ze­san­bi­schof Perić ent­zo­gen.

Im Herbst 2017 kün­dig­te Msgr. Hoser eine „Lösung“ für Med­jug­or­je an. Die Tau­sen­den von Erschei­nun­gen und unzäh­li­gen Bot­schaf­ten kön­ne Rom nicht aner­ken­nen, so der pol­ni­sche Pal­lot­ti­ner, aber die ersten sie­ben Erschei­nun­gen von 1981 schon. Das ent­spre­che, so der päpst­li­che Son­der­vi­si­ta­tor, auch dem Ergeb­nis, zu dem die von Bene­dikt XVI. ein­ge­setz­te Rui­ni-Kom­mis­si­on gelangt sei. Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung für die­se Aus­sa­ge steht aller­dings noch aus, da der Bericht der Rui­ni-Kom­mis­si­on nie ver­öf­fent­licht wur­de. Es muß ange­nom­men wer­den, daß Msgr. Hoser sei­ne Aus­sa­gen mit Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus tätig­te und dar­in ein Ver­suchs­bal­lon zu sehen ist, der stei­gen gelas­sen wur­de, um die Reak­tio­nen zu beob­ach­ten. San­ta Mar­ta woll­te offen­bar sehen, wel­che Akzep­tanz die­ser Vor­schlag fin­det.

Vor allem sind mit den ersten sie­ben Erschei­nun­gen kei­ne Bot­schaf­ten ver­bun­den, wes­halb Fra­gen nach Echt­heit und Inhalt der Viel­zahl von Med­jug­or­je-Bot­schaf­ten hin­fäl­lig wür­den und ins­ge­samt aus­ge­klam­mert blei­ben könn­ten.

Für San­ta Mar­ta könn­te die Zwei­tei­lung des Phä­no­mens eine „salo­mo­ni­sche“ Lösung sein, um den Fall Med­jug­or­je einer­seits abschlie­ßen und zugleich als Gebets­stät­te und Teil der Volks­fröm­mig­keit inte­grie­ren zu kön­nen. Es gibt aller­dings auch Beden­ken, ob und wie ein und das­sel­be Phä­no­men argu­men­ta­tiv sau­ber und nach­voll­zieh­bar so auf­ge­teilt wer­den kann, daß ein klei­ner Teil aner­kannt und der gro­ße Rest, trotz glei­cher Akteu­re, aus­ge­blen­det wer­den könn­te. Im päpst­li­chen Umfeld wird, wenn das Gespräch auf Med­jug­or­je kommt, nicht über Echt­heit und Aner­ken­nung gespro­chen, son­dern über die rund drei Mil­lio­nen Pil­ger, die jähr­lich in die­sen Teil der her­ze­go­wi­ni­schen Ber­ge kom­men. Ihnen gegen­über gebe es eine pasto­ra­le Pflicht, wird betont. Dazu gehö­re auch, sie nicht vor den Kopf zu sto­ßen, son­dern päd­ago­gisch in kirch­li­che Bah­nen zu len­ken bzw. dar­in zu hal­ten.

Blick vom soge­nann­ten Erschei­nungs­berg auf Med­jug­or­je

Bischöfliche Empörung

Msgr. Perić reagier­te auf die von Erz­bi­schof Hoser ange­kün­dig­te „Lösung“ prompt und empört. Nur zwei Tage nach Hoser bekräf­tig­te der Diö­ze­san­bi­schof in einer Stel­lung­nah­me, die auf der Inter­net­sei­te sei­nes Bis­tums ver­öf­fent­licht wur­de, daß die behaup­te­ten Erschei­nun­gen und Bot­schaf­ten ohne Wenn und Aber Betrug sei­en.

In sei­ner Stel­lung­nah­me mit der Über­schrift „Die ‚Erschei­nun­gen‘ der ersten sie­ben Tage in Med­jug­or­je“, führ­te er die Ergeb­nis­se der bis­he­ri­gen Unter­su­chungs­kom­mis­sio­nen an (der ersten Diö­ze­san­kom­mis­si­on 1982–1984; der erwei­ter­ten Diö­ze­san­kom­mis­si­on 1984–1986; der Kom­mis­si­on der Jugo­sla­wi­schen Bischofs­kon­fe­renz 1987–1990; der soge­nann­ten Rui­ni-Kom­mis­si­on der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on 2010–2012 sowie die Stel­lung­nah­men der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 2014–2016, um dann „im Namen“ sei­nes Bis­tums zu einer Schluß­fol­ge­rung zu kom­men, die es im Gegen­satz zur römi­schen Zurück­hal­tung nicht an Deut­lich­keit feh­len ließ:

„Es han­delt sich nicht um ech­te Erschei­nun­gen der selig­sten Jung­frau Maria.“

Bischof Perić ver­öf­fent­lich­te die­se Stel­lung­nah­me auch auf ita­lie­nisch, um in Rom gehört zu wer­den. Es war ihm zwei­fel­los ernst. An sei­ner Kurie, so der Bischof, wur­den die Ton­bän­der abge­tippt, die in der ersten Woche die Gesprä­che im Pfarr­bü­ro von Med­jug­or­je fest­ge­hal­ten haben. In einem Fuß­no­ten­ap­pa­rat ver­wies er als Beleg für sei­ne Aus­sa­gen auf die­se Gesprä­che. Msgr. Perić for­der­te, nur von „selbst­er­nann­ten Sehern“, „angeb­li­chen Bot­schaf­ten“ und „soge­nann­ten Geheim­nis­sen“ zu spre­chen (zur Kri­tik von Bischof Perić).

Der Fran­zis­ka­ner P. Jozo Zov­ko, der wäh­rend der Anfangs­pha­se des Phä­no­mens Pfar­rer von Med­jug­or­je war, wur­de vom kom­mu­ni­sti­schen Regime des­halb wegen „Unru­he­stif­tung“ ver­haf­tet und zu drei­ein­halb Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, von denen er andert­halb Jah­re in einer Gefäng­nis­zel­le ver­brin­gen muß­te. Nach sei­ner vor­zei­ti­gen Haft­ent­las­sung wur­de ihm vom Regime die Rück­kehr nach Med­jug­or­je ver­bo­ten, wes­halb er andern­orts als Pfar­rer wirk­te. Den­noch wur­de er inter­na­tio­nal zum uner­müd­li­chen und wahr­schein­lich bedeu­tend­sten Zeu­gen für Med­jug­or­je, bis ihn Bischof Perić 2009 des Lan­des ver­wies und mit einem Schwei­ge­ge­bot beleg­te. Die Fran­zis­ka­ner­pro­vinz erlaub­te P. Zov­ko sich in ein von den Kom­mu­ni­sten auf­ge­ho­be­nes Klo­ster auf der Klo­ster­in­sel Badi­ja vor der Küste Dal­ma­ti­ens unweit von Dubrov­nik zurück­zu­zie­hen.

Der Bischof been­de­te sei­ne Stel­lung­nah­me vom 2. Juni 2018 mit den Wor­ten:

„Unter Berück­sich­ti­gung des­sen, was von die­ser diö­ze­sa­nen Kurie geprüft und stu­diert wur­de, ein­schließ­lich der Unter­su­chung der ersten sie­ben Tage der angeb­li­chen Erschei­nun­gen, kann getrost behaup­tet wer­den: Die Got­tes­mut­ter ist in Med­jug­or­je nicht erschie­nen!“

Die Pfarr­kir­che von Med­jug­or­je

Emeritierung und Neubesetzung

Im Kreis der Med­jug­or­je-Anhän­ger wur­de auf die­ses bischöf­li­che Nega­tiv­ur­teil mit dem Ver­weis reagiert, daß Bischof Perić im 75. Lebens­jahr ste­he, wes­halb Rom nur dar­auf war­te, ihn mit Errei­chung der Alters­gren­ze am 2. Febru­ar 2019 zu eme­ri­tie­ren. Dann sei der Weg frei für eine Aner­ken­nung ohne Bruch mit der Orts­kir­che. Das setzt die Her­aus­lö­sung Med­jug­or­jes aus dem Bis­tum Mostar und die direk­te Unter­stel­lung als inter­na­tio­na­le Gebets­stät­te unter den Vati­kan vor­aus. Ob das mit oder ohne Aner­ken­nung des Erschei­nungs­phä­no­mens (ins­ge­samt oder nur der ersten sie­ben Tage) erfol­gen soll, dar­über gehen, anders als unter vie­len Med­jug­or­je-Pil­gern, die Mei­nun­gen in Rom aller­dings aus­ein­an­der.

Papst Fran­zis­kus ist durch­aus dafür bekannt, ihm unlieb­sa­me Bischö­fe mit Voll­endung des kano­ni­schen Alters sofort zu eme­ri­tie­ren und damit Signa­le aus­zu­sen­den. Doch im kon­kre­ten Fall war dem nicht so. Obwohl der 2. Febru­ar 2019 ver­strich, blieb Bischof Perić im Amt. Erst nach andert­halb Jah­ren erfolg­te vor zwei Tagen die Eme­ri­tie­rung. Die Ver­län­ge­rung im Amt ist eine Geste, die erken­nen läßt, daß Papst Fran­zis­kus in der Sache nicht wirk­lich Par­tei für das Phä­no­men Med­jug­or­je ergrei­fen will. Dafür spricht, daß seit der Ankün­di­gung der „Hoser-Lösung“ vor mehr als zwei Jah­ren nur klei­ne Schrit­te unter­nom­men wur­den.

Im Okto­ber 2018 wur­de das Gesprächs­buch von Alex­andre Awi Mel­lo mit Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht. Dar­in sagt Fran­zis­kus:

„Mich nervt es, wenn sie mit den Bot­schaf­ten kom­men.“

Eine salop­pe For­mu­lie­rung, die an jene vom Sep­tem­ber 2013 erin­nert. Zugleich sag­te das Kir­chen­ober­haupt aber auch:

„In Med­jug­or­je wirkt Gott Wun­der.“

Aber laut Fran­zis­kus offen­bar mehr trotz als wegen der Seher.

Auch Fran­zis­kus spielt auf Zeit. Sein Han­deln läßt nicht erken­nen, daß er in dem Phä­no­men eine Über­na­tür­lich­keit am Werk zu sehen scheint. Viel­mehr deu­tet es auf eine „pasto­ra­le“, sprich prag­ma­ti­sche Hand­ha­bung der Fra­ge hin. Das Phä­no­men scheint kei­ne wirk­li­che Rol­le zu spie­len. Die Mil­lio­nen von Gläu­bi­gen, die nach Med­jug­or­je pil­gern, und deren seel­sorg­li­che Betreu­ung hin­ge­gen sehr wohl. San­ta Mar­ta will einen Bruch mit ihnen ver­mei­den und sie mög­lichst nicht durch ein Nega­tiv­ur­teil Roms vor den Kopf sto­ßen. Eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se ist nicht neu in der Kir­chen­ge­schich­te.

Im Mai 2019 erlaub­te Fran­zis­kus Wall­fahr­ten nach Med­jug­or­je durch­zu­füh­ren, was bis dahin unter­sagt war, wenn­gleich das Ver­bot weder ein­ge­hal­ten noch von der kirch­li­chen Auto­ri­tät durch­ge­setzt wur­de. Man beschränk­te sich dar­auf, zu beto­nen, daß offi­zi­ell nicht die Echt­heit des Phä­no­mens behaup­tet wer­den durf­te. Die plötz­li­che Erlaub­nis erteil­te Fran­zis­kus, ohne sich zu den tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Erschei­nun­gen zu äußern. Deren Echt­heit darf aber auch wei­ter­hin nicht behaup­tet wer­den.

Der neue Bischof, Msgr. Petar Palić

Ein wei­te­rer Schritt in der vati­ka­ni­schen Vor­ge­hens­wei­se scheint auch die Eme­ri­tie­rung von Msgr. Perić zu sein, des­sen – je nach Per­spek­ti­ve – kla­re oder har­te Hal­tung einer prag­ma­ti­schen Lösung hin­der­lich war. Die Eme­ri­tie­rung des Bischofs soll­te zugleich aber kei­nen Anlaß zu fal­schen Schlüs­sen bie­ten, wes­halb Fran­zis­kus ihn bis ins 77. Lebens­jahr im Amt beließ.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag ernann­te Fran­zis­kus mit Msgr. Petar Palić einen neu­en Bischof. Msgr. Palić, 48 Jah­re alt, ist ein Prie­ster des Bis­tums Dubrov­nik. Er wur­de in Moral­theo­lo­gie bei Prof. Wal­ter Schaupp in Graz pro­mo­viert und im April 2018 von Fran­zis­kus zum Bischof von Hvar ernannt. Nach nur zwei Jah­ren folg­te nun die Beför­de­rung zum Bischof von Mostar und Admi­ni­stra­tor von Tre­bin­je. Es wird ange­nom­men, daß mit der Ernen­nung die Bereit­schaft ver­bun­den ist, in Sachen Med­jug­or­je die vati­ka­ni­schen Plä­ne mit­zu­tra­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Wikicommons/Martin Broz

4 Kommentare

  1. Med­jug­or­je war und ist ein auf­ge­leg­ter Schwin­del, der weil er viel Geld bringt, in der Dis­kus­si­on bleibt.
    Eine Schan­de.
    2 Fak­ten für Katho­li­ken, die den gesun­den Men­schen­ver­stand nicht an der Kir­chen­tü­re abge­ge­ben haben:
    1.) Die Mut­ter­got­tes hat alle Reli­gio­nen gelobt! Das kann sie gar nicht, es gibt nur die eine und die hat ihr Sohn gestif­tet, alles ande­re ist des Teu­fels.
    2.) Die Mut­ter­got­tes hat mit den Kin­dern den Rosen­kranz gebe­tet! Das kann sie auch nicht, wie soll sie im Vater­un­ser beten „Und ver­gib uns unse­re Schuld“ oder wie kann sie ein Ave Maria beten, sie die unbe­fleckt emp­fan­ge­ne Jung­frau, sie kann nicht zu sich selbst beten und sagen „Gegrüsset seist du .….….….….…“
    Das ist mei­nes Wis­sens nach auch im Vati­kan bekannt, inso­fern hät­te man rigo­ros einen Rie­gel davor­schie­ben müs­sen!
    Komisch, denn beim 3. Geheim­nis von Fati­ma wur­de gelo­gen und betro­gen und alles abge­würgt, was auf eine wah­re Ver­öf­fent­li­chung dräng­te (Father Gru­ner zb.)
    Aber Med­jug­or­je bringt Geld und genau wie bei der deut­schen Kir­chen­steu­er, Simo­nie rein­sten Was­sers, wird geschwie­gen!
    Papst Fran­zis­kus?
    Fehl­an­zei­ge, der schweigt genau­so wie zu Chi­na.

  2. Dass im Fal­le Med­jug­or­je noch immer ein regel­rech­tes Hüt­chen­spiel betrie­ben wird, mag einen tat­säch­lich schon wun­dern; ins­be­son­de­re wenn man sich auf den stän­di­gen Hin­weis der sich dort angeb­lich gesche­hen­den wort­wört­li­chen Wun­der beschränkt. Noch in den 1980er und 90er Jah­re ver­wies man immer wie­der auf die sich plötz­lich selbst ver­gol­den­den Rosen­krän­ze als Beweis einer ech­ten Erschei­nung, die zusam­men mit der cha­ris­ma­ti­schen Bewe­gung bei vie­len Pil­gern eine regel­rech­te Wun­der­sucht aus­lö­ste, die sich in vie­len Fäl­len sogar als schäd­lich her­aus­stell­te; in moder­ne­rer Zeit auf diver­se Licht- und „Son­nen­wun­der“, von denen sogar ein ame­ri­ka­ni­scher Prie­ster durch ein per­sön­li­ches Erleb­nis vor Ort so schwer beein­druckt war, dass er die Erschei­nun­gen an sich dort für posi­tiv über­na­tür­lich hält.

    In die­sem Zusam­men­hang mit über­na­tür­li­chen Offen­ba­rung hat katholsiches.info bereits 2018 einen sehr lesens­wer­ten Arti­kel über Johan­nes vom Kreuz und den damals auf­se­hen­er­re­gen­den Fall der Mad­da­le­na vom Kreuz ver­öf­fent­lich, bei dem sich die wun­der­ba­ren Fähig­kei­ten einer schein­ba­ren Hei­li­gen am Ende als teuf­li­sche Inter­ak­tio­nen her­aus­stell­ten:
    https://katholisches.info/2018/07/16/ueber-die-offenbarungen/

    Auch der ver­stor­be­ne Exor­zist P. Gabrie­le Amor­th hat in einem sei­ner Berich­te einen Fall auf­ge­führt, bei dem es um einen stig­ma­ti­sier­ten Jun­gen in Ita­li­en ging, der außer­ge­wöhn­li­che Zustän­de in den umher­ste­hen­den Besu­chern aus­lö­sen konn­te (teil­wei­se bis zu spon­ta­nen Besin­nungs­lo­sig­kei­ten und psy­cho­ti­schen Zustän­den), eine wei­nen­des Bild besaß und des­we­gen von Besu­chern als Hei­li­ger ange­se­hen wur­de — bis her­aus­kam, dass er seit sei­ner Kind­heit beses­sen war und sich schließ­lich frei­wil­lig einem Exor­zis­mus unter­zie­hen ließ, der ihm sicht­ba­re Bes­se­rung brach­te, aber auf Dau­er die Wun­der been­de­te.

    Bereits 1988 wies Dr. E. Miche­al Jones in sei­nem Buch „Med­jug­or­je — The Untold Stroy“ (in D: „Das Geheim­nis von Med­jug­or­je“, 1992) auf die vehe­men­ten Wider­sprü­che der invol­vier­ten Per­so­nen hin, sowie die enge Ver­knüp­fung mit der Cha­ris­ma­ti­schen Bewe­gung, die damals als „Neu­es Pfing­sten“ der Kir­che gehan­delt wur­de. Im Lau­fe der Zeit kamen auch Ver­mu­tun­gen eines okkul­ten Ursprungs auf, zu denen sich Jones in eini­gen Vor­trä­gen auch äußer­te (sie­he Inter­view-Video unten ab 25:05):
    https://www.youtube.com/watch?v=4DNaBc2C6BQ

    War­um trotz­dem seit Jah­ren die­se Pro­ble­me nicht öffent­lich ange­spro­chen wer­den, kann ich mei­ner­seits nur als schwe­res pasto­ra­les Ver­säum­nis bezeich­nen — vor allem wenn man bedenkt, dass es zu regel­rech­ten inne­ren Spal­tun­gen in Gemein­den allei­ne wegen die­ses stän­dig umgan­ge­nen lei­di­gen The­mas gekom­men ist.

  3. nach dem man in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten des letz­ten Jahr­hun­derts in der Cau­sa nichts unter­nom­men hat son­dern den Orts­bi­schof im Regem stehn hat las­sen scheint die jet­zi­ge Lösung die ein­zig mög­li­che zu sein

  4. Vie­len Dank für die­se pro­fun­de Dar­stel­lung der histo­ri­schen und aktu­el­len Vor­gän­ge!

    Als jemand, der eini­ge Male in Med­jug­or­je war (nicht bloß als Tou­rist), aber auch um man­che Pro­ble­me mit den Bot­schaf­ten weiß, muß ich geste­hen, daß ich auf­grund der kom­ple­xen Sach­la­ge etwas per­plex bin. Die kirch­li­che Auto­ri­tät hat hier noch schwe­re Ent­schei­dun­gen vor sich.

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