Aufrechte Priester – Zeugen der Wahrheit

Ein Kommentar zum Kampf um Priestertum und Zölibat

Aus den Tiefen unserer Herzen – Gedanken zum Kampf um Priestertum und Zölibat.
Aus den Tiefen unserer Herzen – Gedanken zum Kampf um Priestertum und Zölibat.

von einer Katho­li­kin

Des profondeurs de nos coeurs – Aus den Tiefen unserer Herzen

In dem unter die­sem Titel am 15. Janu­ar in Frank­reich erschie­ne­nen Buch schrei­ben zwei treue Prie­ster Chri­sti über die Sakra­li­tät des Prie­ster­tums und den Zöli­bat. Aus den Tie­fen unse­rer Her­zen haben Kar­di­nal Robert Sarah und Bene­dikt XVI. über das geschrie­ben, wozu sie der Herr beru­fen hat.

Was sie nun erle­ben müs­sen, zeigt, wie wich­tig ihr Appell ist. Die Ener­gie, mit der man aus dem Vati­kan her­aus dafür gesorgt hat, daß bei­der gemein­sa­me Autoren­schaft nicht ste­hen­blei­ben kann, rich­tet sich gegen Kar­di­nal Sarahs Glaub­wür­dig­keit auf edi­to­ri­scher Ebe­ne. Es zeigt aber auch, wie unge­le­gen die­se Ver­öf­fent­li­chung ihres Inhal­tes wegen kommt, kurz vor dem Erschei­nen des Schrei­bens von Papst Fran­zis­kus zur Ama­zo­nas­syn­ode.

Wir lei­sten den bei­den Autoren und der Wahr­heit den besten Dienst, wenn wir sie betend dem Herrn anver­trau­en, der Sei­ne Kir­che nicht ver­läßt. Wenn wir auf unse­re Prie­ster schau­en, die uner­schüt­ter­lich für uns wachen ange­sichts der Bedro­hun­gen des Bösen:

„Der Prie­ster soll ein Wachen­der sein. Er soll Wache hal­ten gegen die her­ein­drän­gen­den Mäch­te des Bösen. Er soll die Welt wach­hal­ten für Gott. Er soll ein Ste­hen­der sein: auf­recht gegen­über den Strö­mun­gen der Zeit. Auf­recht in der Wahr­heit.“

(Bene­dikt XVI in sei­nem Buch­bei­trag über den katho­li­schen Prie­ster)

Denn der Teu­fel liebt den Streit, die Schlacht, die Kam­pa­gne. Er spielt die Men­schen gegen­ein­an­der aus. Was Kar­di­nal Sarah am 13. Janu­ar als Reak­ti­on auf  Kri­ti­ker, die ihm eine Lager­bil­dung gegen Papst Fran­zis­kus unter­stell­ten, gesagt hat und mit Brie­fen  beleg­te, wird wenig spä­ter vom Bene­dikt bestrit­ten? Zwei glaub­wür­di­ge Zeu­gen der Wahr­heit des Herrn, die nun ent­zweit wer­den sol­len ?

In sei­nem Com­mu­ni­qué vom 14. Janu­ar gab der Kar­di­nal eine chro­no­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Sta­tio­nen der Zusam­men­ar­beit mit Bene­dikt XVI., mit der er des­sen Koau­toren­schaft bestä­tigt und betont, daß Bene­dikt XVI. am 19.November 2019 das end­gül­ti­ge Manu­skript inklu­si­ve Titel­bild und der frag­li­chen Text­tei­le erhal­ten hat. Es gibt nach wie vor kei­nen Grund, an sei­nen Aus­sa­gen zu zwei­feln.

Kar­di­nal Sarah selbst läßt kei­nen Keil zwi­schen sich und Bene­dikt XVI. trei­ben. Er betont sowohl sei­ne unge­bro­che­ne Ver­bun­den­heit mit ihm als auch sei­nen kind­li­chen Gehor­sam gegen­über dem Papst.

Durch Erz­bi­schof Georg Gäns­wein, Pri­vat­se­kre­tär von Bene­dikt XVI., erfuhr man vom Wunsch des eme­ri­tier­ten Pap­stes, nur als Ver­fas­ser sei­nes eige­nen Text­bei­trags zu Prie­ster­tum und Zöli­bat und nicht als Koau­tor zu fir­mie­ren. Gäns­wein spricht von einem „Miß­ver­ständ­nis“ des Kar­di­nals, ohne die guten Absich­ten des Kar­di­nals in Zwei­fel zu zie­hen. Diplo­ma­ti­sche Ver­söhn­lich­keit? Wenn man nicht einen der bei­den Autoren der Unauf­rich­tig­keit bezich­ti­gen will, wäre das zwar eine Erklä­rung, aber doch eine ziem­lich abwe­gi­ge. Und dann auch noch nur unter der Annah­me, daß nicht hin­ter den Kulis­sen Kräf­te, die Ver­wir­rung schü­ren und Miß­trau­en gegen den Kar­di­nal säen wol­len, auf Bene­dikt zugrei­fen, ein Ver­hal­ten, das sie selbst schon längst den Kon­ser­va­ti­ven und Kar­di­nal Sarah unter­stellt hat­ten. Doch inzwi­schen spricht viel dafür, daß wirk­lich mit allen Mit­teln ver­sucht wur­de, Kar­di­nal Sarah, den unbe­que­men Ver­tei­di­ger der Tra­di­ti­on, mund­tot zu machen, indem man sei­ne Glaub­wür­dig­keit angreift.

Doch das Com­mu­ni­qué des Kar­di­nals ist ganz und gar unmiß­ver­ständ­lich.

Das gilt auch für sei­nen Tweet vom 14. Janu­ar, in dem er Georg Gäns­weins Auf­for­de­rung zur Ent­fer­nung der Koau­toren­schaft nach­kommt:

Con­sidé­rant les polé­mi­ques qu’a pro­vo­qué la paru­ti­on de l’ouvrage Des pro­fon­deurs de nos cœurs, il est déci­dé que l’auteur du liv­re sera pour les publi­ca­ti­ons à venir : Card Sarah, avec la con­tri­bu­ti­on de Benoît XVI. En revan­che, le tex­te com­plet demeu­re abso­lu­ment inch­an­gé. +RS

Der Kar­di­nal tut das ein­zig Rich­ti­ge. Er ent­zieht das wun­der­ba­re und wich­ti­ge Buch der Schlacht und dem zer­stö­re­ri­schen Zugriff der Antiz­ö­li­bats­lob­by und sichert es auch für die Zukunft: pour les publi­ca­ti­ons à venir. In Anbe­tracht der Pole­mi­ken wer­de die Mit­ar­beit Bene­dikts XVI. zukünf­tig nur noch als Ver­fas­ser eines Bei­trags erwähnt. Aber Kar­di­nal Sarah betont bezeich­nen­der­wei­se im sel­ben Atem­zug expli­zit, daß der kom­plet­te Text hin­ge­gen, also auch Vor- und Nach­wort, abso­lut unver­än­dert blei­ben wird. Es geht um den Inhalt des Buches. Nicht um das, was zukünf­tig auf dem Buch­deckel erscheint. Die Wahr­heit ist ihren Fein­den ent­zo­gen. Wir kön­nen sie gera­de lesen.

Die fran­zö­si­sche Tages­zei­tung Le Figa­ro, in der erste Aus­zü­ge aus dem Buch erschie­nen waren, berich­te­te am Abend des 14. Janu­ar, Mon­si­gno­re Georg Gäns­wein habe schrift­lich gegen­über der Zei­tung die offi­zi­el­le Nen­nung Bene­dikts XVI. als Ver­fas­ser eines Bei­trags bestä­tigt. Ein­lei­tung und Schluß  erhiel­ten künf­tig den Hin­weis, von Kar­di­nal Sarah ver­faßt und von Bene­dikt XVI. gele­sen und appro­biert wor­den zu sein. Laut Mon­si­gno­re Gäns­wein sol­le das ver­hin­dern, daß man den­ken kön­ne, es hand­le sich um ein gemein­sam ver­faß­tes Buch. Inter­es­sant wäre es zu wis­sen, wen man denn nicht den­ken las­sen will, daß Bene­dikt XVI. Koau­tor sein könn­te. Muß man ihn schüt­zen? Und wenn, vor wem und war­um? Oder ist es Bene­dikt XVI., der dar­auf Wert legt, nicht Koau­tor zu sein? Doch sein Text über den Zöli­bat des Prie­sters erscheint im Buch. Er läßt sich nicht ver­hin­dern, Erz­bi­schof Gäns­wein bestä­tigt offi­zi­ell die hun­dert­pro­zen­ti­ge Autoren­schaft. Und die­ser „Bei­trag“ ist hun­dert­pro­zen­tig kom­pa­ti­bel mit Kar­di­nal Sarahs Schreib­in­ten­ti­on. Und über­haupt: Wenn Bene­dikt XVI. dar­über­hin­aus nichts mit dem Buch zu tun hät­te, wozu wäre es dann nötig, sei­ne expli­zi­te Zustim­mung zu Ein­lei­tung und Schluß hin­ein­zu­schrei­ben? Die­se Fra­gen darf man sich schon stel­len.

Wid­men wir unser Gebet zwei auf­rech­ten Prie­stern Chri­sti, die wis­sen, daß sie für ihren Mut und ihr auf­rech­tes Ein­ste­hen für die Wahr­heit unse­res Herrn lei­den müs­sen:

„Auf­recht muss der Prie­ster sein, furcht­los und bereit, für den Herrn auch Schlä­ge ein­zu­stecken, wie die Apo­stel­ge­schich­te über die Apo­stel sagt: „Sie freu­ten sich, dass sie gewür­digt wor­den waren, für sei­nen Namen Schmach zu erlei­den.“

 (Bene­dikt XVI. in sei­nem Buch­bei­trag über den katho­li­schen Prie­ster)

Bild: Famillechretienne.fr

2 Kommentare

  1. Ich befürch­te es geht längst um Macht und Mehr­heits­in­terres­sen. Die über­na­tür­li­che Dimen­si­on hat man bereits weit­ge­hend auf­ge­ge­ben, wes­halb auch Bene­dikt XVI.´s und Car­di­nal Sarah´s theo­lo­gi­sche Aus­füh­run­gen für die gegen­wär­ti­ge Kir­che, beson­ders in Deutsch­land, kei­ne Rol­le mehr spie­len. Die Ver­welt­li­chung bestimmt bereits das Han­deln. Ger­ne wür­de ich mich irren.

  2. Es ist klar, daß das Buch und bei­de Autoren dis­kri­mi­niert wer­den sol­len, denn die „Ama­zo­nas­syn­ode“ hat etwas ande­res beschlos­sen, näm­lich die Abschaf­fung des Zöli­bats.
    Anschei­nend war der Zöli­bat schon öfters in der Kir­chen­ge­schich­te ein Stein des Ansto­ßes. Die hl. Hil­de­gard von Bin­gen schrieb dazu, daß ein Prie­ster nur ein­mal ver­hei­ra­tet sein dür­fe und die­se Hei­rat betrifft die Braut Chri­sti, Sei­ne Kir­che. Der Kle­rus läuft wahr­schein­lich zu allen Zei­ten Gefahr, sich selbst zu säku­la­ri­sie­ren. Dahin­ter steckt ein man­geln­der Glau­ben.

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