Viel Verhütung = Viel Abtreibung – auch in Schweden

Über die Verhütungs- und Abtreibungsmentalität



Abtreibung in Schweden trotz massiver Verhütung: Ein Paradox?
Abtreibung in Schweden trotz massiver Verhütung: Ein Paradox?

(Stockholm) In Schweden wurden 2018 nach Angaben des Gesundheitsministeriums fast 36.000 ungeborene Kinder getötet. Das Land zählt knapp mehr als zehn Millionen Einwohner. Die Massentötung geschieht, obwohl das skandinavische Land ein „Verhütungsparadies“ mit verpflichtender Aufklärung, laufenden staatlichen Informationskampagnen und Kondomen und Pillen aller Art und für alle jederzeit leicht erhältlich. Ein Paradox?

Schweden ist auch ein „Abtreibungsparadies“, denn die Liberalisierung der Empfängnisverhütung bedeutet immer auch eine Liberalisierung der Abtreibung, weil dieselben Kräfte mit demselben Denken darauf drängen. In Schweden können Frauen bis zur 18. Schwangerschaftswoche ihr Kind töten lassen, ohne dafür einen Grund angeben zu müssen. Mit Angabe eines Grundes ist es sogar bis zur 22. Schwangerschaftswoche möglich.

Fast 36.000 ungeborene Kinder, die im Mutterleib getötet wurden, bedeuten im Verhältnis zur Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter eine erschreckend hohe Abtreibungsrate von 19 Abtreibungen je 1.000 Frauen. Mehr als die Hälfte der Abtreibungen wurde 2018 innerhalb der 7. Schwangerschaftswoche durchgeführt – in 93 Prozent durch chemische Abtreibung. Die Zahl der Fälle steigt, in denen diese pharmakologische Abtreibung ohne Aufsicht zu Hause durchgeführt wird.

Seit Jahrzehnten wird in Schweden, wenn das Thema Abtreibung thematisiert wird, den Bürgern suggeriert, daß die Tötung eines gezeugten, aber ungewollten Kindes nicht nur legal, sondern auch richtig ist, weil die „Selbstbestimmung der Frau“ ein zivilisatorischer Fortschritt sei. Das Kind wird dabei ausgeblendet. Es muß ausgeblendet werden, denn sonst wäre diese Propaganda nicht möglich. Die Interessen des männlichen Geschlechts, sexuelle Befriedigung ohne Verantwortung, werden gerne hinter einem falschen Feminismus versteckt. Durch Aufstachelung des weiblichen Egoismus, der in Wirklichkeit die ganze Last der Kindestötung auf die Frau abwälzt, wird der Fokus auf niedere Beweggründe umgelenkt, damit das große Wunder des Lebens, das jedes Kind ist, nicht sichtbar wird und keine Beachtung findet.

Um die große Anzahl der Opfer, die in diesem System von Verhütung und Abtreibung auf der Strecke bleiben, kümmert sich auch in Schweden letztlich niemand. Jedenfalls nicht im notwendigen Kontext. Wenn Abtreibung auch nicht formal als Recht definiert ist, hat sich in Schweden eine solche Sicht schleichend durchgesetzt. Nur vereinzelt gibt es Stimmen, die den Genozid an den Ungeborenen anklagen.

Wegen der hohen Abtreibungsrate untersuchte Monick Tello 2015 die Verhütungspraxis im Land. In einer von ihr durchgeführten Erhebung für den Folkhälsomyndigheten (Volksgesundheitsdienst des Gesundheitsministeriums) gaben 89 Prozent der 7.755 befragten, jungen Schwedinnen im Alter von 16–29 Jahren an, „gewohnheitsmäßig sicheren Sex“ zu haben. Von ihnen verwenden 88 Prozent gewohnheitsmäßig ein Präservativ und 47 Prozent die Anti-Baby-Pille.

2017 beschloß die Regierung, daß Mädchen und junge Frauen unter 21 Jahren Hormonspirale und Anti-Baby-Pille kostenlos erhalten. Begründet wurde die Gesetzesänderung mit dem Wunsch, die Abtreibungsrate zu senken. Die Realität ist eine andere: Die schwedische Regierung will offensichtlich keine Geburten. Seit 1967 schrumpft das schwedische Volk mangels Geburten. Lediglich 1990/1991 konnte noch einmal kurzzeitig eine Geburtenrate von 2,1 Kindern je gebärfähiger Frau erreicht werden. Wenn Schwedens Bevölkerung seit 1967 dennoch um 29 Prozent gewachsen ist, dann wegen der höheren Lebenserwartung, die von 74 auf 82 Jahre angestiegen ist, und durch massive Zuwanderung, die ihrerseits zahlreiche neue Probleme mit sich brachte.

Im ersten Quartal 2017 hatten Frauen unter 21 Jahren freien Zugang zu 78.281 Packungen mit hormonellen Verhütungsmitteln. Nach den Statistiken des Gesundheitsministeriums entsprach dies einer Steigerung um 20% gegenüber dem ersten Quartal 2016. Bei Frauen über 22 Jahren stieg der Absatz der „Pille danach“ im Zeitraum 2007–2017 um über 30%.

Trotz des massiven, staatlich geförderten Einsatzes von Verhütungsmitteln bleibt die Anzahl der Abtreibungen sehr hoch.

Die Schlußfolgerungen liegen auf der Hand: In erster Linie muß die Fehlbarkeit von Verhütungsmethoden berücksichtigt werden, die zwar bekannt und dokumentiert ist, aber im Bewußtsein von Generationen kaum Berücksichtigung findet, die mit der Illusion von „sicherem Sex“ aufgewachsen sind. Tatsache ist, wie die Zahlen belegen, daß die jungen Menschen im Glauben gelassen werden, risikolos, sorglos und verantwortungslos Sex haben zu können. Die Überzeugung vor einer Schwangerschaft „geschützt“ zu sein, führt zu einem wenig verantwortungsbewußten Umgang mit der Sexualität sowohl innerhalb fester Beziehungen als auch bei Gelegenheitsbeziehungen. Letztere werden zudem gerade durch die Verhütungsmentalität gefördert.

Eine effektive Wende kann nur ein Ende der Abtreibungs- und der Verhütungsmentalität bringen, doch das wollen die meisten nicht hören.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: folkhalsomyndigheten.se (Screenshot)

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1 Kommentar

  1. „Tötung eines gezeugten, aber ungewollten Kindes“?
    So viel Sexedukation und die Frau weiss nicht, woher ein Kind kommt?
    Sie weiss es und sie will das, was Kinder erzeugt. Kein Kind ist demzufolge dort ungewollt. Was ungewollt ist, ist die Verantwortung fuer eingenes Handeln.

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