Sexueller Mißbrauch: Beschuldigter Priester ist unschuldig

Papst Franziskus hat ihn aber a divinis suspendiert - Parallele zum Fall Pell

Der Priester Jose Antonio Molina wurde von einem staatlichen Gericht rehabilitiert. Von Papst Franziskus wurde er aber „unwiderruflich“ a divinis suspendiert.
Der Priester Jose Antonio Molina wurde von einem staatlichen Gericht rehabilitiert. Von Papst Franziskus wurde er aber „unwiderruflich“ a divinis suspendiert.

(San Sal­va­dor) Nach einem drei­jäh­ri­gen Lei­dens­weg wur­de der sal­va­do­ria­ni­sche Prie­ster Jose Anto­nio Moli­na von einem staat­li­chen Gericht von der Ankla­ge des sexu­el­len Miß­brauchs Min­der­jäh­ri­ger frei­ge­spro­chen. Der Anklä­ger gestand, alles frei erfun­den zu haben, um dem Prie­ster zu scha­den. Papst Fran­zis­kus hat den Prie­ster in der Zwi­schen­zeit aber „unwi­der­r­ruf­lich“ a divi­nis vom Prie­ster­tum sus­pen­diert, was jede Mög­lich­keit, Ein­spruch zu erhe­ben, aus­schließt. Der Fall erin­nert an jenen von Kar­di­nal Pell, der in Austra­li­en im Gefäng­nis sitzt.

Am 1. Novem­ber 2016 wur­de der Prie­ster Jose Anto­nio Moli­na ins Ordi­na­ri­at des Erz­bis­tums San Sal­va­dor zitiert. Ihm wur­de das von Papst Fran­zis­kus unter­zeich­ne­te Dekret vor­ge­legt, mit dem er wegen des Ver­bre­chens der Pädo­phi­lie a divi­nis vom Prie­ster­tum sus­pen­diert wur­de. Sei­ne Ent­schei­dung hat­te Fran­zis­kus für „unwi­der­ruf­lich“ erklärt. Gegen eine Ent­schei­dung einer Kon­gre­ga­ti­on kann Ein­spruch erho­ben wer­den, gegen eine direk­te Ent­schei­dung des Pap­stes nicht.

Drei Jah­re spä­ter erfolg­te nun der Frei­spruch durch ein staat­li­ches Gericht, an das sich der Prie­ster gewandt hat­te. Dar­aus ergibt sich die para­do­xe Situa­ti­on, daß ein Prie­ster im sel­ben Fall von der Kir­che ver­ur­teilt, vom staat­li­chen Gericht aber frei­ge­spro­chen wur­de. Theo­re­tisch wäre das sogar denk­bar, da Kir­che und Staat über eine je eige­ne, unab­hän­gi­ge Gerichts­bar­keit und unter­schied­li­che Rechts­ord­nun­gen ver­fü­gen. Im kon­kre­ten Fall führ­te die Kir­che aller­dings kein eige­nes Ver­fah­ren durch. Papst Fran­zis­kus ver­ur­teil­te den Prie­ster auf der blo­ßen Grund­la­ge der beim zustän­di­gen Bischof ein­ge­gan­gen Anschul­di­gung.

2016 war der Prie­ster von Isaí Erne­sto Men­do­za in einer Ein­ga­be an den Erz­bi­schof von San Sal­va­dor beschul­digt wor­den, ihn zwi­schen 1993 und 1996 sexu­ell miß­braucht zu haben, als er Mini­strant in der Pfar­rei von Don Moli­na war. Die Anzei­ge ent­hielt eine Rei­he von Unge­reimt­hei­ten, weil es zur genann­ten Zeit in der Pfar­rei kei­ne Mini­stran­ten­grup­pe gab und die Fami­lie des damals min­der­jäh­ri­gen Anklä­gers, die einer pro­te­stan­ti­schen Frei­kir­che anhängt, nie zur Pfar­rei gehört zu haben scheint. Weder das Erz­bis­tum San Sal­va­dor noch der Hei­li­ge Stuhl führ­ten eige­ne Ermitt­lun­gen zur Über­prü­fung des Wahr­heits­ge­halts der Anzei­ge durch.

Die päpst­li­che Ent­schei­dung, die am 1. Novem­ber 2016 bekannt wur­de, fand in den sal­va­do­ria­ni­schen Medi­en aber gro­ßes Wohl­wol­len. Die Ver­ur­tei­lung sei ein „Schlag auf den Tisch“, ein kla­res Zei­chen für die „Null­to­le­ranz“, die schnel­le Ver­ur­tei­lung wur­de als „bei­spiel­haft“ gewür­digt. Die Schuld des Prie­sters stand für alle unge­prüft fest. Er war, wie sich nun zeig­te, Opfer einer Vor­ver­ur­tei­lung gewor­den in einem anti­kle­ri­ka­len Kli­ma, das Prie­ster unter einen Gene­ral­ver­dacht stellt.

Da Rom dem Prie­ster kei­ne Mög­lich­keit ließ, sich zu ver­tei­di­gen, blieb ihm nur die Anru­fung der staat­li­chen Gerichts­bar­keit.

Vor Gericht ver­si­cher­te der Prie­ster, sei­nen Anklä­ger nicht zu ken­nen. Die­ser gestand schließ­lich, alles frei erfun­den zu haben. Die Grün­de die­ser Ver­leum­dung blie­ben vage. Woll­te er ein­fach einem oder spe­zi­fisch die­sem Prie­ster scha­den, oder spiel­ten mög­li­cher­wei­se auch locken­de Schmer­zens­geld­zah­lun­gen eine Rol­le? Men­do­za ent­schul­dig­te sich öffent­lich bei Don Moli­na für die Ver­leum­dung und den ihm dadurch ent­stan­de­nen Scha­den.

„Ich möch­te mich öffent­lich für die fal­schen Aus­sa­gen ent­schul­di­gen, die ich gegen­über dem Erz­bi­schof gemacht habe. Alles, was ich gesagt habe, ist falsch.“

Don Moli­na bat die Rich­ter, einen Bericht an den Erz­bi­schof und die Apo­sto­li­sche Nun­tia­tur zu schicken, damit sei­ne Wie­der­zu­las­sung als Prie­ster mög­lich wer­de.

Der Erz­bi­schof sag­te, von Medi­en zu den Aus­wir­kun­gen des Urteils befragt, daß er nicht wis­se, was er sagen sol­le. Das Ver­fah­ren sei von Rom durch­ge­führt wor­den, das Erz­bis­tum habe sich ledig­lich auf das Sam­meln und Wei­ter­lei­ten von Infor­ma­tio­nen beschränkt. Zum Ver­fah­ren in Rom kön­ne er nichts sagen.

Der Fall Moli­na erin­nert an den Fall des austra­li­schen Kar­di­nals Geor­ge Pell, der im ver­gan­ge­nen Früh­jahr auf der Grund­la­ge der Aus­sa­ge sei­nes Anklä­gers zur sechs Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt wur­de. Eine Anschul­di­gung, die auf wacke­li­gen Bei­nen ste­he, wie zahl­rei­che Beob­ach­ter mei­nen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: NBQ

4 Kommentare

  1. Hach, da drängt sich gera­de­zu die Fra­ge auf, ob der Beschul­dig­te ein bra­ver Alt­gläu­bi­ger ist?
    Ich bin Rea­list. Glau­be und Ver­nunft gehö­ren zusam­men. Und ich kann nicht erken­nen, daß unser Papst immer ver­nünf­tig han­delt. Eher ein­sei­tig.

    • Unschul­di­ge Prie­ster wer­den also umge­hend ver­ur­teilt, bestraft und unwi­der­ruf­lich sus­pen­diert, wäh­rend die wah­ren Übel­tä­ter und Kin­der­schän­der immer noch frei her­um­lau­fen, und sogar in wich­ti­ge kirchl. Ämter beför­dert wur­den. Die ber­go­glia­ni­sche Barm­her­zig­keit endet dort wo die Tra­di­ti­on anfängt!

  2. Die Wahr­heit lässt sich nicht bre­chen. Aber alles bricht sich an der Wahr­heit.

    Wenn der Prie­ster Glau­ben hat, wird er gestärkt aus der Sache her­vor­ge­hen.

  3. Es stellt sich hier doch die Fra­ge, wie ist der ange­rich­te­te Scha­den wie­der gut zu machen? Der Scha­den ist sehr groß. Er beginnt mit einer Ent­schul­di­gung bis zur voll­stän­di­gen Wie­der­her­stel­lung des durch ein Fehl­ur­teil geschä­dig­ten Rufes des Prie­sters Jose Anto­nio Moli­na. Das Fehl­ur­teil hat aber auch den Ruf des Pap­stes als letz­te gericht­li­che Insti­tu­ti­on beschä­digt. Nichts wäre fal­scher als zur Nor­ma­li­tät zurück­zu­keh­ren.

Kommentare sind deaktiviert.