Sorge um Vatikanfinanzen – Papst bittet Kardinal Marx um Hilfe

The Wall Street Journal

2018 das Defizit verdoppelt: Die Vatikanfinanzen besorgen Papst Franziskus.
2018 das Defizit verdoppelt: Die Vatikanfinanzen besorgen Papst Franziskus.

(Rom) Papst Fran­zis­kus hat sich schrift­lich an Kar­di­nal Rein­hard Marx gewandt, weil er wegen „der öko­no­mi­schen Zukunft des Hei­li­gen Stuhls“ besorgt ist.

Über den Brief des Kir­chen­ober­haupts an den mäch­ti­gen, deut­schen Kar­di­nal berich­te­te Fran­cis X. Roc­ca, der Vati­ka­nist des Wall Street Jour­nal. Fran­zis­kus habe den Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz ersucht, „alle not­wen­di­gen Mög­lich­kei­ten“ zu stu­die­ren, „um die öko­no­mi­sche Zukunft des Hei­li­gen Stuhls zu sichern“.

An Kar­di­nal Marx wand­te sich der Papst offi­zi­ell aller­dings nicht in sei­ner Funk­ti­on als DBK-Vor­sit­zen­der, son­dern als Kar­di­nal-Koor­di­na­tor des Päpst­li­chen Wirt­schafts­ra­tes. Der Rat wur­de von Fran­zis­kus im März 2014 errich­tet und wird seit­her von Marx gelei­tet. Zudem ist der Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing auch Mit­glied des C9-Kar­di­nal­s­rats, der der­zeit nur mehr sechs Mit­glie­der zählt, die Fran­zis­kus bei der Lei­tung der Welt­kir­che und der Reform der Römi­schen Kurie bera­ten.

Das nun vom Wall Street Jour­nal bekannt­ge­mach­te Schrei­ben von Fran­zis­kus an Marx stammt bereits vom ver­gan­ge­nen Mai. Grund ist das Defi­zit des Hei­li­gen Stuhls, das sich im ver­gan­ge­nen Jahr auf 76,7 Mil­lio­nen Dol­lar ver­dop­pel­te, das ent­spricht rund 70 Mil­lio­nen Euro.

Vor sechs Jah­ren, so die New Yor­ker Wirt­schafts­zei­tung, hat­te Fran­zis­kus ver­spro­chen, die Vati­kan­fi­nan­zen neu zu ord­nen. Den Wor­ten sei­en aber kei­ne wirk­sa­men Taten gefolgt, so Roc­ca. Der Gene­ral­re­vi­sor der Vati­kan­fi­nan­zen, Libe­ro Milo­ne, auch von Fran­zis­kus ernannt, wur­de vor zwei Jah­ren vor die Tür gesetzt. Etwa zur sel­ben Zeit ver­ließ der Prä­fekt des eben­so von Fran­zis­kus errich­te­ten Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats, Kar­di­nal Geor­ge Pell, den Vati­kan – von Fran­zis­kus im Stich gelas­sen. Weder die eine noch die ande­re Posi­ti­on wur­de nach­be­setzt.

Laut dem Wall Street Jour­nal lei­de der Vati­kan an einem Über­schuß an Ange­stell­ten, einem zu gro­ßen Fuhr­park und einer schlech­ten Ver­wal­tung des römi­schen Immo­bi­li­en­be­sit­zes. Zudem wur­de durch den Finanz­skan­dal an einem katho­li­schen Kran­ken­haus ein Finanz­loch geris­sen. Papst Fran­zis­kus woll­te, daß eine US-ame­ri­ka­ni­sche Stif­tung in der Sache ein­springt, was – wegen des Falls McCarrick und ins­ge­samt wegen der Agen­da von Papst Fran­zis­kus – wie­der­um dort zu Span­nun­gen führ­te.

Laut dem Wall Street Jour­nal hat der Hei­li­ge Stuhl die Absicht, im Herbst erst­mals wie­der seit 2015 eine Jah­res­bi­lanz zu ver­öf­fent­li­chen.

Kar­di­nal Marx ist, wie gesagt, vom Papst nicht als Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz akti­viert wor­den. Aller­dings, was sich nicht aus­blen­den läßt, ist die Kir­che in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine rei­che Orts­kir­che, im Ver­gleich zu zahl­rei­chen ande­ren Orts­kir­chen sogar super­reich. Auch die jüngst von ihr ver­öf­fent­lich­ten Zah­len erga­ben, daß die Kir­chen­steu­er­ein­nah­men trotz anhal­ten­der Kir­chen­aus­trit­te einen neu­en Rekord erreicht haben.

Auf­merk­sa­me Beob­ach­ter regi­strie­ren, daß immer Geld im Spiel ist, wenn Kar­di­nal Marx auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne Erwäh­nung fin­det. Nicht nur in Rom sehen man­che eine Gefahr dar­in, den Hei­li­gen Stuhl von deut­schem Geld abhän­gig zu machen. Der dar­aus erwach­sen­de Ein­fluß zei­tig­te in Ver­gan­gen­heit nicht über­all posi­ti­ve Fol­gen wie die Vor­be­rei­tun­gen zur bevor­ste­hen­den Ama­zo­nas­syn­ode zei­gen, die vor allem Bra­si­li­en betrifft. Bra­si­li­en ist auch das zah­len­mä­ßig weit­aus bedeu­tend­ste Land, in des­sen Orts­kir­che seit Jahr­zehn­ten wie kaum in eine ande­re deut­sches Geld geflos­sen ist, und die seit Jahr­zehn­ten am mas­siv­sten befrei­ungs­theo­lo­gisch unter­wan­dert ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: The Wall Street Jour­nal (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. War­um den einfluss-„reichen“ deut­schen Kar­di­nal denn nicht um Hil­fe bit­ten, wenn es sein muss auch um Hil­fe finan­zi­el­ler Art. Wäscht nicht eine Hand die ande­re (deut­sche Rede­wen­dung)?

  2. Laut dem Wall Street Jour­nal lei­de der Vati­kan an einem Über­schuß an Ange­stell­ten, einem zu gro­ßen Fuhr­park und einer schlech­ten Ver­wal­tung des römi­schen Immo­bi­li­en­be­sit­zes. Zudem wur­de durch den Finanz­skan­dal an einem katho­li­schen Kran­ken­haus ein Finanz­loch geris­sen.
    Da ist wohl Kar­di­nal Marx der fal­sche Exper­te, hat er doch eben­so einen Über­schuß an Ange­stell­ten, einen zu gro­ßen Fuhr­park und ver­schwen­det Gel­der auch für den römi­schen Immo­bi­li­en­be­sitz.
    Papst Fran­zis­kus woll­te, daß eine US-ame­ri­ka­ni­sche Stif­tung in der Sache ein­springt, was – wegen des Falls McCarrick und ins­ge­samt wegen der Agen­da von Papst Fran­zis­kus – wie­der­um dort zu Span­nun­gen führ­te.
    Hof­fent­lich zahlt die Stif­tung kei­nen Cent mehr und hof­fent­lich spen­den die Katho­li­ken nichts, rein gar nichts mehr als Peters­pfen­nig.
    Will der Papst gar Geld für sei­ne 76 Mil­lio­nen Schul­den (sind denn der­ar­ti­ge Schul­den christ­lich)? Dann wäre doch eine Anfra­ge bei Kar­di­nal Mara­dia­ga bes­ser, viel­leicht hat der ja noch nicht alles in Lon­don ver­spe­ku­liert.
    Geld von den rei­chen Deut­schen? Kar­di­nal Marx kann den Kir­chen­steu­er­satz für sein Bis­tum erhö­hen, viel­leicht auf 20%? Aller­dings gebe ich zu beden­ken, dass die deut­sche Wirt­schaft gera­de zer­stört wird und der deut­sche Steu­er­zah­ler, nun ja schon als Sozi­al­amt für die gan­ze Welt in Anspruch genom­men wird — da bleibt für Rom nichts mehr.
    Ich emp­feh­le, Libe­ro Milo­ne und Kar­di­nal Geor­ge Pell wie­der arbei­ten zu las­sen, aber die finan­zi­el­le Wahr­heit soll wohl nicht ans Tages­licht kom­men.

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