Das neue Symbol der Lebensrechtsbewegung

„Katholiken dürfen keine Parteien und Politiker wählen, die für Abtreibung sind“

Leandro Rodriguez Lastra wurde das Opfer der Abtreibungsmentalität, nun wird er zu einem Symbol der Lebensrechtsbewegung Argentiniens.
Leandro Rodriguez Lastra wurde das Opfer der Abtreibungsmentalität, nun wird er zu einem Symbol der Lebensrechtsbewegung Argentiniens.

(Bue­nos Aires) Bei Wah­len für Abtrei­bungs­po­li­ti­ker zu stim­men, ist „eine schwe­re Sün­de“, so Erz­bi­schof Hec­tor Ruben Aguer, eme­ri­tier­ter Erz­bi­schof von La Pla­ta und vie­le Jah­re der Gegen­spie­ler von Jor­ge Mario Ber­go­glio im argen­ti­ni­schen Epi­sko­pat. Der Justiz­fall Lean­dro Rodri­guez Lastra macht aus dem Frau­en­arzt ein neu­es Sym­bol der Lebens­rechts­be­we­gung in Latein­ame­ri­ka.

Erz­bi­schof Aguer mel­det sich auch als Eme­ri­tus zu Wort und sagt, was ande­re Bischö­fe nicht sagen. In sei­ner Sen­dung „Cla­ves para un Mun­do Mejor“ (Schlüs­sel für eine bes­se­re Welt) im Fern­seh­sen­der Canal 9, sag­te der Erz­bi­schof, daß Katho­li­ken mit ihrer Stim­me als Wäh­ler sorg­sam und mit gro­ßem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein umge­hen müß­ten.

„Die Hal­tung eines Poli­ti­kers zur Abtrei­bung ist eines der wich­tig­sten The­men, die dabei berück­sich­tigt wer­den müs­sen.“

Msgr. Aguer wur­de noch deut­li­cher:

„Für einen Abtrei­bungs­kan­di­da­ten oder eine Par­tei zu stim­men, die in ihrem Pro­gramm oder ihren Zie­len die Abtrei­bung ent­hal­ten hat, ist eine schwe­re Sün­de. Das ist so, weil wir uns dadurch zu Kom­pli­zen machen. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat die Abtrei­bung zu einem ‚abscheu­li­chen Ver­bre­chen‘ erklärt. Wir machen uns zu Kom­pli­zen, wenn wir für Leu­te stim­men, die ein Gesetz beschlie­ßen wol­len, daß die Abtrei­bung erleich­tert oder die­ses abscheu­li­chen Ver­bre­chen lega­li­siert.“

Argen­ti­ni­en wählt am kom­men­den 27. Okto­ber einen neu­en Staats­prä­si­den­ten, der zugleich das Amt des Regie­rungs­chefs inne­hat, eben­so die Hälf­te der Sit­ze des Unter­hau­ses und ein Drit­tel der Sena­to­ren.

Erz­bi­schof Aguer:

„Wir dür­fen nicht für Par­tei­en oder Kan­di­da­ten stim­men, die sich für die Abtrei­bung aus­ge­spro­chen haben. Wir haben uns zu infor­mie­ren und von den Kan­di­da­ten und Par­tei­en eine Stel­lung­nah­me zu ver­lan­gen, wie sie zur Abtrei­bung ste­hen, und wenn wir es wis­sen, haben wir ent­spre­chend über unse­re Stimm­ab­ga­be zu ent­schei­den.“

Der ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von La Pla­ta, dem zweit­wich­tig­sten Bischofs­sitz von Argen­ti­ni­en, ver­weist in sei­ner Stel­lung­nah­me auf kon­kre­te Gefah­ren einer Ein­schrän­kung der Gewis­sens­frei­heit. Wozu die Abtrei­bungs­be­für­wor­ter fähig sei­en, zei­ge der Fall des Arz­tes Lean­dro Rodri­guez Lastra, so Msgr. Aguer:

„Ihm wur­de der Pro­zeß gemacht, weil er zwei Leben geret­tet hat: das Leben der Mut­ter und das Leben des Kin­des, indem er als Arzt sei­ne Pflicht tat… Man will das Recht auf Ver­wei­ge­rung aus Gewis­sens­grün­den aus­schal­ten.“

Der Fall Leandro Rodriguez Lastra

Der Frau­en­arzt Rodri­guez Lastra, Lei­ter der gynä­ko­lo­gi­schen Abtei­lung am Hospi­tal de Cipol­let­ti, hat­te sich 2017 gewei­gert, die Tötung eines unge­bo­re­nen Kin­des durch­zu­füh­ren. Eine 19-Jäh­ri­ge hat­te ihn ange­zeigt, eine Abtrei­bung abge­lehnt zu haben, nach­dem sie Opfer einer Ver­ge­wal­ti­gung gewor­den sei. In Argen­ti­ni­en schei­ter­te vor einem Jahr der Ver­such, die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der zu lega­li­sie­ren. Nach einer Ver­ge­wal­ti­gung erlaubt das argen­ti­ni­sche Recht aller­dings die Abtrei­bung. Lastra ver­lang­te ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten, das die Schwan­ge­re ver­wei­ger­te. Das Kind kam zur Welt und wur­de zur Adop­ti­on frei­ge­ge­ben. Die jun­ge Frau erstat­te­te Anzei­ge gegen den Arzt, weil sie durch sei­ne Ableh­nung gezwun­gen gewe­sen sei, das Kind zur Welt zu brin­gen. Des­halb habe sie einen „irrepa­ra­blen, psy­chi­schen Scha­den“ erlit­ten, lei­de an Mager­sucht und habe Selbst­mord­ge­dan­ken.

Lastra wur­de am ver­gan­ge­nen 18. Mai von Rich­ter Álva­ro Meynet in Rio Negro wegen „Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten als Amts­per­son“ ver­ur­teilt. Vor Gericht hat­te sich der Arzt mit den Wor­ten ver­tei­digt:

„Kin­der zu töten, ist nicht mei­ne Arbeit.“

Das gegen ihn ver­häng­te Straf­maß wird erst im Juli bekannt­ge­ge­ben. Es kann bis zu zwei Jah­ren Gefäng­nis, ein vor­über­ge­hen­des Arbeits­ver­bot oder sei­ne Ent­las­sung bedeu­ten. Für den Gynä­ko­lo­gen fin­den der­zeit in Argen­ti­ni­en Soli­da­ri­täts­kund­ge­bun­gen statt unter dem Mot­to:

„Leben ret­ten ist kein Ver­bre­chen“.

Lean­dro Rodrí­guez Lastra ließ sich vor­über­ge­hend vom Kran­ken­haus beur­lau­ben und trat seit­her wie­der­holt in der Öffent­lich­keit als Red­ner bei Lebens­rechts­kund­ge­bun­gen auf, die unter dem Mot­to „Mas vida“ (Mehr Leben) ste­hen.

Die Abtrei­bungs­lob­by schäumt über das Bekennt­nis des Arz­tes. Die Ver­tei­di­gung des Lebens ist ihr ein Ärger­nis. Femi­ni­sti­sche Orga­ni­sa­tio­nen und Links­par­tei­en haben neue Ermitt­lun­gen gegen Rodri­guez Lastra gefor­dert, um „mög­li­che Irre­gu­la­ri­tä­ten“ durch sei­ne Auf­trit­te bei Lebens­rechts­kund­ge­bun­gen zu klä­ren. Mit ande­ren Wor­ten, man möch­te ihn mund­tot machen.

Weil Lean­dro Rodri­guez Lastra sei­ne Ver­ur­tei­lung nicht still­schwei­gend hin­nimmt, wie es die Abtrei­bungs­lob­by ger­ne hät­te, ist er drauf und dran „zu einem ethi­schen und mora­li­schen Sym­bol in Latein­ame­ri­ka“ zu wer­den, so Reli­gi­on en Liber­tad. Den Grund dafür nennt Fer­nan­do Sacin, Vor­sit­zen­der der Ver­ei­ni­gung Ärz­te für das Leben in Argen­ti­ni­en:

„Das ist das erste Mal in der Geschich­te Argen­ti­ni­ens, daß jemand ver­ur­teilt wur­de, weil er ein Leben geret­tet hat.“

Durch sei­ne Fern­seh­in­ter­views, Auf­trit­te in Dis­kus­sio­nen, bei Kund­ge­bun­gen und öffent­li­chen Debat­ten wur­de Rodri­guez Lastra zu einem Pro-Life-Sym­bol.

„Medi­zin­stu­den­ten las­sen sich mit ihm foto­gra­fie­ren und machen Sel­fies mit dem Arzt und Hun­der­te von Ärz­ten zie­hen ihre wei­ßen Kit­tel an und gehen damit auf die Stra­ßen, um ihn zu unter­stüt­zen“, so Reli­gi­on en Liber­tad.

Die Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wah­len wer­den auch dar­über ent­schei­den, ob in Argen­ti­ni­en das Lebens­recht unge­bo­re­ner Kin­der wei­ter­hin geschützt sein wird.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Reli­gi­on en Liber­tad

2 Kommentare

  1. Sehr komi­scher, gera­de­zu absurd klin­gen­der Fall: Die Frau ver­wei­gert ein psy­cho­lo­gi­ches Gut­ach­ten, bekommt das Kind und klagt dann den Arzt an?

    Ich mei­ne, wenn sie schon ‚mit schein­bar gutem Gewis­sen‘ häte abtrei­ben wol­len, hät­te sie dann nicht auch zu einem ande­ren Arzt in ein ande­res Kran­ken­haus gehen kön­nen?

    Dis­ku­tiert wur­de ja, ob die ein­zig zuläs­si­ge Indi­ka­ti­on der Ver­ge­wal­ti­gung nicht ein­fach vor­ge­scho­ben war, um sich aus der unge­woll­ten Schwan­ger­schaft zu befrei­en.

    • Wir ken­nen natür­lich nicht die gan­ze Vor­ge­schich­te.
      Viel­leicht war die­ser Arzt ja schon als Unter­stüt­zer der Lebens­rechts­be­we­gung bekannt (indem er zum Bei­spiel an Kund­ge­bun­gen teil­ge­nom­men hat — als Arzt ist er ja vom Fach und wird folg­lich von wan­kel­mü­ti­gen als kom­pe­tent wahr­ge­nom­men, oder er hat schon mehr­mals Abtrei­bun­gen ver­wei­gert — viel­leicht auch bei­des) und er soll­te ein­fach mund­tot gemacht wer­den.
      Also schickt man eine ent­spre­chend „geimpf­te“ Frau vor und hat dann eine Kron­zeu­gin gegen die­sen Arzt.
      Dann muß man nur noch den rich­ti­gen Rich­ter raus­su­chen und schon hat man das gewünsch­te Ergeb­nis.
      Die­je­ni­gen die all das steu­ern sind sehr mäch­tig und haben lei­der die Fäden an der Hand, aber nur auf die­ser Welt.
      In der jen­sei­ti­gen Welt dürf­ten denen die­se „Fäden“ recht schnell ent­glei­ten.

      Natür­lich müs­sen sämt­li­che Aktio­nen der Lebens­rechts­be­we­gun­gen durch viel Gebet mit­ge­tra­gen wer­den,
      anson­sten ver­pufft alles mit der Zeit.
      Ohne Gott geht halt nichts (auf Dau­er).

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