Hartmut gegen Ahrimann – Die Burschenschaften zwischen Konservativismus und Revolution












Proudhon: Revolution und Staatsstreich. Der neue Roman „Hartmut gegen Ahrimann“ von S. Coell (Norbert Nemeth) mit aktuellen Bezügen zur Regierungskrise in Österreich.

Von Wolfram Schrems*

FPÖ-Klubdirektor Norbert Nemeth legte wiederum einen historischen Roman vor. Es geht um Burschenschaften, den Frühkommunismus und den katholischen Staatsdenker Donoso Cortés. Die Handlung spielt im Winter 1852/53, also kurz nach der „bürgerlichen Revolution“. Der Roman ist angesichts der derzeitigen freiheitlichen Turbulenzen von einiger Relevanz für die Gegenwart. Da er grundsätzliche Themen im Spannungsfeld zwischen Revolution, „Reaktion“ und Restauration aufreißt, ist er für geistesgeschichtlich interessierte Katholiken eine anregende Lektüre. – Mit einem P.S. aus aktuellem Anlaß.

Er ist nach Im Schatten des Gracchus und Die Karlsbadverschwörung der dritte Roman des Autors. Er ist wie die beiden älteren lesenswert.

Die Handlung: Spanischer Katholik kritisiert die Revolution und trifft auf revolutionär-konservative Burschenschafter

Der gewesene spanische Gesandte in Berlin, der Marquis Juan Francisco María de la Salud Donoso Cortés, geboren 1809, Vordenker der katholischen Gegenrevolution, hatte in einer Rede auf Einladung des konservativen Sachsenvereins im Dresdner Hoftheater die frühkommunistischen und antichristlichen revolutionären Umtriebe kritisiert und dabei deren Protagonisten Pierre-Joseph Proudhon („Eigentum ist Diebstahl“), ebenfalls Jahrgang 1809, als „Dämon“ bezeichnet. Ein Rechtsanwalt namens Doktor Arnold Ahrimann will in Vertretung Proudhons auf Widerruf „in allen wichtigen Journalen und Zeitungen Sachsens“ und 500 Taler Entschädigung (das Jahreseinkommen eines Arbeiters) klagen.

Cortés wird durch Doktor Hanns Hartmut, einen Alten Herren der Dresdener Burschenschaft Dresdensia, vertreten. Bei der mündlichen Verhandlung, die Richter Popper auf einen (bereits im voraus vorbereiteten) Vergleich entscheidet, tritt Ahrimann kalkuliert dreist und provozierend auf.

Hartmut läßt sich nach der Verhandlung zu einer Beleidigung („dummer Junge“) hinreißen. Nach geltendem Ehrencodex kann der Beleidigte ein Duell fordern. Ein Ehrengericht muß sich allerdings nach einem genau geregelten Comment mit der Sache befassen und zunächst eine gütliche Einigung anregen. Scheitert diese, muß der Beleidiger das Duell, dessen Modalitäten der Beleidigte bestimmt, akzeptieren.

Die Dinge nehmen ihren Lauf und es scheint zum Duell zu kommen, bei dem Hartmut aufgrund der für ihn ungünstigen Modalitäten nur der Verlierer sein kann. Denn der erste Schuß beim Pistolenduell steht dem Beleidigten zu.

Donoso Cortés deutet bei seinem Abschied aus Deutschland seinem Rechtsanwalt Hartmut an, daß Ahrimann „in einen Kommunenskandal“ verwickelt sein könnte. Es sei möglicherweise „zu Verbrechen wider Anstand und Sitte gekommen“. Könnte man also nachweisen, daß Ahrimann selbst ein Verbrechen begangen hat und damit unehrenhaft ist, wird das Duell abgesagt.

Leider könne er nicht sagen, wo genau das gewesen sein soll. Er habe nur gehört „in Ikarien“, das „nirgendwo und überall“ liege.

Hartmuts Kanzleimitarbeiter und Bundesbruder Egon Zweyer, ein erfahrener Fechter von Mensuren und im betreffenden Semester Consenior der Dresdensia, macht sich auf die Suche nach „Ikarien“, nachdem der Ehrenprozeß statutengemäß für einen Monat unterbrochen wird.

Zweyer wendet sich an den bestens informierten „Trödler-Juden“ Gideon. Gegen eine ordentliche Summe bringt Gideon den Suchenden auf die richtige Spur:

Die Reise nach Ikarien ist eine kommunistische Utopie des Frühkommunisten Étienne Cabet aus dem Jahr 1839. Abschaffung des Privateigentums, des Erbrechts, der Familie und des Christentums sind die Mittel, um die angestrebte vollkommene Gleichheit zu erreichen und die Menschen „in ihren glücklichen Naturzustand [zurückzuführen]“.

Nach diesem Muster wurde in einem Ort mit dem sprechenden Namen Gleichenstein eine Kommune errichtet, in die Egon Zweyer als vorgeblicher Interessent einsickert.

An diesem bizarren Ort gelangt er auf die Spur Ahrimanns, der dort „Erziehungsleiter“ gewesen war.

Rebellen werden von dem diktatorisch herrschenden Triumvirat, ein reines „Provisorium“ aus Praktikabilitätsgründen vor der angestrebten Herstellung der vollkommenen Gleichheit, in ein Loch geworfen, „das so tief ist, daß man den Grund nicht sieht“.

Es gelingt Zweyer den photographischen Beweis dafür sicherzustellen, daß Ahrimann in seiner Zeit in Gleichenstein als Kinderschänder aktiv gewesen ist, und kann fliehen. Er bringt den Beweis zum Vorsitzenden des Ehrengerichts, der am darauffolgenden Tag das gesamte Ehrengericht informieren und aufgrund der kompromittierenden Fakten das Duell absagen soll. In der Nacht erfolgt jedoch ein Brandanschlag auf die Villa des Vorsitzenden, der dabei umkommt. Die belastende Photographie ist weg. Das Duell muß steigen. Ahrimann erschießt dabei erwartungsgemäß Hartmut. Aus Rache erschießt Zweyer Ahrimann und wird für diesen Mord gehängt.

Die Handlung endet mit einer Art von Jüngstem Gericht über die Seele Zweyers und dem Convent der Burschenschaft Dresdensia, die das Austrittsgesuch Zweyers post mortem ablehnt.

Welche Inhalte des spannend geschriebenen und ideengeschichtlich interessanten Romans sind für die heutige Leserschaft von besonderer Relevanz? Dazu drei kurze Gedanken.

Die Revolution bringt keine Freiheit, sondern Versklavung und Terror

Der Autor läßt Donoso Cortés zu Wort kommen, der das parlamentarische System kritisiert und ihm vorwirft, dem Totalitarismus zuzuarbeiten:

„Die Paulskirche? Was hat die Paulskirche den Deutschen gebracht? Nada! Die Deutschen haben die Freiheit wie eine Göttin in diesem Kirchenparlament verehrt und sie dann wie eine Hure in einer Schenke sterben lassen. (…) Doch darf uns dieses Schicksal, das die Deutschen ihrem ersten gesamtdeutschen parlamento bescherten, nicht verwundern, denn der Parlamentarismus kann nichts anderes sein als ein institutionalisiertes Mittelmaß,  zumal die konstitutionelle Monarchie nichts anderes ist als der Inbegriff der Spaltung der von Gott abgeleiteten Staatsgewalt und somit Teil einer negativen Zivilisation.“

Donoso Cortés weiß, daß hinter jeder politischen Frage letztlich eine theologische steckt (und der Autor weiß es auch):

„Ja, diese negative Zivilisation wird sterben, wenn ein Mann kommt, der bejahen und verneinen kann. Denn genau das kann diese classe discutidora nicht! Unentschieden sitzt sie auf einer großen sierra, einem Vorgebirge zwischen zwei Meeren: dem sozialistischen und dem katholischen. Stünde sie vor der (…) Frage Jesus oder Barabbas, wäre von ihr nicht mehr zu erwarten als ein parlamentarischer Vertagungsantrag“ (41).

Und:

„Der Ursprung des Parlamentarismus ist der Geist der Revolution: Er will die Freiheit aus der Gleichheit ableiten, doch dabei übersieht der Parlamentarismus, dass, wenn dereinst alle gleich sind, niemand mehr frei sein wird“ (42).

Sehr aufschlußreich sind dann die Reflexionen über die Strategie des Satans, die Worte der Schrift gegen den Glauben ins Treffen zu führen. Die „atheistische Schule“ beruhe auf der Verneinung von Eigentum, Staat und Gott und gibt sich als neues Christentum aus (43).

Die Kommune Gleichenstein, im Roman ein Hybrid aus Gulag und kinderschänderischer Mühl-Kommune, ist kein Hort der Freiheit und kann es auch gar nicht sein. Der Kommunismus stieß historisch in ein laues System hinein, das nach Donoso Cortés „unfähig ist, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden“ (42).

Wie wir sehen, trifft auch der heutige Kommunismus, eine Mischung aus Antifa-Terror und Brüsseler Kommissarsbürokratie, auf eine unentschiedene und feige Bürgerlichkeit.

Es ist durchaus bemerkenswert, daß der Autor, selbst Burschenschafter, den katholischen „Reaktionär“ so ausführlich zu Wort kommen läßt.

Die Burschenschaft ist zwar antikommunistisch und lehnt die Wahnideen Proudhons und seiner Epigonen ab, unter anderem die Abschaffung von Ehe und Familie. Sie hatte aber noch wenige Jahre vor dem Zeitpunkt der Handlung des Romans selbst revolutionär gehandelt. Ist sie also gar nicht „konservativ“ – trotz der von ihr behaupteten „Wahrung des konservativen Prinzips“ durch die Mensur? Man grenzt sich gegen die Jakobiner ab, aber auch gegen die „Reaktion“. Sind „Reaktion“ und „Revolution“ möglicherweise falsche Alternativen und die Wahrheit liegt woanders? (Hat der Wiener Kongreß allenfalls einen schweren Fehler begangen, als er das Reich nicht wiederherstellte sondern den Metternichschen Polizeistaat im spätjosephinischen Staatskirchentum erschuf?)

Sind die Burschenschaften eventuell „revolutionär-konservativ“? Was natürlich einen Widerspruch in sich selbst darstellt.

Oder sind sie „gegenrevolutionär“? Oder Protagonisten einer „konservativen Revolution“ (wie man eine nationale und anti-nationalsozialistische Strömung im Deutschland der 20er und 30er Jahre nennt)?

Gibt es hier eine systemische Identitätskrise?

Abschaffung des Rechtssystems mit Hilfe des Rechtssystems

Äußerst bemerkenswert ist die Szene, in der Hartmut gegenüber dem Richter Popper die Legitimität der Klage eines Anarchisten wie Proudhon bestreitet:

„Euer Ehren, im Grunde stellt sich doch die Frage, ob einer wie dieser Proudhon, der, wie Ihr wisst, ein bekennender Anarchist ist, ein ordentliches Gericht überhaupt anrufen darf. Dürfen diejenigen, die den Staat – und damit sind alle Staaten gemeint – abschaffen wollen, staatliche Hilfe in Anspruch nehmen?“ (48)

Das ist angesichts der Umtriebe von islamischen Lobbygruppen, die eingestandenermaßen das Gesellschaftssystem ändern wollen und sich etwa vor österreichischen Gerichten Rechte erstreiten, eine hochaktuelle Frage: Gerade dieser Tage verurteilte ein österreichisches Gericht einen österreichischen Islamkritiker auf die Klage eines islamischen Aktivisten hin.

Der Autor hat hier einen sehr wichtigen Punkt angesprochen.

Doch wird er von der FPÖ auch in der Tagespolitik entsprechend berücksichtigt?

Damit zu einer kritischen Anmerkung:

Freiheitliche, Burschenschafter und Identitäre

Zwischen der Präsentation des Buches am 16. Jänner, dem 50. Geburtstag des Autors, in Anwesenheit der FPÖ-Führung im Palais Epstein und der Verfassung dieser Besprechung liegt die panische Distanzierung der FPÖ von der Identitären Bewegung.

Diese Distanzierung vernichtet die eigene Glaubwürdigkeit. Sie widerspricht den Überzeugungen der burschenschaftlichen Urväter des später so genannten „Dritten Lagers“, das sich bekanntlich aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon und später aus dem Kampf gegen die Metternichsche Politik herausbildete. Die Parallele zwischen historischer Burschenschaft und zeitgenössischer Identitärer Bewegung ist nicht perfekt, aber es gibt eine starke Analogie: Die Identitären wollen den Erhalt und die Wohlfahrt der Heimat und kämpfen gegen Meinungsterror und Zensur – wie die damalige Burschenschaft.

Man kann nicht junge Aktivisten attackieren, die im Prinzip das vertreten, was man von seinen Wurzeln her selbst vertritt, und gleichzeitig glaubwürdig bleiben.

Von daher wirft das Buch ein eigenartiges Licht auf eine Partei, deren Vorväter sich Patriotismus und Antikommunismus auf die Fahnen schrieben, sich aber von real existierenden Patrioten panisch distanzieren, auch wenn sich diese sogar nach den Maßstäben der derzeitigen Politjustiz außer zwei Bagatelldelikten nichts zuschulden kommen ließen.

Das nur als kritische Anmerkung.

Alle diese Vorgänge liegen aufgrund der Zuständigkeiten des Autors natürlich nicht in dessen Verantwortungsbereich.

Resümee

Norbert Nemeth hatte sich wiederum gründlich in die Geistesgeschichte der von ihm behandelten Epoche eingearbeitet.

Trotz grundsätzlich positiver Einstellung zur Burschenschaft glorifiziert er das konkrete Verhalten von Burschenschaftern nicht, was etwa in der Darstellung der Attacke Zweyers auf den kommunistischen Fahnenräuber, der schon schwer gezeichnet am Boden liegt, zum Ausdruck kommt (18). Übermäßiger Alkoholkonsum und ehebrecherische Liebschaften sind ebenfalls kein Ruhmesblatt des Protagonisten. Insofern betreibt der Autor keine billige Propaganda.

Seine Darstellung einer katholischen Messe und einer katholischen Kanzelrede ist wohlwollend, wenn sachlich auch nicht ganz akkurat. Zur Zeit der Handlung gab es keine Abendmessen, die Bibel liegt nicht geöffnet auf der Kanzel.

Darauf, daß das Gericht Gottes über die Seele gleichsam mit einem oder zwei zugedrückten Augen durchgeführt wird, würde ich mich nicht verlassen.

Ansonsten sind Handlung und Reflexionen der Konsultation wert. Zu Donoso Cortés und Pierre-Joseph Proudhon hätte es gerne noch mehr sein können.

Vielleicht finden die Politiker des „Dritten Lagers“ bei Donoso Cortés noch Orientierungen und Ermutigungen für ihr weiteres Wirken.

Ein P. S. aus aktuellem Anlaß

Mittlerweile wurde eine Kampagnenbombe ungeahnten Ausmaßes gegen die FPÖ gezündet, deren Detonation das gesamte Land in Mitleidenschaft zieht. Die Folgen sind nicht absehbar. Ein kritikwürdiges, aber nach Juristenaussagen strafrechtlich höchstwahrscheinlich irrelevantes Verhalten von Parteichef HC Strache und Klubobmann Johann Gudenus, das vor zwei Jahren unter Mitwirkung von agents provocateurs geheim gefilmt worden war, wurde – allerdings in nur wenigen, sorgfältig ausgewählten Ausschnitten – just vor der Europawahl an deutsche Medien gespielt.

Klarerweise setzt eine dermaßen langfristig und bestens koordinierte Aktion, bis hin zu den schnell einsetzenden Demonstrationen der üblichen Verdächtigen vor dem Bundeskanzleramt, einen mächtigen und diskreten Akteur voraus, also das, was man den Tiefen Staat nennt.

Leider haben die beiden freiheitlichen Politiker aufgrund persönlicher Schwächen eine Angriffsfläche geboten. Damit ähneln sie der Romanfigur Egon Zweyer.

Wenn man das Buch also auf dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse liest, wird man es als Aufruf zu persönlicher Untadeligkeit als Voraussetzung für erfolgreiches politisches Wirken verstehen können. Was die Machinationen der kryptokommunistischen Mächte in den Eingeweiden der EU-Bürokratie betrifft, wird man es als Warnung vor Diktatur und Totalitarismus verstehen können. Wobei die Anweisungen von Donoso Cortés zur Errichtung eines Staatswesens in Wahrheit und Freiheit durchaus hilfreich sind.

Und im übrigen sollte sich die FPÖ überlegen, ob ihr Klubdirektor nicht auch in einem politischen Amt einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung Österreichs leisten könnte.

Hartmut gegen Ahrimann, Roman von S. Coell, „Zur Zeit“ – Edition Band 30, W3 Verlagsges. m. b. H., Wien 2018

*Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Lebensschützer, seit längerem politisch und metapolitisch interessiert

Bild: Wikicommons

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4 Kommentare

  1. Cortes’ These halte ich für richtig: Ein System, in dem Freiheit aus Gleichheit abgeleitet wird, führt zu Unfreiheit. Aber diese Herleitung gilt nicht für die Anhänger der parlamentarischen Demokratie oder Monarchie, sondern für die Totalitaristen jeglicher Herkunft, anfangend mit den Jakobinern. Cortes rückt das 1848er Paulskirchenparlament fälschlich in die Nähe der Jakobiner, wenn er die damals aufgestellten Verfassungsprinzipien der freiheitlichen Grundrechte als „Göttin“ und „Hure“ jenes „Kirchenparlaments“ hinstellt. Der Schlüssel zu Cortes’ politischer Philosophie besteht aber wohl darin, dass er die (uneingeschränkte) monarchische Staatsmacht als „von Gott abgeleitete Staatsgewalt“ ansieht. Nach klassischer kath. Lehre von Thomas bis in die Spätscholastik ist der Staat ein naturrechtliches Gebilde.

  2. Wenn der Roman so spannend zu lesen ist wie die Besprechung, kann man sich auf das Buch nur freuen. Vielen Dank an den Rezensenten und mit Vorschusslorbeeren an den Autor für diese geistesgeschichtlichen Einblicke im Gewand eines literarischen Narrativs. Alle handelnden Strömungen existieren noch heute: Dort sollte man das Buch auch lesen und reflektieren.

  3. Mit einigem Befremden habe ich gelesen, das der Autor selbst Burschenschafter sei. Deshalb – aus dem Text von Schrems entnommene Bezeichnungen – die gravierendsten „Fehler“ hier: 1.) In der damaligen Zeit hatte eine Burschenschaft mit absoluter Sicherheit keinen Senior, Consenior o.ä. (sondern einen Sprecher, einen Ko-Sprecher etc…) 2.) für eine Dresdener Burschenschaft existierte kein „konservatives“ Prinzip, das ist ein Sonderweg, wie er in der „Altmark“ entstanden ist. 3.) Pistolenduelle wurden stets in beiderseitigem Einverständnis ausgemacht: Der Beleidigte durfte zwar die eine Hälfte des Comments (das Regelwerk) bestimmen und tat den ersten Schuss, der Beleidiger jedoch konnte die zweite Hälfte des Comments bestimmen und musste den Bedingungen des Beleidigten zustimmen (die niemals vom Ehrengericht akzeptiert worden wären, wenn sie die Chancen nicht pari-pari verteilten (!)) – tat er das nicht hatte das den Verlust seiner Ehre zur Folge. Die konnte jedoch durch ein vergleichbares Duell wieder hergestellt werden… – – – Ansonsten: Fernab der österreichischen Lesart der „reichsdeutschen“ Burschenschaftsdarstellung: Eine sehr interessante Geschichte mit bemerkenswerten Ansätzen…. (Meine Kritik an der Korporationsdarstellung tut mir leid, denn die Schnitzer sind durch die besondere österreichische Entwicklung in der Burschenschaft entstanden und meine Anmerkungen sind konstruktiv – nicht destruktiv gemeint!)

    • @ Dietrich von Schwarzen

      Danke für Ihre konstruktive Kritik, die ich weiterleiten werde. Der Autor ist m. W. sehr gut eingelesen, wie er schon in den beiden ersten Büchern zu erkennen gab. Daher sollte es mich wundern, daß er sich grobe Schnitzer geleistet hätte. Aber das kann ich nicht beurteilen.

      Die Bezeichnung „Sprecher“ (für das, was andernorts „Senior“ ist) kommt in dem Buch übrigens auch vor.

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