Erkennt Kirche die Kinder von Priestern an?

Präzedenzloses Treffen in Frankreich

Kinder von Priestern: Im Juni erstes Treffen mit Bischöfen?

(Rom) Im Sep­tem­ber 2016 traf sich Papst Fran­zis­kus in einer römi­schen Vor­stadt­woh­nung mit ver­hei­ra­te­ten Ex-Prie­stern und ihren Frau­en. Erkennt die katho­li­sche Kir­che als näch­sten Schritt die Kin­der von Prie­stern an?

„Ex-Prie­ster“ gibt es in der Kir­che eigent­lich nicht. Die For­mu­lie­rung dient ledig­lich dem bes­se­ren Ver­ständ­nis. Das Wei­he­sa­kra­ment kann wie jedes Sakra­ment nicht rück­gän­gig gemacht wer­den. Gemeint sind dem­nach Prie­ster, die sus­pen­diert oder lai­siert wur­den, ihr Prie­ster­tum also nicht mehr aus­üben dür­fen.

Am 11. Novem­ber 2016 besuch­te Fran­zis­kus sie­ben lai­sier­te Prie­ster, die ihr Prie­ster­tum auf­ge­ge­ben hat­ten, um zu hei­ra­ten. Die Begeg­nung, an der auch die Frau­en und Kin­der teil­nah­men, fand in der Pri­vat­woh­nung eines der Män­ner statt.

Fran­zis­kus setz­te die Geste im Rah­men sei­ner Initia­ti­ve „Frei­ta­ge der Barm­her­zig­keit“ des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit. Wen der Papst an die­sen Frei­tag besuch­te, wur­de jeweils erst im Nach­hin­ein bekannt­ge­ge­ben.

Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt erklär­te damals:

„Auf die­se Wei­se beab­sich­tig­te Papst Fran­zis­kus ein wei­te­res Mal ein Zei­chen der Barm­her­zig­keit zu set­zen für jene, die in einer Situa­ti­on des geist­li­chen und mate­ri­el­len Unbe­ha­gens leben“, um zu ver­deut­li­chen, daß nie­mand ohne „die Lie­be und die Soli­da­ri­tät der Hir­ten“ blei­ben dür­fe.

Die lin­ke Tages­zei­tung Le Mon­de berich­te­te am 18. Mai, daß Kin­der von Prie­stern erst­mals in Frank­reich von offi­zi­el­len Kir­chen­sei­te emp­fan­gen wur­den.

Die Begeg­nung fand bereits am ver­gan­ge­nen 4. Febru­ar in Paris am Sitz der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz statt, wur­de aber erst jetzt bekannt­ge­macht. Oli­vi­er Riba­deau-Dumas, der Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­kon­fe­renz, sprach andert­halb Stun­den mit drei Mit­glie­dern der fran­zö­si­schen Ver­ei­ni­gung Les Enfants du Silence (Die Kin­der des Schwei­gens), in der Kin­der von katho­li­schen Prie­stern zusam­men­ge­schlos­sen sind. Riba­deau-Dumas ist Prie­ster des Erz­bis­tums Paris.

Bei der Begeg­nung wur­de dar­über gespro­chen, so Le Mon­de, was mit Prie­stern gesche­he, die wäh­rend ihres aus­ge­üb­ten Prie­ster­tums ein Kind zeu­gen, eben­so die Fra­ge der Aner­ken­nung von Kin­dern katho­li­scher Prie­ster erör­tert.

Die Begeg­nung stellt einen Prä­ze­denz­fall dar. Bis­her über­nah­men in der Regel die Bis­tü­mer die Unter­halts­ko­sten für sol­che Kin­der. Eine Aner­ken­nung fand aber wegen des zu erwar­ten­den öffent­li­chen Ärger­nis­ses nicht statt. Die Prie­ster wur­den vor die Alter­na­ti­ve gestellt, sich künf­tig an den Zöli­bat zu hal­ten, also ihr Prie­ster­tum wei­ter aus­üben zu wol­len, oder lai­siert zu wer­den. Im erste­ren Fall erfolg­te bis­her eine Ver­set­zung in eine ande­re Gegend des Bis­tums.

Im deut­schen Sprach­raum ist auch ein Fall bekannt, wo ein Prie­ster mit Wis­sen des Bis­tums, stan­des­amt­lich die Mut­ter des Kin­des hei­ra­te­te, wei­te­re Kin­der zeug­te, mit mit Frau und Kin­dern zusam­men­lebt, aber das Prie­ster­tum wei­ter­hin aus­übt. Die­se ille­ga­le Pra­xis will mit Zustim­mung der Diö­ze­san­lei­tung die  Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster de fac­to vor­weg­neh­men, für die sich der zustän­di­ge Bischof bereits öffent­lich aus­sprach.

Die Zeu­gung von Kin­dern durch Prie­ster stellt eine schwer­wie­gen­de Ver­let­zung der prie­ster­li­chen Pflich­ten dar und eine Sün­de von Mann und Frau. Wie jede Geset­zes­über­tre­tung und Sün­de erge­ben sich dadurch unge­ord­ne­te Ver­hält­nis­se für die es dann kei­ne Ide­al­lö­sung gibt. Dar­aus erge­ben sich für alle Sei­ten unan­ge­neh­me Fol­gen, wovon die Kin­der am mei­sten betrof­fen sind.

Riba­deau-Dumas schlug den Kin­dern von Prie­stern für Juni ein Tref­fen mit fran­zö­si­schen Bischö­fen vor, „um über die­ses The­ma zu spre­chen, das bis­her in der katho­li­schen Kir­che Tabu ist“, so Le Mon­de. Auf die­se Wei­se könn­te die Bischö­fe „aus erster Hand das Zeug­nis der Kin­der von Prie­stern“ hören, die „auf­wach­sen muß­ten, ohne ihren Vater zu ken­nen und von ihm aner­kannt zu sein.“

Im ver­gan­ge­nen Febru­ar wur­de bekannt, daß es vom Vati­kan inter­ne Regeln für den Umgang mit sol­chen Situa­tio­nen gibt, die aber nicht ver­öf­fent­licht wur­den. Dem­nach habe ein Prie­ster, der ein Kind zeugt, um die Lai­sie­rung anzu­su­chen, um die Kin­des­mut­ter hei­ra­ten zu kön­nen, jeden­falls das Kind anzu­er­ken­nen und für den Unter­halt zu sor­gen. Die Rech­te und das Wohl des Kin­des haben gemäß die­sen Nor­men Vor­rang, weil ein Kind Vater und Mut­ter brau­che.

Wie vie­le Kin­der von Prie­stern es welt­weit gibt, ist nicht bekannt. Le Mon­de nennt unter Beru­fung auf die Orga­ni­sa­ti­on Coping Inter­na­tio­nal die Zahl 50.000 in 175 Län­dern.

Die Häu­fung der genann­ten Akti­vi­tä­ten rund um Zöli­bats­ver­let­zun­gen, Dis­pen­sie­rung und Kin­der­rech­ten fin­den par­al­lel zu den Vor­be­rei­tun­gen für die Ama­zo­nas­syn­ode statt, die von Papst Fran­zis­kus für kom­men­den Okto­ber ein­be­ru­fen wur­de. Obwohl bis­her offi­zi­ell vom Vati­kan nicht genannt, wird die Zöli­bats­auf­he­bung und Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster die Haupt­agen­da der Syn­ode sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Le Mon­de (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Fran­zis­kus Initia­ti­ve „Frei­ta­ge der Barm­her­zig­keit“ ist ein schö­ner Titel, hat aber mit der Rea­li­tät die­ses Pon­ti­fi­kats nichts zu tun und ent­puppt sich als Euphe­mis­mus um der Dar­stel­lungs­sucht zu die­nen.
    Barm­her­zig­keit ist eine Nebel­ker­ze, denn im katho­li­schen Sprach­ge­brauch trifft es eigent­lich nur auf Gott zu.
    Ist Fran­zis­kus Gott, zum Glück nicht ? Eine Anma­ßung !
    Ich den­ke die Phra­se ist gewählt, um die eigent­li­che Absicht zu ver­ber­gen.
    Fran­zis­kus ist ein lin­ker Macht­mensch, der aus dem Weg räumt, was ihn stört.
    Lin­ke Ideo­lo­gie, egal wie kru­de, ist hoch­will­kom­men, das nennt er dann „Barm­her­zig“, alles was Tra­di­ti­on bedeu­tet, wird hin­weg­ge­fegt und zwar radi­kal, bru­tal ohne Stil, wie in der schnö­den Poli­tik.
    Anson­sten wer­den Pro­ble­me beschwie­gen und Kon­flik­te aus­ge­ses­sen.
    Mir fällt, wenn ich an ihn den­ke, das berühm­te Tuchol­sky Zitat ein, das ich hier nicht wie­der­ho­le, aber ich den­ke, vie­le wis­sen was gemeint ist.

  2. Gelobt sei Jesus Chri­stus!
    Frü­her haben die RK Bischö­fe den ver­hei­ra­te­ten ost­ka­tho­li­sche Prie­ster den Leben schwer gemacht, indem sie von ihnen ver­lang­ten, daß die ost­ka­tho­li­sche Prie­ster deren Ehe­frau­en und Kin­der ver­las­sen soll­ten. Und heu­te kämp­fen die RK Bischö­fe für die Prie­ster­ehe. Nach mei­ner Mei­nung soll­ten die ost­ka­tho­li­sche Bischö­fe, Zöli­batsprie­ster und Ver­hei­ra­te­ten Prie­ster jetzt gegen die RK Bischö­fe und die soge­nann­ten ver­hei­ra­te­ten RK Prie­ster kämp­fen. Wo ist das Logik?

  3. In unse­rer ehe­mals christ­li­chen Gesell­schaft gab es Erken­nungs­zei­chen an Hand derer man recht­zei­tig dem siche­ren Unglück für sich selbst, den eige­nen Kin­dern, ande­ren Frau­en und deren Kin­der, der Gesell­schaft und der Kir­che aus­wei­chen konn­te. Die­se Erken­nungs­zei­chen waren der Ehe­ring, die Sou­ta­ne als von wei­tem deut­lich erkenn­ba­re Prie­ster­klei­dung, das Ordens­ge­wand. Wer Jesus nach­fol­gen woll­te, sah die­se Erken­nungs­zei­chen schon von fern. Men­schen, die sie nicht beach­te­ten, waren in der Gesell­schaft zu Recht nicht geschätzt, ver­mehr­ten sie doch die Sün­den und das Unglück. In dem Maße, in dem die Men­schen beschlos­sen, ihren Lebens­ent­schei­dun­gen nicht mehr treu sein zu wol­len und ihren eige­nen Hedo­nis­mus an die ober­ste Stel­le zu set­zen, wur­den die­se Erken­nungs­zei­chen abge­legt und es gab kein Früh­warn­sy­stem mehr. Heu­te ist es also schwe­rer, denn man muss den Kon­takt abrupt und unwi­der­ruf­lich been­den, wenn sich viel­leicht schon Sym­pa­thie auf­ge­baut oder schlim­mer noch wenn die Ver­liebt­heits­pha­se ein­ge­tre­ten ist. Der Selbst­dis­zi­plin-lose und gott­fer­ne Mensch von heu­te, gibt dann sei­nen Trie­ben nach und sün­digt.
    Prie­ster in Deutsch­land ver­fü­gen über ein hohes Gehalt. Ich hal­te es für selbst­ver­ständ­lich, dass die­se auch wie alle ande­ren Väter von ihrem Gehalt für ihre Kin­der finan­zi­ell sor­gen. Das Bis­tum muss also den Kin­des­un­ter­halt von Gehalt abzie­hen. Der kir­chen­steu­er­zah­len­de Gläu­bi­ge darf nicht dazu miss­braucht wer­den, die Fol­gen der Sün­de zu tra­gen.

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