Papst Franziskus lädt die Auslandspresse zum Empfang

Rom-Korrespondenten

Saal am Sitz der Vereinigung der Auslandspresse in Rom. Hier enthüllte Eugenio Scalfari die Hintergründe zu seinem ersten Interview mit Papst Franziskus.
Saal am Sitz der Vereinigung der Auslandspresse in Rom. Hier enthüllte Eugenio Scalfari die Hintergründe zu seinem ersten Interview mit Papst Franziskus.

(Rom) Am 18. Mai, so die Planung, wird Papst Franziskus die römische Vereinigung der Auslandspresse empfangen.

Vorerst handelt es sich um eine Information von Associated Press, die sich auf „vatikanische Quellen“ beruft. Es darf also davon ausgegangen werden, daß es entsprechende Pläne von Santa Marta gibt. Die konkrete Umsetzung und das Datum dürfen, vorbehaltlich Unvorhergesehenem, bereits im Kalender eingetragen werden.

Die Associazione stampa estera in Italia wurde 1912 vom Rom-Korrespondenten des Petit Parisien, Léon Boudouresque, gegründet. Der Sitz in der Via dell’Umiltà wird vom Amt des italienischen Ministerpräsidenten zur Verfügung gestellt. Die Miete läßt sich Palazzo Chigi, so heißt der prächtige Amtssitz des italienischen Regierungschefs, eine Million Euro kosten.

Am Sitz der Auslandspresse gab Eugenio Scalfari, der Atheist aus freimaurerischem Haus, der Franziskus seinen Freund nennt, am 21. November 2013 die Hintergründe preis, wie das erste, berühmt-berüchtigte Interview mit dem regierenden Kirchenoberhaupt zustande kam. Scalfari sprach 80 Minuten mit Franziskus, ohne sich irgendwelche Aufzeichnungen zu machen. Aus dem Gedächtnis „rekonstruierte“ er, laut eigenen Angaben, anschließend das Gespräch und formulierte die Inhalte mit seinen Worten. Anders ausgedrückt: Die Antworten des Papstes gab Scalfari selbst. Vorab übermittelte er jedoch dem Papst eine Kopie und bat um die Druckerlaubnis mit dem Hinweis:

„Ich muß Ihnen mitteilen, daß ich die Erzählung des Dialogs so rekonstruiert habe, daß er allen verständlich ist. Berücksichtigen Sie, daß ich einige Dinge, die Sie mir gesagt haben, nicht berichtet habe. Und daß Sie einige Dinge, die ich Sie berichten lasse, nicht gesagt haben. Aber ich habe sie eingefügt, damit der Leser versteht, wer Sie sind.“

Auf eine Durchsicht verzichtete Franziskus allerdings, weil das „reine Zeitverschwendung“ sei: „Ich vertraue ihnen“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Am 1. Oktober 2013 veröffentlichte La Repubblica das erste einer ganzen Reihe von Gesprächen, die auch auf der offiziellen Internetseite des Heiligen Stuhls und vom Vatikanverlag in Buchform herausgegeben wurden.

Nach diesem Muster erfolgten seither alle Interviews und Gespräche, ob persönlich oder telefonisch, zwischen Franziskus und Scalfari. Es entstand das Wort vom „Scalfari-Lehramt„. Der Artikel über jedes Gespräch sorgte für großes Aufsehen und enthielt mehr oder weniger heterodoxe, auch häretische Aussagen, ohne daß der Vatikan sie wirklich dementiert hätte. Man begnügte sich mit dem Hinweis, Scalfari würde die Aussagen des Papstes nicht wortgetreu wiedergeben. Der Doyen des italienischen Linksjournalismus versicherte allerdings mehrfach, zwar nicht die Worte, aber den Inhalt getreu wiederzugeben. Er formuliere lediglich plakativer, damit die Inhalte für die Leser „verständlicher“ seien.

Die Tatsache, daß Franziskus immer wieder das Gespräch mit Scalfari suchte oder akzeptierte, widerlegt die Annahme eines Vertrauensbruches durch den Gründer der führenden linksliberalen Tageszeitung La Repubblica. Von ihr sagte Franziskus, daß es die einzige Tageszeitung ist, die er regelmäßig liest. Eine Aussage, die später von seinem Umfeld abgeschwächt wurde, samt dem Versuch, sie als Versprecher hinzustellen und auf eine andere Tageszeitung umzulenken.

Doch zurück zur Stampa estera. Die Vereinigung wird seit wenigen Wochen von der US-Amerikanerin Patricia Thomas, Korrespondentin von Associated Press Television News (APTN), einem Zweig von Associated Press geleitet. Ihr gehören derzeit gut 400 in Rom ansässige Korrespondenten an.

Sie gehören zum Kern des Medienbereiches, der die Gesten, Worte und Handlungen von von Papst Franziskus in die Welt hinausträgt. Sie und ihre Medien bilden das Sprachrohr, ohne die moderne Kommunikation nicht funktioniert. In diesem Kreis finden sich alle relevanten, internationalen „Leitmedien“, die die veröffentliche Meinung kontrollieren.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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