Nachsynodales Schreiben Christus vivit vorgestellt – mit einem Zwischenfall am Rande

Jugendsynode












Christus vivit das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur Jugendsynode.
Christus vivit das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur Jugendsynode.

(Rom) In Rom wurde am 2. April das nachsynodale Apostolische Schreiben Christus vivit zur Jugendsynode vom Oktober 2018 veröffentlicht. Anders als vom Vatikan angekündigt, trägt es doch einen lateinischen Titel. Am Rande kam es zu einem Zwischenfall, der einen Präzedenzfall im Jahr 2015 in Erinnerung ruft.

Zunächst hatte es geheißen, das nachsynodale Schreiben werde das erste Dokument von Papst Franziskus in spanischer Sprache sein und Vive Cristo esperanza nuestra heißen.

Christus vivit, Pressekonferenz
Christus vivit, Pressekonferenz

Interessanter finden aufmerksame Beobachter, daß im Schreiben, auch in diesem Fall anders als zunächst der Eindruck erweckt wurde, der Begriff „Synodalität“, der von Papst Franziskus geprägt und vielfach wiederholt wurde, darin nicht vorkommt. Zuletzt hatte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ihn als Instrument revolutionäre Veränderungen im Mund geführt. Papst Franziskus schuf kurz vor der Jugendsynode die rechtlichen Voraussetzungen, Synodenbeschlüssen Rechtsverbindlichkeit zukommen zu lassen.

Der vollständige Wortlaut des Apostolischen Schreibens Christus vivit wurde auf der Internetseite des Heiligen Stuhls in deutscher Sprache veröffentlicht.

Der Fall Magister

Als im Juni 2015 die Öko-Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus veröffentlicht wurde, die den Schulterschluß des Heiligen Stuhls mit dem internationalen, linksliberalen Establishments besiegelte, kam es am Rande zu einem symptomatischen Zwischenfall. Sandro Magister, dem inoffiziellen Doyen der Vatikanisten, wurde nach 30 Dienstjahren die Akkreditierung beim Heiligen Stuhl entzogen. Das Wochenmagazin L’Espresso, für das Magister arbeitet, hatte den Inhalt der Enzyklika trotz einer Veröffentlichungssperre vorab publiziert. Allerdings versicherte Magister glaubhaft, mit dem Artikel nichts zu tun zu haben. Die Veröffentlichung sei von der Chefredaktion entschieden worden, die den mit Sperrfrist versehenen Text nicht von ihm, sondern über andere Kanäle erhalten hatte.

Damals wurde eine Rache des päpstlichen Umfeldes gemutmaßt, weil Magister der einflußreichste Vatikanist ist, der dem Pontifikat von Papst Franziskus kritisch gegenübersteht und dies auch zum Ausdruck bringt. Die Verletzung der Sperrfrist sei demnach nur ein Vorwand gewesen, einen Disziplinierungsversuch gegen einen Kritiker zu unternehmen. In der offiziell von der päpstlichen Entourage herumgereichten und von einigen Medien wie der New York Times, die das derzeitige Pontifikat mit besonderem Nachdruck unterstützen, veröffentlichen Lesart, sei Magister Teil eines „antipäpstlichen Komplotts“ zum „Sturz von Papst Franziskus“.

Magister wurde für ein halbes Jahr vor die Tür gesetzt. Ohne Zutritt zum vatikanischen Presseamt, zu den Pressekonferenzen und zu den Dokumenten setzte er seine Arbeit fort, bis die Suspendierung seiner Akkreditierung kurz vor Weihnachten wieder aufgehoben wurde. In Vatikanistenkreisen war von einer „Weihnachtsamnestie“ die Rede.

Der Fall Martinez Bordiu

Nun wiederholte sich Vergleichbares bei der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreiben Christus vivit. Die spanische Nachrichtenseite InfoVaticana veröffentlichte bereits am Montag das nachsynodale Schreiben mit dem Hinweis, daß am Dienstag das Dokument auf einer Pressekonferenz im Vatikan vorgestellt wird. Auch InfoVaticana befindet sich wegen Kritik an der Amtsführung von Papst Franziskus im Visier des Heiligen Stuhls.

Als Almudena Martinez Bordiu, die aus päpstlichem und spanischen Hochadel stammende Vatikanistin von InfoVaticana, zur Vorstellungspressekonferenz im Vatikan erschien, wurde ihr der Zutritt verwehrt. Am Morgen war ihr von Vatikansprecher ad interim Alessandro Gisotti der Grund mitgeteilt worden:

„Wegen der Verletzung des Embargos für die Apostolische Exhortation Christus Vivit durch InfoVaticana“.

Die Journalistin machte wie seinerzeit Magister den Vatikansprecher darauf aufmerksam, keine Regeln verletzt zu haben:

„Zu meiner Überraschung über diese falsche Anschuldigung habe ich dem Direktor des Dikasteriums geantwortet, daß diese Informationen keinem Embargo unterliegen, da InfoVaticana sie ausschließlich aus anderen Quellen bezogen hat. Kein Embargo oder ‚Norm des Respekts‘ wurde verletzt, da ich keinen Zugriff auf diese Informationen aufgrund meiner Akkreditierung beim Presseamt hatte.“

Der Vatikansprecher schrieb, daß Martinez Bordiu zur Pressekonferenz für die Vorstellung von Christus vivit keinen Zutritt habe. Ihr wurde vorerst nicht die Akkreditierung an sich entzogen. Allerdings steht die Antwort auf Almudena Martinez Bordius Reaktion auf die Aussperrung noch aus. Die Aussperrung wie im Fall Magister könnte sich wiederholen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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