Abschaffung der Mundkommunion „wegen der Grippewelle“

Liturgie



Die Grippewelle naht, darum: Handkommunion statt Mundkommunion - zumindest laut dem Erzbistum Santa Fe.
Die Grippewelle naht, darum: Handkommunion statt Mundkommunion - zumindest laut dem Erzbistum Santa Fe.

(New York) Das Erzbistum Santa Fe in den USA forderte die Priester auf, in ihren Pfarreien ausschließlich die Handkommunion zu praktizieren. Als Begründung wird die Sorge um die Gesundheit der Gläubigen genannt – wegen der jährlichen Grippewelle.

Das Erzbistum Santa Fe befindet sich im Staat Neu Mexiko. Am Morgen des 14. Januar veröffentlichte das Erzbistum eine Direktive an alle Pfarreien, die Mundkommunion zugunsten der Handkommunion aufzugeben. Obwohl der Wechsel liturgisch von Bedeutung ist, begründet das Erzbistum die Anordnung technokratisch durch Verweis auf das US Center for Disease Control and Prevention (CDC), eine Bundesbehörde des Gesundheitsministeriums zur Prävention von Krankheiten.

Das CDC, so das Erzbistum, hat Neu Mexiko als grippegefährdet eingestuft. Die jährliche Influenza-Welle ist eine Realität. Sie besorgt die Gesundheitsbehörden, fördert aber auch und nicht zuletzt den Absatz der Pharmaindustrie durch Grippeimpfung.

Die Gesundheitsbehörde erwähnt den Kommunionempfang in den Kirchen mit keinem Wort. Das Erzbistum nimmt die Warnung vor der jährlichen Grippewelle aber zum Anlaß, die Mundkommunion faktisch abzuschaffen. Besonders „praktisch“ an der Sache: Die ganze Aktion kann ohne jede Diskussion über theologische und liturgische Fragen erfolgen. Oder zumindest fast.

Die kniende Mundkommunion wird in der Direktive nicht ausdrücklich, aber implizit verboten. In ihr findet sich eine bezeichnende Stelle, die durchschimmern läßt, daß die Sorge um die Gesundheit der Gläubigen auch nur ein Vorwand sein könnte:

„Bitte beachten: Viele Liturgiker sind der Meinung, daß der Empfang der konsekrierten Hostie auf die Hand liturgisch angemessener ist, als die konsekrierte Hostie in den Mund zu empfangen.“

Dann heißt es gleich wieder:

„Diese Direktive will den Kontakt mit dem Speichel vermeiden, um die Ansteckung mit dem Grippevirus zu verhindern.“

In Wirklichkeit sollten für ein Erzbistum nicht die Meinung „vieler Liturgiker“ ausschlaggebend sein, sondern die kirchlichen Dokumente. Im konkreten Fall betrifft das die Instruktion Memoriale Domini über die Art und Weise der Kommunionspendung von 1969. Darin heißt es zur knienden Mundkommunion:

„Diese Weise der Kommunionausteilung muß unter Berücksichtigung der gesamten jetzigen Lage der Kirche bewahrt bleiben. Nicht nur, weil auf den überlieferten Brauch gestützt, sondern besonders deshalb, weil sie die Ehrfurcht der Christgläubigen der Eucharistie gegenüber zum Ausdruck bringt. Dieser Brauch ist in keiner Weise der Würde derjenigen abträglich, die einen so hohen Sakramente nahen: Er gehört zu jener Vorbereitung, die erforderlich ist, daß der Leib des Herrn auf die fruchtbarste Weise empfangen werde. Diese Ehrfurcht gebührt nicht dem gewöhnlichen Brot und Trank, sondern zeichnet die Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn aus. Durch diese Kommunion ’nimmt das Volk Gottes an den Gütern des österlichen Opfers teil, erneuert den Neuen, einmal in Christi Blut von Gott mit den Menschen geschlossenen Bund, der in Glaube und Hoffnung Vorzeichen und Vorläufer des endzeitlichen Mahles im Reiche des Vaters ist‘ (AAS, 59/67).

Außerdem wird durch diesen Ritus, der als der überlieferte anzusehen ist, auf wirksame Weise sichergestellt, daß die Heilige Kommunion mit jener Ehrfurcht, Schönheit und Würde ausgeteilt wird, die ihr gebührt und daß jede Profanierung der eucharistischen Gestalten abgewehrt wird ‚unter denen auf einzigartige Weise, der ganze und ungeteilte Christus als Gott und Mensch wesenhaft enthalten und gegenwärtig ist.‘ (w.o.) Und schließlich wurde liebevolle Sorgfalt den Krumen des konsekrierten Brotes gegenüber angewandt, die die Kirche immer empfohlen hat: ‚Wenn du zulassest, daß etwas dir wegfällt, so halte dafür, als hättest du aus deinen eigenen Gliedern etwas verloren‘ (Cyrill von Jerusalem).

Mit der Dispens, die Papst Paul VI. den Bischofskonferenzen gewährte, für ihr Gebiet auch die Handkommunion einführen zu können, wurde von Rom allerdings auch ermahnt, daß die Handkommunion nicht aufgezwungen werden dürfe. Schon gar nicht dürfe sie die „traditionelle“ Form, also die Mundkommunion, ausschließen. „Wichtig ist, daß jeder Gläubige die Möglichkeit behält, die Kommunion auf traditionelle Weise in den Mund zu empfangen“, wie die Heilige Kongregation für den Gottesdienst in einem Schreiben an die französischen Bischöfe vom 29. Mai 1969 klarstellte.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob es sich bei der Direktive des Erzbistums Santa Fe nur um die Aktion eines Bürokraten des „Office of Worship“ handelt. Gläubige hoffen auf ein Eingreifen von Erzbischof John Charles Wester.

Msgr. Wester, der 1976 die Priesterweihe für das Erzbistum San Francisco empfing, wurde 1998 dort Weihbischof, als der spätere Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, William Joseph Levada, Erzbischof von San Francisco war. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn 2007 zum Bischof von Salt Lake City. Papst Franziskus machte ihn 2015 zum Erzbischof von Santa Fe.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Facebook (Screenshot)

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4 Kommentare

  1. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie zu Beginn der 1970er Jahre mit denselben Argumenten (Hygiene, Vermeidung von Ansteckung bei Grippewelle etc.) innerhalb kürzester Zeit von Mundkommunion auf Handkommunion umgestellt wurde, und zwar dauerhaft.
    Doch der Friedensgruß (per Handschlag) wurde aus hygienischen Gründen zur Vermeidung von Ansteckung unbehelligt gelassen bzw. fleißig weiter praktiziert.
    Komisch, nicht?

  2. Auch die Hand des Kommunionspenders, ob Priester oder Laie, kann natürlich mit Grippe- und anderen Krankheitserregern kontaminiert sein. Wobei der Spender Vorsorge treffen kann.

    Gleiches gilt in noch größerem Maß auch für’s Händeschütteln beim Friedensgruß – in die Hand husten und anschließend dieselbe den Nachbarn hinstrecken. Deshalb sollte aus dem gleichen Grund diese Gepflogenheit in allen Gottesdiensten grundsätzlich unterbleiben, und dies nicht nur zu Erkältungszeiten.

  3. Aus medizinischer Sicht wäre die Abschaffung des Friedensgrußes mit Zwangshändeschütteln über alle Bankreihen hinweg dringendst zu empfehlen. Es handelt sich aus hygienischer Sicht um einen GAU, der die ganzjährige Verbreitung von Viren aller Art (Grippe, Erkältungen, Darm) sowie multiresistenten Bakterien ermöglicht. Von der Kelchkommunion möchte ich erst gar nicht sprechen.

  4. Die Diskussion in der Kirche ist leider selten sachbezogen. Der Friedensgruß in der Kirche fällt in die Zeit der inneren Kommunionvorbereitung und ist deswegen störend, weil er anstelle der Vorbereitung auf den Kern der Messe, den Empfang des Leibes
    Christi, einen event veranstaltet.

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