Bei Todsünde hilft nur die Beichte

Amoris laetitia und Papst Franziskus
Amoris laetitia und Papst Franziskus.

(Rom) Sagt Papst Fran­zis­kus manch­mal das Gegen­teil vom Gegen­teil? Gestern war dies der Fall. Oder doch nicht? Herrscht Logik in der Ver­wir­rung oder Ver­wir­rung in der Logik. Ist das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus samt Amo­ris lae­ti­tia ein Werk der Vor­se­hung?

Bei der Gene­ral­au­di­enz am Mitt­woch in Rom grüßt der Papst die anwe­sen­den Gläu­bi­gen in ver­schie­de­nen Spra­chen. Fran­zis­kus  wen­det sich mit Aus­nah­me sei­ner spa­ni­schen Mut­ter­spra­che an alle auf ita­lie­nisch. Mit­ar­bei­ter über­set­zen sei­ne Wor­te dann in die jewei­li­ge Spra­che.

Zu den pol­ni­schen Pil­gern sag­te er gestern:

Ich grü­ße ganz herz­lich die pol­ni­schen Pil­ger. Im „Vater unser“, in dem wir zum Herrn sagen: „Gib uns unser täg­li­ches Brot“, bit­ten wir nicht nur um Nah­rung für den Kör­per, son­dern auch um die Gabe des eucha­ri­sti­schen Bro­tes, die Nah­rung der See­le. Wir wis­sen, wer eine schwe­re Sün­de began­gen hat, soll­te nicht zur Hei­li­ge Kom­mu­ni­on gehen, ohne vor­her die Los­spre­chung im Sakra­ment der Ver­söh­nung erhal­ten zu haben. Die Fasten­zeit ist eine Gele­gen­heit, um zu letz­te­rem zu gehen, gut zu beich­ten und Chri­stus in der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on zu begeg­nen. Die Begeg­nung mit ihm ver­leiht unse­rem Leben einen Sinn. Ich seg­ne euch von Her­zen!

Und Amoris laetitia?

In der Fuß­no­te 351 des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia wur­de von Papst Fran­zis­kus eine ganz ande­re Tür auf­ge­sto­ßen. Der Unter­schied kann nicht über­se­hen wer­den.

Gestern sag­te Fran­zis­kus, wer eine schwe­re Sün­de began­gen hat, ist vom Kom­mu­nion­emp­fang aus­ge­schlos­sen, weil er sich dadurch selbst aus der Com­mu­nio, der Gemein­schaft mit Gott aus­ge­schlos­sen hat. Es ist immer­wäh­ren­de Leh­re der Kir­che, daß Ehe­bruch eine schwe­re Sün­de ist, weil dadurch die von Jesus selbst erklär­te Unauf­lös­lich­keit der sakra­men­ta­len Ehe gebro­chen wird.

Die durch Amo­ris lae­ti­tia in die Welt gesetz­te und von Fran­zis­kus gewoll­te Neu­in­ter­pre­ta­ti­on nennt zwar je nach „Richt­li­ni­en“ ein­zel­ner Bischofs­kon­fe­ren­zen und ein­zel­ner Bischö­fe eine wort­rei­che Liste von „Bedin­gun­gen“, die letzt­lich aber kei­ne sind. Der Kern der Amo­ris-lae­ti­tia-Bot­schaft lau­tet, daß im Fall von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen letzt­lich deren Gewis­sen dar­über ent­schei­det, ob sie zur Kom­mu­ni­on gehen kön­nen oder nicht.

Folgt man den päpst­li­chen Augu­ren, etwa Kar­di­nal Wal­ter Kas­per, beschrän­ken sich die geän­der­ten Zugangs­be­stim­mun­gen nicht nur auf wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, son­dern erstrecken sich poten­ti­ell auf alle irre­gu­lä­ren Ver­bin­dun­gen. Der Kar­di­nal sprach auch schon davon, daß das zugrun­de­lie­gen­de Muster auch auf ande­re Fra­gen der Moral ange­wandt wer­den könn­te. Das erklärt die von eng­sten Mit­ar­bei­tern des Pap­stes eupho­risch ver­kün­de­te Bot­schaft vom „Para­dig­men­wech­sel“.

Gilt für die Polen anderes als für die Deutschen?

Was sag­te nun Papst Fran­zis­kus gestern bei der Gene­ral­au­di­enz wirk­lich?

Bekräf­tig­te der Papst mit sei­nem Gruß an die Polen, daß die immer­wäh­ren­de Leh­re der zum Ehe­bruch wei­ter­hin gilt? Dann hät­te er damit sei­ner eige­nen Leh­re in Amo­ris lae­ti­tia wider­spro­chen.

Oder woll­te er sagen, daß eine schwe­re Sün­de von der Kom­mu­ni­on aus­schließt, aber Ehe­bruch kei­ne schwe­re Sün­de mehr ist, wenn die Ehe­bre­cher zumin­dest stan­des­amt­lich mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet sind. Dann hät­te er der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Leh­re der Kir­che wider­spro­chen. Und was ist dann mit den ande­ren irre­gu­lä­ren Ver­bin­dun­gen und dem „Para­dig­men­wech­sel“?

Oder bekräf­tig­te der Papst die Leh­re der Kir­che nur auf die Polen bezo­gen, weil deren Bischofs­kon­fe­renz die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des Ehe­sa­kra­ments durch Amo­ris lae­ti­tia ableh­nen? Für Polen also die immer­wäh­ren­de Leh­re der Kir­che, für Deutsch­land den „Para­dig­men­wech­sel“?

Glaubenslehre gegen Vorsehung?

Ist alles nur eine Fra­ge der Dia­lek­tik?

Über­zeug­te Ber­go­glia­ner spre­chen im Zusam­men­hang von „Fünf Jah­re Papst Fran­zis­kus“ davon, daß die­ses Pon­ti­fi­kat das „Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes“ wider­spieg­le. So schrieb es bei­spiels­wei­se Rena­to Fari­na am 13. März in der Tages­zei­tung Libe­ro. Gemäß die­ser Logik wäre die Macht des Fak­ti­schen, die von der Welt geschaf­fen wird –  bei­spiels­wei­se das Mas­sen­phä­no­men Schei­dung, das durch die Lega­li­sie­rung der Schei­dung pro­vo­ziert wur­de, wie das Mas­sen­phä­no­men Abtrei­bung, das durch die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung pro­vo­ziert wur­de –, ein Aus­druck des Hei­li­gen Gei­stes, den die Kir­che als „Zei­chen der Zeit“ zu erken­nen und anzu­er­ken­nen habe. Das hat Fran­zis­kus so nie gesagt. Er nimmt eine Selek­ti­on vor, wo er die welt­li­che Macht des Fak­ti­schen aner­kennt und wo nicht. In Sachen Schei­dung und Abtrei­bung offen oder still­schwei­gend schon, in Sachen Kor­rup­ti­on und „sozia­ler Ungleich­heit“ nicht? Das Gedan­ken­spiel könn­ten mit vie­len Schat­tie­run­gen und Vari­an­ten fort­ge­setzt wer­den.

Fari­na wies am fünf­ten Tag der Wahl von Fran­zis­kus jede Kri­tik an des­sen Amts­füh­rung mit dem apo­dik­ti­schen Satz zurück:

„Schluß mit der Anma­ßung, die Vor­se­hung kor­ri­gie­ren zu wol­len“.

In Sum­me scheint aber zu gel­ten: Nichts Genau­es weiß man nicht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)