Papst Franziskus gratuliert Leonardo Boff zum 80. Geburtstag

Marxistischer Befreiungstheologe vom Bekämpfer zum Unterstützer des römischen Papstes












Wem Papst Franziskus gratuliert und wem nicht: Im Bild Leonardo Boff und Papst Franziskus.
Wem der Papst gratuliert und wem nicht: Im Bild Leonardo Boff und Papst Franziskus auf Religion Digital.

(Rom) Papst Franziskus gratulierte dem abgefallenen Ex-Priester und marxistischen Befreiungstheologen Leonardo Boff zum 80. Geburtstag. „Der Brief hat über seinen Inhalt hinaus einen hohen symbolischen Wert der Anerkennung für einen, der verfolgt wurde“, schreibt dazu die progressive Nachrichtenplattform Religion Digital.

Papst Franziskus zeigte einmal mehr, wem seine Sympathien gelten und übermittelte Leonardo Boff ein kurzes Glückwunschschreiben zum 80. Geburtstag. Darin dankt er dem ehemaligen Priester, manche sagen auch Ex-Katholiken, für seine Unterstützung, die der brasilianische Theologe in den vergangenen Wochen in einem Schreiben an Franziskus zum Ausdruck brachte.

Boff berichtete selbst auf seinem Blog über die Geburtstagswünsche aus dem Vatikan am vergangenen Montag. Der Papst nennt ihn darin einen „Bruder“ und bedankt sich für Boffs Unterstützung. Zudem erinnert er den Brasilianer an ihre erste Begegnung am Rande der Lateinamerikanischen Konferenz der Ordensleute (CLAR) in San Miguel, als der Jesuit Jorge Mario Bergoglio Boff sagte, dessen Schriften zu lesen.

Die progressive Nachrichtenplattform Religion Digital schrieb dazu:

„Der Brief hat über seinen Inhalt hinaus einen hohen symbolischen Wert der Anerkennung gegenüber einer Gestalt, die zu anderen Zeiten von der katholischen Kirche offen verfolgt wurde.“

Mit „anderen Zeiten“ sind die Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gemeint. Gegen beide Päpste führte der Marxist einen unerbittlichen, verbalen Krieg ständiger Anklagen. Benedikt XVI. warf er sogar „religiösen Terrorismus“ vor.

Austritt aus dem Orden und Laisierung

Boff wurde 1938 im stark europäisch geprägten südbrasilianischen Staat Santa Catarina in eine gutsituierte Familie italienischer Abstammung geboren. 1959 trat er in den Franziskanerorden ein. 1964 legte er die Gelübde ab und wurde zum Priester geweiht.

Wegen seiner marxistischen Positionen und der damit zusammenhängenden Verbreitung von Irrlehren geriet er ab 1971 in Konflikt mit der Glaubenskongregation. Nach mehrfachen Ermahnung und Verwarnungen wurde 1985 gegen ihn ein einjähriges Lehrverbot und Schweigegebot verhängt. Nachdem die Sanktionen zurückgenommen wurden, setzte Boff seine Aktivitäten fort und verfiel weiterer Disziplinarstrafen. Hauptkritikpunkte Boffs waren der priesterliche Zölibat und die hierarchische Verfassung der Kirche.

1992 verließ Boff den Franziskanerorden unter Protest und gab sein Priestertum auf. Er ließ sich laisieren und wurde Professor für Ethik und Ökologie in Rio de Janeiro.

Marxistischer Theoretiker und Ökotheologe

Er entwickelte sich zu einem der führenden Theoretiker des Marxismus und wurde zu einer Gestalt der linksradikalen Globalisierungsgegner. In Brasilien unterstützte der den sozialistischen Staats- und Regierungschef Lula, der seit dem Frühjahr wegen Korruption im Gefängnis sitzt. Boff hatte sich bereits früher von Lula distanziert, der dem Marxisten einen viel zu gemäßigten, zu wenig linksradikalen Kurs vertrat. Heute lebt Boff mit seiner Frau, einer Ökoaktivistin, mit sechs adoptierten Kindern in Petropolis.

Der katholischen Kirche hat er längst den Rücken gekehrt und de facto eine Art von „ökologisch-basisdemokratischer Kirche“ auf der Grundlage einer „Ökotheologie“ gegründet. Aber so ganz kommt er nicht von ihr los und meldet sich immer wieder mit Reformforderungen und in den vergangenen Jahren auch zur Unterstützung von Papst Franziskus zu Wort.

Wegen seines Festhaltens an der marxistischen Befreiungstheologie kam es sogar zum Bruch mit seinem jüngeren Bruder Clodovis Boff, einem Serviten, der ursprünglich auch marxistischer Befreiungstheologe war. 2008 bekannte Clodovis Boff, daß Kardinal Ratzinger mit seiner Kritik an der Befreiungstheologie recht hatte. 2013 sagte er es noch deutlicher:

„Wir hätten auf Ratzinger hören sollen“.

Leonardo Boff hingegen rief 2009 zum Schisma auf, weil Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft zurücknahm.

Seit der Wahl von Papst Franziskus hat sich Leonardo Boffs Verhältnis zu Rom grundlegend geändert. Wie auch Hans Küng bejubelt er das Pontifikat von Franziskus. Durch dessen Wahl sei aus einem „Alptraum“ eine „fröhliche“ Kirche geworden.

Text: Giuseppe Nard
Bild: Religion Digital (Screenshot)

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