Das bewährte Schott-Messbuch in neuer Auflage erschienen

Neuausgabe des Vollständigen Römischen Messbuches auf dem Stand von 1962 mit neuem Anhang

Das Vollständige Römische Messbuch der Schott-Ausgaben auf dem Stand von 1962 neu herausgebracht mit neuem Anhang.
Das Vollständige Römische Messbuch der Schott-Ausgaben auf dem Stand von 1962 neu herausgebracht mit neuem Anhang.

von Mat­thi­as Schir­ra

Nach­dem sich die Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus ent­schlos­sen hat­te, das bekann­te Schott-Mess­buch (Voll­aus­ga­be) nicht wie­der neu auf­zu­le­gen, son­dern das eige­ne Volks­mis­sa­le her­aus­zu­ge­ben, das zuerst 2015 erschien und, die Groß­druck­auf­la­ge mit­ge­rech­net, inzwi­schen in drit­ter, ver­bes­ser­ter und ver­mehr­ter Auf­la­ge vor­liegt, hat der Sar­to-Ver­lag in Bobin­gen bezie­hungs­wei­se die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. im Dezem­ber die­ses Jah­res das Voll­stän­di­ge Römi­sche Mess­buch der Schott-Aus­ga­ben auf dem Stand von 1962 neu her­aus­ge­bracht. Der Stamm­teil ist dabei unver­än­dert und es muss des­halb grund­sätz­lich dar­über nichts wei­ter gesagt wer­den.

Der Umstand, dass das Volks­mis­sa­le und der Schott, den der Sar­to-Ver­lag mit Lizenz des Ver­la­ges Her­der in Frei­burg i. Br. her­aus­gibt, in der glei­chen Buch­drucke­rei her­ge­stellt wor­den sind, bei C. H. Beck in Nörd­lin­gen, lässt dar­auf schlie­ßen, dass die Aus­stat­tungs­qua­li­tät der bei­den Bücher, Bin­dung, Leder, Gold­schnitt und der­glei­chen mehr, grund­sätz­lich iden­tisch ist.

Beim Schott ist aber ein Dünn­druck­pa­pier gewählt wor­den, das etwas dicker ist. Ein Ver­gleich zeigt, dass es in die­sem Fall ein Vor­teil wäre, das Volks­mis­sa­le wür­de künf­tig auch ein Papier die­ser Stär­ke ein­set­zen.

Da es sich im Grun­de um einen repro­gra­phi­schen Nach­druck han­delt, das Druck­bild wur­de ledig­lich um 15% ver­grö­ßert, braucht man sich inhalt­lich und for­mal eigent­lich nur mit der Erwei­te­rung zu befas­sen, die mit der Neu­auf­la­ge ver­bun­den ist. Der her­kömm­li­che Schott hat­te bereits einen Gebets­an­hang, S. [229]–[276], dem schließt sich jetzt ein als Anhang II bezeich­ne­ter Teil an, der mit „Hei­li­gen­fe­ste für bestimm­te Orte“ über­schrie­ben ist und die S. [277]–[463] umfasst. Dar­an anschlie­ßend fin­det sich wie­der der bereits bekann­te Kyria­le-Anhang, der allen Schott-Mess­bü­chern seit 1934 mit eige­ner Sei­ten­zäh­lung unver­än­dert bei­gebun­den ist. An sich wäre es bes­ser gewe­sen, die Mes­sen für bestimm­te Orte vor dem ursprüng­li­chen Anhang ein­zu­schie­ben, aber ver­mut­lich woll­te man nicht mit des­sen Pagi­nie­rung kol­li­die­ren.

Was nun den zusätz­li­chen Anhang betrifft, ist meh­re­res zu sagen: Er ist als ech­ter Gewinn zu begrü­ßen, nicht zuletzt, weil alle die­se Mess­for­mu­la­re auch als Votiv­mes­sen in Fra­ge kom­men. Sofern sie mit den For­mu­la­ren über­ein­stim­men, die sich auch im ent­spre­chen­den Teil im Volks­mis­sa­le befin­den, hat man mit Erlaub­nis von des­sen Bear­bei­ter die dor­ti­ge Über­set­zung über­nom­men, aller­dings in der Mes­se vom hei­li­gen Ambro­si­us am 7. Dezem­ber, S. [277]–[279], kur­zer­hand im Introitus „wur­de“ still­schwei­gend durch das alter­tü­meln­de  „ward“, S. [277], ersetzt.

Gegen die Über­nah­me der Über­set­zung ist im Prin­zip nichts zu sagen, doch hät­te man bes­ser wirk­lich nur die Text­tei­le über­nom­men, die tat­säch­lich aus­schließ­lich in der „Über­set­zung Ramm“ vor­lie­gen, was sicher häu­fig genug von den Ora­tio­nen gilt. Ande­re Pro­pri­ums­tei­le, die auch sonst schon im Schott exi­stie­ren,  hät­te man aber bes­ser ein­heit­lich in des­sen Fas­sung brin­gen sol­len.

Von den rela­tiv weni­gen Eigen­tex­ten, die ohne Rück­griff auf Ramm bis­her wirk­lich noch nicht in deut­scher Spra­che exi­stiert haben, hät­te fer­ner sicher auch jemand in der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ohne unüber­wind­li­chen Auf­wand durch­aus eine eige­ne Über­set­zung erstel­len kön­nen.

Gleich­gül­tig, wie man in die­sem Punkt kon­kret ent­schei­det,  hät­te man den neu­en Anhang bes­ser der anson­sten im Schott vor­lie­gen­den deut­schen Recht­schrei­bung anpas­sen und kon­se­quent die klas­si­sche Ortho­gra­phie ein­schließ­lich Schreib­wei­sen wie „daß“ statt „dass“ anwen­den sol­len. So bestehen jetzt in einem Buch zwei Über­set­zun­gen und Recht­schrei­bun­gen neben­ein­an­der, was stö­rend und in gewis­sem Maße auch unpro­fes­sio­nell wirkt.

Erfreu­li­cher­wei­se sind mir im neu­en Anhang zumin­dest bei einer kur­so­ri­schen Erst­durch­sicht außer einer Aus­nah­me kei­ne regel­rech­ten Druck­feh­ler auf­ge­fal­len. Die Aus­nah­me bil­det die Tat­sa­che, dass in der Schluss­for­mel der Ora­ti­on der Mes­se U. L. F. von Gua­da­lu­pe am 12. Dezem­ber, S.[283]–[285],  „Durch Herrn Jesus Chri­stus“, hier S. [283], steht, also das Wort „unsern“ fehlt.

Sehr vie­le der Mess­for­mu­la­re, die der neue alte Schott abwei­chend vom Volks­mis­sa­le bringt, sind aus­ge­spro­chen wert­voll und soll­ten künf­tig umge­kehrt vom Volks­mis­sa­leüber­nom­men, jedoch selbst über­setzt wer­den.

Scha­de ist, dass das For­mu­lar von Mariä Erwar­tung fehlt, das am heu­ti­gen 18. Dezem­ber ver­wen­det wer­den könn­te.

Ent­hal­ten sind das Gedächt­nis der hei­li­gen Lan­ze und der hei­li­gen Nägel, S. [335]–[337], sowie das Gedächt­nis des hoch­hei­li­gen Lei­chen­tu­ches, S. [299]–[303]. Die­se For­mu­la­re gehö­ren zu einer Grup­pe von Mes­sen, die sich auf mit der Pas­si­on spe­zi­ell ver­bun­de­ne Reli­qui­en bezieht.

Es han­delt sich dabei um Votiv­mes­sen, die ursprüng­lich  für die Frei­ta­ge der Fasten­zeit bestimmt waren. Lei­der feh­len im Schott die For­mu­la­re zu Ehren der Dor­nen­kro­ne (Frei­tag nach dem Ascher­mitt­woch) und der Fünf Wun­den (Frei­tag nach dem 3. Fasten­sonn­tag).

Das Gedächt­nis der Lan­ze und der Nägel ist im Schott wie im Trie­rer Diö­ze­san­pro­pri­um in des­sen erster römisch-triden­ti­ni­schen Fas­sung von 1887/88 am Frei­tag nach dem Wei­ßen Sonn­tag ange­ge­ben, ursprüng­lich bezie­hungs­wei­se gene­rell war es als Fest indes am Frei­tag nach dem 1. Fasten­sonn­tag vor­ge­se­hen. Am Frei­tag nach dem 4. Fasten­sonn­tag war das glei­che Mess­for­mu­lar zu neh­men wie seit des­sen gesamt­kirch­li­cher Ein­füh­rung am Fest des kost­ba­ren Blu­tes am 1.Juli.

Das Gedächt­nis des hoch­hei­li­gen Lei­chen­tu­ches, das schon erwähnt wur­de, ist im Schott dem Frei­tag nach dem 2. Fasten­sonn­tag zuge­ord­net und wäre sprach­lich bes­ser als Gedächt­nis des Grab­tu­ches bezeich­net wor­den. Die unge­näh­te Tuni­ka Chri­sti, die als Hei­li­ger Rock zu Trier, S. [337–340], ver­ehrt wird,  gehört nicht zu die­ser Grup­pe von For­mu­la­ren, son­dern ist eine Eigen­mes­se des Bis­tums Trier. Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass man das Gedächt­nis (Fest) der hei­li­gen Lan­ze und der hei­li­gen Nägel dem Ter­min nach fälsch­lich dem ursprüng­li­chen Trie­rer Diö­ze­san­ka­len­der (1888) ent­nom­men hat, in des­sen Fas­sung von 1962 es aller­dings nicht mehr auf­scheint. Somit wäre es viel­leicht kon­se­quen­ter gewe­sen, das Gedächt­nis der hei­li­gen Lan­ze und der hei­li­gen Nägel im Schott für den  Frei­tag nach dem 1. Fasten­sonn­tag anzu­ge­ben.

Betrach­tet man die Über­set­zung des For­mu­lars der hei­li­gen Johan­nes Fischer und Tho­mas Morus am 9. Juli, S. [364]–[367], die nicht aus dem Volks­mis­sa­le über­nom­men wur­de, ist zu ver­mu­ten, dass man auf eine noch älte­re (Schott-?)Über­set­zung zurück­ge­grif­fen hat. Damit wür­den in einem Buch bereits min­de­stens drei Über­set­zun­gen neben­ein­an­der bestehen. Ein wei­te­res Argu­ment, dass es bes­ser gewe­sen wäre, alle nicht im 1962iger Schott vor­han­de­nen Tex­te selbst neu zu über­set­zen. So ist princi­pa­tus in der Ora­ti­on die­ser Mes­se, S. [364], im Zusam­men­hang mit „Herr­scher­wür­de“ sicher nicht rich­tig und erst recht nicht gut über­setzt. Weit­aus bes­ser wäre bei­spiels­wei­se „Vor­rang­stel­lung“.

Da Bischof Dr. Vitus Huon­der dem neu­en Anhang am 7. Okto­ber 2018 sein Impri­matur gege­ben hat, hät­te er das gewiss auch für eine sol­che neu erstell­te, eige­ne Über­set­zung getan.

Das Mess­for­mu­lar, das am 16. Juli ange­ge­ben ist,  S. [372]–[375], scheint das der Unbe­schuh­ten Kar­me­li­ter zu sein, die dem Römi­schen Ritus folg(t)en. Sei­ne Auf­nah­me ist über­flüs­sig, da der Stamm­teil des Schottbereits zwei Vari­an­ten anbie­tet, am Ska­pu­lier­fest die Mes­se zu fei­ern, S.952–954. Außer­dem fragt sich bei die­sem For­mu­lar, ob ein Zele­brant, der nicht dem Orden ange­hört, die (selt­sam knap­pe) Sequenz, S. [373], über­haupt benüt­zen dürf­te oder zumin­dest, ob er es tun soll­te.  Das gilt ent­spre­chend beim – sehr schö­nen – fran­zis­ka­ni­schen Mess­for­mu­lar von den sie­ben Freu­den Mari­ens, S. [401]–[406], hier S. [404]f. Die­ses Fest ist am 27. August ange­ge­ben, man fin­det aber auch vor­kon­zi­lia­re Kalen­der, die es am 5. Juli ver­zeich­nen. Man müss­te fest­stel­len, ob auf dem Stand von 1962 einer von bei­den Ter­mi­nen ein­heit­lich gilt und wel­cher es ist. In bei­den Fäl­len müss­ten sich indes vor allen Din­gen die­se Mess­for­mu­la­re erst ein­mal im Alt­ar­mess­buch, des­sen sich der Zele­brant bedient, befin­den, nicht bloß im Schott.

Dass der Bischof von Chur für den neu hin­zu­ge­kom­me­nen Anhang II eine eige­ne, aktu­el­le kirch­li­che Druck­erlaub­nis gewährt hat, ist zum einen kir­chen­recht­lich zu begrü­ßen, zum ande­ren eine wei­te­re erfreu­li­che Gemein­sam­keit mit dem Volks­mis­sa­le, das in allen Auf­la­gen ins­ge­samt Huon­ders Impri­matur vom 25. April 2015 trägt.

Da Mono­po­le nie gut sind, freut man sich, dass neben dem Volks­mis­sa­le nun auch der klas­si­sche Schott wie­der im Buch­han­del erhält­lich ist.

Da der Groß­teil des Buches aller­dings ein Nach­druck ist, feh­len bestimm­te Aktua­li­sie­run­gen. In der Zeit nach 1962 wur­den bei­spiels­wei­se in die Lau­re­ta­ni­sche Lita­nei, S. [264]f, zwei neue Anru­fun­gen auf­ge­nom­men, deren Akzep­tanz und Anwen­dung ich in der Pius­bru­der­schaft sogar per­sön­lich schon erlebt habe, die aber nun in der Neu­aus­ga­be, S. [265] feh­len. 2018 ist eine Neu­auf­la­ge des Schott-Mess­bu­ches zugleich eine Jubi­lä­ums­aus­ga­be. Sie erscheint im 175. Geburts­jahr Pater Anselm Schotts OSB (+ 1896), der am 5. Sep­tem­ber 1843 gebo­ren wur­de. Ein Geleit­wort zur erwei­ter­ten Neu­aus­ga­be, das lei­der fehlt, hät­te dank­bar an die­sen histo­ri­schen Hin­ter­grund und an die Per­sön­lich­keit Pater Schotts erin­nern kön­nen.

Für den weih­nacht­li­chen Gaben­tisch ist die Aus­lie­fe­rung des Buches ver­mut­lich lei­der zu spät ange­lau­fen, aber es gibt auch gut katho­li­sche Oster­ha­sen, und die näch­sten Erst­kom­mu­nion­fei­ern kom­men bestimmt.

Biblio­gra­phi­sche Anga­ben:

Das voll­stän­di­ge Römi­sche Meß­buch, latei­nisch und deutsch, mit all­ge­mei­nen und beson­de­ren Ein­füh­run­gen, im Anschluß an das Meß­buch von Anselm Schott O.S.B. her­aus­ge­ge­ben von den Bene­dik­ti­nern der Erz­ab­tei Beu­ron (Sar­to, Lizenz­aus­ga­be des Her­der-Ver­la­ges, Frei­burg i. Br.) Bobin­gen 2018, gold­ge­präg­ter, schwar­zer Echt­le­der­ein­band, Dünn­druck­pa­pier einer Gram­ma­tur von 40 g/qm, all­sei­ti­ger Gold­schnitt, sechs Lese­bänd­chen in drei ver­schie­de­nen Far­ben, X, 45*, Tabel­le für den Fall, daß zwei lit­ur­gi­sche Feste auf den­sel­ben Tag fal­len, Tafel der beweg­li­chen Feste (2007–2028), 1132, [463], bei­gebun­den, mit eige­ner Pagi­nie­rung: Kyria­le für das Volk, XII, 76, Alpha­be­ti­sches Inhalts­ver­zeich­nis, Inhalts­ver­zeich­nis von Anhang II, For­mat: 16,9 x 10,7 cm, Buch­block ca. 4,5 cm dick, Preis: € 49,- (D), ISBN: 978–3‑943858–99‑0.

Text: Mat­thi­as Schir­ra
Bild: Sar­to-Ver­lag

Die bespro­che­nen Bücher sind über unse­re Part­ner-Buch­hand­lung erhält­lich:

Der Schott

Das voll­stän­di­ge Römi­sche Meß­buch, lateinisch/deutsch, erwei­ter­te Neu­auf­la­ge 2018, gold­ge­präg­ter, schwar­zer Echt­le­der­ein­band, Dünn­druck­pa­pier einer Gram­ma­tur von 40 g/qm, all­sei­ti­ger Gold­schnitt, sechs Lese­bänd­chen in drei ver­schie­de­nen Far­ben, X, 45*, Tabel­le für den Fall, daß zwei lit­ur­gi­sche Feste auf den­sel­ben Tag fal­len, Tafel der beweg­li­chen Feste (2007–2028), 1132, [463], bei­gebun­den, mit eige­ner Pagi­nie­rung: Kyria­le für das Volk, XII, 76, Alpha­be­ti­sches Inhalts­ver­zeich­nis, Inhalts­ver­zeich­nis von Anhang II, For­mat: 16,9 x 10,7 cm, Buch­block ca. 4,5 cm dick, Preis: € 49,-

Der Ramm

Volks­mis­sa­le, lateinisch/deutsch, 2. Auf­la­ge, Echt­le­dere­band, Faden­hef­tung, 3,5 cm Block­stär­ke, Fests­tags­ta­bel­le bis 2055, Dünn­druck­pa­pier einer Gram­ma­tur von 30 g/qm, sechs Lese­bän­der, sechs Lese­bän­der durch­ge­hend zwei­far­big schwarz/rot, Gold­schnitt, abge­run­de­te Ecken, fle­xi­bler Umschlag aus schwar­zem Rinds­le­der mit Gold­prä­gung auf dem Rücken, 1896 Sei­ten, For­mat 17,5 x 12,5 cm, Preis: € 50,- (D)

Volks­mis­sa­le, Groß­druck, 3. Auf­la­ge (2017), glei­che Aus­füh­rung, For­mat: 21,5 x 15,5 cm, Preis: € 70, — (D)

9 Kommentare

  1. „Da der Groß­teil des Buches aller­dings ein Nach­druck ist, feh­len bestimm­te Aktua­li­sie­run­gen. In der Zeit nach 1962 wur­den bei­spiels­wei­se in die Lau­re­ta­ni­sche Lita­nei, S. [264]f, zwei neue Anru­fun­gen auf­ge­nom­men, deren Akzep­tanz und Anwen­dung ich in der Pius­bru­der­schaft sogar per­sön­lich schon erlebt habe, die aber nun in der Neu­aus­ga­be, S. [265] feh­len.“ (Zitat nach Mat­thi­as Schir­ra aus dem obi­gen Arti­kel)

    Wenn die Mit­glie­der der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. die von Papst Johan­nes-Paul II. 1980 und 1995 neu ein­ge­führ­ten Anru­fun­gen in der Lau­re­ta­ni­schen Lita­nei („Maria, Mut­ter der Kir­che“, „Maria, Köni­gin der Fami­li­en“) akzep­tie­ren und anwen­den, dann müss­ten sie eigent­lich auch jeden Don­ners­tag die von dem­sel­ben Papst ein­ge­führ­ten „Licht­rei­chen Rosen­kranz­ge­sät­ze“ beten! Die latei­ni­sche Ori­gi­nal­fas­sung die­ser Gesät­ze ist viel aus­führ­li­cher als die ver­stüm­mel­te deut­sche Aus­ga­be der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz. Lei­der geschieht dies nicht. Auch das von Papst Ben­de­dikt XVI. ein­ge­führ­te Schluss­ge­bet zum Rosen­kranz wird nicht gebe­tet.
    Altes Text­ma­te­ri­al nur nach­zu­drucken ohne spä­te­re Aktua­li­sie­run­gen oder Erwei­te­run­gen zu berück­sich­ti­gen, die durch­aus der Lehr­tra­di­ti­on der katho­li­schen Kir­che ent­spre­chen, kann gefähr­lich sein.

  2. Dazu den­ke ich zB, dass die­se Gesät­ze inhalt­lich nicht falsch sind, aber nicht for­mell dem domi­ni­ka­ni­schen Rosen­kranz hät­ten hin­zu­ge­fügt wer­den sol­len, um die Aba­lo­gie 150 Psal­men und 150 Ave Maria nicht auf­zu­he­ben.

  3. An Jens Frei­ling:
    Schön und gut, aber eben­so kann man gegen die neu­en Anru­fun­gen in der Lau­re­ta­ni­schen Lita­nei argu­men­tie­ren.
    (Es sind derer übri­gens drei, wie ich inzwi­schen her­aus­ge­fun­den habe. Die Anru­fung Mari­as als „Mut­ter der Barm­her­zig­keit“ kam erst nach dem Jahr 2000 dazu.)
    Wenn die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. die­se neu­en Anru­fun­gen akzep­tiert und im prak­ti­schen Gebrauch anwen­det, muss sie auch alle übri­gen mit der Tra­di­ti­on über­ein­stim­men­den Erwei­te­run­gen der nach­kon­zi­lia­ren Päp­ste akzep­tie­ren und anwen­den. Anson­sten besteht eben die Gefahr, im Lau­fe der Zeit wirk­lich und wahr­haft häre­tisch zu wer­den.

  4. Herr Frei­ling,
    nicht ich will gegen die neu­en Anru­fun­gen argu­men­tie­ren. Aber offen­bar tut das die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. still­schwei­gend, indem sie — gemäß Mat­thi­as Schir­ra — zunächst alle Anru­fun­gen „akzep­tiert und anwen­det“, jedoch aus­ge­rech­net in deren „Schott“-Volksmissale der Mut­ter Got­tes mal eben drei Anru­fun­gen eigen­mäch­tig wie­der aberkennt.
    Man kann immer sagen: Ursprüng­lich gab es sound­so­viel Psal­men und sound­so­viel Rosen­kranz­ge­sät­ze und sound­so­viel Anru­fun­gen in die­ser und jener Lita­nei, doch wenn durch spä­te­re Erwei­te­run­gen die ursprüng­lich gera­de Zahl nicht mehr erreicht wird, dann leh­nen wir die­se spä­te­ren Hin­zu­fü­gun­gen ab, damit die Zahl wie­der eine gera­de Zahl ergibt.
    Für mich ist das kein Argu­ment.

    • Nein. Die Lita­nei befin­det sich im schon ursprüng­li­chen Teil. Die­sen durf­te man laut Lizenz des Her­der­ver­la­ges nur unver­än­dert nach­drucken. Das ist dann schon der Lizenz­ge­ber schuld.

  5. Das konn­te ich nicht wis­sen.
    Vie­len Dank für die Klä­rung.
    Viel­leicht wäre es gut, wenn die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. die Ein­schrän­kun­gen des Lizenz­ge­bers im Vor­wort
    erwäh­nen wür­de.
    Ich wün­sche Ihnen und allen in der Redak­ti­on von „Katholisches.info“ ein gesun­des und erfolg­rei­ches neu­es Jahr!

    • Das ist m.E. das Haupt­ar­gu­ment dafür, dass die Petrus­bru­der­schaft nicht mehr auf die Lizenz des Her­der­ver­la­ges ange­wie­sen sein woll­te, und das Volks­mis­sa­le neu her­aus­ge­bracht hat. Es ist ein Unding, dass an einem im wesent­li­chen seit 1934 unver­än­der­ten Buch bei einer Neu­auf­la­ge 2018 kei­ner­lei (!) Ver­bes­se­run­gen erlaubt sind oder man andern­falls die erfor­der­li­che Lizenz über­haupt nicht (!) bekommt.

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