Christentum: Utopie und Realität

Wider die Komplexe der Schüchternheit und Resignation, die eine wirklich erhebende katholische Renaissance unterbinden



Christentum: Utopie und Realität
Christentum: Utopie und Realität

von Endre A. Bárdossy

Der Verdacht, daß Utopien & Ideologien auch im Schoße des Christentums, während langer Jahrhunderte, wichtige Schlüsselrollen gespielt haben könnten, mag von traditionsbewußten Christen enttäuschend empfunden werden. Unsere Vergangenheit war nicht immer so hochpoliert, wie wir das manchmal erträumen. Nach der Teilung West- und Ostroms (395) stellten sogar herausragende Theologen wie Augustin (354–430), inmitten der barbarischen Massenmigration, und Anselm (1033–1109), für die langen Nächte des Frühmittelalters, den freien Willen in Abrede. Nach fortschreitender Entfremdung und wechselseitiger Exkommunikation wälzte sich die Römische Kirche von den unerwünschten Orthodoxen rechtlich, vor allem aber auch geistig ab (1054). Thomas von Aquin (1225–1274), die führende Gestalt der Hochscholastik, erweckte mit der Rezeption des Aristoteles ein neues, vielverspre­chendes Bewußtsein. Auch die aufblühende Frührenaissance der Künste in Italien (das Quattrocento 1400…) sprach den Tatendrang und die Künste der schöpferischen Eliten wieder an. Demnächst wirkte Matthias Corvinus (1458–1490) im Ungarischen Königreich und in Südpolen (Krakau) als großer Humanist, und erst mit beträchtlicher Verzögerung folgte das übrige Europa nach. Die Renaissance-Humanisten stachelten eine umfassende Bildungs­reform an. Nach Luthers tiefem Rückfall (1518) in die fatalistische Prädestinationslehre war die eiserne Diktatur Calvins in Genf nur eine logische Konsequenz der geistigen Trägheit. Erst der kraftvollen Gegenreformation gelang, mit dem Tridentinum (1545–1563) einen anhaltenden katholischen Frühling des Hochbarocks einzuleiten. Seit der Französischen Revolution (1789), in dürftiger Zeit der mißlungenen Aufklärung, ist es gleichwohl die Herausforderung der gegenwärtigen Stunde, die beispielhaften Aspekte unserer Geschichte zu erforschen und beherzigen, dem Defätismus zu entsagen und dem Jammern auch dann Grenzen zu setzen, wenn der Katholizismus in einer nahen Zukunft den härtesten Bewährungsproben entgegengeht. Dafür brauchen wir eine klare Frontlinie gegen jene Fanatiker, welche die von Gott uns verliehene Freiheit und Würde der vollgereiften menschlichen Persönlichkeit bekämpfen. Die bedrückenden Komplexe der Schüchternheit und Resignation sind unsere effektivsten Hemmschuhe, die eine neue, wirklich erhebende katholische Renaissance unterbinden. Sie richten mehr Schaden an, als die externen Angriffe aller Modernisten zusammen.

Rückbesinnung auf die Geschichte

Die Lage der Christenheit hat heute parallele Züge mit der Situation im Alten Rom. Die Glaubensgewißheit der vorerst schüchternen Jüngerschar mußte nach Ostern angesichts der lawinenartig anbrechenden Verfolgung im Römischen Reich zunächst einmal zu Charakterfestigkeit und Gelassenheit, zu Klugheit und vor allem zu einem unerschütterlichen Vertrauen an den eschatologischen Endsieg heranreifen. Nur so konnte der Völkerapostel Paulus (+ 60 in Rom) in der Tat geschichtsmächtig, krisen- und felsenfest vorwärtskommen, und wenn es unvermeidbar war, auch für das Blutzeugnis bereitstehen. Lediglich für bloße „Meinungen & Utopien“ kann keiner so nebenbei Kopf und Kragen riskieren.

Die Reichsteilung des Alten Roms (395) (A)
Die Reichsteilung des Alten Roms (395)
  • Vom sagenhaften Gründungsdatum Roms (753 v. Chr.) bis zur Reichsteilung West- und Ostroms nach dem Tod von Kaiser Theodo­sius dem Großen (395) verflossen Eintausend Einhundert Acht­undvierzig ereignisreiche Jahre. Die Teilung hatte fatale Folgen: Beide sind zugrunde gegangen! Westrom existierte schlußendlich nicht einmal 100 Jahre mehr (395–480).
  • Das Lemma Ora et labora des hl. Benedikts von Nursia (480–547) kultivierte das brachliegende Europa allmählich wieder. In der Verwüstung wurden die Werte der antiken Kultur allein mit dem Kreuz, dem Pflug und dem lateinischen Alphabet der Benediktiner neu vermittelt.
  • Nach der germanischen Migrationskrise währte die Wiederher­stellung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation als zweite Chance nochmals Tausend Jahre (800–1804) lang.
  • Auch die Byzantinische Hälfte war Europas blühende Flanke im Osten bis zur vollständigen osmanischen Eroberung Kleinasiens. In Konstantinopel, dem Zweiten Rom, überlebte der Reichsgedanke ebenfalls ein Millennium (395–1453). Der türkische Name Istanbul für die östliche Metropole der Christenheit hat sich erst ab 1930 im internationalen Verkehr lückenlos durchsetzen können.
  • Nach der osmanischen Eroberung Ostroms haben die byzantinischen Ableger des Christentums an den nördlichen Ufern des Schwarzen Meeres Zuflucht gesucht und in Moskau als Drittem Rom eine neue Heimat gefunden. Alle ihrem Ursprung nach eurozentrisch angelegten Reichsideen haben somit einen Bezug zum Alten Rom: alle wurden am Altar der Geschichte demoliert, nur das Christentum überlebte bis heute zumindest in ihren Grundfesten.
  • Nach dem Terroranschlag Napoléons war das zuletzt verbliebene Dreieck aus der großen Vergangenheit mit den Hauptstädten Wien, Prag, Budapest nur mehr ein Schattenreich in der Defensive. Das Tausendjährige Reich des römisch-deutschen Kaisers Franz II. (1792–1806) wandelte sich über Nacht in das Hundertjährige Ersatzreich des selbigen Kaisers Franz I. von Österreich (1804–1835), Ferdinands des Gütigen (1835–1848), Franz Josephs des Letzten (1848–1916) und des Seligen Karls (1916–1918), der im Kriegsgewühl nicht mehr bestehen konnte und von den Sozialisten verbannt wurde. Das Metternich-Reich Franzens war nur mehr ein schwacher Abglanz des Originals, das sich mit viel Müh und Not auf der Bühne der Weltgeschichte aufrechterhalten konnte. Kaiser Franz II. / I. verkuppelte sogar seine eigene Tochter Marie-Louise an den verhaßten Feind Napoléon nach der Scheidung von seiner unfruchtbaren Frau Joséphine, die keinen Thronfolger gebären konnte. Tja, erzkatholische Kaiser dürfen das? Kein Bischof sprach den Kirchenbann gegen diese niederträchtige Politik oder ein Stoßgebet für das Seelen­heil des jungen Mädchens aus allerhöchstem Hause! Es war ein hochoffizieller Ehebruch fürs katholische Vater­land! Mit dieser Moral ist es kein Wunder, wenn man auch auf dem Schlachtfeld laufend verloren hat.

Drei regionale Kaiser in Paris und Wien (1804), in St. Petersburg (ab 1703), und auch noch der vierte Nachzügler Wilhelm I. in Berlin (1871), waren zuviel für den ehrwürdigen, alten Kontinent, der in einem Weltkrieg auseinander­brechen mußte. Das besonders tragische Ende der Mittelmächte wurde mit dem Knebelvertrag von Versailles besiegelt (1919). Mit der Unterzeichnung desselben endete nicht der Weltkrieg, man verschaffte sich beiderseitig nur eine Verschnaufpause für die Wiederaufrüstung und die Endabrechnung. Unter jeweils anderem Vorzeichen stan­den die Konkurrenten des katholischen Österreichs stets auf festeren Füßen:

  • Die Abenteuer der Grande Nation unter dem Emporkömmling Nabulione Buonaparte aus Korsika waren zwar Eintagsfliegen, die Franzosen kamen aber aus dem Weltkrieg (1914–1945) zweimal als Sieger hervor.
  • Während die kontinentalen Mächte einander das Gemetzel lieferten, errichteten die Anglikaner das British Empire der Weltmeere und die Amerikaner die Weltmärkte zu ihren Gunsten.
  • Lenin und Stalin wurden tonangebend im ehemaligen Dritten Rom bis zum lautlosen, internen Zusammenbruch der blutroten Kartenburg unter Michail Sergejewitsch Gorbatschow (1917–1991).
  • Schließlich und endlich geht nun das munter gewordene Europa der Vaterländer, das vom General Charles de Gaulle zu spät erweckt worden war, samt seinem christlichen Inventar schleichend unter.

Wie verschieden alle Imperien auch gewesen sein mochten, für Tausend Jahre wurden nur dem Heiligen Deutsch-Römischen und dem Byzantinischen Reich Gnade und Segen verliehen, solange sie einigermaßen heilig regiert worden waren. Der langsame Zerfall aller säkularen alt- und neurömischen Imperien ist jedoch das Urgestein, worin sich das Regnum, die Königsherrschaft Christi, unaufhaltsam aus dem Nahen Osten kommend über West- und Osteuropa ausbreiten konnte.

„Historia magistra vitae“ (Cicero)

Von Aberglauben, Legenden und Vorurteilen befreite, umfassend von den Erfahrungen der Welt- und Heils­geschichte aufgeklärte Christen dürfen nicht nur die Attacken der externen Feinde und der untreuen Verräter bejammern. Sie müßten auch den Hergang und die internen Ursachen des eigenen Dahinsiechens einer intimen Revision unterziehen:

  1. Erstens genügt es nicht, ein frommes, unruhiges Herz zu haben, das allerdings die Voraussetzung des folgenden zweiten Punktes ist.
  2. Zum gläubigen Herz gehört nämlich auch die Aufklärung der Glaubensinhalte mit höchstmöglicher Präzision. Kämpfen kann man nur, wenn man weiß wofür?
  3. Weiters ist jeder Glaube auf eine sinnvolle Opferbereitschaft angewiesen. In der abgrundtiefen Identitätskrise des modernen Katholizismus scheint es daher dringend notwendig zu sein, über einen sinnvollen Opferbegriff einige Klarstellungen anzustellen.
  4. Grundsätzlich gibt es drei christliche Einstellungen: a) Optimismus: Die griechischen Kirchenväter des frühen Christentums strahlten viel mehr Zuversicht, Ruhe und Freude aus, als die Defätisten von heute. Die Griechisch-Russisch-Orthodoxen feiern daher den Höhepunkt unserer Erlösung durch Christus nicht in der dunklen Nacht des Karfreitags, wie die Lutheraner, sondern am Ostermorgen. b) Pessimismus: Im lateinischen Westen strahlen dagegen Augustins düstere Prädestinationslehre und hernach Anselms eng anschließende Satisfaktionslehre – gelinde gesagt – eine verheerende, depressive Wirkung auf das Gemüt aus. Bis heute stehen wir wie versteinert unter ihrer Wirkung. c) Realismus: Dem alle überragenden Doctor communis der Kirche, Thomas von Aquin, verdanken wir, daß er die Übertreibungen seiner beiden einflußreichen Vorgänger gemildert hat.
  5. Letztens müssen konservative, traditionsbewußte Katholiken einsehen, daß die Träume eines bloßen Revisionis­mus zwecklos sind. Der weise Papst Benedikt XVI. deutete einmal an: „Der alte Wein, der war gut, aber für den Neuen brauchen wir doch neue Schläuche.“

Die negativen Komponenten der extremen Prädestinations- und Satisfaktionslehre wurden vom sprachgewaltigen Martin Luther nochmals auf die Spitze getrieben. Seine zutiefst religiöse Verbitterung und konsequente Leugnung jeglichen freien Willens (Liberum arbitrium) müßte auch als Geisteskrankheit interpretiert werden. An der Wurzel seiner Ketzerei steckt der Versuch, jegliche Freiheit und Verantwortung über unsere Mißstände, Irrtümer und Sünden möglichst weit von uns zu weisen und auf die erbliche „Ursünde“ von Adam und Eva abzuwälzen. Jede Sünde, von den läßlichsten angefangen bis zu den tödlichsten Kapitalverbrechen, ist Ausgeburt des Bösen, dessen Geburtshelfer einzig und allein unser freier Wille ist.

Die weltweite Herrschaft der Bosheit, über die persönlichen Sphären hinaus, kann sich freilich nicht ohne kollektive Imitation ausbreiten, welche sich sogar bis zum Religionswahn wie Hexen- und Ketzerverbrennungen steigern kann. Dazu waren nicht nur Katholiken und Protestanten im sogenannten „dunklen Mittelalter“ fähig, sondern noch mehr die Fanatiker in unserem finsteren, ach so aufgeklärten XX. Jahrhundert ohne Zahl. Wenn wir auch die unaussprech­lichsten Grauslichkeiten des dreißigjährigen Weltkrieges (1914–1945) samt Vernichtungslager in Deutschland, im besetzten Polen und im roten Sowjet-Rußland unter einem breitgefaßten Begriff des säkularisierten Religionswahns subsumieren, dann können wir nur staunen, wozu alles der Mensch fähig ist. Dem finstersten XX. Jahrhundert ist die Schande zugekommen, alle Scheiterhaufen und Guillotinen der Weltgeschichte zur letzten Perfektionierung gestei­gert zu haben. Napoléons europaweiter Terror, Hitler, Stalin, Mao und nicht zuletzt Trumans Atombombeneinsätze sind die endlosen Kettenglieder jener Todsünden, die Weltrekorde erbrachten. Hitler pflegte eine gewisse Zunei­gung für Napoléons Größenwahn und für Luthers leidenschaftliches Deutschtum gegen Rom.

Es spricht vieles dafür, daß auch die Sozialdemokratie und der Liberalismus, unter zahlreichen anderen Tonarten, klar und deutlich als religionsähnliche Gebilde der Moderne einzustufen sind. Auch sie haben ihre eigenen Dogmen (Lehrsätze), Riten und ihren Anspruch einer exklusiven Heilsbotschaft auch dann, wenn sie die Dogmen, Riten und Ansprüche der überlieferten, christlichen Religion bekämpfen.

Ohne unsere ureigenste Arbitrage, d. h. ohne unsere höchstpersönlichen Entscheidungen im Streit zwischen den guten und bösen Mächten der Religionen und Ersatzreligionen vor dem Schiedsgericht des Gewissens und freien Willens gäbe es weder Justiz noch Justizmord, aber auch kein Jüngstes Gericht für unsere schandvollen Geschich­ten. Bekanntlich haben die Untertanen aller Zeiten jene Regierung und Regierungsform, welche sie nach ihrer Kultur und nach ihrem Stand der technischen Zivilisation verdient haben. Dabei ist die zeitlose Definition Thomas Stearns Eliot’s (1888–1965) in Erinnerung zu behalten: „Kultur ist die fleischgewordene Religion eines Volkes!“ Somit ist auch zu erwarten, daß jede Ersatzreligion ihren spezifischen Kulturersatz, und jede unannehmbare Unreligion ihre unannehmbare Unkultur nach sich ziehen muß. Sowohl im sakralen wie auch im weltlichen, politi­schen Bereich ist eine reine Ideologie nicht mehr wert, als ein behelfsmäßiger, billiger Ersatz für den eigentlichen Glauben, der Berge wirklich versetzen kann.

Im reißenden Strom der Weltgeschichte können sich auf lange Sicht nur jene Staatsmänner richtungsweisend halten, die irgendwie mit der kulturellen Basis kommunizieren und in den Grundwerten und Grundtugenden (bzw. Unwer­ten und Untugenden) mit dem Volk weitgehend übereinstimmen.

Die erhabene Durchschlagskraft des frühen Christentums triumphierte nicht nur über die dekadent gewordenen Römer, sondern auch über die barbarischen Migrantenhorden von anno dazumal: Germanen, Hunnen, Magyaren. Daraus ist ersichtlich, daß einzig und allein die lebendige Moral der wirksame Verfassungsschutz eines jeden Volkes ist. Die Akkulturation der Germanen und Magyaren war von missionarischem Erfolg gekrönt, obwohl der Crash fürchterlich und der Übergang langwierig war. Attilas Hunnen waren dagegen unverbesserlich und ver­schwanden spurlos von der Bühne der Geschichte.

Was wird mit uns geschehen? Die verarmten, kulturlosen Proletenmassen der Dritten Welt stehen vor unseren Toren wie einstens die Elefanten von Hannibal. Keiner kann im voraus erraten, sondern nur Vermutungen anstellen, was in den kommenden Dezennien passieren wird. Eine neue, totalitäre Barbarei ist jedoch nicht mit Sicherheit auszu­schließen. Der Puls der Zivilisation schlägt heute schneller und die Schatten sind länger geworden als jemals zuvor. Die abendländische Kultur, so wie sie gewachsen ist, ist ohne den geistigen Antrieb der zugehörigen Religion nicht vermittelbar. Nachhilfestunden in Staatsbürgerschaftskunde, Straßenverkehrsordnung und Deutschunterricht werden wenig ausrichten, wenn das Herz der Zugereisten anderswo schlägt.

Jedenfalls ist festzuhalten, daß in den Katakomben der Urchristen, in der Abwehr der Mohren und Osmanen, aber auch in dem katholischen Frühling der Gegenreformation, wo es stets um Leben und das knappe Überleben ging, hätte man ohne Entschlossenheit, Selbstbewußtsein und freien Willen die härtesten Heimsuchungen nicht bestehen können. Utopische Ansichten von verbohrten Theologen und säkularen Ideologen, also lediglich intellektuelle Spekulationen, lassen sich noch lange nicht in existentiell herangereifte Glaubenshaltungen und in ethisch-moralisch einwandfreie Verhaltensweisen verwandeln. Bloße Meinungen werden den Realitätssinn und die Entschlossenheit der Märtyrer und die Kampfbereitschaft der Eliten auf ihrem blutigen Opfergang bis zum Tode weder ersetzen noch beflügeln können. Es steht geschrieben, daß es keine größere Liebe gibt, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt (Johannes 15,13). Unsere wahren Heiligen aller Zeiten verdienen nicht nur Pietät und die Ehre der Altäre für eine gemütliche Sonntagsstimmung und eine Kranzniederlegung auf dem Heldenplatz. Aktive Christen, aber nicht zuletzt alle ihres Namens würdigen Staatsmänner müßten vielmehr ihrer überlieferten, unbedingten Anliegen bewußt werden, klar definieren und bekennen, um auszuharren und sie alltäglich vorleben und umsetzen zu können.

Was ist eigentlich der Glaube?

Wie können wir den Glauben (gr. Pistis / Treue, lat. Fides / Vertrauen) von der Leichtgläubigkeit unterscheiden? Dafür ist bei Paul Tillich (1886–1965) die folgende präzise, einwandfreie Definition zu finden:

„Glaube ist das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht.“ (1)

Von Tillich muß man jedoch etliches wissen, was nicht geradezu erbaulich ist: nämlich, daß er nicht nur Lutheraner war, als junger Privatdozent gehörte er ab 1919 auch dem extremen Kreis Religiöser Sozialisten an. Als solcher, am Elend der Zwischenkriegszeit inspiriert, schrieb er: „Es ist ein höheres Ziel, die Voraussetzungen des Almosen­gebens aufzuheben, als die Armut durch Almosen zu lindern.“ Konsequenterweise trat er auch der SPD bei (1929) und veröffentlichte ein tiefrotes Pamphlet „Die sozialistische Entscheidung“, das ihm nach der Machtübernahme des NS-Regimes die Suspendierung der akademischen Karriere und die Disqualifizierung als „Kulturbolschewist“ einbrachte. Als extrem linker Intellektueller emigrierte er unbehelligt nach Amerika (1933), wo er zum Superstar der damaligen liberalen Theologie avancierte und die Lehrstühle mit den Fingern von der Hand abzählen konnte, die er begehrte. Hannah, seine zweite, ihrerseits ebenfalls geschiedene, zehn Jahre jüngere, hübsche Frau gehörte als Dichterin, Malerin und Modell einer anderen, nicht gänzlich unpassenden, libertinen Hemisphäre an. Sie zog „nach einer Zeit intensiver Liaisons mit Frauen die Nächte der Boheme und den Zen-Buddhismus den theologischen Gesprächskreisen“ vor. Sie war „eine stolze, eigenwillige Persönlichkeit, die sich bürgerlichen Konventionen ebenso entschieden widersetzte wie der Rolle einer fügsamen First Lady der Theologie.“

Sogar ein halbes Zentenarium nach dem Ableben Tillichs widmete der Deutschlandfunk (2015) immer noch eine katzbuckelnde Würdigung und Lob dafür, daß er das Christentum nicht für die einzig wahre Religion gehalten habe, sondern noch im hohen Alter einem verschwommenen Synkretismus das Wort redete:

Ich war in Japan, wo ich zehn Wochen mit Buddhisten debattiert habe. Man muß verstehen, daß in jeder aktuellen Religion Elemente von dem enthalten sind, was auch in jeder anderen aktuellen Religion vorkommt. Wenn man darum mit einem Buddhisten spricht, dann spricht man immer zugleich mit sich selbst.“

Allesamt sind die mehr als unschönen Details aus der Privatsphäre der beiden Tillichs keine guten Referenzen für uns heute in der fortgeschrittenen Agonie des Katholizismus unter Bergoglio, dem regierenden Diktatorpapst. Nicht wenige Oberhirten stehen heute in puncto Libertinage der Prasserei Luthers keineswegs nach. Sie begründen unter den Laien entscheidende Vorbehalte gegen die Inflation einer Theologie der Beliebigkeit, die seit dem Vaticanum II entfesselt worden ist. Aus dem Duktus und manierlichen Gehabe des existentialistischen, an Kierkegaard erinnern­den Zeitalters, wenn nichts anderes, so ist doch wenigstens Tillichs todernster Begriff des Unbedingten bis heute, beinahe möchte ich sagen: zeitlos diskussionswürdig geblieben.

„Der Gegenstand der Theologie ist das, was uns unbedingt angeht“

Nichts mehr, aber auch nichts weniger dürfen wir von den Fachleuten fordern! Das Axiom wäre richtig, wenn sich die Theologen bloß danach verhielten. Nichtsdestoweniger, führt Tillich in seinem zitierten Essay den extremen Nationalismus als „Laboratoriumsfall“ an, für die Untersuchung dessen, was ein unbedingtes Anliegen alles mit sich bringen und anstellen kann (S. 10). So war er doch nicht seriös genug, um auch seinen eigenen Jugendbolschewis­mus, Marxismus und Sozialismus mit der gleichen Gründlichkeit zu erwähnen, die selbstverständlich wie alle anderen Laboratoriumsfälle die gleiche Prüfung verdienen.

Die zehn unbezogenen Worte seiner kurzen Formaldefinition, welche die Herzmitte der Gläubigen aller Couleurs treffen, bieten uns die Möglichkeit, den Wandel eines jeden kindischen Glaubens – also auch des christlichen – positiv zu erfassen. Denn gerade mit seinem keineswegs positiven Leumund schöpfte Tillich die beiden Prinzipien seiner Analyse aus gediegener scholastischer Tradition als Glauben qua creditur bzw. quae creditur.

„Fides qua creditur“

Sie steckt den subjektbezogenen Glaubensrahmen ab, womit wir in der Tat jede beliebige Sache als ein unbedingtes Anliegen erfassen, ja sogar an den Hexenwahn oder an die Judenvernichtung, an die klassenlose Gesellschaft oder an den Wohlfahrtsstaat mit unbegrenztem Konsumsegen glauben können.

Hoppla! Ergreifen wir, konstruieren wir das Anliegen? Oder werden wir von der Angelegenheit ergriffen? Tillich ging richtig in der Annahme, daß der Glaube nicht lediglich eine kühle Überlegung darstellt, da zu einem glühenden Glaubensakt auch die ganzheitliche, emotionell und existentiell verfaßte, ekstatische Ergriffenheit und eine feier­liche (wahre oder eingebildete) Transzendenz dazugehören, die zu einer eigenen Zelebration, zu Sendungsbewußt­sein und zu einem spezifischen Ritus drängen. Dabei spielen freilich der Zeitgeist, das kollektive Bewußtsein und die Imitation der überlieferten Werte und Unwerte, Tugenden und Untugenden eine gewaltige Rolle. Diese Rolle wird „Tradition“ genannt, die das Gute und Böse zugleich überliefert. Auch wenn keiner von uns Sterblichen heilig, aber auch nicht unheilig der Verdammnis geweiht geboren wird, die kindische Imitation der von den Eltern, der Schule und ihrem Anhang vorgelebten Beispiele des Guten bzw. des Bösen sind die Vorstufen ihrer späteren Ratifikation oder Rektifikation im vernünftigen Mannesalter. Daher muß jeder halbwegs anständige Christ oder Jude, Kommunist oder Nationalsozialist, Liberaldemokrat oder beliebiger Kauz jedweder Konfession seine höchst­persönliche, private Dogmatik bzw. Ideologie nicht nur in Diskussionen am grünen Tisch oder am Stammtisch im Wirtshaus vertreten, und aus ihnen persönliche Vorteile und faule Kompromisse ziehen. Was dann geistige Kor­ruption heißen müßte nach dem Motto von Wladimir Iljitsch Lenin: „Gut und wahr ist, was der Partei nützt“. Sogar auch der letzte Mann sollte seine billigste Ideologie soweit ernstnehmen, ja sogar im Ernstfall dafür all seine Energie (vielleicht auch sein Leben einsetzen), wenn er sich nicht als bloßer Betrüger oder Schwachkopf hinstellen lassen möchte. Nur infantile, unreife Persönlichkeiten haben keine, also nicht einmal irgendeine Überzeugung (Pistis & Fides), die sie mit ihrer ganzen intellektuellen Redlichkeit, auf Treu und Glauben als Herzensangelegenheit verteidi­gen können. Irgendein Glaube ist also die Lebensmitte jeder gereiften Persönlichkeit: Es können die Kinder, die Familie, die Heimat und viele andere Angelegenheiten sein, die unschwer in eine Hierarchie einzuordnen sind.

Wenn auch Tillich in Japan bis zu „zehn Wochen“ lang mit gläubigen Buddhisten debattierte, die meinetwegen den felsenfesten Glauben, Pflichtbewußtsein und Lauterkeit eines Kamikaze-Piloten hätten, der gerade für seinen letzten, todgeweihten Opfer-Einsatz startet, so konnte er synkretistische Tendenzen dennoch nur auf dem Niveau „qua creditur“ erahnen. Das Königswasser der tiefen Unterscheidungen zwischen den Weltreligionen (d. h. zwischen all den weltweiten Themen, die jemals zu einer unbedingten Herzensangelegenheit erhoben wurden) liegt darin, wer mit Johannes wirklich von sich sagen kann: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (14,6). Auch wenn die Meinungen darüber auseinandergehen, zwei Religionen, – Atheismus als Ersatzreligion inklusive, – können gleich­zeitig nebeneinander nicht wahr sein. Die Idee des Religionspluralismus ist ein hölzernes Eisen. (Nebenbei bemerkt, das allegorisch gemeinte Königswasser ist ein Gemisch aus konzentrierter Salz- und Salpetersäure, das sogar das edelste Gold von Platin scheiden kann.)

Wie kann man dann „multikulti“ zusammenleben? Möglichst weit auseinander! – da die Konflikte entweder vorpro­grammiert sind oder lediglich zur gegenseitigen Erosion beitragen können. Der harte Kern der echten Anliegen sind entweder inkompatibel oder werden sukzessive unernst genommen. Eine völlig andere Perspektive bieten die soge­nannten Kulturchristen, die womöglich nicht an Gott glauben, aber großteils die gleichen Werte und Tugenden teilen, welche in unseren Latitüden (bewußt oder unbewußt) doch christlichen Ursprungs sind. „Kultur, Kunst & Taufschein“ ohne religiöse Deckung bieten zwar relativ labile Gleichgewichtszustände, die jederzeit der Gefahr der Abbröckelung ausgesetzt sind, doch lange Generationen hindurch standfest halten können. Auf dem Niveau der sich selbst reinigenden, höherstrebenden Glaubenserfahrungen, welche im Rahmen des unruhigen Herzens die Washeit immer besser erfassen können, sind jedoch Vermischungen und Verwechslungen immer seltener möglich.

„Fides quae creditur“

Der objektive Glaubensinhalt bezieht sich auf das, was geglaubt und für wahr gehalten wird. Washeit, Quiddität (von lat. quid / was?) ist ein Fachwort für das Wesentliche in der Schulphilosophie des Mittelalters. Sowohl ein absoluter Relativismus wie auch ein dick aufgetragener Synkretismus sind die billigsten Stupiditäten und die Gehilfen der schlimmsten Verbrechen, weil sie jede Absurdität gutheißen und die Wahrheit der wirklichen Wirklichkeit, die nur eine sein kann, verleugnen. Denn irgendeine bestimmte Wahrheit muß ja existieren. Nur in geistiger Trägheit scheint unsere Wahrheitsfähigkeit entweder absolut perfekt oder null und nichtig zu sein. In der Tat ist sie vielmehr strapazierbar und belastbar als die Skeptiker und die Interessen der Parteien es annehmen! Das Verzweifeln an der Wahrheit ist jedenfalls mit der griechisch-römischen Zivilisation nicht vereinbar. Die Wahrheits­liebe war den alten Griechen und Römern in die gesunde Seele geschrieben. Manche Leute können freilich einfach an den Erfolg, ans Geld, den Wohlstand, die Libido oder an ihre Kombination glauben bzw. vertrauen. Fun, Free & Love: „Amoris Laetitia“ sind dann die Devisen der geistigen Limonade, die des Lebens Sinn als letztes, unbedingtes Anliegen ergeben sollen. Die alten Juden glaubten ja vor allem an sich selbst als „Auserwähltes Volk“ der Welt- und Heilsgeschichte. Die universale Zivilisation hat sich wohl seit Platon, Aristoteles und dem hl. Thomas von Aquin höhergesteckte Werte und Ziele gesetzt, welche sowohl die engen völkischen Grenzen der Auserwähltheit wie auch den ort- und heimatlosen Globalismus überwinden.

Das Janusgesicht des Glaubens – womit und was wir glauben – ist also keine relative, dennoch eine skalare Größe. Scalaris heißt lateinisch: zur Leiter, Treppe gehörend, weil jeder Glaube letzten Endes einen transzendenten Wahr­heitsanspruch hat und unter dem Gebot der grundsätzlichen, aufwärtsstrebenden Reinigungsmöglichkeit steht, deren immanente Triebkräfte die Glaubenszweifel und die Glaubenskrisen sind.

„Adaequatio intellectus et rei“

Diese zeitlose Definition der Wahrheit (2) vom hl. Thomas bedeutet eine sukzessive Angleichung unseres Verstandes am Kanon der wirklichen Wirklichkeit (gr. Ontos on: am seienden Sein, letztlich also an Gott). Das heißt keine Neuerfindung (Erdichtung) aus der Mode oder Anpassung (Aggiornamento) an den Zeitgeist, ganz im Gegenteil geht es um die Reinigung der Erkenntnisse von Ideologien wie Kläranlagen für Trinkwasser.

Wir handeln die Glaubensinhalte nicht aus, sondern empfangen sie, als Abdruck der Realität im weichen Wachs, das wir selbst sind. Jedermann braucht vom bloßen Infantilismus aufwärts eine bessere Prägung von der Realität, weil unsere Erkenntnisse und alle unsere Lehren stets nur „Stückwerke“ sind. Im Ersten Korintherbrief ist zu lesen:

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind. Seit ich jedoch ein Mann geworden bin, habe ich die kindische Art abgelegt (13,9-11). Brüder, seid keine Kinder an Urteilskraft, sondern an Bosheit sollt ihr Unmündige sein, an Urteilskraft aber seid reife Menschen (13,20).“

„Weder Glauben noch Überzeugungen zu haben
ist eine schale, farb- und ehrlose Angelegenheit.“

Nach dem Exkurs in die existentialistische Religionsphilosophie, rufen wir Péter Veres, einen anderen linken Intel­lektuellen in den Zeugenstand. Dieser war ein Agrarprolet aus einfachsten Verhältnissen, der sich als Bauernpoliti­ker in Ungarns Nachkriegsjahren nicht entschieden genug von den Kommunisten distanzierte.

Grabmal von Péter Veres (1897–1970) (D) Skulptur von Árpád Somogyi im prominenten Friedhof von Kerepes, Budapest
Grabmal von Péter Veres (1897–1970), Skulptur von Árpád Somogyi im prominenten Friedhof von Kerepes, Budapest.

 

Er bekleidete sogar Ministerposten für den Wiederaufbau bzw. die Landes­verteidigung (1947, 1948) in der Wendezeit, als der Stalinist Mátyás Rákosi bereits tobte. Mein Lehrer oder Vorbild ist Veres also ebenso wenig wie Tillich! Sein politisches Denken und Verhalten soll hier weder zitiert und noch weniger gewürdigt werden. Die bitterböse Enttäuschung, die aus den Worten dieses autodidaktisch doch hoch­gebildeten Schriftstellers herausklingt, ist gerade deshalb ein Lehr­beispiel für die Abscheu, die er mit seiner Altersweisheit gegenüber der geist- und morallosen Cliquenwirtschaft der linken Opportunisten zum Ausdruck brachte. Nebst einer durch und durch korrupten Mit­läuferschar gab es also allerorts, wenn auch sehr wenige weiße Ra­ben „gläubiger“ Kommunisten, Sozialisten, Nationalisten. Sie waren zwar von ihrem jeweiligen Irrglauben beseelte Idealisten wie eben dieser „Veres Péter bácsi“, der seine Tracht, Stiefeln und Glaubens­überzeugungen auch in seiner Eigenschaft als Emporkömmling zum Ministeramt nicht verleugnete. Auch als ideologischer Bastard er­kannte er doch noch mit einer Spur von sicherem, moralischem In­stinkt, daß ein Leben ohne Glauben und Überzeugungen – selbst wenn ich hier und jetzt seinen objektiven Wahrheitsgehalt ausdrück­lich nicht in Betracht ziehe – nur eine Spitzbuberei oder Gaunerei sein kann.

Gibt es auch „Heilige Utopien“?

Als eingefleischter Sozialist hat Paul Tillich behauptet, daß Utopien zum Menschsein gehören. Ja, in der Tat schon, aber nicht im Idealfall eines Erwachsenen, der anzustreben ist. Gewöhnlich verstehen wir nämlich, daß Utopien und Ideologien eine Fehleinschätzung der Realität darstellen. Zu jeder Zeit und überall in jeder Weltreligion, Philosophie und Ideologie gab es auch halbwegs positive Utopien, welche zumindest „qua creditur“, also auf subjektivem Niveau des Herzens verdienen, todernst genommen zu werden, selbst dann, wenn sie objektiv Schaden anrichten und Abertausende in die Irre führen.

Das bekannteste Werk des hl. Augustins, De civitate Dei (Vom Gottes Staat) gehört ebenfalls in diese Kategorie. Es ist eine gutgemeinte, halb-manichäische Utopie mit langen Nachwirkungen. Der Verfasser konstruierte seine Theologie auf der Grundlage eines abgrundtiefen Dualismus der auserwählten Bürgerschaft Gottes (Civitas Dei), und der lahmen Enten der römischen Welt-Gesellschaft (Civitas terrena), obwohl vor den Barbaren beide in gleicher Weise, nämlich wegen unzureichender Moral unterlagen.

Das Unheil der Prädestinationslehre begann bereits mit dem überheblichen Selbstbewußtsein der Auserwähltheit der alten Juden. Damit fühlten sie sich freigestellt, unter Jahwes Standarte, die Ländereien der Nachbarvölker zu besetzen. Mit dem Schwert wurden weder Frauen und Kinder noch Vieh und Eigentum verschont (unter ungezählten Zitaten siehe Leviticus 26,7). Die Legenden von Kain und Abel, über Abraham und Isaak, sind eine fortgesetzte Mords- und Kriegsgeschichte bis zum allerhöchsten Gottesmord auf dem Hügel von Golgota.

Ein Gerechter gegen Bosheit wird man nicht durch die auferlegte Vorbestimmung eines Schicksals- und Willkür­gottes mit dem Privileg der „Auserwähltheit“ oder dem Resultat der „Verworfenheit“ (Prädestination), sondern durch einen großen Entschluß jedes einzelnen Subjekts, das eingeladen ist. Die Einladung geht an die „Straßen­kreuzungen“ aus, wo alle berufen, aber nur wenige auserwählt werden, nämlich jene, die am Gastmahl festlich ge­kleidet erkennen lassen, daß sie mit Herz und Seele bei der Sache sind (Matthäus 22, 2–14). Wenn der Schieds­spruch des Gewissens (lat. Arbitrium) nicht aus der Wahl des freien Herzens und aus angemessener Überlegung kommt, dann geht die Atemluft (Spiritus) bald aus, egal in welcher (sakralen oder profanen) Angelegenheit.

Die berühmteste Utopie der philosophischen Literatur war Platons Politeia, bekannter unter dem lateinischen Titel Res publica (Der Staat), der auch für Augustin eine Schablone sein durfte. Als er in Karthago Rhetorik studierte, was damals der modernen Kommunikations- und Politik-(un)-wissenschaft gleichkam, war er über Ciceros mittler­weile verschollenes Werk Hortensius auf die Spuren des Platonismus geraten. Denn Griechisch hatte unser spät­berufener Rhetor leider nicht gelernt, was damals noch als Bildungslücke galt. Damit entging ihm auch die ziselierte griechische Glaubens-, Bildungs- und Erziehungswissenschaft. Nach Brauch und Sitte der damaligen rüden Zeit wurde aus ihm ein guter Richter in einem nordafrikanischen Bischofsamt, wo er sich auch um jedermanns Klein­kram kümmern mußte. Was sicherlich hochwohllöblich ist, mit dem kleinen Nachteil, daß er auch Perspektiven der Welt- und Heilsgeschichte wie ein kleinkarierter Justizbeamter beurteilte.

Auch das Werk des hl. Thomas Morus (1516) darf hier als Beispiel erwähnt werden, weil es der literarischen Gat­tung sogar den generischen Namen verliehen hat. Marxens und Engels‘ Utopien einer klassenlosen Gesellschaft erfreuten sich eines enormen, weltbewegenden Zuspruches. Andere berühmte Utopien sind Daniel Defoe’s Robinson Crusoe (1719), Aldous Huxley’s Brave New World (Schöne neue Welt, 1932), George Orwell’s Roman Nineteen Eighty-Four (1949) oder Tante Merkels Märchen in der Gegenwart.

Wortwörtlich bedeutet Ou-topia, dieses dem Griechischen nachgebildete Kunstwort, ein Nirgendwo. Das fiktive Geschehen ist das Wunsch- oder Schreckbild einer „fortschrittlichen“, dem Boden der Realität entrückten Gesell­schaft, freilich ohne Orts- und Zeitangabe, da es stets in eine weite Zukunft projiziert wird und vergeblich seiner Verwirklichung harrt: „Wir schaffen das!“ – ist das Motto der dünkelhaften Utopisten selbst dann, wenn die Sache unrealisierbar ist.

Utopien übernehmen also eine möchtegern-vorbildliche, öfters aber eine abschreckende Fiktion. Wenn sich ein uto­pischer Glaube soweit wuchert – wie beispielshalber der Klimaschutz –, daß er viele Leute unbedingt angeht, dann bedeutet dies ein unreales „Für wahr halten & Vertrauen“, auf griechisch-römisch gesagt eine Pistis & Fides: Treue, Zuverlässigkeit, Redlichkeit, die möglicherweise nicht oder nicht ganz unehrlich waren, aber von der geschichtli­chen Erfahrung bereits widerlegt und Lügen gestraft worden sind.

Wenn ich dagegen den Evangelien Glauben, d. h. ernsthaft Vertrauen schenke, dann heißt das, daß ich sie für wahr halte, daß sie für mein Herz und meinen Verstand wirklich Realität vermitteln. „Evangelium“ (gr. Eu-Angelion) bedeutet wortwörtlich eine frohe Botschaft, eine gute Nachricht zu erhalten, die ganz und gar nichts Utopisches, Entwurzel­tes, sondern Wahres und Reales vermittelt.

Auch die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe sind als Offenbarung der einen und einzigen Wahrheit zu verstehen, wenn auch eine Stufe niedriger als die primären Botschaften, die von Christus selbst stammen. Deshalb hören wir in der hl. Messe die Lesung sitzend an, die Proklamation (Kerygma / Verkündung, Kundgabe) des Evan­geliums respektvoll und stehend. In den Geschichten und Briefen der Apostel sind die Grundwahrheiten der Evangelien mit der Routine des historischen Weiterkommens bereits etwas übertüncht. Das Leben und die Reden Christi haben Priorität vor den Diskussionen, Ermahnungen und Anweisungen in den Gemeinden auch dann, wenn sie von Aposteln der zweiten Generation wie vom hl. Paulus stammen, dessen Briefe so „manches“ enthalten, was halbklar und bereits damals laut zweitem Brief (3,16) des Apostelfürsten Petrus „schwer verständlich“ war.

In den utopisch schwer belasteten Ideologien des finsteren XX. Jahrhunderts, wovon nicht einmal das Vaticanum II verschont geblieben war, wurde die Edukation vom Kindischen zum Pleromatischen (gr. Pleroma / Erfüllung, Fülle, Vollständigkeit) des befreienden Glaubens durch den unnützen Ballast des Modernismus mißbraucht. Die Rheini­sche Allianz der deutschen und niederländischen Bischöfe importierte Fremdkörper in die tradierte Lehre. Wohl gibt es eine zähe, organisch-legitime Entwicklung der Lehre, aber auch Münzfälscher tummeln sich en masse von den Pfarrgemeinderäten bis hinauf in den höchsten Ämtern der Kirche. Die Spirale der theologischen Inflation-Deflation bringt uns seither eine unerträgliche Verwirrung, bisweilen auch Krisen oder Abfall, womöglich aber auch einen spontanen Reinigungsprozeß für den vertieften Glauben.

Was heißt es eigentlich, ein Opfer zu bringen?

„Opfer“ ist ein viel strapaziertes Wort, aber ein wenig definierter Begriff. Darin sind alle Theologen einig. Im Lateinischen und in allen seinen romanischen Tochtersprachen bis zum Englischen, die einen breiten romanischen Wortschatz übernommen haben, gibt es für den Begriff des Opfers eine Palette, die im Deutschen keine Äquivalente hat. Das deutsche Stammwort für „Opfer“ ist etymologisch dem unregelmäßigen, lateinischen Verb nachge­bildet worden:

  1. Opfer kommt von ob-fero, obferre und bedeutet ein einfaches Hintragen, Bringen, Anerbieten, Darbietung ohne spezifischen Inhalt. Perfekt: obtuli, Partizip: oblatus ð Oblate, Substantiv: Oblatio. Das deutsche Lehnwort bedeutet somit undifferenziert das bloße Anerbieten von etwas: sei es Geld, Spende, Beitrag, Weihrauch oder das ganze Leben.
  2. Offerte ist aus derselben Wurzel im Spätlatein entstanden. Sie bedeutet heute ebenfalls ein Anerbieten, bezogen auf das profane Angebot & Nachfrage, wie Feilschen, Abhandeln im Geschäftsverkehr, das aber ganz und gar unangemessen nur im religiösen Ablaßhandel, in Opfergaben mit Hintergedanken der listig-findigen Spekulanten Anwendung finden kann. Vgl. die historische Tempelreinigung in Jerusalem (Matthäus 21,12; Markus 11,15; Lukas 19,45; Johannes 2,13).
  3. Immolatio (von lat. molae / Mühle) ist ein „zermalmendes“, vernichtendes, totales Opfer bis zum gänzlichen Auslöschen des dargebrachten Kultobjekts. Bei Juden, Griechen, Römern war der Altar der erhöhte Opferplatz (das Schafott, Schaugerüst), wo die Abschlachtung von Tieren und die Brandopfer (gr. holokautoma / lat. holo‑caustum / totale Opfergaben) stattfanden. Dabei sind zu unterscheiden: a) Opferungen, insbesondere der unwiederholbare, einmalige Opfertod eines stell­vertretenden Sündenbocks, oder der Selbstmord a la Madame Butterfly aus Enttäuschung, Verzweiflung, Schande, Depression. b) Schauprozeß und öffentliche Hinrichtung von Angeklagten als eine spektakuläre Kulthandlung: – Die Kreuzigung Christi ist das allerschauderhafteste Beispiel für den grausamen Opfertod. – Die Verurteilung König Ludwigs XVI. und Königin Marie Antoinettes, der Tochter von Kaiser Franz I. aus Lothringen und Maria Theresias aus dem Hause Habsburg, durch den französischen Nationalkonvent, und ihre grausame Enthauptung unter der Guillotine auf dem Revolutionsplatz war ebenfalls eine Volks­belustigung der übelsten Sorte (1793). – Steinigungen, Hexen- und Ketzerverbrennungen auf dem Scheiterhaufen waren wiederum Schandtaten in einem spezifisch religiösen Sinn von jüdisch-christlichen Wahnvorstellungen. Weder die alten Juden, Griechen oder Römer noch die Katholiken oder Protestanten waren eine Ausnahme. – Auch die religiösen Menschenopfer der südamerikanischen Inkas waren ebenfalls primitive Kulthandlungen. c) Heldentod und Martyrium: Die letzte Hingabe eines Unbekannten Soldaten oder das Erleiden des Marty­riums müssen dagegen von den sinnlosen Zermalmungen differenziert werden, wobei das Leben nicht hingeworfen, sondern in letzter Not und Gefahr höheren Mächten wie Gott, Kaiser, Vaterland tapfer dargeboten wird.
  4. Victima ist das Geopferte, das Schlachtopfer und somit der Leidtragen­de, wie Kriegsopfer, Unfallopfer, Opfer eines Irrtums, Opfer einer falschen Anklage, eines Verbrechens oder Justizmordes passiv und unfreiwillig, das einen empfindlichen Schaden erleidet, verendet (Tier) oder stirbt (Person).
  5. Sacrificium: Alle Sacra facta als Aufopferung von Zeit, Sachen, Werten haben den Sinn eines Einsatzes, einer Hingabe (Preisgabe) durch persönlichen Verzicht zugunsten eines andern; z.B. für Bildung und Erziehung der eigenen Kinder, für die Armen, für die Kranken, etc. Angefangen von den kleinsten bis zu den größten Opfern und Entbehrungen werden zuliebe einer sublimen, heiligenden, gottgefälligen Opfergemeinschaft erbracht. Sie bedeuten in laufend wiederhol­barer Weise die freiwillige Übernahme der üblichen oder außerordentlichen Nebenkosten einer jeden guten Tat. Nicht gegen diese belebenden, kleinen und großen Opfer, wohl aber gegen die jüdischen und heidnischen Immolationspraktiken erhebt Christus seinen kategorischen Einwand.

„Erbarmen will ich und nicht Opfer“

Gleich am Anfang des Matthäus-Evangeliums (9,13 und 12,7) verwehrt sich Christus kategorisch gegen den herzlosen Gesetzeskram. Vor Gott zählen die kultischen Opferungen nicht! Entgegen der altjüdischen Tieropfer-Großindustrie steht es bereits bei Hoseas geschrieben: „Liebe will ich, nicht Opfer, Gotteserkenntnis, nicht Brand­opfer“ (6,6). Ähnliches lesen wir bei Ezechiel: „Ich habe kein Wohlgefallen am Tode des Schuldigen, sondern daran, daß er von seinem Wege abgehe und lebe. Bekehret euch, bekehret euch von euren bösen Wegen“ (33,11). Es ist unmöglich, daß Lamm-, Stier- oder Bocksblut „Sünden wegnimmt“ (Hebräerbrief 10,4), allein persönliche Reue und Vergebung zählen in der Wirklichkeit.

Es kommt auf die liebevollen „Sacra facta„, nicht auf die sinnlose Immolation an. Blut-, Brand- und allerlei nutzloses Opfer boten ja auch die Heiden an und sie halfen doch niemandem. Paulus sagt daher: Christus wurde „um unserer Übertretungen willen hingeopfert„, er fügt noch im gleichen Satz hinzu, „…und zu unserer Rechtfertigung auferweckt“ (Römerbrief 4,25). Ja, hingeopfert als „Victima“ einer falschen Anklage, das Rechtfertigende daran ist jedoch nicht das Leiden und Sterben, sondern allein die Gloria der Auferstehung! Somit fand die Zerstörung auf der Oberfläche der Wirklichkeit statt, auch wenn der Tod keine echten Krallen mehr hatte. Ohne Auferstehung wäre der Kreuzweg sinnlos, und der Glaube nur Opium fürs Volk (Marx).

Mit zwecklosen Entsagungen, unnützen Askesen und barbarischem Blutvergießen werden wir also Gott nicht becircen können (gr. Kirke / lat. Circe war eine Zauberin der griechischen Mythologie). Die asketischen Übungen sind oft die Überbleibsel aus einer betrüblichen, manichäischen Mentalität. Ein hartes, planmäßiges, freilich nicht sadomasochistisches Training zur Willensbildung, Stärkung der Kondition und Steigerung der Leistungsfähigkeit spielt ein Leben lang, vor allem in der Erziehung der Jugendlichen eine hervorragende Rolle. In der Gottesbezieh­ung handelt es sich wohl um etwas ganz anderes als eine sportliche Diszipliniertheit.

Klar und unmißverständlich geht es um die Rekonziliation des verlorenen Sohnes und die Wiederaufnahme der verlorenen Hausgemeinschaft (Heimkehr): Feiern müssen wir… nicht weinen und jammern (Lukas 15,11–32)! Gott kann nie die Absicht gehabt haben, sein Geschöpf oder sich selbst grausam zu „opfern“, genau so wenig wie es nie sein Wille war, daß Isaaks Kehle in einem barbarischen Akt durchgeschnitten werden soll. Abrahams schauderhafte Geschichte ist nicht das Vorbild des absoluten Gehorsams eines zermürbten, alten Mannes, sondern das ausdrück­liche Verbot jedes Menschenopfers. Der Begriff des abstrusen Kadavergehorsams hat auch noch in die Ordensregeln des hl. Ignatius von Loyola Einzug gehalten, obwohl uns diese unnachvollziehbare Blindheit heute absolut geworden ist. Letzte Treue, Gehorsam im Ernstfall ja – wenn auch nicht aus Sport und Selbstzermalmung!

Die Passion Christi war jedenfalls nicht das Hinwerfen seines Lebens zu Füßen Gottvaters, sondern das grausam erlittene Opfer (Victima passiva) einer falschen Anklage der jüdischen Hohenpriester und eines römischen Justiz­mordes unter Pontius Pilatus. Er hat seinen Tod in keiner Weise wie ein Selbstmörder wollen und wünschen, sondern nur erleiden können. Da er wirklich Mensch geworden war, „konnte“ er nicht davonlaufen und „mußte“ sich dem weltlichen Gericht, auch unter falscher Anklage unterwerfen. Gottvater braucht keine Immolation als ob es ihm gefiele, seinen Eingeborenen Sohn stellvertretend für uns am Kreuz miserabel zugrundegehen zu sehen.

Auch das Allerheiligste Meßopfer muß so verstanden werden, daß der „Agnus Dei“ nicht die Vergegenwärtigung einer sinnlosen Immolation sei, sondern das wirksame sakramentale Zeichen der Verbrüderung und Versöhnung. Eines Blutes und einer Abstammung zu sein, war im Orient immer schon ein Symbol der tiefsten Verbundenheit. Nach Johannes (15,15) sind wir nicht mehr dämliche, unverständige Knechte, sondern Angehörige, Freunde, Jünger des Herrn aus seinem Hause, aus seiner Tischgemeinschaft, und somit wesenhaft ein „Fleisch und Blut“ mit Ihm. Es ist wohl eine der erstaunlichsten Wortschöpfungen meiner ungarischen Muttersprache, daß der in allen Sprachen geläufige Begriff „Bruder, Bruderschaft“ nur mit dem zusammengesetzten Hauptwort „Testvér“ ausgedrückt werden kann: Leib+Blut, wortwörtlich komponiert aus Leib (test) und Blut (vér). Es handelt sich dabei nicht um die Allegorie einer blumigen Sprache, sondern um das bildhafte, orientalische Denken, welche die Bruderschaft nur auf diese Weise einer metaphysischen Wortkomposition ausdrücken kann. Auch der biblische „Nächste“ heißt im Ungarischen eigenartigerweise, sehr eindrucksvoll „Felebarát“ (Halb-Freund).

In anderer Hinsicht ist es ohne weiteres klar und braucht keine Begründungen, daß es keine Liebe gibt, die nicht auf eine Unzahl von „Sacra facta“: auf praktische Opfer, Hilfen und Unterstützungen mit dem sinnvollen Wechselgeld des täglichen Lebens angewiesen wäre, wo immer es in einer Solidargemeinschaft darauf ankommt. In diesem Sinn sind die Ermahnungen zu verstehen: „Brüder, bringt eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar als euren geistigen Gottesdienst“ (Römerbrief 12,1). Und sollte es – Gott behüte! – gar zu einem, vom Bösen provozierten Ernstfall kommen, dann wird auch unsere eigene, letzte Immolation kein übergroßer Preis, sondern nur ein Seufzer sein: „Ad Maiorem Dei Gloriam“ am Eingang in die Ewigkeit.

Cur Deus homo? Warum ist Gott Mensch geworden?

Unter diesem Titel befragte sich der hl. Anselm, Benediktiner Abt von Canterbury, Theologe, Erzbischof und Philosoph des angehenden Mittelalters. Wollte der Mensch gewordene Gott sich selbst dem Ritualmord übergeben, sich sinnlos aufopfern, nach dem Muster eines altjüdischen Tieropfers? Anselms Satisfaktionslehre ist vielleicht der verhängnisvollste Irrweg der Theologie aller Zeiten. Wir stehen bis heute unter dem Einfluß seiner grausamen Ideo­logie, die man ganz und gar nicht glauben kann, wenn man das Herz am richtigen Fleck hat.

Nach dieser Lehre habe Gott seinen Sohn auf die Erde zu uns entsandt, weil angesichts unserer schwerwiegenden Untaten jeder Versuch einer Wiedergutmachung ungenügend resultieren muß. So habe Gott, der Gütige Vater, halt seinen eigenen Sohn als prominentes Schlachtopfer für ein schauriges Entsühnungstheater bestimmt, um Abbitte zu leisten für all die gewesenen und kommenden Beleidigungen durch die Menschheitsgeschichte, die Gott entehren und uns offensichtlich schwer belasten.

Diese düstere, mit altjüdischen und altrömisch-heidnischen (also vorchristlichen) juridischen Kategorien voll bespickte Theologie empfinden wir heute als Zumutung. Es fällt uns heute ganz und gar unmöglich, Gott als mürrischen, alten Ehrenmann vorzustellen, der beleidigt auf eine grausame Bestrafung der sündigen Menschheit wartet. Und weil das letztlich immer noch ungenügend bleiben muß, so sei darüber hinaus noch eine stellvertretende Satisfaktion (Genugtuung) des Gottessohnes der erforderliche Kaufpreis: Ein absolut unschuldiger soll dafür büßen, gegeißelt und abgeschlachtet werden, was das ganze Gesindel der menschlichen Räuberbanden, also Juden, Griechen, Römer und wir selbst kollektiv und einzeln angestellt haben.

Diese Sippenjustiz trifft vielleicht bei jüdischen Opfergroßhändlern von Sündenböcken und Lämmern auf Zustim­mung, die aber aus dem Vorhof des Tempels von Christus mit einer Peitsche vertrieben wurden. Sie gilt auch für die masochistische Schaulust der gaffenden alten Juden und Römer auf der Via crucis, nicht zuletzt auch für die großsprecherische, derbe Theologie des untreuen Augustinermönches Martin Luther. Aber für die sublime griechi­sche Kultur der frühchristlichen Kirchenväter war nicht das Schlachtopfer ausschlaggebend. Diese dachten viel­mehr, daß die befreiende Erlösungstat Christi nicht erst in Last minute um 3 Uhr Nachmittag am Karfreitag erfolgte. Dabei möchte ich den Tod als Erlöschen des Lebens und als liturgischen Übergang vom Leben in die Ewigkeit in keiner Weise kleinreden! Wohl wichtiger und fruchtbringender als der erhabenste Tod des Gottessohnes sind:

  • Seine Geburt in Bethlehem unter einfachsten Verhältnissen,
  • sein ganzer Lebensweg, gesäumt von Entäußerung, Schlichtheit und Entbehrungen (gr. Kenosis),
  • seine Lehrtätigkeit war ein einziges, großes Opfer für die Erziehung (gr. Paideia) der ungeratenen Menschheit.
  • Das Ertragen (Passion) der falschen Beschuldigungen der jüdischen Hohenpriester und des römischen Justiz­mordes unter Pontius Pilatus wurde nicht von Gott inszeniert, sondern erlitten.
  • Am Karfreitag war der leidende Erlöser eine getriebene „Victima passiva“ – und nicht aktiver Darsteller und Regisseur des schaurigen Szenarios.
  • Ostersonntag, und doch nicht Karfreitag (wie bei den verbitterten Protestanten) ist der Schlußpunkt und die Krönung der beglückenden Befreiung, – ohne Auferstehung ist jedes Spiel aus und bleibt eine Illusion (lat. il-ludere, illusus / täuschen, betrügen, falsch spielen), also nur ein Spielverderb.
  • Frohsinn: die aufgehende, strahlende Sonne des Ostens ist Gottes Liebeserklärung an die Menschheit. Das schaurige Abendrot aller Opferungen ist nicht das unbedingte Anliegen des christlichen Glaubens.
  • Simul iustus et peccator: Luther fixierte dagegen in seiner Deprimiertheit seine ganze Inbrunst auf die langen, dunklen Nächte der Totenwache, damit er insgeheim im Halbdunklen zugleich als Halbgerechter & Halbver­brecher fröhlich prassen könne! Christen nützen keine Ausreden mehr: Wir sind „ein Schauspiel vor der Welt geworden“ (1 Korintherbrief 4,9), worin die halbseidenen Statistenrollen ungenügend sind.

Die Römer, im Unterschied zu den tiefer denkenden Griechen, waren rauhe Soldaten, Kaufleute und Juristen. Sie übersetzten den griechischen Begriff des Erlösers (Lytrotes: Befreier, Retter) im handelsüblichen Sinn als römi­schen Re-(d)-emptor: Los-käufer, Rück-käufer, der uns auf dem Markt der Menschheitsgeschichte zum Höchst­preis seines Lebens aus den Krallen des Teufels erstanden und den zornigen Vatergott befriedigt habe. Der Zwie­spalt der Verben amo, amare: lieben, und emo, emere (irregulär emi, emptus): kaufen beleuchten plastisch, worum es im griechisch-römischen Gegensatz geht. Der Konsonant (d) ist dabei nur ein Verbindungslaut, um die Ausspra­che zu erleichtern. Die römische Sprachverengung, wir kennen sie praktisch aus jeder durchschnittlichen Sonntags­predigt, ist bedenklich, da die Römer – und die römischen Katholiken – den Logos, also den Mittelpunkt der griechischen Denkweise, nur mit Ratio (Rechnung, Berechnung, Erwägung, Kalkül), also mit einem unpassenden Wort der römischen Kaufmannssprache, oder mit Verbum, einem farblosen Terminus technicus der Grammatik, übersetzen konnten. Dafür hat sich für uns das Grundwort Logos: Ratio, Verbum / Vernunft, Sprache, Wort bis auf den heutigen Tag dreisprachig erhalten müssen, damit wir seinen ursprünglichen Sinn auch heute noch einiger­maßen verstehen und schmecken können.

„Sensus fidei: das geistige Immunsystem der Gläubigen“

Nach einem richtungsweisenden Vortrag Walter Kardinal Brandmüllers (Rom 2018) dürfen die Laien, ja sie müssen sogar manchmal Mut fassen und ihre Folgerungen, wie die Lehren und die Sorgen der Kirche bei ihnen ankommen und verstanden werden, zur Diskussion stellen. In aller Demut und Verantwortung ist ihnen aufgetragen, den Sensus fidei fidelium, den Glaubenssinn der Gläubigen in Anspruch zu nehmen.

John Henry Newman, der aus dem Anglikanismus konvertierte Kardinal seligen Andenkens, machte diese erheben­de Aufgabe wieder zur Pflicht in der römisch-katholischen Kirche (1859). In den Herzensangelegenheiten der Theologie ist es in höchstem Maße unpädagogisch nur ex Cathedra Vorlesungen halten zu wollen. Die lehrende Kirche müßte gelegentlich auch die zuhörende Rolle übernehmen. Freilich obliegt es den berufenen Fachleuten, die ganz persönlichen, gebührend meditierten Mutmaßungen der überwiegenden Mehrheit, die per definitionem aus Nicht-Fachleuten besteht, zu prüfen. Das heißt, die berufene Autorität soll vor allem bereitwillig ratifizieren, was in ihnen richtig ist und vielleicht besser gesehen wird als es dem „Amtsschimmel“ manchmal möglich ist. Auch das „Falsche“ aus unserem kollektiven und individuellen Bewußtsein müßten wir behutsamer mit schlüssigen Argumen­ten rektifizieren und nicht nur deshalb ablehnen, weil die ehemaligen „Anathemata“ bereits seit langem nicht mehr hinterfragt worden sind. Vielleicht ist mit ihnen auch ein entscheidendes Körnchen Wahrheit untergetaucht. Tradi­tion darf nicht die geistlose Routine des ewig Gestrigen bleiben. Das wäre keine Lockerung der notwendigen Präzisierung und Disziplin, sondern eine wirksamere Sorgfalt, die wir alle dringend brauchen.

Die heiligen Augustin und Anselm gehören heute m. E. zum historischen Inventar, die praktisch nur mehr mit Zitaten aus der Sekundärliteratur verwaltet, in Wirklichkeit ja kaum mehr gelesen, verstanden und beherzigt werden. Auch in der Ostkirche sind sie weitestgehend fremd geblieben. Famos sind sie geworden, vor allem mit kleinen Manichäismus-Resten und mit den fixen Ideen eines römischen Schicksalsgottes, der mit den Köpfen seiner Kinder spielend, diese im vorhinein erwählt oder verwirft. Ihre Anfeindungen gegen das Leibliche, mit einer übertriebenen Portion von Alters-Prüderie – oh mein Gott bei der Schnittmenge von Augustins Jugendsünden –, ist wohl ein starkes Stück der Überheblichkeit! Die lateinischen Prädestinations- und Satisfaktionslehren werden von Klammern einer allzu heidnisch anmutenden, anthropomorphen, römischen Zorn- und Donner-Theologie zusammengehalten, die bereits laut knirschen und knacken wie ein brüchig gewordenes Gebälk. Vielleicht wird uns die tiefere Mystik der Ostkirche eines Tages aus unseren unkatholischen Verwirrungen, die uns heute heimsuchen, hinausführen? Ich hoffe, daß jüngere Kräfte aus meinen Andeutungen einen breiten Dachstuhl zimmern werden, unter dem West- und Ostrom nach so langer Zeit die Einheit im Glauben wieder finden und bezeugen können!

Text: Prof. Endre A. Bárdossy
Bild: Wikicommons/Agt.bme.hu (Varga)/

__________

(1) Paul Tillich: Wesen und Wandel des Glaubens. Frankfurt am Main 1961. Ullstein Bücher Nr. 318. S. 9

(2) Thomas von Aquin: Quaestiones disputatae de veritate q.1.a.1.  und  Summa theologiae I,q.21 a.2

Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!





6 Kommentare

  1. Bardossy:„Anselms Satisfaktionslehre ist vielleicht der verhängnisvollste Irrweg der Theologie aller Zeiten.“
    Dazu:
    „Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt (Jesaja 53,5)“
    „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben.“ (Römer 3,23ff)

    Bardossy: „Das Ertragen (Passion) der falschen Beschuldigungen der jüdischen Hohenpriester und des römischen Justiz¬mordes unter Pontius Pilatus wurde nicht von Gott inszeniert, sondern erlitten.“
    Dazu: Pfingstpredigt des Petrus:
    „Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.“ (Apg 2,22f)

    Bardossy: „Am Karfreitag war der leidende Erlöser eine getriebene „Victima passiva“ – und nicht aktiver Darsteller und Regisseur des schaurigen Szenarios.“
    Dazu:
    „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh 10,17f)

  2. Die These Bardossys, wenn ich den Text richtig verstanden habe, ist, dass die Menschen anders entscheiden hätten können. Wie sehr hätte sich der Himmel wohl darüber gefreut. Doch wie heißt es im Johannesprolog: „et Lux in Tenebris lucet et Tenebrae eam non conprehenderunt“.

  3. Und wieder versucht ein Christ verzweifelt, Gott bequemer zu machen, als er wirklich ist. Es ist der Schande würdiger Verlogenheit, sich hinter einem zornigen Gott immer nur einen launigen, gelangweilten Sadisten vorzustellen. Welch Hohn für des Allmächtigen unfehlbare Gerechtigkeit, die doch von Psalm zu Psalm von den heiligen Propheten gepriesen wurde! Höchst aufschlussreich für die unreife Glaubensgesinnung solcher Christen, die aus Gott wohl am liebsten einen Götzen ihres eigenen Stolzes schnitzen würden.

    Doch wo findet man sie heute, die hier vom werten Professor bereits zum Untergang verdammte „römische Zorn- und Donner-Theologie“? In der vom geringsten Schuldgefühl befreiten Katechese? In den zahn- und harmlosen Sonntagspredigten? In den bischöflichen Hirtenbriefen, die sich wie gottfreie Stellungnahmen der UNO-Generalsekretäre zur Völkerverständigung anhören? In die halbatheistisch-liberale Streicheltheologie unserer Hochschulen? Wo findet man sie, denn sie scheint nur noch in die Geschichtsbücher zu treffen sein. Sie ist auch nicht mehr zu finden, da sie von der blumigen 68er Welle des Konzilsgeistes fortgespült wurde. Und man muss diese „grausame“ Theologie, die in den letzten Jahrzehnten zu genüge verflucht und bespuckt wurde, jetzt auch noch den Gnadenstoß versetzen? Doch welche Lösung wird hier angeboten? Die Kirche allen Ernstes in ständige Partystimmung zu halten? Oder die Wünsche der Laien Folge leisten, wovon viele aus Gott allzu gerne ein weiches Kissen machen würden? Tut nicht die Kirche diese Dinge(zuhören! Vielfalt! Brücken bauen©!) seit dem letzten Konzil andauernd? Und hier wird die Beliebigkeitstheologie amoris laetitias kritisiert?

    Doch damit nicht genug. Kaum schickt sich hier Herr Bárdossy an, Ideen zur Wiederbelebung des sich ins tiefe Koma befindenden katholischen Glaubens vorzuschlagen (was an sich sehr zu loben ist), schon gleitet er nach ein paar Sätzergüsse ins heillose häretische Abseits:

    „Das Ertragen (Passion) (…) wurde nicht von Gott inszeniert, sondern erlitten“.

    Ich könnte jetzt hier eine gewaltige Lawine an neutestamentliche Zitate zur Widerlegung dieses (schweren) Irrtums losbrechen lassen, spare mir aber die Mühe und begnüge mich ansonsten mit den Propheten des Alten Bundes, deren Gottessprüche, Gott sei gedankt, deutlich genug sein können, um solche eitle Wunschbilder zu demolieren:

    „Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab, aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat“(Jesaja 53,8ff).

    Schockiert? Gott muss man eben lieben, wie er ist – auch seine für uns so erscheinenden „Schattenseiten“. Was Ihm betrifft: er liebt es, wenn Menschen sich vor Ihm erniedrigen. Wusste schon der König David, als er sich frohen Gemütes durch seinen lächerlichen Tanz – entblößt! – vor der Bundeslade unter den Augen aller Mitfeiernden Gott gegenüber tief demütigte. Doch das reichte ihm nicht: „ich will noch geringer werden als diesmal und will niedrig werden in meinen Augen“ (2. Samuel 6, 22). Nun gibt es keine schlimmere Schmach für das menschlische Stolz, als seine Unschuld für die Erlösung des auch schlimmsten Sünders zu opfern. Pervers? Das war die Passion Christi: Die Vernichtung allen Stolzes, der die Sünde der Erbsünde selbst war. Die Kreuzigung war kein „Unfall“. Sie war das ultimative Heilswerk Gottes. Er hat es aus Liebe, nicht aus Unmacht vollbracht. Deswegen haben ja Christen seit frühester Zeit das Kreuz zum Erkennungszeichen ihres Glaubens erhoben.

    Und nicht das leere Grab.

    • Das Kreuz Christi ohne das leere Grab bliebe das Schandholz für einen bedauerlichen Justizmord. Der Karfreitag ohne Ostermorgen wäre eine eitle Sinnlosigkeit (1 Kor 15,17). Der auferstandene Christus ist somit nicht der bedauernswerte Gottesknecht (Messias) der Isaias-Lieder, sondern der Pantokrator des Universums.
      Das auf Augustin zurückgehende Wortspiel („latent-patent“) ist kein Glaubenssatz, wonach das Neue Testament im Alten verborgen wäre, und das Alte offen im Neuen läge… (Novum in Vetere latet, Vetus in Novo patet). Der Gottesknecht des Isaias ist also keine angemessene Schablone für Christus und wahrscheinlich nicht einmal ein latentes Vorbild, sondern vielmehr ein altjüdisches Zerrbild, wenn der unbekannte Verfasser des Deutero-Isaias behauptet: „Jahwe gefiel es, ihn durch Leiden zu zermalmen…“ Das wäre in der Tat eine unzumutbare, schockierende Brutalität für das richtige Vernehmen des Gottesbildes im Neuen Testament. Christus sagt ja von sich und von uns: „Ihr seid meine Freunde… ich nenne euch nicht mehr Knechte…“ (Johannes 15)
      Das Alte Testament ist daher ein für allemal definitiv vergangen und wurde mit den Worten aufgehoben: „Ich aber sage euch…“ Die Erklärungen der altjüdischen Gottesknechtlieder sind eine verheerende Übertragung zum integren Verständnis von Christi Lehre. Nach dem weisen Papst Benedikt XVI. verliert sich das Verstehen der alten Texte weder im Literalsinn noch in der Beliebigkeit von Deutungen, sondern wird vom Sensus fidei fidelium unter der Leitung des Lehramtes ekklesiologisch wie von einer aufsteigenden Spirale eingegrenzt. Die Tradition schließt also eine behutsame Lehrentwicklung nicht aus, was auch mit der Paulinischen Stückwerk-Erkenntnis im Einklang ist. Benedikt nennt diese postkonziliare Vorgehensweise die Hermeneutik (Interpretation) der Kontinuität zur Differenz des offenen Bruches. Daher wäre bei gut durchdachten Überzeugungen mehr Vorsicht geboten, bevor man Anschuldigungen wie „Satzergüsse ins heillose häretische Abseits“ voreilig unterstellt.

  4. Bliebe offen, warum Jesus dann im Garten Gethesemane sagt: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Bei der vorauszusetzenden Allmacht Gottes war das Leiden des Sohnes demnach der Wille Gottes. Der Vater greift jedenfalls hier zugunsten des Sohnes auch nicht ein. Da Jesus Christus sich selbst zur Sünde gemacht hat, wie Paulus schreibt, erlitt er auch die Folgen der Sünde. 2.Kor 5 Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Das Alte Testament ist lt.Benedikt XVI. nicht aufgehoben, wenn er in einem Diskurs mit einem jüdischen Gelehrten schrieb: was hat Jesus Christus aus dem AT aufgehoben? Nichts; was hat er hinzugefügt: sich selbst!

  5. „Ich sage euch: An mir muss sich das Schriftwort erfüllen: Er wurde zu den Verbrechern gerechnet (Jes 53,12). Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung.“ so Jesus zu den Jüngern, bevor sie zum Ölberg gingen (Lukas 22,37).

    Jesus hat sich also mit dem leidenden Gottesknecht aus Jesaja identifiziert.

Kommentare sind deaktiviert.