100 Christen einer Untergrundgemeinschaft verhaftet

Volksrepublik China

Die protestantische Untergrundgemeinschaft von Pastor Wang Yi wurde am vergangenen Sonntag und Montag zum Ziel von Massenverhaftungen.
Die protestantische Untergrundgemeinschaft von Pastor Wang Yi wurde am vergangenen Sonntag und Montag zum Ziel von Massenverhaftungen.

(Peking) In Cheng­du (Sichu­an) in der Volks­re­pu­blik Chi­na wur­den am 9./10. Dezem­ber rund 100 pro­te­stan­ti­sche Chri­sten und Theo­lo­gie­stu­den­ten ver­haf­tet. Eini­ge von ihnen wur­den frei­ge­las­sen. Sie wer­fen der Poli­zei schwe­ren Miß­brauch vor. 

Unter den Fest­ge­nom­me­nen befin­den sich auch Pastor Wang Yi und des­sen Frau Jiang Rong. Die Poli­zei nahm meh­re­re Ver­haf­tun­gen zu Hau­se vor, wobei die Kin­der der Fest­ge­nom­me­nen allei­ne zu Hau­se zurückblieben. 

Die Namen wei­te­rer Ver­haf­te­ter sind: Jiang Ruo­lin, Ge Ying­feng, Zhu Hong, Xiao Hon­g­liu, Ye Yin, Zhang Jian­qing, Liu Yin­gxiu, Zhang Guo­qing, Su und sei­ne Frau, Xiao Yings­han und sei­ne Frau, Song Eng­quang und sei­ne Frau, Xiao Bao­guang, Zhou Xiao­ju­an, Liu Daxu­an und Zhou Yong.

Alle gehö­ren einer pro­te­stan­ti­schen Unter­grund­haus­kir­che an. Im Gegen­satz zu ande­ren pro­te­stan­ti­schen Unter­grund­ge­mein­schaf­ten prak­ti­ziert die Gemein­schaft von Pastor Wang Yi ihren Glau­ben in der Öffent­lich­keit. Wie­der­holt wur­de Stra­ßen­mis­si­on betrie­ben. Die Gemein­de unter­hält eine eige­ne Aus­bil­dungs­stät­te für das Theo­lo­gie­stu­di­um künf­ti­ger Pasto­ren und eine Grund­schu­le für 40 Kinder. 

Pastor Wang Yi und sei­ne Frau

Bereits in der Ver­gan­gen­heit war die Gemein­schaft Ziel von Ver­haf­tun­gen und Poli­zei­ein­sät­zen gewe­sen. Im ver­gan­ge­nen Juni, so Asia­News, wur­de ihr Sitz vor­über­ge­hend behörd­lich geschlos­sen, weil man mit einem Gedenk­got­tes­dienst an die Opfer des Mas­sa­kers von 1989 auf dem Tia­nan­men-Platz erin­nern woll­te. Eini­ge Mit­glie­der wur­den vor zwei Mona­ten ver­haf­tet, weil sie in der Nähe des Bahn­hofs von Cheng­du mis­sio­niert hatten.

Die Poli­zei gab kei­ne Aus­kunft über den Grund der Fest­nah­men. Laut Asia­News ste­hen sie in Zusam­men­hang mit der här­te­ren Hal­tung der Regie­rung gegen nicht regi­strier­te reli­giö­se Akti­vi­tä­ten. Pastor Wang Yi bezeich­ne­te die neu­en, reli­gi­ons­feind­li­chen Bestim­mun­gen der Regie­rung als „Instru­ment, um die Reli­gi­ons­frei­heit zu ersticken“.

In jüng­ster Zeit wand­te sich der Pastor auch gegen den vom Staat und der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei betrie­be­nen Per­so­nen­kult um Staats- und Par­tei­chef Xi Jin­ping. Die staat­lich aner­kann­ten, regi­me­hö­ri­gen, christ­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen sind oft gezwun­gen, ein Bild von Xi Jing­ping auf den Altä­ren aufzustellen.

Li Ying­qiang, ein Mit­glied der Gemein­schaft, der sich der ersten Ver­haf­tungs­wel­le am 9. Dezem­ber ent­zie­hen und auf Inter­net dar­über berich­ten konn­te, schrieb: 

„Auch wenn wir nur zu fünft übrig­blei­ben soll­ten, gehen die Zusam­men­künf­te und die Lit­ur­gie wei­ter, weil unser Glau­be leben­dig ist. Die Ver­fol­gung ist ein nur bil­li­ger Preis, der für den Herrn zu bezah­len ist. Wir zie­hen es lie­ber so vor, als unse­ren Glau­ben zu ver­stecken. […] Wir hof­fen, daß immer mehr chi­ne­si­sche Gemein­schaf­ten die­se Din­ge ankla­gen und uns nahe sind.“

Am 10. Dezem­ber wur­de auch Li Ying­qiang verhaftet.

Text: Andre­as Becker
Bild: Asia­News