Der Selbstmord Europas



Der Selbstmord Europas - Immigration, Identität und Islam
Der Selbstmord Europas - Immigration, Identität und Islam

Von Wolfram Schrems*

Durch die völlige Verwirrung im Gefolge des II. Vaticanums wurde seit Jahrzehnten die Wachsamkeit der Christenheit gegenüber der islamischen Invasion Europas eingeschläfert. Von daher ist kaum ein sinnvolles Wort der kirchlichen Obrigkeit zu diesem Thema zu hören (zumindest in Westeuropa, denn in den Visegrád-Staaten sieht es anders aus). Seit dem Amtsantritt von Papst (oder Gegenpapst?) Franziskus hat sich die Lage drastisch verschlimmert, weil nun seitens des höchsten Amtes in der Kirche die Masseninvasion begünstigt wird.

Unter diesem Umständen ist es nicht überraschend, daß ein nicht-katholischer Autor zum Thema Der Selbstmord Europas – Immigration, Identität und Islam Richtiges zu sagen hat. Er ist ja nicht befangen. Die unglücklichen Konzilsdokumente Nostra aetate und Dignitatis humanae tangieren ihn nicht.

Der britische Journalist Douglas Murray stellt fest, daß viele Europäer und ihre Politiker bei dem Plan des Bevölkerungsaustausches aus welchen Gründen auch immer mitmachen, und daß man daher von einem „merkwürdigen Tod Europas“, ja, nach der deutschen Ausgabe, von einem „Selbstmord Europas“ sprechen kann. Murrays erstaunlich offene und profunde Untersuchung aus dem vergangenen Jahr ist vor kurzem auf Deutsch erschienen.

Murray verarbeitet sowohl Medienbeobachtung und historische Konsultationen als auch persönlichen Lokalaugenschein an „Brennpunkten“ der Immigration. Er kritisiert die medial verordnete „Flüchtlings“-Euphorie, genauso wie die europäische Selbstverachtung. Diese beruht auf einer falschen Geschichtsbetrachtung und bereitete überhaupt erst den Boden zum Bevölkerungsaustausch.

Im folgenden einige zentrale Aussagen Murrays.

Gleichschaltung fast aller Medien und dreiste „Experten“-Lügen

Murray geht in seinem für die deutsche Ausgabe verfaßten Vorwort auf die fast völlige Gleichschaltung der Medien in der Invasionskrise ein. Murray kritisiert die Allgegenwart der Lüge als Propagandainstrument. Ein im deutschen Sprachraum wohlbekanntes Detail sind in diesem Zusammenhang die omnipräsenten „Experten“, deren Expertise den Mord bzw. Selbstmord Europas einstimmig befördert. Murray ist aufgefallen, daß beispielsweise die deutsche Regierung immer neue „Experten“ aus dem Hut zaubert, „die behaupten, Deutschland sei heute sicherer denn jemals zuvor“ oder daß „das Problem der Gewalttätigkeit unter Migranten nur durch noch mehr Migration gelöst werden könne“ (17f).

Das Zusammenwirken von Lügenpresse und Pseudo-Experten ist derzeit ein flächendeckendes Phänomen.

Sucht nach Einwanderung, romantisches Islambild und Abwertung der eigenen Identität

Murray analysiert in einem eigenen Kapitel die „Sucht nach Einwanderung“, die je nach europäischem Land ab den 1950er Jahren ausbrach. Hier verbinden sich mehrere Motive, bis hin zu Selbsthaß und Vernichtungswillen. Etliche Stimmen meinten, daß es Europa recht geschehe, wenn diejenigen, die von den Europäern ausgebeutet und ihrer Kultur beraubt worden seien, nun ihrerseits Europa ausbeuten und die dortige Kultur vernichten würden. Nach Auskunft von Murray gibt es etwa in Großbritannien eine massive Strömung, die den weißen Engländern gegenüber Haß und eine „verblüffende Rachsucht“ (45) an den Tag legt.

Darüber hinaus wiederholen europäische Intellektuelle in trauter Eintracht mit islamischen Propagandisten bis zum Erbrechen, daß Europa den islamischen Gelehrten des Mittelalters, mithin dem Islam so vieles zu verdanken hätte.

Es wird von der veröffentlichten Meinung auch nahegelegt, daß die europäischen Kulturen „langweilig“ wären und deshalb die „Bereicherung“ durch andere gut brauchen könnten. Murray mutmaßt mit gutem Grund, daß, wenn man sich das als Europäer über afrikanische und asiatische Kulturen zu sagen erdreistete, das sofort als „rassistisch“ und „beleidigend“ denunziert würde. Aber die Europäer lassen sich diese Abqualifizierung gefallen oder betreiben sie selbst. Auch das ist Symptom des titelgebenden „Selbstmordes“.

In diesem Zusammenhang ist die moralische Erpressung besonders relevant:

Schuldkult als Druckmittel: doppelte Standards am Beispiel der Türkei

Schon lange vor der Invasion 2015 wurde die Platte mit der europäischen Schuld gespielt. Sie ist seit Jahrzehnten Bestandteil von Schulunterricht, Medienpropaganda und universitärem Leben. Sie ist auf eine ungesunde Weise moralisierend, indem sie dem, der die Europäer früherer Jahrhunderte aller möglichen Verbrechen bezichtigt, ein Gefühl moralischer Überlegenheit gibt.

Nach Murray fühlen sich die Europäer irgendwie schuldig, besonders an der Sklaverei, am Kolonialismus und am Nationalsozialismus. Deswegen besteht ein pathologischer Zwang zur Selbstbezichtigung und zur Aufgabe der eigenen legitimen Interessen – bis hin zur Selbstabschaffung.

Murray thematisiert unter dem Titel „Doppelte Standards und der Sieg der Masochisten“ als Kontrast die Geschichte des Osmanischen Reiches und das gleichzeitige Fehlen irgendeiner kritischen Thematisierung derselben, weder in Europa noch erst recht durch die Türken selbst:

„Über mehr als 600 Jahre herrschte es [das Osmanische Reich] über ein riesiges Territorium und zwang seinen Untertanen islamischen Glauben und Kultur auf und bestrafte nach seinem eigenen Rechtssystem jene, die sich dagegenstellten. Es drang durch seine Militärmacht nach Südosteuropa, in den Nahen Osten und nach Nordafrika vor (…). [Während des Ersten Weltkrieges] verübte es eine der schlimmsten Gräueltaten in der Geschichte und tatsächlich den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Vernichtung der armenischen Bevölkerung Anatoliens war ein Massaker an mehr als einer Million Menschen innerhalb weniger Jahre. 1973 (…) fiel die Türkei über Zypern her. Ihre Armee besetzte die Hälfte der Insel, ermordete griechische Zyprioten und vertrieb andere aus ihrer Heimat. Die Besatzung hält bis zum heutigen Tag an, obwohl die Türkei Mitglied der Nato ist und der griechische Teil Zyperns Mitglied der EU. (…) Es ist bemerkenswert, dass dies alles kaum erwähnt wird, dass die Türken selten oder so gut wie nie veranlasst werden, sich für die historische Rolle der Türke schuldig zu fühlen“ (186).

„Diversität“ als Bestrafung der Europäer

Murray gelangt im Gefolge der kritischen Gedanken zur türkischen Geschichte und Gegenwart zu dem beunruhigenden Kern des Problems und damit zum Kern des gesamten Buches:

„Mit der ‚Das Imperium schlägt zurück‘-Theorie wurde oft behauptet oder angedeutet, Europa müsse alle Konsequenzen der Massenmigration erleiden und tragen, weil sie Wiedergutmachung für historische Übeltaten sei. Wenn aber die Massenmigration Wiedergutmachung für historische Übeltaten wie Imperialismus ist, warum gilt das für die moderne Türkei nicht? Hat es die Türkei nicht verdient, auch vollständig verändert zu werden? (…) Wenn wir schon einmal dabei sind, die ‚Diversität‘ als Strafe für historische Übeltaten den Menschen aufzuerlegen, sollte die ‚Diversität‘ nicht auch über Saudi-Arabien verhängt werden? (…) Da alle Länder, Völker und Religionen irgendwann Schreckliches getan haben und da nicht alle Rassen und Kulturen in der gleichen Weise gestraft werden, sollte uns da nicht der Gedanke kommen, dass hinter diesen letzten Ereignissen in Europa ein spezifisches, gegen den Westen und Europa gerichtetes Motiv steckt?“ (187)

So sieht es aus.

Einer derjenigen, der „hinter diesen letzten Ereignissen“ steckt, ist nach Auskunft Murrays der Milliardär George Soros:

„[Er] investierte (…) beachtliche Summen in die Unterstützung von Interessensgruppen und Einrichtungen, die sich für offene Grenzen und die freie Bewegung von Migranten nach und in Europa einsetzten“ (199).

Und Soros ist offenbar international gut vernetzt.

Historische Schuld? – Ein brisantes Thema

Leider geht Murray im Anschluß an die zitierten Überlegungen zum „gegen den Westen und Europa gerichteten Motiv“ nicht näher auf dieses Motiv und auf diejenigen ein, die dieses Motiv haben.

Stattdessen folgt in Bezug auf den „Begriff der historischen Schuld“ die Bemerkung, daß „manche Christen wegen eines einzigen Absatzes im Evangelium die Juden in genau dieser Weise [nämlich, daß eine „erbliche Schande der Mittäterschaft von einer Generation zur nächsten weitergegeben“ werde] verantwortlich gemacht haben“ (188).

Worauf will Murray hier hinaus? Das ganze ist ja sehr ungenau formuliert.

Es mag „ein einziger Absatz im Evangelium“ sein, der eine generationenübergreifende Selbstverfluchung der Juden berichtet (zitiert wird in der Endnote Mt 27,25), der jüdische Antagonismus gegen die Propheten, gegen Jesus Christus, gegen Paulus und gegen die Kirche (vgl. 1 Thess 2,15) ist aber ein zentraler Duktus des Neuen Testamentes. Somit handelt es sich auch nicht lediglich um eine fixe Idee „mancher Christen“. Als belesener Mann mußte Murray das wissen.

Und zweitens ist die Zustimmung zur Verurteilung Jesu Christi, also die Identifikation mit der Täterschaft der Vorfahren, konstitutiver Bestandteil des talmudischen Judentums, was jüdische Autoritäten bekanntlich selbst sagen.((Vgl. die profunde Studie zu diesem traurigen Thema von Peter Schäfer, Jesus im Talmud, Mohr Siebeck, Tübingen, 3. durchgesehene Aufl. 2017 (erste dt. Auflage 2007, Original Princeton University Press 2007).

Der jüdische Philosoph Franz Rosenzweig bekennt sich dazu, Jesus wiederum zu kreuzigen, falls notwendig:

‚Er [Rosenzweig] schrieb im Herbst 1916 an Eugen Rosenstock, daß wir die „weltüberwindende Fiktion des christlichen Dogmas nicht mitmachen“, daß wir die „Grundlagen der gegenwärtigen Kultur verleugnen“, daß wir „Christus gekreuzigt haben und es, glauben Sie mir, jederzeit wieder tun würden“.‘ Eine andere Quelle stellt Rosenzweigs Aussage mit folgenden erstaunlichen Worten dar: ‚Der lange vor dem Nationalsozialismus geführte Briefwechsel [zwischen Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock-Huessy] eröffnet verblüffende Einsichten in eine kontroverstheologische Debatte, in der sich die Partner nicht scheuen, Positionen zu äußern, die heute allemal als „antijudaistisch“ gelten würden: sei es, dass sich Rosenzweig als Jude beinahe stolz dazu bekennt, Jesus auch ein weiteres Mal kreuzigen zu wollen, sei es, dass Rosenstock den Juden vorhält, Jesus immer wieder zu kreuzigen und damit auf Erden „Luzifer abzubilden“.‘ (!))) Auch das wird Murray wissen.

Es stimmt übrigens nicht, daß 1965 „ein Papst diese Last auch formal aufhob“ (ebd.). So einfach liegen die Dinge nicht.

Die von Murray dann als „moralisch widerwärtig“ qualifizierte „Beschuldigung der Nachfahren“ (ebd.) ist andererseits bekanntlich fixes Repertoire der „Holocaustindustrie“ (Norman Finkelstein), wenn es um finanzielle Ansprüche jüdischer Organisationen gegenüber europäischen Ländern, besonders Deutschland und Österreich geht.

Und warum bezeichnet der französische Rabbiner David Touitou den Islam als „Besen Israels“?((L’islam est le balai d’Israel.))

Klarerweise ist hier der Kern der Untersuchung, da Moral und moralische Ansprüche zentral zugunsten der Völkerwanderung nach Europa ins Treffen geführt werden. Die von Murray gestellte Frage: „Wenn historische Übeltaten heute gesühnt werden müssen, wo liegen dann die Grenzen, und wer alles ist davon betroffen?“ (187), wird aber letztlich nicht beantwortet.

Hatte Murray, obwohl selbst Atheist, allenfalls die Verurteilung Jesu im Sinn? Und alles, was daraus unvermeidlicherweise folgen mußte?

Vermutlich konnte Murray aus offenkundigen Gründen nicht deutlicher werden und wollte daher mit der Verschwenkung des Gedankenganges auf eine christliche Schuld, die – paradox genug – von der in Mt 27,25 reportierten und damals aus einer Position der Stärke getätigten Zustimmung zum Tod Jesu durch die jüdischen Führer und ihr Volk ihren Ausgang genommen haben soll, den Leser auf die richtige Fährte setzen.((Man wird ausschließen können, daß Murray über das Verhältnis Juden – Nichtjuden im Talmud nicht Bescheid wissen und daß er die Aussagen von Rabbinern, die die Islamisierung Europas mit theologischen Argumenten preisen, etwa Pinchas Goldschmidt und David Touitou nicht kennen würde.))

Wenn also „historische Übeltaten gesühnt werden müssen“ und wenn „alle Länder, Völker und Religionen irgendwann Schreckliches getan haben“, wie Murray formuliert, dann hat er logischerweise implizit auch das jüdische Volk gemeint. Wenn dieses seine eigene Geschichte aufarbeitet und Sühne leistet – ein durchgängiger Appell der alttestamentarischen Propheten übrigens –, können die Folgen nur segensreich sein. Und das betrifft natürlich die im Buch als ganzem verhandelte Thematik.

Resümee

Wie auch immer das eine oder andere Detail sehen mag, ist das Buch klarerweise eine wichtige Stimme in der heutigen Verwirrung. Während etwa katholische Hierarchen, einschließlich des Papstes, und ihre Apparatschiks die Massenimmigration verteidigen und den Islam an sich mit Blick auf die verunglückten Dokumente des II. Vaticanums als „abrahamitisch“ oder was auch immer verteidigen, schreibt ein säkularer Intellektueller, was er sieht und wie sich die verheerende Wirklichkeit darstellt.

P.S.: Das Buch und sein Autor

„Säkular“ mag hier das Stichwort für ein Postskriptum sein: Das Werk eines Autors ist immer zu einem gewissen Grad unabhängig vom Autor zu betrachten (wegen der Vermeidung des „Genetischen Trugschlusses“).

Douglas Murray war anglikanischer Christ und ist jetzt Atheist. Er versteht sich als „Kulturchrist“ bzw. als „christlicher Atheist“.

Er ist auch bekennender Homosexueller. Das ist im heutigen Medienbetrieb zweifellos ein gewisser Vorteil.

Für die Zukunft Europas ist allerdings beides kein hoffnungsvolles Modell. Auch für ihn selbst nicht.

Douglas Murray sollte daher für sich selbst noch einige existentielle Überlegungen anstellen.

Douglas Murray, Der Selbstmord Europas – Immigration, Identität, Islam, Edition Tichys Einblick, FinanzBuch Verlag, München 2018, 383 S. (Orig.: The Strange Death of Europe: Immigration, Identity, Islam, 2017)

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*Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer

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