Gläubige empören sich gegen Imam

Islam: Bischof Michele Seccia mit Imam Batzami beim Besuch einer Moschee.
Islam: Bischof Michele Seccia mit Imam Batzami beim Besuch einer Moschee.

(Rom) Nicht über­all akzep­tie­ren die Gläu­bi­gen das Vor­drin­gen des Islams im kirch­li­chen Raum. In die Pfarr­kir­che zum hei­li­gen Libe­ra­tor von Vil­la Came­ra di Cam­pli in den Abruz­zen wur­de der ört­li­che Imam ein­ge­la­den, doch die Gläu­bi­gen empö­ren sich dagegen.

Vor 500 Jah­ren wur­de in Vil­la Came­ra die Pfarr­kir­che dem Mär­ty­rer Libe­ra­tor geweiht. Seit­her wird der Beken­ner und Bischof dort ver­ehrt. Zu den 500-Jahr-Fei­er­lich­kei­ten, die am 29. Juli begon­nen haben, gewähr­te der Kar­di­nal­groß­pö­ni­ten­ti­ar Mau­ro Pia­cen­za den Pil­gern, die das Hei­lig­tum auf­su­chen, einen voll­kom­me­nen Ablaß.

Die Über­lie­fe­rung zum hei­li­gen Libe­ra­tor ist nicht voll­stän­dig. Ver­schie­de­ne Quel­len machen leicht abwei­chen­de Anga­ben. Es wird daher nicht aus­ge­schlos­sen, daß es meh­re­re Beken­ner des glei­chen Namens gab. Weit­ge­hen­de Über­ein­stim­mung herrscht, daß er ein Opfer der Chri­sten­ver­fol­gung unter Kai­ser Dio­kle­ti­an wur­de und wahr­schein­lich auch Bischof war.

In Süd­ita­li­en wer­den Kir­chen­pa­tro­zi­ni­en als Nove­ne began­gen. Die Fest­lich­kei­ten zie­hen sich über neun Tage hin.

Imam soll über „Jesus im Koran“ sprechen

San Liberatore, Programm der 500-Jahrfeiern
San Libe­ra­to­re, Pro­gramm der 500-Jahrfeiern

Die ört­li­chen Kir­chen­ver­ant­wort­li­chen lie­ßen sich dazu eine Beson­der­heit ein­fal­len und wol­len die Gläu­bi­gen mit einem Auf­tritt des ört­li­chen Imams beglücken. Am 3. August, einem Herz-Jesu-Frei­tag, soll Musta­fa Batz­a­mi, „Imam der isla­mi­schen Gemein­schaft in den Abruz­zen“, in der Pfarr­kir­che einen Vor­trag über „Jesus im Koran“ halten.

Dage­gen empö­ren sich die Gläu­bi­gen. Der Dia­log mit dem Islam sei gut und recht, sol­le aber dort statt­fin­den, wo er hin­ge­hö­re. Eine katho­li­sche Kir­che sei kein Ort dafür, und schon gar nicht die Patro­nats­fest­lich­kei­ten für einen hei­li­gen Märtyrer.

Die Gläu­bi­gen ver­wei­sen auch auf den Herz-Jesu-Frei­tag. Die Ein­la­dung eines Imams in das Haus Got­tes kom­me einer Belei­di­gung gleich, da der Islam die Got­tes­sohn­schaft Jesu Chri­sti leug­net und got­tes­lä­ster­li­che Belei­di­gun­gen über den Hei­land und Erlö­ser zum festen Bestand­teil mach­te. Die Hei­li­ge Schrift fin­det dazu deut­li­che Wor­te. In sei­nem Ersten Brief schreibt der Apo­stel Johan­nes (1 Joh 2, 21 – 23):

„Ich schrei­be euch nicht, daß ihr die Wahr­heit nicht wißt, son­dern ich schrei­be euch, daß ihr sie wißt und daß kei­ne Lüge von der Wahr­heit stammt.
Wer ist der Lüg­ner — wenn nicht der, der leug­net, daß Jesus der Chri­stus ist? Das ist der Anti­christ: wer den Vater und den Sohn leug­net. Wer leug­net, daß Jesus der Sohn ist, hat auch den Vater nicht; wer bekennt, daß er der Sohn ist, hat auch den Vater.“

„Synkretismus der Religionen“

Seit dem Auf­tre­ten von Pro­te­sten will in der Pfar­rei nie­mand für die Ein­la­dung ver­ant­wort­lich sein. Viel­mehr wird auf den vor­ma­li­gen Orts­bi­schof von Ter­a­mo-Atri, Msgr. Miche­le Seccia, ver­wie­sen. Bischof Seccia, den Papst Fran­zis­kus im Sep­tem­ber 2017 zum Erz­bi­schof von Lec­ce ernann­te, ist für sei­nen „inter­re­li­giö­sen Dia­log“ mit den Mus­li­men bekannt. Im Hin­ter­grund wird die­ser beson­ders von der ört­li­chen Foko­lar­be­we­gung von Ter­a­mo und Pes­ca­ra gefördert.

Im Juni 2017 ver­an­stal­te­ten die Foko­lar­be­we­gung, das Bis­tum – damals noch unter Bischof Seccia – und die isla­mi­sche Gemein­schaft die Akti­on „Chri­sten und Mus­li­me gemein­sam – um zu beten, zu tei­len und zu bestä­ti­gen“. Was sie genau auf dem „brü­der­li­chen Weg“ gemein­sam „bestä­ti­gen“ soll­ten, blieb aller­dings nebu­lös wie die Inten­ti­on der Foko­lar­be­we­gung, deren Enga­ge­ment in der Sache mehr zivil­ge­sell­schaft­li­cher und poli­ti­scher als reli­giö­ser und mis­sio­na­ri­scher Natur zu sein scheint.

Der neue Bischof von Ter­a­mo-Atri, Msgr. Loren­zo Leuz­zi, der zum Höhe­punkt der Patro­nats­fest­lich­kei­ten am 4. August nach Vil­la Came­ra kom­men wird, scheint selbst von der Ein­la­dung an den Imam über­rascht wor­den zu sein.

Die ent­schei­den­den Kon­tak­te müs­sen zwi­schen Orts­pfar­rer, Don Ada­mo Vara­ne­si, einem in der Diö­ze­san­hier­ar­chie auf­stre­ben­den Prie­ster, und dem umtrie­bi­gen Imam Musta­fa Batz­a­mi erfolgt sein. Als Affront wird von den Gläu­bi­gen auch emp­fun­den, daß Batz­a­mis Vor­trag der ein­zi­ge wäh­rend der gan­zen Fest­lich­kei­ten ist. „Das sind fal­sche Signa­le“, so die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Sei­te Mes­sa in Lati­no. Zur Gna­de des wah­ren Glau­bens gehö­re es, anzu­er­ken­nen, „daß Gott aus der Jung­frau Maria Mensch gewor­den ist, uns den Weg zum Heil geöff­net hat und am Ende der Zei­ten uns rich­ten wird“, heißt es in einer Zuschrift an die Internetseite.

Kul­tur­hi­sto­risch kön­ne ein Vor­trag „Jesus im Koran“ durch­aus inter­es­sant sein. Er gehö­re aber weder in eine Kir­che noch in das Pro­gramm für die Fest­lich­kei­ten eines christ­li­chen Märtyrers.

Den „gemein­sa­men brü­der­li­chen Weg“, der 2017 von Bischof Seccia begon­nen wur­de, kri­ti­sie­ren die Gläu­bi­gen als „initia­to­ri­sches Pro­jekt“, das als „Syn­kre­tis­mus der Reli­gio­nen“ bezeich­net wer­den kön­ne. Daher kön­ne der Vor­trag des Imams nicht ein­mal als „kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tung“ ein­ge­stuft werden.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Bis­tum Ter­a­mo-Atri/­Mes­sa in Lati­no (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Ja. So muss es sein. Dass die ört­li­che Kir­chen­ge­mein­de auf­be­gehrt. Der­ar­ti­ge islam­kun­di­ge Vor­trä­ge gehö­ren nicht in die Kir­che, son­dern besten­falls in einen öffent­li­chen, nicht sakra­len Gemeinschaftsraum.

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