Weltfamilientreffen öffnet sich der Homosexualität

James Martin
P. James Martin mit eigenem, homophilen Programm beim Weltfamilientreffen in Dublin - auf Einladung des Vatikans.

(New York) Der bekann­te­ste homo­phi­le Jesu­it wird erst­mals mit eige­nen Akti­vi­tä­ten für „Homo­se­xu­el­le und ihre Fami­li­en“ beim Welt­fa­mi­li­en­tref­fen der katho­li­schen Kir­che dabei­sein.

Weltfamilientreffen 2018 in Dublin
Welt­fa­mi­li­en­tref­fen 2018 in Dub­lin

Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin nahm in einem von Vati­can News am ver­gan­ge­nen 11. Janu­ar ver­öf­fent­lich­ten Inter­view zum bevor­ste­hen­den Welt­fa­mi­li­en­tref­fen in Dub­lin Stel­lung. Der nach Papst Fran­zis­kus rang­höch­ste Ver­tre­ter des Kir­chen­staa­tes und ober­ste Chef­di­plo­mat des Hei­li­gen Stuhls sprach dar­in von einem „neu­en Para­dig­ma“.

Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär beton­te im Zusam­men­hang mir dem umstrit­te­ne, nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, daß Papst Fran­zis­kus von den Gläu­bi­gen einen „Para­dig­men­wech­sel“ for­de­re.

Zu die­sem „Para­dig­men­wech­sel“ scheint auch die Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät zu gehö­ren. Beim erwähn­ten Welt­fa­mi­li­en­tref­fen, das vom 21.–26. August in der iri­schen Haupt­stadt Dub­lin statt­fin­det, wer­den laut Asso­cia­ted Press, einer der Big Three der glo­ba­len Pres­se­agen­tu­ren, auch „heik­le The­men“ dis­ku­tiert wer­den. Die AP-Jour­na­li­stin Nico­le Win­field nennt

„den Schutz der Kin­der vor sexu­el­lem Miß­brauch, die Art, wie mit der Schei­dung umge­hen und wie Les­ben und Schwu­le inte­grie­ren“.

Papst Fran­zis­kus wird per­sön­lich an den letz­ten bei­den Tagen, dem 25./26. August, am Welt­fa­mi­li­en­tref­fen teil­neh­men und die Abschluß­mes­se in Dub­lin zele­brie­ren.

Am Mon­tag wur­de von den Orga­ni­sa­to­ren das Pro­gramm bekannt­ge­ge­ben „und ent­hält eini­ge Über­ra­schun­gen“, so AP.

Zu den „Über­ra­schun­gen“ gehört die Teil­nah­me des umstrit­te­nen, homo­phi­len US-Jesui­ten James Mar­tin. Er wird mit eige­nen Akti­vi­tä­ten am Welt­fa­mi­li­en­tref­fen mit­wir­ken, um den Katho­li­ken „zu erklä­ren“, wie „Katho­li­ken der LGBT-Gemein­schaft und ihre Fami­li­en in den Pfar­rei­en will­kom­men“ zu hei­ßen sind.

James Martin, sieht sich als „Brückenbauer“ zwischen Kirche und Homosexuellen. Der Preis ist die Anerkennung der Homosexualität.
James Mar­tin, sieht sich als „Brücken­bau­er“ zwi­schen Kir­che und Homo­se­xu­el­len. Der Preis ist die Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät.

P. James Mar­tin steht im Mit­tel­punkt eines in den USA, aber auch inter­na­tio­nal toben­den Kon­flik­tes um das Ver­hält­nis der katho­li­schen Kir­che zur Homo­se­xua­li­tät. Der Dekan der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Jesui­ten­uni­ver­si­tät Ford­ham in den USA ist beken­nen­der Homo­se­xu­el­ler und lebt mit einem schwu­len Part­ner zusam­men. Vom Jesui­ten­or­den gab es kei­ne Kon­se­quen­zen. Im ver­gan­ge­ne Dezem­ber „oute­te“ sich ein Prie­ster des Erz­bis­tums Mil­wau­kee: „Ich bin Prie­ster und ich bin schwul“. Vom Erz­bis­tum gab es kei­ne Kon­se­quen­zen. Im Gegen­teil: Sein Erz­bi­schof, Jero­me Listecki, erklär­te: „Wir unter­stüt­zen“ ihn. Auch die Tat­sa­che, daß der schwu­le Pfar­rer Kri­tik an der kirch­li­chen Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät übte und seit­her behaup­tet, Gott mache die Men­schen „homo­se­xu­ell“ oder „trans­gen­der“, stör­te den Erz­bi­schof nicht. Der Jesu­it James Mar­tin war gleich zur Stel­le und erklär­te sei­ne „Bewun­de­rung“ für das Bekennt­nis des schwu­len Pfar­rers. Mit ande­ren Wor­ten, inner­halb der Kir­che exi­stiert eine Homo-Lob­by, und sie und ihr Wir­ken sind nur zum Teil erkenn­bar.

Der Jesu­it mach­te mit sei­nen Akti­vi­tä­ten in den USA und einem Buch deut­lich, daß nicht nur für die Annah­me von Men­schen mit homo­se­xu­el­len Nei­gun­gen ist, son­dern für die Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät.

Der homophile Benediktiner Luigi Gioia begeisterte sich bei seinem Besuch in New York an P. James Martin: „Gott liebt auch Schwule und Lesben“
Der homo­phi­le Bene­dik­ti­ner Lui­gi Gio­ia begei­ster­te sich bei sei­nem Besuch in New York an P. James Mar­tin: „Gott liebt auch Schwu­le und Les­ben“

Das wäre in der Tat ein Para­dig­men­wech­sel in der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te der Kir­che und in der viel­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te, wenn das Alte Testa­ment mit­ge­rech­net wird. Die kirch­li­che Tra­di­ti­on und die Hei­li­ge Schrift zäh­len Homo­se­xua­li­tät zu den schwe­ren Sün­den, sogar zu den „him­mel­schrei­en­den Sün­den“.

Im homo­phi­len Gesamt­kli­ma des Westens, aber auch ande­rer nicht-christ­li­cher Kul­tu­ren wol­len eini­ge Kir­chen­ver­tre­ter nichts mehr davon wis­sen. Nach ihrer Vor­stel­lung habe sich die Kir­che den aktu­el­len, welt­li­chen Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen.

James Mar­tin pola­ri­siert in den USA, und das mas­siv. Das hat mit sei­nem aus­ge­präg­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ta­lent zu tun, aber auch mit dem Umstand, daß er mit sei­ner Posi­ti­on zum Medi­en­lieb­ling avan­cier­te. Das berei­tet dem Epis­ko­pat nicht gerin­ges Kopf­zer­bre­chen.

Papst Fran­zis­kus hat bereits per­sön­lich in die­sen US-Kon­flikt ein­ge­grif­fen, und das auf die ihm eige­ne Art: Es gab vom Papst kei­ne direk­te Stel­lung­nah­me, dafür ernann­te er Mar­tin aber zum Con­sul­tor des von ihm neu­errich­te­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats. Die Ernen­nung steht in kei­nem direk­ten Zusam­men­hang mit der Homo-Fra­ge, soll aber signa­li­sie­ren, was Papst Fran­zis­kus von sei­nem Ordens­mit­bru­der hält.

Das Ein­grei­fen von Fran­zis­kus hat noch eine wei­te­re Sei­te. Die von ihm für die USA ernann­ten Bischö­fe unter­schei­den sich von jenen, die sein Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. ernann­te – aller­dings mit eini­gen nach­träg­li­chen Ent­täu­schun­gen. Zu die­sen gehört auch Erz­bi­schof Jero­me Listecki von Mil­wau­kee, der seit dem uner­war­te­ten Rück­tritt von Bene­dikt XVI. eini­ge Posi­tio­nen „kor­ri­gier­te“. Fran­zis­kus selbst ver­sucht mit der Suche nach pro­gres­si­ven Außen­sei­tern den US-Epis­ko­pat auf­zu­bre­chen und umzu­bau­en.

Soeben erschienen: Martins Buch auf italienisch.
Soeben erschie­nen: Mar­tins Buch auf ita­lie­nisch „Brücke bau­en. Ein neu­es Ver­hält­nis zwi­schen Kir­che und LGBT-Men­schen“

Dazu gehört Joseph Tobin, den Fran­zis­kus zum Erz­bi­schof von Newark mach­te und im Novem­ber 2016 zum Kar­di­nal kre­ierte. Tobin wur­de nicht nur für sei­ne Unter­stüt­zung ultra­pro­gres­si­ver Ordens­frau­en bekannt. Im April 2017 konn­te mit sei­ner aus­drück­li­chen Zustim­mung eine „LGBT-Wall­fahrt“ in sei­ner Kathe­dra­le statt­fin­den. Zele­brant der damals gefei­er­ten Mes­se war P. Fran­cis Gar­ga­ni, ein Redemp­to­rist wie Kar­di­nal Tobin selbst. Gar­ga­ni erreg­te mit der Unter­stüt­zung der blas­phe­mi­schen The­se eines angli­ka­ni­schen Pastors Auf­se­hen, der behaup­te­te: „Jesus war schwul“. Für den Kar­di­nal von Fran­zis­kus Gna­den offen­sicht­lich kein Pro­blem.

Das Ziel des „Para­dig­men­wech­sels“, der unter Fran­zis­kus an ver­schie­de­nen Fron­ten ins Rol­len kommt, ist im kon­kre­ten Fall, die Homo­se­xua­li­tät von einem him­mel­schrei­en­den Unrecht zu einem aner­kann­ten und akzep­tier­ten Lebens­stil zu machen.

Die­sem Ziel fühlt sich der Jesu­it James Mar­tin ver­pflich­tet. Des­sen Durch­set­zung dient auch sein Auf­tritt beim Welt­fa­mi­li­en­tref­fen in Dub­lin.

Am 11. Juni twit­ter­te er:

„Lie­be Freun­de: Ich freue mich, die Ein­la­dung des Vati­kans und der Erz­diö­ze­se von Dub­lin anzu­neh­men, im August vor dem Besuch des Pap­stes auf dem Welt­fa­mi­li­en­tref­fen #WMOF2018 dar­über zu spre­chen, wie die Kir­che Fami­li­en mit LGBT-Ange­hö­ri­gen will­kom­men hei­ßen kann“.

James Mar­tin hat sich nicht selbst ein­ge­la­den, son­dern wur­de vom Vati­kan ein­ge­la­den. Die Fron­ten sind klar abge­steckt. Die Gay friend­ly Poli­cy wird von höch­ster Stel­le gespon­sert.

Sei­ne Ein­la­dung kom­men­tier­te der Jesu­it am sel­ben Tag auf Twit­ter mit den Wor­ten:

„Sie sen­det eine kla­re und kraft­vol­le Bot­schaft aus dem Vati­kan an #LGBT-Katho­li­ken, ihre Eltern und ihre Fami­li­en: Sie gehö­ren dazu und sind will­kom­men“.

Das Pro­blem: Zwi­schen dem, was zur Homo­se­xua­li­tät im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che steht, und dem, was der Jesu­it James Mar­tin ver­tritt, lie­gen Wel­ten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Twitter/James Mar­tin (Screen­shots)




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