„Erzbistum Tegucigalpa vom Terror regiert“

Bessere Zeiten: Martha Alegria Reichmann, die Witwe des langkährigen honduranischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, mit Kardinal Maradiaga. Heute erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den engen Vertrauten von Papst Franziskus.
Bessere Zeiten: Martha Alegria Reichmann, die Witwe des langkährigen honduranischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, mit Kardinal Maradiaga. Heute erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den engen Vertrauten von Papst Franziskus.

(Tegu­cig­al­pa) Im ver­gan­ge­nen Win­ter erhob Mar­tha Ale­gria Reich­mann, die Wit­we von Ale­jan­dro Val­la­da­r­es, der 22 Jahr Bot­schaf­ter von Hon­du­ras beim Hei­li­gen Stuhl war, schwe­re Vor­wür­fe gegen Oscar Kar­di­nal Rodri­guez Mara­dia­ga, den Erz­bi­schof von Tegu­cig­al­pa und Koor­di­na­tor des C9-Kar­di­nal­s­ra­tes. Kar­di­nal Mara­dia­ga ist einer der eng­sten Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus.

Das Wochen­ma­ga­zin L’Es­pres­so berich­te­te in zwei Arti­keln, daß sich die Bot­schaf­ters­wit­we vom Kar­di­nal hin­ter­gan­gen fühlt, der im Haus Val­la­da­r­es ein und aus­ge­gan­gen sei, aber die Fami­lie durch schlech­te Rat­schlä­ge um ihr Pri­vat­ver­mö­gen gebracht habe.

Hon­du­ra­ni­sche Medi­en hat­ten bereits frü­her dar­über berich­tet. Nun ver­öf­fent­lich­te der Vati­ka­nist Edward Pen­tin ein Inter­view mit Mar­tha Reich­mann.

„Wir haben wegen Maradiaga investiert. Das ganze Geld ist verschwunden“

Auf die Fra­ge, was mit dem Ver­mö­gen der Fami­lie gesche­hen sei, ant­wor­te­te sie: „Es ist ein völ­li­ges Rät­sel“. Man wis­se nicht, wie genau der Kar­di­nal invol­viert sei. Sie wis­se nur, daß die Geld­an­la­ge getä­tigt wur­de, weil der Kar­di­nal so posi­tiv über einen Finanz­ma­na­ger in Lon­don gespro­chen habe, aber das Gegen­teil des Ver­spro­che­nen her­aus­ge­kom­men sei. Der Kar­di­nal habe ihrem Mann gesagt:

„Ich habe bereits inve­stiert. Es ist sicher, des­halb habe ich das gan­ze Geld des Bis­tums inve­stiert“.

Familie Valladares mit Kardinal Maradiaga
Fami­lie Val­la­da­r­es mit Kar­di­nal Mara­dia­ga

Das sei 2012 gewe­sen. Im Okto­ber 2012 ist Bot­schaf­ter Val­la­da­r­es gestor­ben. Der Finanz­ma­na­ger sei inzwi­schen samt dem Geld ver­schwun­den. Sie habe den Kar­di­nal mehr­fach um Stel­lung­nah­me auf­ge­for­dert, even­tu­ell auch gemein­sam vor­zu­ge­hen, da ja auch das Erz­bis­tum gro­ßen Scha­den erlit­ten haben müs­se. Der Kar­di­nal habe aber nie geant­wor­tet und wei­che ihr aus. Zuletzt habe sie ihm am 9. April geschrie­ben, ohne Ant­wort zu erhal­ten.

Ihr Mann und sie ken­nen Kar­di­nal Mara­dia­ga „seit 40 Jah­ren“ und „hat­ten größ­tes Ver­trau­en in ihn“. Es sei eine feste Freund­schaft gewe­sen: „Wir waren sei­ne Fami­lie.“

Die Wit­we nann­te gegen­über Pen­tin eini­ge neue Details.

Nach den Geld­über­wei­sun­gen habe die Fami­lie vom Finanz­ma­na­ger Depot­be­stä­ti­gun­gen der deut­schen Com­merz­bank erhal­ten. Die­se stell­ten sich dann aber als gefälscht her­aus. Die Com­merz­bank hat­te nie Zah­lun­gen im Namen der Fami­lie Val­la­da­r­es erhal­ten.

„Der Papst wollte, daß wir uns treffen, der Kardinal hat aber abgelehnt“

Auf die Fra­ge, wie Papst Fran­zis­kus und sei­ne Bera­ter auf die Ange­le­gen­heit reagiert hät­ten, sag­te Reich­mann:

„Im Vati­kan haben sie Kar­di­nal Rodri­guez [Mara­dia­ga] auf­ge­for­dert, sich mit mir zusam­men­zu­set­zen, um eine Eini­gung zu erzie­len. Das hat er aber nicht getan.
Im ver­gan­ge­nen Febru­ar, als ich in Rom war und auch der Kar­di­nal, hat uns der Papst, ihn und mich, auf­ge­for­dert, uns zu tref­fen und die Sache zu bespre­chen. Bei­de haben wir zuge­stimmt, aber im letz­ten Augen­blick hat der Kar­di­nal dann abge­lehnt, und so haben wir uns nicht getrof­fen.“

Die gan­ze Sache sei auf­ge­flo­gen, als die Wit­we im Febru­ar 2015 dem Finanz­ma­na­ger Youss­ry Heni­en mit­teil­te, einen der Depot­schei­ne ein­lö­sen zu wol­len, weil sie das Geld brauch­te.

„Er wei­ger­te sich, bis ich mit dem Rechts­an­walt droh­te, dann reagier­te er und teil­te mit, daß sein Anwalt alles mit mei­nem Anwalt klä­ren wer­de. Seit­her habe ich nichts mehr von ihm gehört.“

Kardinal Maradiaga mit dem Botschafter und seiner Frau samt Widmung
Kar­di­nal Mara­dia­ga mit dem Bot­schaf­ter und sei­ner Frau samt Wid­mung

Auf die Schrei­ben des Anwal­tes habe Heni­en nicht reagiert. Wie sich her­aus­stell­te, exi­stier­te Heni­ens Unter­neh­men Leman Wealth Manage­ment zu die­ser Zeit schon nicht mehr.

Mar­tha Reich­mann wol­le „nur Gerech­tig­keit“, wie sie betont. Sie habe „sehr gelit­ten“, der „psy­cho­lo­gi­sche Scha­den“ sei nicht zu berech­nen, eben­so­we­nig wis­se sie, wie sie ohne das Geld leben kön­ne, weil die Fami­lie alles ver­lo­ren habe.

„Der Kar­di­nal weiß das alles, doch er zeigt nicht die gering­ste Reue.“

Wer sich mit Weihbischof Pineda anlegt, „wird vom Kardinal marginalisiert“

„Ich möch­te klar­stel­len, daß ich nicht das ein­zi­ge Opfer bin. Wir sind vie­le Opfer und das Gemein­sa­me ist, daß wir alle ein Pro­blem mit Weih­bi­schof Juan Pine­da haben.“

Gegen Pine­da wur­den von L’Espresso, aber auch schon von Edward Pen­tin in einer Repor­ta­ge schwe­re Vor­wür­fe wegen „sexu­el­len und finan­zi­el­len Fehl­ver­hal­tens“ erho­ben. Laut der Repor­ta­ge wird dem Weih­bi­schof ein homo­se­xu­el­ler Lebens­wan­del vor­ge­wor­fen. Er suche sich sei­ne Gespie­len auch im Prie­ster­se­mi­nar, wes­halb der frü­he­re Regens des erz­bi­schöf­li­chen Semi­nars sei­ne Lehr­auf­trä­ge kün­dig­te und ihm Haus­ver­bot erteil­te. Kar­di­nal Mara­dia­ga habe dar­auf den Semi­nar­re­gens abge­setzt und sei­nem Weih­bi­schof wie­der Zugang zum Semi­nar ver­schafft.

Wegen der zahl­rei­chen Beschwer­den beim Nun­ti­us ent­sand­te Papst Fran­zis­kus im Früh­jahr 2017 einen Ver­trau­ten als Son­der­ge­sand­ten nach Tegu­cig­al­pa. Der Bericht liegt seit vie­len Mona­ten auf dem Schreib­tisch des Pap­stes, ohne daß die­ser tätig wur­de. Die­se Untä­tig­keit dürf­te dazu geführt habe, daß Infor­ma­tio­nen an Jour­na­li­sten des Espres­so durch­sicker­ten.

Zur Lage im Erz­bis­tum Tegu­cig­al­pa sag­te Mar­tha Reich­mann:

„Es steht für uns fest, daß jeder, der Pine­da anrührt, von Rodri­guez ver­ur­teilt wird“.

„Man weiß, daß die Kir­che von Tegu­cig­al­pa der­zeit durch Ter­ror regiert wird gegen jeden, der es wagt, die Fehl­ent­schei­dun­gen des Kar­di­nals in Fra­ge zu stel­len oder, noch gefähr­li­cher, sich mit Weih­bi­schof Juan Jose Pine­da anzu­le­gen. Alle, die es gewagt haben, wur­den an den Rand gedrängt.“

„Prie­ster des Erz­bis­tums wur­den allein des­halb sus­pen­diert, weil sie den Kar­di­nal über unmo­ra­li­sche Hand­lun­gen von Weih­bi­schof Pine­da infor­miert haben oder sich an eine ande­re Stel­le wand­ten [die Apo­sto­li­sche Nun­tia­tur], um Gehör zu fin­den.“

2015 habe Kar­di­nal Mara­dia­ga allen Prie­ster sei­nes Erz­bis­tums eine jähr­li­che Zuwen­dung der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Tegu­cig­al­pa gestri­chen. Spä­ter habe der Kar­di­nal sei­ne Straf­ak­ti­on damit begrün­det, daß sie ihn bei der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur „denun­ziert“ hät­ten.

„Wir fra­gen uns, wie es sein kann, daß der Kar­di­nal den armen Prie­stern ein­mal im Jahr eine so klei­ne Geld­sum­me ver­wei­gert, Pine­da aber erlaubt, Mil­lio­nen zu hor­ten.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Natio­nal Catho­lic Register/L’Espresso (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. All­mäh­lich fra­ge ich mich, ob an die­ser „Katho­li­schen Uni­ver­si­tät“ eigent­lich auch Vor­le­sun­gen statt­fin­den, oder ob es sich um eine rei­ne Geld­um­ver­tei­lungs­ma­schi­ne han­delt?

    Wie­so bekommt jeder, sogar jeder ein­fa­che Prie­ster, Zuwen­dun­gen von die­ser Uni­ver­si­tät? Für den höhe­ren Kle­rus scheint sie ja fast eine Art Schat­ten­bank zu sein.

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