Heilige Kommunion kann nur in den Mund empfangen werden

Altötting
Die Gnadenkapelle von Altötting : Päpstliche Kommission Ecclesia Dei beseitigt Unklarheiten zur Zelebration in der überlieferten Form des Römischen Ritus.

Alt­öt­ting bil­det unter den gro­ßen Wall­fahrts­or­ten des deut­schen Sprach­rau­mes eine löb­li­che Aus­nah­me. Ver­hält­nis­mä­ßig bald nach Erlaß des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI. wur­de ab 2011 am Gna­den­ort wie­der die regel­mä­ßi­ge Zele­bra­ti­on der Hei­li­gen Mes­se in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus ermög­licht. Ganz pro­blem­los war die Sache bis­her den­noch nicht. Nun sorgt die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei für Klarheit.

Auflage Handkommunion?

Gnadenbild von AltöttingUm die Hei­li­ge Mes­se in der Gna­den­ka­pel­le in Alt­öt­ting zele­brie­ren zu kön­nen, muß man sich bei einem zustän­di­gen Prä­la­ten anmel­den. Eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Das Mari­en­hei­lig­tum gehört zum Bis­tum Pas­sau, das in Alt­öt­ting eine bischöf­li­che Admi­ni­stra­ti­on der Kapell­stif­tung unter­hält. Seit sie­ben Jah­ren ist ist Prä­lat Gün­ther Man­dl, der frü­he­re Pfar­rer von Alt­öt­ting, Wallfahrtsrektor.

Seit einer ent­spre­chen­den Inter­ven­ti­on der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei wird anfra­gen­den Prie­stern zwar freund­lich die Zele­bra­ti­ons­er­laub­nis in der for­ma extra­or­di­na­ria des Römi­schen Ritus erteilt, aller­dings mit einer „Auf­la­ge“: Der Zele­brant darf die Hand­kom­mu­ni­on nicht ver­wei­gern, falls ein Pil­ger sie wün­schen sollte.

Dazu wand­te sich ein Prie­ster mit einer Anfra­ge an die zustän­di­ge Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei in Rom. Der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on wur­den fol­gen­de Fra­gen vorgelegt:

  1. Kann eine sol­che Auf­la­ge gemacht wer­den, bzw. ist eine sol­che Auf­la­ge erlaubt?
  2. Kann einem Prie­ster, der die Hand­kom­mu­ni­on ver­wei­gert, die Zele­bra­ti­on im Mari­en­hei­lig­tum in Zukunft ver­bo­ten werden?

Die Antwort der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei

Am 17. April ant­wor­te­te das Sekre­ta­ri­at der Kommission:

„In Beant­wor­tung Ihrer E‑Mail vom 12. April 2018 bezüg­lich Kom­mu­ni­ons­pen­dung wäh­rend der Zele­bra­ti­on der Hei­li­gen Mes­se in der for­ma extra­or­di­na­ria bekräf­tigt die­se Päpst­li­che Kom­mis­si­on, das die lit­ur­gi­schen Bestim­mun­gen der for­ma extra­or­di­na­ria eine Spe­dung der hei­li­gen Kom­mu­ni­on in die Hän­de der Gläu­bi­gen nicht vorsehen.
Alle sind ver­pflich­tet, die Nr. 28 der Instruk­ti­on Uni­ver­sae Eccle­siae zu befol­gen, wel­che dar­an erin­nert, daß das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum alle Bestim­mun­gen bezüg­lich der hei­li­gen Riten, die seit 1962 erlas­sen wur­den und mit den Rubri­ken der lit­ur­gi­schen Bücher unver­ein­bar sind, die 1962 in Gel­tung waren, außer Kraft setzt.
Aus pasto­ra­len Grün­den ist es gut, daß die Gläu­bi­gen, die an der Mes­se im Vetus ordo teil­neh­men, über den Inhalt und die Grün­de die­ser lit­ur­gi­schen Bestim­mun­gen (vor Beginn der Zele­bra­ti­on) infor­miert werden.“

Klare Präzisierungen

Die Ant­wort ist vor allem für den deut­schen Sprach­raum nicht ohne Bedeu­tung, wo in ver­schie­de­nen Diö­ze­sen noch laten­te Wider­stän­de gegen die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus, das Motu Pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum und auch die in die­sem Ritus zele­brie­ren­den Prie­ster spür­bar sind. Die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei stell­te meh­re­re Punk­te klar, und das nicht nur für die Gna­den­ka­pel­le von Alt­öt­ting, son­dern gene­rell für alle Kirchen.

  1. Die Hand­kom­mu­ni­on ist in der for­ma extra­or­di­na­ria nicht erlaubt.
  2. Nie­mand darf daher die Hand­kom­mu­ni­on in der for­ma extra­or­di­na­ria ver­lan­gen, weder der zustän­di­ge Kir­chen­rek­tor noch Gläubige.
  3. Wenn die Hand­kom­mu­ni­on von jemand gefor­dert oder sogar zur Auf­la­ge gemacht wird, ist dies ungültig.
  4. Die Stel­lung­nah­me des Sekre­ta­ri­ats der Päpst­li­chen Kom­mu­ni­on Eccle­sia Dei in der Sache ist ver­bind­lich und definitiv.
  5. Die Päpst­li­che Kom­mis­si­on hat sich in Sachen Hand­kom­mu­ni­on kon­kret zur Situa­ti­on an der Gna­den­ka­pel­le in Alt­öt­ting geäu­ßert, wo bis­her Prie­stern eine ungül­ti­ge Auf­la­ge gemacht wurde.
  6. Die Stel­lung­nah­me der Kom­mis­si­on gilt für alle Kirchen.

Handkommunion eine Ausnahmeregelung seit 1969

Papst Benedikt XVI. in der Altöttinger Gnadenkapelle
Papst Bene­dikt XVI. in der Alt­öt­tin­ger Gnadenkapelle

Zur Erin­ne­rung: Die Hand­kom­mu­ni­on steht in kei­nem Zusam­men­hang mit der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus. Sie wur­de von Papst Paul VI. erst im Zuge der Lit­ur­gie­re­form von 1969 für den Novus ordo erlaubt, und das nur in beschränk­tem Maße. Auch im neu­en Ritus gilt die Mund­kom­mu­ni­on als eigent­li­che Form der Kom­mu­ni­ons­pen­dung. Die Hand­kom­mu­ni­on ist ledig­lich als außer­or­dent­li­che Form erlaubt, die mit­tels Dis­pens von der eigent­li­chen Form, auf ent­spre­chen­den Wunsch einer Bischofs­kon­fe­renz gewährt wer­den kann. Im deut­schen Sprach­raum mach­ten die Bischofs­kon­fe­ren­zen sofort Gebrauch von der Dis­pens. Daher wäre es aus pasto­ra­len Grün­den  gut, daß auch die Gläu­bi­gen, die an der Mes­se im Neu­en Ritus teil­neh­men, vor Beginn der Zele­bra­ti­on über den Inhalt und die Grün­de der gel­ten­den lit­ur­gi­schen Bestim­mun­gen infor­miert würden.

Bereits Paul VI. äußer­te 1969 in Memo­ria­le Domi­ni die Befürch­tung, die von ihm den Bischofs­kon­fe­ren­zen gewähr­te Mög­lich­keit, die Hand­kom­mu­ni­on zuzu­las­sen, könn­te zu einer Min­de­rung der Ehr­furcht vor dem Altarsa­kra­ment führen.

Papst Paul VI. befrag­te 1969 alle Bischö­fe, was sie von der Zulas­sung der Hand­kom­mu­ni­on hal­ten wür­den. Kaum mehr als ein Vier­tel der Bischö­fe gab eine zustim­men­de Ant­wort. Fast 60 Pro­zent lehn­ten sie kate­go­risch ab, der Rest äußer­te Vorbehalte.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons

4 Kommentare

  1. also wenn’s nicht so trau­rig wäre, könn­te man sich ja totlachen.

    Paul VI fragt die Bischö­fe, nur ein gutes Vier­tel ist dafür, er hat sel­ber Sor­ge, es könn­te die Ehr­furcht min­dern — und was fol­gert er dar­aus? Er erlaubt es…

  2. Man möch­te in Rom der­zeit wohl nicht noch eine wei­te­re „Bau­stel­le“ bzw. Ärger haben- es gibt davon ja reich­lich genü­gend- und hat dann eben die­se Ent­schei­dung getrof­fen. Der vetus ordo wird in Deutsch­land mas­siv behin­dert und somit bleibt auch die Zahl der Gläu­bi­gen hier im kon­trol­lier­ba­ren Rah­men. Papst Fran­zis­kus selbst ist bekannt­lich ein aus­ge­spro­che­ner Geg­ner des über­lie­fer­ten Ritus. Nein, eine Schwal­be macht noch kei­nen Sommer.

  3. „Ordo“ hat etwas mit „Ord­nung“ zu tun, und wenn der vetus ordo nur die Mund­kom­mu­ni­on vor­sieht, so gilt das dann auch für alle Got­tes­dienst­teil­neh­mer. Punkt.
    Ver­su­chen Sie ein­mal in einem Rus­sisch-Ortho­do­xen Got­tes­dienst als ortho­do­xer Christ die mit dem Blut Chri­sti getränk­te Hostie in die Hand gelegt zu bekom­men? Dies ist schlicht undenkbar.
    Natür­lich kön­nen ande­re Got­tes­dienst­ord­nun­gen ande­re For­men vor­se­hen, so etwa in der Grie­chisch-Ortho­do­xen Kir­che. Ein ande­rer Ritus muss nicht gleich weni­ger ehr­fürch­tig sein. Jüdi­sche Pes­sach­ri­ten — für Jesus Anlass und Aus­gangs­punkt der Ein­set­zung der Wand­lungs­wor­te — sind zugleich streng gere­gelt und sehr fami­li­är. Die Mat­zen wer­den hier selbst­ver­ständ­lich in die Hand genom­men. Auch in die­sem Rah­men gilt: So ist die Ord­nung. Punkt.

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