Neue Akademie Johannes Paul II. für das Leben gegründet

Humane vitae, "prophetische" Enzyklika für die Kultur des Lebens
Humane vitae, "prophetische" Enzyklika für die Kultur des Lebens

(Rom) In Rom fand am Sams­tag, 28. Okto­ber, am Ange­li­cum eine Tagung zum The­ma 50 Jah­re Enzy­kli­ka Huma­nae vitae – Ihr Bedeu­tung gestern und heu­te statt. Die Tagung wur­de von 25 Lebens­rechts- und Fami­li­en­or­ga­ni­sa­tio­nen aus aller Welt ver­an­stal­tet. Vor einem voll­be­setz­ten Saal spra­chen meh­re­re bekann­te, ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben. Sie waren vor meh­re­ren Mona­ten der Säu­be­rung durch Papst Fran­zis­kus zum Opfer gefal­len. Da sie das zen­tra­le Anlie­gen des Lebens­rech­tes durch die umge­bau­te Päpst­li­che Aka­de­mie für das Leben nicht mehr garan­tiert sehen, gaben sie die Grün­dung einer neu­en Aka­de­mie für das Leben bekannt.

Humanae vitae — und die Revanche der 68er mit Amoris laetitia

Die Enzy­kli­ka Huma­nae vitae sorg­te mit­ten in den Stu­den­ten­pro­te­sten und der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on von 1968 für gro­ßes Auf­se­hen und gilt seit­her als Magna Char­ta des Lebens­schut­zes. Inmit­ten von Rebel­li­on und radi­ka­ler Ableh­nung der katho­li­schen Ehe- und Moral­leh­re ver­öf­fent­lich­te Papst Paul VI. die­se Enzy­kli­ka, um die bis­he­ri­ge Leh­re der Kir­che zu bekräf­ti­gen.

Kardinal Brandmüller, Eröffnung der Humanae vitae-Tagung am Angelicum
Kar­di­nal Brand­mül­ler, Eröff­nung der Huma­nae vitae-Tagung am Ange­li­cum

Die Tagung wur­de von Kar­di­nal Wal­ter Brand­mül­ler eröff­net, der auf­zeig­te, daß sich Huma­nae vitae per­fekt in die päpst­li­chen Leh­ren des 20. Jahr­hun­derts ein­fügt. Ein Wider­spruch sei nicht mög­lich, weil der Hei­li­gen Geist in der Kir­che Jesu Chri­sti han­delt und Garant für eine Ent­wick­lung ist, die mit dem Glau­ben über­ein­stimmt, denn die­ser blei­be im Fluß der Zeit immer gleich.

Im ersten Teil nahm Prof. de Mattei Stel­lung, der für die Enzy­kli­ka den histo­ri­schen Kon­text ihrer Ent­ste­hung auf­zeig­te. Dabei erwähn­te er vor allem die orga­ni­sier­ten Irr­tü­mer, denen sie sich wider­setz­te, dar­un­ter beson­ders die Bewe­gung für Gebur­ten­kon­trol­le (im Westen von Mar­ga­ret San­ger), die ihrer­seits Teil der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on ist. San­ger war die bekann­te­ste, neo­mal­thu­sia­ni­sche und femi­ni­sti­sche Gestalt des 20. Jahr­hun­derts und ist die Grün­de­rin des welt­größ­ten Abtrei­bungs­kon­zerns Plan­ned Paren­thood.

Laut dem Histo­ri­ker scheint das umstrit­te­nen Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia von Papst Fran­zis­kus die Revan­che der inner­kirch­li­chen Krei­se zu sein, die 1968 gegen Paul VI. unter­le­gen waren. Seit 1970 ver­fol­gen sie die Stra­te­gie, Huma­nae vitae zu besei­ti­gen, indem sie der Enzy­kli­ka eine neue Les­art zu geben ver­su­chen. Die Neo­mo­der­ni­sten schla­gen heu­te vor, die Enzy­kli­ka „im Licht von Amo­ris lae­ti­tia“ zu lesen. Das erklä­re auch, war­um rom­kri­ti­sche Moder­ni­sten über Nacht zu Super­pa­pi­sten mutie­ren. Sie for­dern die­sel­be „Treue zum Papst“, nun zu Fran­zis­kus, wie sie 1968 zu Paul VI. gefor­dert wur­de. Eine inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung wird durch die theo­lo­gisch und histo­risch halt­lo­se Posi­ti­on ersetzt: Der Papst habe immer recht.

Säuberung der Päpstlichen Akademie für das Leben

Die Säu­be­rung der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben erfolg­te so radi­kal, daß zum 31. Dezem­ber 2016 alle Mit­glie­der der von Papst Johan­nes Paul II. gegrün­de­ten Aka­de­mie, obwohl auf Lebens­zeit ernannt, vor die Tür gesetzt wur­den. Die Aka­de­mie erhielt neue Sta­tu­ten und eine the­ma­ti­sche Erwei­te­rung unter dem Stich­wort „Human­öko­lo­gie“. Ein Stich­wort, das Lebens­schüt­zer irri­tiert. Sie erken­nen dar­in die Absicht, sich durch the­ma­ti­sche „Erwei­te­rung“ vom eigent­li­chen Kern­the­ma ent­fer­nen zu wol­len.

Im ver­gan­ge­nen Juni wur­den neue Aka­de­mie­mit­glie­der ernannt, dar­un­ter auch eini­ge ehe­ma­li­ge. Vor der Tür blie­ben jene, die zu deut­lich für die „nicht ver­han­del­ba­ren Grund­sät­ze“ ein­tre­ten, die Papst Bene­dikt XVI. defi­niert hat­te, und die dem der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat offen­bar zu eigen­stän­dig im Den­ken und Han­deln sind.

Unter den neu­en Aka­de­mie­mit­glie­dern fin­den sich eini­ge zwei­fel­haf­te Ernen­nun­gen, dar­un­ter jene des angli­ka­ni­schen Pastors Nigel Big­gar, der sich in der Ver­gan­gen­heit bereits für die Abtrei­bungs­frei­ga­be bis zur 18. Schwan­ger­schafts­wo­che aus­ge­spro­chen hat­te.

Stiefmütterlicher Umgang mit dem Lebensrecht ungeborener Kinder unter Franziskus

Der stief­müt­ter­li­che Umgang von Papst Fran­zis­kus mit dem Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der und die Zer­trüm­me­rung der von Johan­nes Paul II. zur Ver­tei­di­gung der Kul­tur des Lebens errich­te­ten Vati­kan-Insti­tu­tio­nen spre­chen eine deut­li­che Spra­che. Fran­zis­kus hat­te es im Sep­tem­ber 2013 bereits ange­kün­digt: Der Kampf für das Lebens­recht der Kin­der und gegen die Abtrei­bung habe für ihn kei­ne Prio­ri­tät.

Im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr wur­den zudem Signa­le regi­striert, daß Fran­zis­kus die Enzy­kli­ka Huma­nae vitae umin­ter­pre­tie­ren könn­te.

Die gest­ri­ge Tagung will von den Orga­ni­sa­to­ren als Zei­chen ver­stan­den wer­den, daß der Kampf für das Leben in der Kir­che wei­ter­ge­tra­gen wird. Aus die­sem Grund wur­de eine neue Aka­de­mie für das Leben gegrün­det, wie der öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Josef Sei­fert im Rah­men der Tagung bekannt­gab.

Sei­fert war bereits unter Johan­nes Paul II. Aka­de­mie­mit­glied gewor­den. Obwohl auf Lebens­zeit ernannt, fiel auch er der päpst­li­chen Säu­be­rung zum Opfer. Der Erz­bi­schof von Gra­na­da kün­dig­te zudem im ver­gan­ge­nen Som­mer sei­nen Lehr­auf­trag am Inter­na­tio­na­len Insti­tut für Phi­lo­so­phie mit Sitz in Gra­na­da, wegen „Papst­kri­tik“, weil Prof. Sei­fert mit zwei detail­lier­ten Ana­ly­sen Kri­tik am umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia geübt hat­te. Letz­te­re radi­ka­le Zäsur ergab sich, weil Papst Fran­zis­kus in Sachen Ehe­sa­kra­ment und Moral­leh­re von der bis­he­ri­gen kirch­li­chen Leh­re und Pra­xis abweicht, aber es nicht zugibt. Da aus die­sem Grund kei­ne inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung statt­fin­den darf, weil das eine kla­re Posi­ti­on vor­aus­set­zen wür­de, wer­den Kri­ti­ker mund­tot gemacht.

Neue Akademie für das Leben

Die neue Ein­rich­tung wird Aka­de­mie Johan­nes Paul II. für das Leben hei­ßen (John Paul II Aca­de­my für Human Life, JAHLF). Prof. Sei­fert wird erster Vor­sit­zen­der der Aka­de­mie, die völ­lig unab­hän­gig von den kirch­li­chen Struk­tu­ren sein wird.

Die Auf­ga­be der neu­en Aka­de­mie wird es sein, Auf­trag und Arbeit der von Johan­nes Paul II. gegrün­de­ten Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben fort­zu­set­zen. Kon­kret geht es dabei vor allem dar­um, den Kampf für das Lebens­recht ohne fal­sche Nach­gie­big­keit und ohne fal­sche Kom­pro­mis­se fort­zu­füh­ren, wie ihn die Päp­ste Paul VI. (Huma­nae vitae), Johan­nes Paul II. (Kul­tur des Lebens) und Bene­dikt XVI. (nicht ver­han­del­ba­re Grund­sät­ze) ver­tre­ten haben.

Unter der Lei­tung des ehe­ma­li­gen Bischofs von Ter­ni und Ex-Fami­li­en­mi­ni­sters des Vati­kans, Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia, den Fran­zis­kus zum Vor­sit­zen­den der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben und zum Groß­kanz­ler für das Päpst­li­che Insti­tut Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie ernannt hat, schei­nen bei­de Insti­tu­tio­nen kei­ne Garan­ten mehr, Ver­tre­ter der bis­he­ri­gen kirch­li­chen Leh­re zu sein. Paglia gehört der Gemein­schaft von Sant’Egidio an.

Neben Prof. Sei­fert wer­den Prof. Robert de Mattei, Prof. Clau­dio Pier­an­to­ni, Judie Brown (Vor­sit­zen­de der Ame­ri­can Life League), Tho­mas Ward (Grün­der der Ver­ei­ni­gung katho­li­scher Fami­lie in Groß­bri­tan­ni­en), Mer­ce­des Wil­son (Vor­sit­zen­de von Fami­ly of the Ame­ri­cas), Chri­sti­ne Voll­mer (Vor­sit­zen­de der Ame­ri­can Alli­an­ce für the Fami­ly), Prof. Luke Gor­mal­ly und vie­le wei­te­re Mit­glie­der der neu­en Aka­de­mie sein.

Der Groß­teil von ihnen war bereits Mit­glied der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben, bevor Fran­zis­kus die­se einer Säu­be­rung unter­zog.

Die neue Aka­de­mie für das Leben wen­det sich gegen die Leh­re bestimm­ter Moral­theo­lo­gen, die der­zeit eine uner­war­te­te Hoch­kon­junk­tur zu haben schei­nen. Es geht um die Ver­tre­ter einer „Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ethik“. Für sie gibt es kei­ne in sich böse Tat, die unter kei­nen Umstän­den erlaubt ist. Viel­mehr müs­se stän­dig jede Tat auf­grund der „Umstän­de“ geson­dert geprüft wer­den , um zu erken­nen, ob sie gut oder böse sei.

Zur Grün­dung der neu­en Aka­de­mie sag­te Prof. Sei­fert gestern am Ange­li­cum:

„Gegen star­ken sozia­len und histo­ri­schen Druck durch den Zeit­geist, der will, daß wird ver­wäs­sern oder zur Gän­ze leug­nen, daß es in sich böse Taten gibt, wol­len wir JAHLF-Mit­glie­der uns die­sem Druck und fal­schen Leh­ren nicht beu­gen.“

Es dür­fen im Zusam­men­hang mit der Wahr­heit kei­ne Kom­pro­mis­se mit zeit­gei­sti­gen Moral­vor­stel­lun­gen ein­ge­gan­gen wer­den, wenn die­se falsch sind, so Sei­fert wei­ter.

Die heu­ti­ge Gesell­schaft sei von „erschrecken­den Übeln und Irr­tü­mern ange­grif­fen – und die sei­en auch in die Kir­che ein­ge­drun­gen. Ihnen sei deut­lich und ent­schie­den ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild. CR/Concilio e post­con­ci­lio

 




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3 Kommentare

  1. Der Neu­en Aka­de­mie für das Leben Hl. P.Johannes Paul II sei alles erdenk­li­che Gute gewünscht und frucht­ba­res Wir­ken.
    „Ardet nec con­su­mitur“- „Er brennt und wird doch nicht ver­brannt“:
    Die­se Devi­se der Prä­mon­stra­ten­ser­ab­tei Grim­ber­gen, nörd­lich von Brüs­sel, mit nicht gerin­ger evan­ge­li­sie­ren­der Wir­kung zusam­men mit dem Bild des Vogels Phö­nix auf dem Eti­kett aller Bier­fläsch­chen dort ste­hend, möge auch für die Aka­de­mie gel­ten.

    (Das Bier ist sehr gut und via EDEKA jetzt auch in Deutsch­land breit ver­tre­ten, übri­gens von einer Lai­en­braue­rei pro­du­ziert; das Eti­kett ist sehr schön. Die Abtei jedoch hat im Augen­blick schwe­re per­so­nel­le und noch viel mehr aller­schwer­ste ideo­lo­gi­sche und spi­ri­tu­el­le Pro­ble­me).

    Inso­weit ist die spi­ri­tu­el­le Wir­kung der Grün­dung der Neu­en Aka­de­mie für das Lebens enorm und herz­stär­kend für alle treue Katho­li­ken.

  2. Herz­li­chen Dank und Got­tes Segen allen Grün­dern und Mit­glie­dern der neu­en Aka­de­mie.
    Gre­go­ria­na und Ange­li­cum — Jesui­ten und Domi­ni­ka­ner

    Der Jesui­ten Orden war schon ein­mal ver­bo­ten.

    Vor der 35. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on schrieb Papst Bene­dikt XVI. am 10. Janu­ar 2008 in einem Schrei­ben an Pater Gene­ral Kol­ven­bach u. a.:

    „Um der gan­zen Gesell­schaft Jesu eine kla­re Aus­rich­tung zu geben, die Unter­stüt­zung ist für eine groß­zü­gi­ge und treue apo­sto­li­sche Hingabe,wäre es heu­te wie noch nie nütz­lich, wenn die Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on, im Geist des Hl. Igna­ti­us, ihr voll­stän­di­ges Fest­hal­ten an der katho­li­schen Leh­re bestä­tigt, beson­ders in eini­gen neur­al­gi­schen Punk­ten, die heu­te von der säku­la­ren Kul­tur sehr stark ange­grif­fen wer­den, wie zum Bei­spiel das Ver­hält­nis von Chri­stus und den Reli­gio­nen, eini­ge Aspek­te der Theo­lo­gie der Befrei­ung sowie ver­schie­de­ne Punk­te der Sexu­al­mo­ral, beson­ders, was die Fra­ge der Unauf­lös­lich­keit der Ehe und die Pasto­ral für die homo­se­xu­el­len Per­so­nen betrifft.“ FN 14

    FN 14: Brief von Papst Bene­dikt XVI. an den Gene­ral­obe­ren. 10. Janu­ar 2008, in: Dekre­te der 35. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on der Gesell­schaft Jesu. Mün­chen 2008, S. 149. Abge­ru­fen am 8. Novem­ber 2013 (PDF; 1,9 MB).

    Sei­te „Jesui­ten“. In: Wiki­pe­dia, Die freie Enzy­klo­pä­die. Bear­bei­tungs­stand: 19. Okto­ber 2017, 18:12 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jesuiten&oldid=170136541 (Abge­ru­fen: 29. Okto­ber 2017, 20:17 UTC)

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