„Nach dem Holocaust“ — Geschichts-Theologie zur Rechtfertigung eines jüdischen „Heilsweges“ ohne Christus

Blick von der Kirche Dominus flevit auf den Tempelberg in Jerusalem. Wenn Jesus nicht auch für das Heil der Juden gekommen wäre, hätte er nicht über Jerusalem weinen müssen.
Blick von der Kirche Dominus flevit auf den Tempelberg in Jerusalem. Wenn Jesus nicht auch für das Heil der Juden gekommen wäre, hätte er nicht über Jerusalem weinen müssen.

Gast­bei­trag von Felix Lanz

Das Katho­li­sche Sonn­tags­blatt, die „Kir­chen­zei­tung der Diö­ze­se Bozen-Bri­xen“ ver­öf­fent­lich­te am 16. April den Arti­kel „Für­bit­ten im Gei­ste des Kon­zils“. Im Vor­spann heißt es:

„Nir­gends spie­gelt sich das neue Ver­hält­nis des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zu ande­ren Reli­gio­nen, zu den Juden und den Hei­den deut­li­cher wider als bei den gro­ßen Für­bit­ten am Kar­frei­tag.“

Was hier am „Rand“ des deutsch­spra­chi­gen Raums geschrie­ben wur­de, spie­gelt die der­zeit, offi­zi­ell vor­herr­schen­de Mei­nung im katho­li­schen deut­schen Sprach­raum wider.

Der Mainstream-Theologe Paolo Renner

Paolo Renner (Mitte)
Pao­lo Ren­ner (Mit­te)

Der Arti­kel ist gezeich­net mit dem Kür­zel „pr“. Es steht für Pao­lo Ren­ner. Ren­ner ist Pro­fes­sor für Fun­da­men­tal­theo­lo­gie und Reli­gi­ons­wis­sen­schaft an der Theo­lo­gisch-Phi­lo­so­phi­schen Hoch­schu­le Bri­xen, an der auch die Semi­na­ri­sten der Diö­ze­se aus­ge­bil­det wer­den. Zuletzt war er Dekan der Hoch­schu­le, der­zeit ist er Pro­de­kan. Nach sei­nem Stu­di­um an der Gre­go­ria­na wur­de Ren­ner 1985 zum Prie­ster geweiht. Kurz dar­auf über­nahm er die Lei­tung einer „Basis­ge­mein­de“ in Meran, der er seit sei­ner Jugend ange­hör­te. Seit 2009 ist er zudem Direk­tor des „Öku­me­ni­schen und Inter­re­li­giö­sen Insti­tuts für Gerech­tig­keit, Frie­den und Bewah­rung der Schöp­fung“, einer jener kirch­li­chen Zeit­geist-Ein­rich­tun­gen, denen ein Wort­schwall zu sozia­len Fra­gen, zugun­sten von Mas­sen­ein­wan­de­rung und Islam sowie öko­lo­gi­schen und ande­ren The­men des links­grü­nen Spek­trums ein­fällt, aber nichts zum him­mel­schrei­en­den Unrecht der Abtrei­bung.

Als Main­stream-Theo­lo­ge weiß Ren­ner natür­lich auch etwas zum Ver­hält­nis zwi­schen Chri­sten­tum und Juden­tum zu sagen, was er im genann­ten Arti­kel anhand der gro­ßen Kar­frei­tags­bit­te für die Juden tut.

„pr“ schreibt dar­in:

„Die­se neue Bit­te ist vor­sich­tig for­mu­liert. Sie nimmt Rück­sicht auf die vom Kon­zil erneu­er­te Leh­re von der Gül­tig­keit des ersten Bun­des.“

Es folgt ein (obli­ga­ter) Sei­ten­hieb gegen die Tra­di­ti­on:

„Lei­der klin­gen in der seit 2007 zuge­las­se­nen ‚außer­or­dent­li­chen Form‘ des römi­schen Ritus die alten Töne wie­der an. Hier wird dar­um gebe­tet, dass ‚unser Gott und Herr ihre Her­zen erleuch­te, damit sie Jesus Chri­stus als Ret­ter aller Men­schen erken­nen‘.“

„pr“ dazu:

„Das hat hef­ti­ge Reak­tio­nen aus­ge­löst. Vie­le Juden frag­ten mit Recht, ob sie um ihres Hei­les wil­len ver­pflich­tet sei­en, an Chri­stus als Erlö­ser aller Men­schen zu glau­ben.“

Renner: Juden müssen für ihr Heil „nicht an Christus als Erlöser aller Menschen glauben“

Ren­ner macht sich die jüdi­sche Posi­ti­on vor­be­halt­los zu eigen. Wer nicht weiß, von wem die­se Kri­tik an der in der außer­or­dent­li­chen Form des römi­schen Ritus ent­hal­te­nen Kar­frei­tags­bit­te stammt, wür­de kaum erra­ten, daß sie aus dem Mund eines Chri­sten kommt. Ein selt­sa­mes Ver­hal­ten für einen Theo­lo­gen, Prie­ster und Aus­bil­der künf­ti­ger Prie­ster.

Es geht noch wei­ter:

„Die von Papst Paul VI. vor­sich­ti­ge For­mu­lie­rung gilt wei­ter­hin als ‚ordent­li­che Form‘ des römi­schen Ritus. Für die ‚Erleuch­tung‘ der Juden zu beten, ist des­halb in der heu­ti­gen Zeit mit einer gewis­sen Anma­ßung ver­bun­den. Da ist der Gedan­ke nicht weit, ‚Bekeh­rung‘ sei für die Juden not­wen­dig, damit sie zum Heil gelan­gen.“

Katholisches Sonntagsblatt vom 16. April 2017
Katho­li­sches Sonn­tags­blatt vom 16. April 2017

Spä­te­stens an die­ser Stel­le, mit all ihren Kon­junk­tiv­for­men, bleibt man fast sprach­los. Redet so ein katho­li­scher Prie­ster? Für das Heil eines ande­ren Men­schen zu beten ist eine „Anma­ßung“? Auch in die­sem Fall macht sich Ren­ner unkri­tisch die jüdi­sche Posi­ti­on zu eigen. Er spricht nicht als Prie­ster, nicht als Theo­lo­ge, nicht als Christ. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Objekt sei­ner Dar­stel­lung scheint „per­fekt“. Ist das das Ziel einer „inter­re­li­giö­sen“ Camou­fla­ge? Ren­ner ver­steigt sich fak­tisch zur Behaup­tung — ohne jede Distanz, ohne jede Kri­tik, ohne jedes Hin­ter­fra­gen -, daß es min­de­stens zwei Heils­we­ge geben muß: einen christ­li­chen Heils­weg mit Chri­stus und einen jüdi­schen Heils­weg ohne Chri­stus.

Das Gegen­teil leh­ren die Hei­li­ge Schrift und die kirch­li­che Über­lie­fe­rung. Chri­stus ist aus­drück­lich Mensch gewor­den, um die Juden zur Bekeh­rung zu rufen. Wenn dem nicht so wäre — dem ist aber so — war es gera­de­zu absurd, daß er aus­ge­rech­net unter den Juden und als Jude Mensch gewor­den ist. Sei­ne Reden über die Hart­her­zig­keit und Umkehr rich­te­ten sich ganz kon­kret vor allem an die Juden. Er ging in die Syn­ago­gen und in den Tem­pel von Jeru­sa­lem. Er ging nie in irgend­ei­nen Hei­den­tem­pel. Glei­ches taten sei­ne Jün­ger, bis die Pha­ri­sä­er, die nach der Zer­stö­rung des Tem­pels die Kon­trol­le im Juden­tum über­nah­men, sie um 100 nach Chri­stus in der Syn­ode von Jam­nia end­gül­tig aus der Syn­ago­ge aus­schlos­sen.

Renners Geschichtstheologie: „Nach dem Holocaust …“

Ren­ner ist damit noch nicht am Ende sei­ner befrem­den­den Aus­füh­run­gen. Wie begrün­det er einen jüdi­schen „Heils­weg“ ohne Chri­stus? Mit einem salop­pen, aber bedin­gungs­lo­sen Dik­tum:

„Nach dem Holo­caust ver­bie­tet sich aber für Chri­sten jede Form von ‚Juden­mis­si­on‘.“

Ren­ner schreibt will­kür­lich einem schreck­li­chen, histo­ri­schen Ereig­nis, das sich irgend­wann in der Geschich­te, irgend­wo auf der Welt ereig­net hat, eine heils­ge­schicht­li­che Bedeu­tung höchst zwei­fel­haf­ter Art zu. Die Aus­sa­ge des getauf­ten Katho­li­ken, gefühl­ten Juden, poli­ti­schen Mar­xi­sten und prak­ti­zie­ren­den Athe­isten Theo­dor Ador­no „Nach Ausch­witz ein Gedicht zu schrei­ben, ist bar­ba­risch“ (1949) ist in der Sache dümm­lich und sub­stanz­los, mag aber als sub­jek­ti­ve Mei­nung im Raum ste­hen. Ren­ners Behaup­tung, „nach Ausch­witz“ hät­ten Chri­sten sich nicht mehr für die Bekeh­rung und das See­len­heil ande­rer Men­schen ein­zu­set­zen, jeden­falls nicht mehr für die Juden, ist ver­ti­kal von einer schreck­li­chen Hart­her­zig­keit und hori­zon­tal gera­de­zu blas­phe­misch. Sie rich­tet sich direkt gegen Chri­stus und sein Kreu­zes­op­fer, und sie rich­tet sich direkt gegen die (jüdi­schen) Mit­men­schen.

Hat der Nationalsozialismus das Heilswerk Jesu Christi annulliert?

Annul­liert ein 1900 Jah­re nach Chri­sti Tod am Kreuz im Namen einer neu­heid­ni­schen Ideo­lo­gie, des Natio­nal­so­zia­lis­mus, ver­üb­tes Ver­bre­chen das Heils­werk Jesu Chri­sti? Laut Ren­ner offen­bar schon. Damit spricht er dem Natio­nal­so­zia­lis­mus nach­träg­lich heils­ge­schicht­li­che Bedeu­tung zu. Das hät­te Hit­ler in sei­nem „Vorsehungs“-Denken zwar gefal­len, trifft die Sache aber wohl kaum. In der Hei­li­gen Schrift fin­den sich weder Natio­nal­so­zia­lis­mus noch „Holo­caust“. Die­ses Ver­bre­chen läßt sich viel­leicht auch geschichts­theo­lo­gisch deu­ten, aller­dings dann ganz anders, näm­lich im Kon­text von Sün­de und Ableh­nung Chri­sti — der Weg, Wahr­heit und Leben ist (Joh 14,6).

Der „Holo­caust“ spal­tet — folgt man Ren­ner — die Erlö­sungs­tat Chri­sti auf in einen auch nach dem „Holo­caust“ gül­ti­gen Teil für … ja, für wen, für die Chri­sten, die Hei­den, die Nicht-Juden (?) …, und einen nach dem „Holo­caust“ nicht mehr gül­ti­gen, annul­lier­ten, auf­ge­ho­be­nen Teil. Denn „nach dem Holo­caust“ gilt die Heils­tat Jesu, so Ren­ner, für die Juden jeden­falls nicht mehr. Ren­ner legt hier eine gera­de­zu abstru­se „Geschichts­theo­lo­gie“ vor.

Oder ist Ren­ner gar der Mei­nung, daß Mensch­wer­dung, Leh­re, Lei­den, Tod, Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt Chri­sti nie für die Juden gal­ten? Das wäre ein nicht min­der abschüs­sig-schlüpf­ri­ges Ter­rain, weil seit der Ver­kün­di­gung des Erz­engels Gabri­el an die Jung­frau Maria alles in der Mensch­heits­ge­schich­te dage­gen spricht.

„Wir haben den Messias gefunden“

Ren­ner will offen­bar, so sein bestre­ben, als beson­de­rer Freund der Juden auf­tre­ten, das ehrt ihn, ent­puppt sich in Wirk­lich­keit aber als das genaue Gegen­teil. Natür­lich bedür­fen auch die Juden des Heils wie jeder ande­re Mensch auf die­ser Welt. Sie war­ten 2000 Jah­re nach Chri­sti Tod noch immer auf die Ankunft des Mes­si­as. Der Tod führt sie wei­ter­hin nur hin­ab ins Reich der Toten. Die Auf­er­ste­hung ist ihrem eige­nen Ver­ständ­nis fremd. Jesus ist für die gesam­te Mensch­heit in die Welt gekom­men, aber — und das ist eine histo­ri­sche Tat­sa­che — ganz kon­kret inmit­ten der Juden und als Jude. Das kann auch Ren­ner nicht aus­lö­schen.

Das jüdi­sche Volk hat sich durch die Mensch­wer­dung Got­tes gespal­tet in jene, die den Mes­si­as erkannt haben und in jene, die ihn ablehn­ten und bis heu­te ableh­nen. Der künf­ti­ge Apo­stel Andre­as, so berich­tet das Johan­nes­evan­ge­li­um bereits im Ersten Kapi­tel, eil­te zu sei­nem Bru­der Simon, dem spä­te­ren Apo­stel Petrus, um ihm außer Atem zu berich­ten:

„Wir haben den Mes­si­as gefun­den“ (Joh 1,41).

Bei­de waren Juden. Die ton­an­ge­ben­de Eli­te, der dama­li­ge jüdi­sche Main­stream, ließ Chri­stus aber ans Kreuz schla­gen. So wie die Pro­te­stan­ten sich aus der Ableh­nung der katho­li­schen Kir­che defi­nie­ren, defi­nie­ren sich die Juden auch heu­te aus der Ableh­nung Chri­sti. Das Kreuz ist den Juden ein „Ärger­nis“ und den Hei­den eine „Tor­heit“, sagt die Hei­li­ge Schrift. Ren­ner macht sich die­se Hal­tung zu eigen, indem er es als Ärger­nis dar­stellt, daß Chri­sten für die Bekeh­rung der heu­ti­gen Juden beten, die Nach­kom­men jenes Teils des alten Vol­kes, das Chri­stus abge­lehnt hat, damit auch sie, wie der ande­re Teil des alten Vol­kes, aus dem Jesus alle Apo­stel und die ersten Jün­ger berief, Chri­stus erken­nen und das ewi­ge See­len­heil erlan­gen.

Jesus: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“

Denn es gibt nur einen Heils­weg für den Men­schen, ob Jude oder nicht, und der heißt Chri­stus. Jesus sagt aus­drück­lich:

„Ich bin der Weg und die Wahr­heit und das Leben; nie­mand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

Er sagt nicht, nie­mand — außer die Juden — kommt zum Vater außer durch mich. Allein die Vor­stel­lung ist absurd, da er fast nur von Juden umge­ben war. Sei­ne Wor­te rich­tet Chri­stus an alle Men­schen zu allen Zei­ten, damals aber stand ganz kon­kret nicht irgend­wer vor ihm, son­dern ein vor­wie­gend jüdi­sches Publi­kum. Die Aus­sa­ge bedeu­tet: „Nie­mand“ erlangt das Heil ohne Chri­stus. Einen Heils­weg ohne Chri­stus gibt es nicht.

Für das Heil ande­rer Men­schen zu beten, ob Juden, Hei­den, Ungläu­bi­ge, Gott­lo­se, schlech­te Chri­sten, ist ein Werk der Barm­her­zig­keit. In der „Anma­ßung“, die Ren­ner der Kar­frei­tags­bit­te für die Juden unter­stellt, spie­gelt sich letzt­lich jene Ableh­nung wider, die Chri­stus vor 2000 Jah­ren erfah­ren hat und seit 2000 Jah­ren erfährt. Ren­ner spricht zwar nicht für sich, recht­fer­tigt aber die Ableh­nung Chri­sti durch ande­re. Macht das die Sache bes­ser?

Ein Freund der Juden sein, heißt, sie — wie jeden ande­ren Men­schen — zu Chri­stus hin­zu­füh­ren, für Chri­stus zu gewin­nen, für ihr Heil und ihre Erleuch­tung zu beten. Die­se Barm­her­zig­keits­tat im Namen einer fik­ti­ven „Irreli­gio­si­tät“ und einer abwe­gi­gen Geschichts­theo­lo­gie abwür­gen zu wol­len, kommt im besten Fall einer Unter­las­sungs­sün­de gleich, im schlim­me­ren Fall aber …

Bild: Autor/Sonntagsblatt/Neue Süd­ti­ro­ler Tages­zei­tung (Screen­shots)

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8 Kommentare

  1. Pius XII. hat wohl mehr für die Juden getan, als jeder ande­re und doch hat er dar­an fest­ge­hal­ten, dass sich auch die Juden zu Chri­stus bekeh­ren müs­sen. Ich möch­te hier mal ein paar Wor­te der Hl. Schrift anbrin­gen, die für vie­le Vat. II-Ver­tre­ter nun­mehr noch die ein­zi­ge Glau­bens­quel­le zu sein scheint: Apg 3,12–26 ∗ Apg 4,10–12.

    Im Übri­gen fra­ge auch ich mich, was der Holo­caust mit der Fra­ge des ewi­gen Heils zu tun haben soll? Die Nazis haben die Juden ja nicht aus reli­giö­sen, son­dern aus ras­si­schen Grün­den ver­folgt. Wenn ich zu einem Juden sage: „Du musst katho­lisch wer­den“, dann leug­ne ich damit den Holo­caust nicht, noch rela­ti­vie­re ich die­sen. Das eine ist eine histo­ri­sche Fra­ge, das ande­re eine reli­giö­se. Es gehört zu den Wer­ken der Barm­her­zig­keit, dass man für ande­re betet, auch für die Juden. Wer meint, dass die Juden kei­ne Bekeh­rung nötig hät­ten und daher nicht für sie betet, der zeigt sich sehr unbarm­her­zig (und auf eine bestimm­te Art auch anti­se­mi­tisch).

    Ich bete wei­ter­hin um die Bekeh­rung der Juden und hal­te pri­vatim auch an der „ganz alten“ Kar­frei­tags­für­bit­te fest („Orémus et pro pérfidis Judǽis“, ohne Amen und ohne Knie­beu­ge), wie sie zB. bei der Prie­ster­bru­der­schaft Pius X. prak­ti­ziert wird. „Per­fid“ heißt nicht „schlecht“, „raff­gie­rig“, „hin­ter­li­stig“ etc., son­dern schlicht und ein­fach „ungläu­big“.

    • „Ich bete wei­ter­hin um die Bekeh­rung der Juden“
      In müh­sa­mer Klein­ar­beit konn­te ich mei­nen Pfar­rer über­zeu­gen, daß die Für­bit­te für die Juden in jetz­ti­ger From häre­tisch ist. Ich war froh, die rich­ti­gen Wor­te in der Kar­frei­tags­lit­ur­gie zu hören. Übri­gens ist es kei­nem in der Kir­che auf­ge­fal­len. Dann wur­de der Pfar­rer ver­setzt, und der neue stell­te sich dumm, tat so, als ob er nicht den Unter­schied ver­ste­hen wür­de, dann mach­te er noch eine Bemer­kung, daß es gefähr­lich ist, sich mit den Juden anzu­le­gen, und es blieb alles beim alten.

  2. Es gibt kaum ein The­ma, des­sen ehr­li­che Erfor­schung in die Brei­te und Tie­fe geeig­ne­ter wäre, Auf­schluss über die Lage der Kir­che und der Chri­sten­heit, wie auch Deutsch­lands, Euro­pas und der Mensch­heit ins­ge­samt zu geben. Der Holo­caust hat in der Tat nicht nur geschicht­li­che Bedeu­tung.

    Der Holo­caust hat Züge eines reli­giö­sen Kul­tes ange­nom­men, ist ins­be­son­de­re zur Qua­si-Staats­re­li­gi­on der Bun­des­re­pu­blik Deu­sch­land gewor­den, deren Rai­son-d’êt­re (!) –wie sowohl Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel als auch ihr Oppo­nent Mar­tin Schulz erklärt haben– der Staat Isra­el ist. Wäh­rend Jesus Chri­stus im Namen der Kunst­frei­heit straf­los gelä­stert und geschän­det wer­den darf, steht der Holo­caust und alles mit ihm Zusam­men­hän­gen­de in vie­len Län­dern der Erde unter einem ein­zig­ar­ti­gen — und har­ten! — (straf)rechtlichen Schutz. Die 6.000.000 Holo­cau­stop­fer haben das Opfer auf Kal­va­ria, und die natio­na­le Auf­er­ste­hung der Juden­heit im Staat Isra­el die Auf­er­ste­hung Jesu Chri­sti von den Toten ersetzt, und an Stel­le der Erwar­tung des Jüng­sten Gerich­tes ist die Furcht vor der mili­tä­ri­schen Sam­son-Opti­on und Arma­ged­don getre­ten… Möge, wer sich davon berührt fühlt, selbst uner­schrocken weit­erfor­schen.

  3. Letzt­lich führt die obser­van­te Aus­le­gung des II. Vati­ka­nums zur nach­träg­li­chen Legi­ti­ma­ti­on des NS-Unrech­tes, indem die bio­lo­gi­sche Zuge­hö­rig­keit zu einem Volk über die über­na­tür­li­che Zuge­hör­gik­eit zum Got­tes­volk der einen hei­li­gen katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che gestellt wird. Das ist „posi­ti­ves Chri­sten­tum“ in Reinst­kul­tur. Hei­li­ge Edith Stein, bit­te für uns!

  4. Die Rich­tig­keit die­ses „theo­lo­gi­schen“ Ansat­zes unter­stellt, dass ein Völ­ker­mord Chri­stus für das Heil der Opfer als Mitt­ler über­flüs­sig machen wür­de. War­um die­ses? Wur­de der „Holo­caust“ etwa von Chri­sten durch­ge­führt? Nein. Und selbst wenn, was wür­den Ver­bre­chen am Wil­len Got­tes ändern? Kann der „Holo­caust“ die Gül­tig­keit von Joh 14,6 auf­he­ben? Oder ist die Bibel (zumin­dest wenn es nicht oppor­tun ist…) nicht Got­tes Wort? Oder hat­te der Herr kei­ne Ahnung, was er sag­te? Hat er gelo­gen? Dann war er also gar nicht der Mes­si­as…?
    Die Rich­tig­keit die­ses „theo­lo­gi­schen“ Ansat­zes unter­stellt, stellt sich mir die Fra­ge, ob die­se „The­se“ dann auch für für die Mil­lio­nen Sowjet­bür­ger, die in Sta­lins Lagern bei minus 20°C nackt mit kal­tem Was­ser über­gos­sen wur­den, Gel­tung hat? Oder für die bis zu 2,2 Mil­lio­nen Opfer der sog. „Roten Khmer“? Oder die India­ner, die von der US-Ver­wal­tung gezielt mit pocken­ver­seuch­ten Decken „ver­sorgt“ wur­den?
    Oder gilt der Ansatz nur exklu­siv für Juden? War­um die­ses?

  5. Was für ein dum­mes Geschwätz: „…klin­gen wie­der an…“
    Die Kar­frei­tags­bit­ten in der alt­üb­li­chen Form haben nie auf­ge­hört zu erklin­gen bei den der Tra­di­ti­on ver­bun­de­nen Prie­stern und Gläu­bi­gen.
    Die Moder­ni­sten in Bugnini’scher Tra­di­ti­on mögen sich win­den wie ein Boa con­stric­tor: die­se Gläu­bi­gen und ihre Prie­ster und Bischö­fe sind nicht „vom Glau­ben „abge­fal­len, wie ein Msgr. Schlegl dies vor weni­gen Tagen salopp for­mu­lier­te.
    Viel­mehr haben die moder­ni­sten das dama­li­ge lit­ur­gi­sche Tafel­sil­ber der Hl. Kir­che in Nacht­töp­fen ent­sorgt (frei­es Zitat nach Klaus Ber­ger) und ist jetzt die Spit­ze des Welt­epis­ko­pats dabei es auch fun­da­men­tal­theo­lo­gisch zu ver­nich­ten.
    Mat­thä­us zum Letz­ten kennt übri­gens kei­ne Aus­nah­me-da hat Hr. Rener sich wohl als „fünf­tee Evan­ge­list“ gefühlt.

  6. Es ist mit offen­bar ent­gan­gen, das der Mis­si­ons­auf­trag des Herrn zeit­lich und sach­lich befri­stet wur­de: die Juden nur bis zum Holo­caust. Trö­sten wir uns: über kurz oder lang wird der Begriff „Mis­si­on“ ohne­hin zum Unwort des Jah­res erklärt wer­den.

  7. Der Bei­trag von Felix Lanz legt den Fin­ger in die Wun­de einer falsch ver­stan­de­nen Annä­he­rung an das Juden­tum.
    Genau­er: Als Jude bleibt man gene­rell skep­tisch, wenn Nicht­ju­den erklä­ren wol­len, was der jüdi­sche Heils­weg ist.
    An Pao­lo Ren­ner ist die Fra­ge zu rich­ten, wie über­zeugt er selbst vom über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben ist.
    Nur ein von der eige­nen Posi­ti­on über­zeug­ter Gesprächs­part­ner kann ein ech­ter Gesprächs­part­ner sein — fern von jedem, dies­mal pseu­do­li­be­ra­len Ver­ein­nah­mungs­ver­such.

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