Trient und Johannes Paul II. haben schon entschieden — Forderung nach sakramentalem Frauendiakonat häretisch!

Priesterweihe
Priesterweihe

Von Mar­kus Büning*

Nach eini­gen Tagen des Nach­den­kens über die Fürst­sche For­de­rung und die inzwi­schen bekann­te gegen­tei­li­ge Stel­lung­nah­me von Bischof Dr. Rudolf Vor­der­hol­zer, der – Gott Dank! – völ­lig zu Recht im Ergeb­nis die For­de­rung sei­nes bischöf­li­chen Mit­bru­ders mit dem Zeug­nis von Schrift und Tra­di­ti­on zurück­weist, bedarf es m.E. noch einer kla­ren dog­ma­ti­schen Posi­tio­nie­rung in die­ser Fra­ge:

Das Öku­me­ni­sche Kon­zil von Tri­ent hat in sei­ner Abwehr der refor­ma­to­ri­schen Irr­tü­mer in Sachen Sakra­men­ten­leh­re unfehl­ba­re Leh­rent­schei­dun­gen getrof­fen, die zum unver­letz­li­chen Glau­bens­gut unse­rer Kir­che zäh­len. So heißt es in Can. 1 im Dekret über die Sakra­men­te wie folgt:

„Wer sagt, die Sakra­men­te des Neu­en Bun­des sei­en nicht alle von unse­rem Herrn Jesus Chri­stus ein­ge­setzt; oder es gebe mehr oder weni­ger als sie­ben, näm­lich Tau­fe, Fir­mung, Eucha­ri­stie, Buße, Letz­te Ölung, Wei­he und Ehe; oder auch: eines von die­sen sie­ben sei nicht wahr­haft und im eigent­li­chen Sin­ne Sakra­ment: der sei mit dem Anathem belegt.“ ((Den­zin­ger Rn. 1601.))

Im nun­mehr gel­ten­den Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che wird das Sakra­ment der Wei­he so umschrie­ben:

„Die Wei­he ist das Sakra­ment, durch wel­ches die Sen­dung, die Chri­stus sei­nen Apo­steln anver­traut hat, in der Kir­che wei­ter­hin aus­ge­übt wird bis zum Ende der Zeit. Sie ist somit das Sakra­ment des apo­sto­li­schen Dien­stes. Sie umfasst drei Stu­fen: den Epi­sko­pat, Pres­by­te­rat und den Dia­ko­nat.“ ((KKK Nr. 1536.))

Soll hei­ßen, der Dia­ko­nat ist die unter­ste Stu­fe des einen sakra­men­ta­len Weih­am­tes, wel­ches als Sakra­ment des apo­sto­li­schen Dien­stes eben nur und aus­schließ­lich Män­nern vor­be­hal­ten ist, weil Jesus Chri­stus eben nur und aus­schließ­lich Män­ner zum Apo­stel­amt beru­fen hat. Und hier­bei war der sou­ve­rä­ne Herr und Stif­ter der Kir­che eben kein Opfer gei­sti­ger Men­ta­li­tä­ten und Strö­mun­gen sei­ner Zeit. Dar­auf hat der Hl. Johan­nes Paul II. bereits in sei­ner Enzy­kli­ka Mulie­ris digni­tatem hin­ge­wie­sen:

„Wenn Chri­stus nur Män­ner zu sei­nen Apo­steln berief, tat er das völ­lig frei und unab­hän­gig. Er tat es mit der­sel­ben Frei­heit, mit der er in sei­nem Gesamt­ver­hal­ten die Wür­de und Beru­fung der Frau betont, ohne sich nach den herr­schen­den Sit­ten und nach der auch von der Gesetz­ge­bung der Zeit gebil­lig­ten Tra­di­ti­on zu rich­ten.“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Mulie­ris digni­tatem, 15. August 1988, Nr. 26: AAS 80 (1988), 1715.))

Aus die­sem Grun­de hat der­sel­be Papst dann end­gül­tig fol­gen­de Fest­stel­lung im Jahr 1994 in sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben ORDINATIO SACERDOTALIS getrof­fen:

„Damit also jeder Zwei­fel bezüg­lich der bedeu­ten­den Ange­le­gen­heit, die die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che selbst betrifft, besei­tigt wird, erklä­re ich kraft mei­nes Amtes, die Brü­der zu stär­ken (vgl. Lk 22,32), dass die Kir­che kei­ner­lei Voll­macht hat, Frau­en die Prie­ster­wei­he zu spen­den, und dass sich alle Gläu­bi­gen der Kir­che end­gül­tig an die­se Ent­schei­dung zu hal­ten haben.“ ((Johan­nes Paul II., APOSTOLISCHES SCHREIBEN ORDINATIO SACERDOTALIS vom 22.05.1994))

Wenn man nun den orga­ni­schen Zusam­men­hang von Pres­by­te­rat und Dia­ko­nat sich wie­der­um vor Augen hält, kann man doch nur zu fol­gen­dem Schluss kom­men: Das sakra­men­ta­le Dia­ko­nat, als Vor­stu­fe zum Pres­by­te­rat, ist nur den Män­nern vor­be­hal­ten. Inso­fern hat Papst Johan­nes Paul II. hier auch impli­zit bezüg­lich des Dia­ko­nats eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen. Hier ver­mag ich der Stel­lung­nah­me Bischof Vor­der­hol­zes, der sei­nem Amts­kol­le­gen Fürst immer­hin zuge­steht, die Fra­ge des Dia­ko­nats sei noch nicht end­gül­tig ent­schie­den, nicht zu fol­gen. Die metho­disch kor­rekt erfolg­te Aus­le­gung der Erklä­rung von 1994 kann zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis kom­men. Zudem: Die­se Erklä­rung erwähnt übri­gens auch nicht aus­drück­lich den Epi­sko­pat. Selbst­re­dend kann dar­aus doch nicht gefol­gert wer­den, dass die­se Wei­he­stu­fe dann doch auch even­tu­ell für Frau­en offen stün­de. Nein: Das Wei­he­amt ist nach die­ser end­gül­ti­gen lehr­amt­li­chen Erklä­rung des Hei­li­gen Vaters klar und deut­lich aus­schließ­lich den Män­nern vor­be­hal­ten. Roma locu­ta, cau­sa fini­ta!

Und wenn man jetzt noch die ein­gangs zitier­te dog­ma­ti­sche Leh­re von Tri­ent über die Sie­ben­zahl sich in Erin­ne­rung ruft, kann das nur fol­gen­des bedeu­ten: Soll­te Bischof Fürst die Öff­nung des Dia­ko­nats im sakra­men­ta­len Sin­ne für Frau­en öff­nen wol­len, käme dies der Kre­ierung eines ach­ten Sakra­men­tes gleich, da ja eben das Prie­ster- und Bischofs­amt klar nicht den Frau­en über­tra­gen wer­den darf. Zu Kre­ierung eines neu­en Sakra­men­tes ist die Kir­che nicht befugt, da allein der Herr Jesus Chri­stus der Stif­ter der Sakra­men­te ist. Soll hei­ßen: Die For­de­rung eines Dia­ko­nats der Frau, wel­ches Anteil am sakra­men­ta­len Wei­he­amt der Kir­che hat, ist im Kern mit dem Dog­ma der Kir­che nicht zu ver­ein­ba­ren.

Also was bleibt? Allen­falls die Schaf­fung eines kirch­li­chen Dienst­am­tes für Frau­en, wel­ches durch Seg­nung oder Beauf­tra­gung zu einem bestimm­ten Dienst befä­higt, der aller­dings inhalt­lich nichts mit dem Wei­he­amt der Kir­che zu tun haben darf. Dann blei­ben aber fol­gen­de Fra­gen: Was soll ein sol­ches Amt? Wem nützt es? Gibt es nicht schon genug „Pöst­chen“ in unse­rer Kir­che? Und dann: Der Red­lich­keit hal­ber dürf­te man auch nicht mehr von Dia­ko­nin­nen spre­chen. Die Kir­che muss hier ein­deu­tig blei­ben und darf nicht zur Sprach­ver­wir­rung bei­tra­gen. Letz­te­re ist ja bekannt­lich eine Fol­ge des Bösen, ja der mensch­li­chen Anma­ßung. Wir alle ken­nen ja die Geschich­te vom Turm­bau zu Babel. Alles in allem ist die fürst­sche For­de­rung ent­we­der eine häre­ti­sche oder eine lee­re Luft­bla­se, die aus rein poli­ti­schem Kal­kül die femi­nis­mus­be­weg­ten Gemü­ter in der Kir­che beru­hi­gen soll.

Und dann noch eine mir wich­ti­ge Schluss­be­mer­kung: Jen­seits der sakra­men­ten­theo­lo­gi­schen Argu­men­te kann ich die For­de­rung des Bischofs auch im Hin­blick auf den heu­te von vie­len gefor­der­ten Gen­de­ris­mus nur mit Ver­wun­de­rung hören. War­um? Muss jetzt auch die Kir­che anfan­gen, die Unter­schie­de von Mann und Frau zu ver­wi­schen? Gera­de die Kir­che ist als Hüte­rin der Wahr­heit doch an vor­der­ster Front von ihrem Stif­ter beru­fen wor­den, die Wahr­heit von der Unter­schied­lich­keit der Geschlech­ter nach wie vor zu beto­nen. Tut sie dies nicht, macht sie sich zur Hand­lan­ge­rin der Ver­fech­ter der Gen­der­ideo­lo­gie, die den Plan des Schöp­fers auf per­fi­de und sub­li­me Wei­se zu zer­stö­ren sucht. Gott, der Herr über Leben und Tod, hat Mann und Frau in ihrer Bezo­gen­heit auf­ein­an­der und in ihrer Unter­schied­lich­keit für­ein­an­der geschaf­fen. Hier­aus fol­gen auch unter­schied­li­che Fähig­kei­ten, Cha­rak­ter­zü­ge und Auf­ga­ben für Kir­che und Welt. Auch die­se Zusam­men­hän­ge soll­te sich der Rot­ten­burg-Stutt­gar­ter Ober­hir­te sich bit­te noch­mals zu Gemü­te füh­ren, bevor er For­de­run­gen in die Welt setzt, die letzt­lich nur eines bewir­ken: eine Ver­wir­rung, die der Ein­heit der Kir­che nicht dient.

*Mar­kus Büning, gebo­ren 1966 in Ahaus (West­fa­len), stu­dier­te katho­li­sche Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie in Mün­ster in West­fa­len und Mün­chen sowie Rechts­wis­sen­schaf­ten an den Uni­ver­si­tä­ten von Kon­stanz und Mün­ster; 2001 Pro­mo­ti­on zum Dok­tor der Rechts­wis­sen­schaf­ten, zunächst Assi­stent an den Uni­ver­si­tä­ten Kon­stanz und Mün­ster, dann Ein­tritt als Jurist in den Ver­wal­tungs­dienst. Der aus­ge­wie­se­ne Kir­chen­recht­ler ver­öf­fent­lich­te zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen zu kir­chen­recht­li­chen und theo­lo­gi­schen The­men und über Hei­li­ge. Dr. Mar­kus Büning ist ver­hei­ra­tet und Vater von zwei Kin­dern.

Bild: MiL

 

5 Kommentare

  1. Dan­ke Herr Dr. Brü­ning für Ihre glas­ka­re, sehr gut begrün­de­te Stel­lung­nah­me. Höch­ste Zeit, dass eine theo­lo­gisch fun­dier­te Argu­men­ta­ti­on gegen das Frau­en­dia­ko­nat aufs Tapet gebracht wird. Wie bereits in einem frü­he­ren Posting ange­merkt: Die Ver­wir­rung inner­halb der Kir­che bzw. unter den Kir­chen­füh­rern nimmt uner­träg­li­che Dimen­sio­nen an. Es wird krampf­haft ver­sucht, qua­si mit Haken und Ösen sprich mit List und Heim­tücke, die Gren­zen der kla­ren Leh­re zu ver­wi­schen, so dass alles in einem für die Welt akzep­ta­blen Ein­heits­brei mün­det. Der Kom­mu­nis­mus kommt zurück, doch in einem ande­ren Gewan­de als ange­nom­men, ungleich viel sub­ti­ler, per­fi­der und (sozio-kul­tu­rell) zer­set­zen­der als das jemand noch vor Jah­ren ver­mu­tet hät­te. Hei­li­ge Fami­lie von Naza­reth, ste­he der kath. Kir­che, der Chri­sten­heit und den Fami­li­en bei.

  2. Man will es halt in den füh­ren­den Krei­sen der Kir­che haben,
    um der Welt zu gefal­len, und für die „Frau­en­rech­te etwas getan zu haben“, jeden­falls was die Welt unter Frau­en­rech­ten ver­steht, inso­fern drängt sich mir das Gefühl auf, dass jed­we­de fun­dier­te theo­lo­gi­sche Argu­men­ta­ti­on dage­gen, ein­fach
    schlicht unbe­ach­tet blei­ben wird. Die Anpas­sungs­fä­hig­keit der Kir­che geht inzwi­schen bis nahe an die Selbst­ver­leug­nung.

    • „…bis nahe an die Selbst­ver­leug­nung.“ Ja, aller­dings. Die katho­li­sche Kir­che schafft sich sel­ber ab, dafür braucht sie kei­ne „äusse­ren“ Fein­de mehr, die Destru­en­ten und Redu­zen­ten in den eige­nen Füh­rungs­rei­hen genü­gen voll­ends. Die­se „Maul­wür­fe“ ver­rich­ten ihre Wühl­ar­beit sehr pro­fes­sio­nell und hin­ter­las­sen sicht­ba­re Spu­ren; sowas nennt sich dann „inno­va­tiv“; jedoch wüh­len sie umsonst, denn sie machen die Rech­nung ohne den All­mäch­ti­gen Gott, unse­ren Erlö­ser und Hei­land Jesus Chri­stus. Möge Er die­sen fast blin­den Geschöp­fen gnä­dig sein.

  3. Das Dia­ko­nat ist die erste Stu­fe des drei­tei­lig gespen­de­ten einen Sakra­men­tes („Wei­he“). Wenn eine Frau also Dia­kon wer­den könn­te, wären ihr auch die bei­den wei­te­ren Stu­fen mög­lich. Da aber das Wei­he­sa­kra­ment auf die Sakra­men­ten­spen­dung aus­ge­rich­tet ist und der Geweih­te die­se Hand­lun­gen als Werk­zeug in Per­so­na Chri­sti voll­zieht, der der wah­re Hohe­prie­ster ist und der als er unser Fleisch annahm dies als Mann tat, ist die Spen­dung der Wei­he an eine Frau unmög­lich. Beim Hl. Mess­op­fer ist Chri­stus der Opfer­prie­ster, der Opfer­al­tar und die Opfergabe/das Opfer­lamm. In der hl. Schrift heißt es jedoch über die zu opfern­den Läm­mer, sie müs­sen männ­lich sein.

    • @unwichtig

      Sehr schön begrün­det, vor­al­lem im letz­ten Satz! Vie­len Dank. Oft wird das nahe­lie­gen­de über­se­hen und (anschei­nend) gern ver­drängt.

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