Anglikanische Vesper im Petersdom — Erzbischof Arthur Roche erklärt Initiative von Papst Franziskus

Papst Franvziskus beim Besuch der anglikanische Kirche in Rom
Papst Franziskus beim Besuch der anglikanische Kirche in Rom (26. Februar 2017)

(Rom) Am ver­gan­ge­nen Mon­tag, dem 13. März fand erst­mals in der Kir­chen­ge­schich­te im Peters­dom eine aka­tho­li­sche Lit­ur­gie statt. Am Nach­mit­tag wur­de eine angli­ka­ni­sche Ves­per gefei­ert, bei der Kuri­en­erz­bi­schof Arthur Roche eine Pre­digt hielt. Was vor kur­zem noch als unfaß­ba­res Ärger­nis gegol­ten hät­te, wur­de nun in der katho­li­schen Kir­che mit weit­ge­hen­der Gleich­gül­tig­keit zur Kennt­nis genom­men.

Erzbischof Arthur Roche
Erz­bi­schof Arthur Roche

Kuri­en­erz­bi­schof Roche ist Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung. In einem Gespräch mit der katho­li­schen Nach­rich­ten­agen­tur Zenit erklär­te er die Beweg­grün­de für die Zulas­sung die­ser nicht-katho­li­schen Lit­ur­gie im sym­bol­träch­tig­sten und bekann­te­sten Got­tes­haus der Chri­sten­heit. Bedau­er­li­cher­wei­se wur­de von Zenit nicht das Inter­view ver­öf­fent­licht, son­dern ein zusam­men­fas­sen­der Arti­kel. Der Erz­bi­schof bestä­tigt, daß die Initia­ti­ve zur Angli­ka­ni­schen Ves­per im Peters­dom direkt von Papst Fran­zis­kus aus­ge­gan­gen ist.

Hier der Text in deut­scher Über­set­zung:

Ein neu­er und wich­ti­ger Schritt auf dem öku­me­ni­schen Weg wur­de am ver­gan­ge­nen Mon­tag, dem 13. März, mit der Angli­ka­ni­schen Ves­per gesetzt, die erst­mals in der Geschich­te im Peters­dom gefei­ert wur­de.

Der angli­ka­ni­sche Bischof David Moxon, Direk­tor des Angli­ka­ni­schen Zen­trums in Rom, lei­te­te das Gebet, wäh­rend der katho­li­sche Msgr. Arthur Roche, Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, die Pre­digt hielt. Der Chor des Mer­ton Col­le­ge von Oxford beglei­te­te die Lit­ur­gie.

Die Zere­mo­nie fand weni­ge Tage nach dem Besuch von Papst Fran­zis­kus in All Saints in Rom statt, des ersten eines Pap­stes in einer angli­ka­ni­schen Kir­che, bei dem  der Hei­li­ge Vater dar­auf hin­wies, daß Öku­me­ne gemacht wird, indem man gemein­sam geht.

Zenit sprach mit Msgr. Arthur Roche, der prä­zi­sier­te, daß die­ses Ereig­nis mit dem 1420. Jah­res­tag der Ent­schei­dung des Mönchs Augu­sti­nus zusam­men­fällt, Eng­land zu evan­ge­li­sie­ren. Augu­sti­nus von Can­ter­bu­ry, der von Katho­li­ken und Angli­ka­nern als Hei­li­ger ver­ehrt wird, wur­de vom hei­li­gen Papst Gre­gor I. zu König Red­wald geschickt.

„Die­se Ves­per fand weni­ge Tage nach dem Besuch des Pap­stes in der angli­ka­ni­schen Kir­che von All Saints statt“, erklär­te der eng­li­sche Bischof und prä­zi­sier­te, daß „der Hei­li­ge Vater bei die­ser Gele­gen­heit sag­te, daß das Wort Demut nicht nur eine schö­ne Tugend ist, son­dern ein Erken­nungs­merk­mal unse­res christ­li­chen Glau­bens. Und ich habe gedacht, daß die­se Demut sich in die­sem Moment des öku­me­ni­schen Weges mit Her­zens­gü­te und gro­ßem Glau­ben in einem gegen­sei­ti­gen Dienst aus­drücken soll­te. Weil Chri­stus für die Ein­heit gebe­tet hat.“

Msgr. Roche erin­ner­te zudem dar­an, daß Papst Fran­zis­kus zu Pfing­sten gesagt hat­te: “Die Chri­sten müs­sen aus dem Refek­to­ri­um hin­aus­ge­hen, in die Mis­si­on, um das Evan­ge­li­um zu ver­kün­di­gen, ohne in das Refek­to­ri­um zurück­zu­keh­ren, um sich in einem Kli­ma der Sicher­heit zu füh­len. Statt­des­sen blei­ben sie im Refek­to­ri­um, das ein biß­chen fin­ster ist und kein Licht hat, das Frucht der Freu­de ist, das Evan­ge­li­um zu pre­di­gen.“

„Und der Papst erin­nert sowohl die Katho­li­ken als auch die Angli­ka­ner dar­an, daß sie nicht sich selbst, son­dern Chri­stus Jesus zu ver­kün­di­gen haben.“ Und er stellt klar, daß „der Tri­um­pha­lis­mus etwas der Ver­gan­gen­heit ist, nicht eine Brücke, son­dern ein Kon­troll­punkt. Er för­der­te nicht den gemein­sa­men Weg, im Glau­ben, auch wenn wir aus der­sel­ben Quel­le stam­men.“

Was die Unter­schie­de zwi­schen der Ves­per der Angli­ka­ner und der Katho­li­ken anbe­langt, erklär­te Msgr. Roche, daß „es gemein­sa­me Ele­men­te gibt wie den Gesang der Psal­men und das Magni­fi­kat“, auch wenn die „Form und die Anord­nung der Tex­te ein biß­chen anders ist“.

Der Prä­lat beton­te zudem, daß „wir beson­ders mit­ein­an­der beten müs­sen, weil die Ein­heit eine Gabe Got­tes und nicht ein mensch­li­cher Pro­zeß ist. Und wir müs­sen die­sen Moment der Gna­de Got­tes abwar­ten.“ Wir sol­len zudem beten und Gott bit­ten, „daß er uns die Ein­heit als Zei­chen der Brü­der­lich­keit unter den Chri­sten schenkt“.

Zu den angli­ka­ni­schen Prie­stern [sic] befragt, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zur Katho­li­zi­tät zurück­ge­kehrt sind, sag­te Msgr. Roche, daß „Papst Bene­dikt ein Ordi­na­ri­at für die angli­ka­ni­schen Prie­ster geschaf­fen hat, die zurück­ge­kehrt sind“. Man dür­fe aber die ande­ren nicht ver­ges­sen, weil „die Hür­den und die Her­aus­for­de­run­gen der­zeit zahl­reich sind, so die Ordi­na­ti­on von Frau­en und die Fra­ge der Homo­se­xua­li­tät“.

„Die­se Unter­schie­de zei­gen, daß die Ein­heit ein Geschenk Got­tes sein wird“, so der katho­li­sche Erz­bi­schof. Es sei not­wen­dig, „sich nahe zu sein, denn wenn man sich ent­fernt, ergibt sich auch eine Distanz in der Bewer­tung der Din­ge. Wenn man sich hin­ge­gen nahe­steht, ist es mög­lich, daß die ande­ren unse­ren Glau­ben an Chri­stus sehen und unse­ren kirch­li­chen Glau­ben. Wir müs­sen daher gemein­sam mit den ande­ren gehen und mit ihnen kom­mu­ni­zie­ren.“

Die­se Ves­per im Vati­kan „war nicht die erste Etap­pe die­ser Art, die gemein­sam statt­fin­det: Der Chor der Six­ti­ni­schen Kapel­le hat bereits mit dem von West­mi­ni­ster gesun­gen“. Dabei habe letz­te­rer im Peters­dom das Tu es Petrus ange­stimmt.

Der Erz­bi­schof erin­ner­te dar­an, daß „vor eini­gen Jah­ren, vor 30 oder 40 Jah­ren, es noch ungün­stig gese­hen wur­de, daß ein Angli­ka­ner nach Rom pil­gert, und daß ein Katho­lik nach Can­ter­bu­ry geht. Jetzt ist es weni­ger schwie­rig, und die­se Nähe in Lie­be und Brü­der­lich­keit ist etwas, das wir machen müs­sen, weil es bedeu­tet, dem Herrn zu gehor­chen“.

Abschlie­ßend erin­ner­te er dar­an, daß Kar­di­nal Murphy‑O’Connor vor eini­gen Jah­ren sag­te, daß die Öku­me­ne eine Stra­ße ohne Aus­fahr­ten sei. „Daher müs­sen wir gemein­sam vor­wärts­ge­hen in Erwar­tung die­ser Gabe Got­tes, die die Ein­heit sein wird.“

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Zenit/SMM (Screen­shot)

11 Kommentare

  1. Aus­ge­rech­net die Gemein­schaft, die sich christ­lich nennt und am schlimm­sten von der Frei­mau­re­rei infi­ziert ist.

    • Es ist die Gemein­schaft, die sich auf Ehe­bruch grün­det. Das gefällt womög­lich, ist sozu­sa­gen vor­bild­lich barm­her­zig.

  2. Das Schlüs­sel­wort in die­sem Arti­kel ist „Ein­heit“ und zwar in dem Sin­ne als wären bei­de gleich­be­rech­tigt Part­ner auf einer Ebe­ne. Dabei sind pro­the­stan­ti­sche Kir­chen ‑wie die angli­ka­ni­sche-nach Domi­nus Jesus nur als kirch­li­che Gemein­schaf­ten zu ver­ste­hen. Ihnen fehlt die apo­sto­li­sche Suc­ces­si­on und die gül­ti­ge Eucha­ri­stie. Heu­te kommt als Hin­der­nis noch hin­zu die Ordi­na­ti­on von Frau­en und die Aner­ken­nung von homo­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten als ehe­li­che Gemein­schaft. Aber die Öff­nung das Peters­do­mes für die Angli­ka­ner hat mög­li­cher­wei­se einen wei­te­ren bis­her nicht dis­ku­tier­ten Hin­ter­grund. Nach sei­nem Rück­tritt als Mini­ster­prä­si­dent kon­ver­tier­te Tony Blair, der ehe­ma­li­ge Mini­ster­prä­si­dent, zum Katho­li­zis­mus. Er ist nach wie vor einer der Mäch­ti­gen die­ser Erde(im Hin­ter­grund) und er hat kurz nach sei­ner Kon­ver­si­on die „Tony Blair Foun­da­ti­on“ gegrün­det, die kei­ne ande­re Auf­ga­be hat, als alle Reli­gio­nen der Welt zu einer Ein­heit zu ver­ei­nen. Die­se Foun­da­ti­on ist sehr groß und ist inzwi­schen in fast allen Län­dern der Welt ver­tre­ten. Die der­zei­ti­ge Struk­tur der Ver­tre­tun­gen erin­nert an einen diplo­ma­ti­schen Dienst. Sie arbei­tet (der­zeit) im Stil­len. Nie­mand weiß, woher die Gel­der kom­men. Einer ihrer bekann­ten reli­giö­sen Spre­cher ist ame­ri­ka­ni­sche Bap­tist und Evan­ge­li­ka­le? Rick War­ren (Sadd­le­back Church). Ich hal­te es für mög­lich, dass hier Poli­tik zu Lasten der katho­li­schen Kir­che gemacht wird. Mög­li­cher­wei­se müs­sen wir hier den begin­nen­den Marsch durch und in die katho­li­schen Insti­tu­tio­nen erken­nen.

    • Und die Bul­le Apo­sto­li­cae curae von 1896 (Leo XIII.) ist bei Ber­go­glio längst ver­ges­sen. Geist­li­che Gemein­schaft mit Hinz und Kunz, aber bloß nicht mit den glau­bens­treu­en Katho­li­ken.

  3. Hat man John Fisher, Tho­mas Morus und vie­le ande­re Glau­bens­mär­ty­rer bereits ver­ges­sen???????

    • Nein. Viel­mehr sind Mär­ty­rer in deren Logik Ego­isten! Das ist eben eine neue Theo­lo­gie in die­ser neu­en Kir­che.

  4. Wer hät­te geahnt, dass Rom so rasant schnell zum Zen­trum der Eine-Welt-Reli­gi­on wird?!
    Die Pro­fe­zei­un­gen von La Salet­te und Fati­ma begin­nen sich zu erfül­len. Die Auf­lö­sung der Kir­che ist abzu­se­hen.

  5. Was für vie­le (!) schö­ne Wor­te man doch spre­chen kann, um ein Sakri­leg zu über­tün­chen.
    Der Glau­be ist aller­dings kei­ner der Fas­sa­den, son­dern einer der tie­fen Wirk­lich­keit des Hei­li­gen.
    Da will ich mit­ge­hen.

  6. Obi­ges Foto, der lachen­de Papst neben lachen­den Frau­en, ver­rät m.E. sehr viel.
    Es muss lustig gewe­sen sein in der angli­ka­ni­schen Kir­che, er hat sich sicht­lich wohl­ge­fühlt.
    Gläu­bi­ge, lehr­amts­treue Katho­li­ken dage­gen bekom­men häu­fig sei­nen Unmut zu spü­ren, Tadel und Schel­te sind ihnen sicher.
    Mit ihnen geht er nicht so locker um.

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