Malteserorden: Großmeister Fra Matthew Festing zurückgetreten — „Papst Franziskus hat es so gefordert“

Großmeister Festing und Papst Franziskus: Am 24. Januar verlangte Franziskus den Rücktritt des Großmeisters, der in Gehorsam der Forderung entsprochen hat.
Großmeister Festing und Papst Franziskus: Am 24. Januar verlangte Franziskus den Rücktritt des Großmeisters, der in Gehorsam der Forderung entsprochen hat.

(Rom) Der Sou­ve­rä­ne Mal­te­ser­or­den ist als Völ­ker­rechts­sub­jekt sou­ve­rän. Doch wenn der Papst von einem Ordens­ober­haupt den Rück­tritt for­dert, aus wel­chem Grund auch immer, wer könn­te ihm da wider­ste­hen, ohne unge­hor­sam zu sein? Der Fürst und Groß­mei­ster des Mal­te­ser-Rit­ter­or­dens, Fra Mat­thew Festing, ist gestern abend nach einem Tref­fen mit Papst Fran­zis­kus zurück­ge­tre­ten, wie der Pres­se­spre­cher des Ordens bekannt­gab.

„Der Papst hat ihn um den Rück­tritt gebe­ten, und er hat zuge­stimmt“, so der Spre­cher. Fra Mat­thew Festing stand neun Jah­re an der Spit­ze des Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­dens. Er war 2008 auf Lebens­zeit gewählt wor­den.  Der Sou­ve­rä­ne Rat des Ordens muß dem unge­wöhn­li­chen Schritt noch zustim­men. Bis zur Wahl eines neu­en Groß­mei­sters wird der Groß­kom­tur die Lei­tung des Ordens über­neh­men.

Fall Boeselager — „Orden von Freimaurern reinigen“

Der Orden war zuletzt durch den Fall Boe­sela­ger über­schat­tet, der zu einem Kon­flikt mit dem Hei­li­gen Stuhl führ­te. Albrecht von Boe­sela­ger, zuletzt Groß­kanz­ler des Ordens und Ange­hö­ri­ger des Zwei­ten Stan­des, war von Groß­mei­ster Festing Anfang Dezem­ber sei­nes Amtes ent­ho­ben und von allen Auf­ga­ben im Orden sus­pen­diert wor­den. Begrün­det wur­de der auf­se­hen­er­re­gen­de Schritt mit einem Ver­trau­ens­bruch Boe­sela­gers. Groß­mei­ster Festing hat­te durch ordens­in­ter­ne Ermitt­lun­gen Bewei­se erhal­ten, daß Boe­sela­ger wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Groß­ho­spi­ta­lier der Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln in Län­dern, in denen der Orden huma­ni­tär tätig ist, zuge­stimmt oder die­se nicht unter­bun­den hat­te. Dar­un­ter sol­len sich auch Ver­hü­tungs­mit­tel mit abtrei­ben­der Wir­kung befun­den haben.

Der Jour­na­list Micha­el Hich­born gelang­te bei sei­nen Recher­chen zum Schluß, daß „anti­ka­tho­li­sche Akti­vi­tä­ten“ (Church Mili­tant) in Afri­ka im Zusam­men­hang mit der Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln direkt von Boe­sela­ger ange­ord­net wor­den sei­en.

Der Kar­di­nal­pa­tron des Mal­te­ser­or­dens, Ray­mond Bur­ke, hat­te nach den ordens­in­ter­nen Ermitt­lun­gen, wie es im Novem­ber hieß, erklärt, den Rit­ter­or­den von Frei­mau­rern „säu­bern“ zu wol­len.

Vatikan gegen Ordensleitung: Verstoß gegen Moralgesetz nicht so wichtig

Der Groß­mei­ster stell­te Boe­sela­ger am 6. Dezem­ber vor Zeu­gen (Kar­di­nal­pa­tron und Groß­kom­tur) zur Rede und for­der­te sei­nen Rück­tritt. Boe­sela­ger war, trotz sei­nes Gehor­sams­ver­spre­chens, dazu aber nicht bereit, wes­halb ihn der Groß­mei­ster absetz­te. Boe­sela­ger wand­te sich dar­auf an den Hei­li­gen Stuhl, wohin er gute Kon­tak­te besitzt. Sein Bru­der war weni­ger Tage vor dem Vor­fall in den Auf­sichts­rat der Vati­kan­bank beru­fen wor­den. Papst Fran­zis­kus und das Staats­se­kre­ta­ri­at stell­ten sich ohne zu zögern auf die Sei­te Boe­sela­gers und gegen die Ordens­lei­tung. Man wün­sche „Dia­log“ hieß es aus dem Vati­kan. „Pro­ble­me“ mit mora­li­schen Fra­gen soll­ten durch „Dia­log […] gelöst wer­den“.

Beob­ach­ter sahen dar­in eine Bestä­ti­gung der Vor­wür­fe von Groß­mei­ster Festing, die aber für Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin nicht schwer­wie­gend zu sein schei­nen.

Wört­lich hieß es in einem Schrei­ben von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin an Groß­mei­ster Festing vom 21. Dezem­ber:

„Zum Gebrauch und zur Ver­brei­tung von Metho­den und Mit­teln, die dem Moral­ge­setz wider­spre­chen, hat Sei­ne Hei­lig­keit einen Dia­log über die Art und Wei­se gebe­ten, mit der even­tu­el­le Pro­ble­me behan­delt und gelöst wer­den kön­nen. Er hat aber nie gesagt, jeman­den zu ver­ja­gen!“

Mit ande­ren Wor­ten: Der Vati­kan bestä­tig­te die Ver­feh­lung Boe­sela­gers, kri­ti­sier­te aber das Ein­schrei­ten Festings. Die Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln, sogar sol­cher mit abtrei­ben­der Wir­kung, sei ein Ver­stoß gegen das Moral­ge­setz der Kir­che, aber offen­sicht­lich kein Grund jeman­den zu ent­las­sen („ver­ja­gen“).

Boeselager zeigt mit dem Finger auf Kardinal Burke

Boe­sela­ger ver­säum­te es dabei offen­bar nicht, mit dem Fin­ger auf Kar­di­nal Bur­ke zu zei­gen. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Kar­di­nal gilt als der eigent­li­che Gegen­spie­ler von Papst Fran­zis­kus im kir­chen­in­ter­nen Rin­gen um den umstrit­te­nen päpst­li­chen Kurs. Es ist all­ge­mein bekannt, daß der vom päpst­li­chen Umfeld wegen sei­ner Intel­li­genz und Stand­haf­tig­keit gefürch­te­te Kar­di­nal, von Papst Fran­zis­kus im Novem­ber 2014 als Dikaste­ri­en­lei­ter an der Römi­schen Kurie abge­setzt und von ihm wenig gelit­ten ist.

Fran­zis­kus setz­te am 23. Dezem­ber eine Unter­su­chungs­kom­mis­si­on ein, die weni­ger den Fall Boe­sela­ger unter­su­chen soll­te, son­dern sich gegen die Abset­zung durch Groß­mei­ster Festing rich­te­te. So wur­de es an der Spit­ze des Mal­te­ser­or­dens auch ver­stan­den. Mit zwei Erklä­run­gen beton­te der Groß­mei­ster, daß der Orden, da Völ­ker­rechts­sub­jekt, nicht mit der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on des Hei­li­gen Stuhls zusam­men­ar­bei­ten wer­de. Die Kom­mis­si­on sei eine Ein­mi­schung in ordens­in­ter­ne Ange­le­gen­hei­ten. Dem Hei­li­gen Stuhl ste­he gemäß bila­te­ra­lem Abkom­men nur die Auf­sicht über das reli­giö­se Leben der Pro­feß­rit­ter, das sind die Ange­hö­ri­gen des Ersten Stan­des, zu. Zu die­sen gehört Groß­mei­ster Festing, aber nicht Obö­di­enz­rit­ter Boe­sela­ger.

Vatikan unterstützt Boeselager gegen Ordensleitung

Der Vati­kan reagier­te dar­auf mit einer ver­schärf­ten Ton­art. In einer Erklä­rung des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes wur­de die „Zusam­men­ar­beit aller“ gefor­dert. Die Rede war aber nicht von einem Fall Boe­sela­ger, son­dern von einer „Kri­se in der Ordens­lei­tung“. Die Stoß­rich­tung gegen Groß­mei­ster Festing und für den mit Kar­di­nal­staats­se­kre­tör Paro­lin befreun­de­ten Boe­sela­ger war damit offen­kun­dig. Da nütz­te es auch nichts, daß der Groß­mei­ster dar­auf hin­wies, daß min­de­stens drei der fünf Mit­glie­der der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on „befan­gen“ sei­en. Wegen „per­sön­li­cher und finan­zi­el­ler“ Ver­bin­dun­gen zu Boe­sela­ger, (es geht um eine Stif­tung im Wert von 120 Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken) sei es ihnen „nicht mög­lich“, eine „objek­ti­ve“ Unter­su­chung durch­zu­füh­ren.

Aus ordens­in­ter­nen Krei­sen hieß es, Boe­sela­ger habe über sei­ne guten Kon­tak­te zur der­zei­ti­gen Kir­chen­füh­rung, erheb­li­chen Druck auf die Zusam­men­set­zung der Kom­mis­si­on aus­ge­übt.

Franziskus fordert Rücktritt des Großmeisters

Gestern kam es zur Begeg­nung zwi­schen Groß­mei­ster Festing und Papst Fran­zis­kus. Festing und Fran­zis­kus sind, völ­ker­recht­lich gese­hen, Staats­ober­häup­ter zwei­er sou­ve­rä­ner Staa­ten, und damit gleich­ran­gig. Als Katho­lik unter­steht der Pro­feß­rit­ter Festing jedoch dem Kir­chen­ober­haupt und ist ihm Gehor­sam schul­dig. Damit reicht die Sou­ve­rä­ni­tät nur soweit, wie der Papst sie zu akzep­tie­ren bereit ist.

Fran­zis­kus habe, soweit eine erste Rekon­struk­ti­on, die Wie­der­ein­set­zung Boe­sela­gers gefor­dert. Das wur­de vom Groß­mei­ster, unter Ver­weis auf Boe­sela­gers Ver­trau­ens­bruch und des­sen Ver­stoß gegen die Mora­leh­re der Kir­che, abge­lehnt. Festing hat­te sich bereits zuvor empört und ent­täuscht gezeigt über das Ver­hal­ten des Hei­li­gen Stuhls.

Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei hat­te am 11. Janu­ar zum Ver­hal­ten von Papst Fran­zis­kus und des  vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats geschrie­ben:

„Fas­sen wir zusam­men: Für jene, die das Gesetz Got­tes und das Natur­recht ver­let­zen, gibt es Dia­log und die aus­ge­streck­te Hand. Für jene, die hin­ge­gen den Glau­ben und die katho­li­sche Moral ver­tei­di­gen, steht der Knüp­pel des poli­ti­schen Kom­mis­sars und der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on schon bereit.“

Durch die Hal­tung des Hei­li­gen Stuhls war gro­ße Unru­he in den Orden getra­gen wor­den, es kam zu Par­tei­un­gen. Schließ­lich ver­lang­te Papst Fran­zis­kus Festings Rück­tritt. Der Groß­mei­ster woll­te nicht des Unge­hor­sams bezich­tigt wer­den. Wer könn­te ange­sichts einer sol­chen For­de­rung dar­auf behar­ren, sein Amt gegen den Wil­len des Pap­stes behal­ten zu wol­len? Im Gegen­satz zu Boe­sela­ger, der der Rück­tritts­auf­for­de­rung sei­nes Groß­mei­sters nicht nach­ge­kom­men ist, sah Groß­mei­ster Festing kei­nen ande­ren Weg mehr, als sein Amt zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va

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8 Kommentare

  1. Wir erle­ben das Ende des ersten Aktes eines Dra­mas. Eines der näch­sten Akte wird die Lösung der Cau­sa Bur­ke wg. man­geln­dem Gehor­sam sein und mit die­ser Begrün­dung ist alles mög­lich!!! Alles rich­tet sich auf das End­ziel: die eine Welt­re­li­gi­on unter Fran­zis­kus. Jeder, der sich die­sem Zie­le wie auch immer ent­ge­gen­setzt wird die vol­le Wucht der „Barm­her­zigs­keits­keu­le“ spü­ren.

    • Die­ser Papst will eine regel­rech­te Zen­sur inner­halb der katho­li­schen Kir­che, wo kri­ti­sche Stim­men nicht zuge­las­sen wer­den.

  2. Es sind also wohl doch die Deut­schen, die in Rom inzwi­schen das Sagen haben. Und die Deut­schen Chri­sten 2.0 regie­ren mit Fran­zis­kus nun welt­weit durch. Das hät­te sich wohl noch nicht ein­mal Hit­ler träu­men las­sen, der im Krieg mein­te: „Die katho­li­sche Kir­che (auf Linie zu brin­gen) ver­wah­ren wir uns für nach dem Krieg auf.“

  3. Einen auf Lebens­zeit recht­mä­ßig gewähl­ten Obe­ren des sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­dens zum Rück­tritt auf­zu­for­dern, weil der sich ermann­te, die katho­li­sche Sit­ten­leh­re in sei­ner Orga­ni­sa­ti­on auf­recht zu erhal­ten, schlägt den Fass den Boden aus! Dies­mal kann sich Ber­go­glio nicht hin­ter Kom­mis­sä­re ver­stecken. Er hat sei­ne Mas­ke sorg­sam gehü­te­ter Neu­tra­li­tät end­gül­tig ver­lo­ren. Nun ist es für jeder­mann sicht­bar, dass sich Ber­go­glio in sei­nem Amt gegen die katho­li­sche Moral­leh­re der Kir­che und auf die Sei­te von Kon­dom- und Abtrei­bungs­mit­tel­ver­tei­lern stellt. Es ist eine Schan­de, wie die­ser Mann das Papst­amt desau­vou­iert!

  4. Grund­sätz­li­ches:
    Auch ein Papst kann nicht nur fordern,er muss auch sei­ne For­de­rung begrün­den kön­nen. Der For­de­rungs­raum für die­se Begrün­dung ist zwi­schen zwei Sou­ve­rä­nen auf Augen­hö­he sehr eng. Sie kann und darf nicht in der Begren­zung sou­ve­rä­nen Ent­schei­dun­gen zwei­er völ­ker­recht­lich Glei­cher bestehen, son­dern in die­sem Fal­le müs­sen wei­ter­ge­hen­de mora­li­sche Ver­feh­lun­gen vor­lie­gen, die die Legi­ti­ma­ti­on des Fra Mat­thew Festing in Fra­ge stel­len wür­den oder es liegt ein Fall von Dro­hung und Erpres­sung vor, der es dem Groß­mei­ster gera­ten sein lässt, um wei­te­ren Scha­den von sei­nen Mal­te­sern abzu­wen­den, zurück­zu­tre­ten.
    Wir kön­nen nur mehr beten und soll­ten dar­aus ler­nen, was wirk­lich in Rom abgeht und mit wel­chen Mit­teln dort die Wei­chen der Poli­tik gestellt wer­den.

  5. Zu die­sem Arti­kel die „Wehe­ru­fe“ Got­tes durch den Pro­phe­ten Jesa­ja:

    „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nen­nen, die Fin­ster­nis zu Licht machen und Licht zu Fin­ster­nis, die Bit­te­res süß und Süßes bit­ter machen.

    Wehe denen, die wei­se sind in ihren eige­nen Augen und klug vor sich selbst!

    Wehe denen, … die den Schul­di­gen … frei­spre­chen und den Gerech­ten sei­nes Rech­tes berau­ben! … Sie haben das Gesetz des Herrn der Heer­scha­ren ver­wor­fen und das Wort des Hei­li­gen Isra­els ver­ach­tet.“ (Vgl. Jesa­ja 5,20–24)

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