Die schwierige Suche nach einem Großmeister

Geheimgehaltene und kuriose Schriftstücke beim Malteserorden

Der Malteserorden steht die Wahl eines neuen Großmeisters bevor: Nicht alle sind darüber glücklich.
Dem Malteserorden steht die Wahl eines neuen Großmeisters bevor: Nicht alle sind darüber glücklich.

(Rom) Am 29. April 2020 ver­starb in Rom nach kur­zer Krank­heit der 80. Fürst und Groß­mei­ster des Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­dens, Fra Gia­co­mo Dal­la Tor­re del Tem­pio di San­gui­net­to. Am 5. Mai fand ein Coro­na-Begräb­nis statt. Die der­zei­ti­ge Ordens­re­gie­rung unter Groß­kanz­ler Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger muß durch die Wahl eines neu­en Groß­mei­sters erneut um ihren Ein­fluß ban­gen. Im älte­sten Rit­ter­or­den der Kir­che sind des­halb Manö­ver im Gan­ge, um den dro­hen­den Macht­ver­lust zu ver­hin­dern.

Die Bestat­tung des 80. Groß­mei­sters hat­te etwas von der Glanz­lo­sig­keit sei­ner Amts­zeit. „Sie wird nicht durch Fei­er­lich­keit aus der Ordens­chro­nik her­aus­ra­gen“, so der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti. Die staat­lich ver­ord­ne­ten und kirch­lich ver­häng­ten Maß­nah­men lie­ßen zu der Zeit in Rom nicht mehr Spiel­raum.

Kaum begra­ben, setz­ten im Orden Manö­ver ein für die Nach­fol­ge. Seit eini­gen Jah­ren ist ordens­in­tern ein Macht­kampf zwi­schen zwei Grup­pen im Gan­ge, die nach der Her­kunft ihrer füh­ren­den Ver­tre­ter als „bri­ti­sche“ und als „deut­sche Rich­tung“ bezeich­net wer­den. Die „Bri­ten“ hat­ten zuletzt zwei Groß­mei­ster gestellt, wäh­rend die „Deut­schen“ mit Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger als Groß­kanz­ler sich in die Ordens­re­gie­rung (Sou­ve­rä­ner Rat) vor­ge­ar­bei­tet und die­sen über­nom­men hat­ten. 2016/2017 war es zum offe­nen Kon­flikt zwi­schen dem 79. Groß­mei­ster, dem Bri­ten Fra Mat­thew Festing, und dem deut­schen Groß­kanz­ler, Albrecht von Boe­sela­ger, gekom­men. Der Deut­sche konn­te ihn mit Hil­fe des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats und von Papst Fran­zis­kus für sich ent­schei­den, aller­dings auf eine für den Orden erschüt­tern­de Art und Wei­se. Obwohl in der Sache der Groß­mei­ster im Recht war, zwang Papst Fran­zis­kus den Groß­mei­ster zum Rück­tritt. Der Vor­gang war in meh­rer­lei Hin­sicht für den Orden trau­ma­tisch, da ein Groß­mei­ster wie ein Papst auf Lebens­zeit gewählt ist.

Der 80. Fürst und Groß­mei­ster Gia­co­mo Dal­la Tor­re (2018–2020)

Der Papst ord­ne­te zudem damals an, obwohl recht­lich dazu nicht befugt, daß Boe­sela­ger wie­der als Groß­kanz­ler ein­zu­set­zen war und alle Ent­schei­dun­gen seit sei­ner Abset­zung Anfang Dezem­ber 2016 bis Ende 2017 null und nich­tig waren. Der unglaub­li­che Ein­griff ließ den Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den wenig sou­ve­rän aus­se­hen. Seit­her gilt Boe­sela­ger zwar nicht for­mal, aber fak­tisch als der mäch­ti­ge Mann im Orden. Sei­ne Posi­ti­on, und die der von ihm ver­tre­te­nen Rich­tung, kann nur durch den Groß­mei­ster gefähr­det wer­den, wenn die­ser sei­ne Voll­mach­ten als sou­ve­rä­ner Fürst aus­übt. Die Wahl des neu­en Groß­mei­sters birgt aber eini­ge Unwäg­bar­kei­ten.

Das hat zunächst vor allem mit dem sehr klei­nen Kreis von Ordens­rit­tern zu tun, die zu Groß­mei­stern gewählt wer­den kön­nen. Der Orden zählt welt­weit mehr als 13.500 Rit­ter und Damen, die sich seit alters in drei Stän­de glie­dern. Wähl­bar sind aber nur Ange­hö­ri­ge des Ersten Stan­des, die soge­nann­ten Pro­feß­rit­ter, die Gelüb­de der evan­ge­li­schen Räte able­gen und sich zu Keusch­heit, Armut und Gehor­sam ver­pflich­ten. Sie sind mit den Ange­hö­ri­gen eines reli­giö­sen Ordens zu ver­glei­chen. Die Ange­hö­ri­gen des Zwei­ten und des Drit­ten Stan­des hin­ge­gen sind Lai­en, die zwar Ämter in der Ordens­re­gie­rung aus­üben, aber nicht die höch­sten Ämter des Ordens beklei­den kön­nen, der als inter­na­tio­na­les Völ­ker­rechts­sub­jekt den Sta­tus eines sou­ve­rä­nen Staa­tes genießt, eige­ne Mün­zen prä­gen, Brief­mar­ken her­aus­ge­ben und Diplo­ma­ten­päs­se aus­stel­len kann. Doch nicht ein­mal alle Pro­feß­rit­ter sind wähl­bar, son­dern nur jene, die ein bestimm­tes Alter haben, seit einer Min­dest­zeit dem Orden ange­hö­ren und deren Groß­el­tern zu allen vier Tei­len dem Adel ent­stam­men. Der Kreis der „Papa­bi­li“ ist daher sehr klein, was die Wahl für man­che im Orden offen­bar als „gefähr­lich“ erschei­nen läßt, weil sie die Ein­fluß­nah­me erschwert.

Mit eini­ger Mühe und nur mit Hil­fe des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats war es der „deut­schen Rich­tung“ im Früh­jahr 2017 gelun­gen, den Pro­feß­rit­ter Fra Gia­co­mo aus dem Geschlecht der Gra­fen Dal­la Tor­re del Tem­pio di San­gui­net­to zum inte­ri­mi­sti­schen Statt­hal­ter und 2018 zum 80. Groß­mei­ster zu küren. Sein plötz­li­cher Tod wirft die müh­sam erreich­te Ruhe wie­der durch­ein­an­der. Boe­sela­gers Rich­tung ris­kiert viel, soll­te der „fal­sche“ Pro­feß­rit­ter zum 81. Groß­mei­ster gewählt wer­den. Theo­re­tisch wäre sogar die Wie­der­wahl des von Fran­zis­kus zum Rück­tritt gezwun­ge­nen 79. Groß­mei­sters Fra Mat­thew Festing mög­lich.

Dal­la Tor­re in der Groß­mei­ster­uni­form

6. Mai: Die Verlängerung bis irgendwann

Am 6. Mai, nur einen Tag nach dem Begräb­nis des 80. Groß­mei­sters, erging ein Schrei­ben an Amts­trä­ger des Ordens von Groß­kom­tur Fra Ruy Gon­ça­lo do Val­le Pei­xo­to de Vil­las Boas. Der Groß­kom­tur nimmt in der Zeit der Sedis­va­kanz im Orden die Posi­ti­on des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs in der Kir­che ein. Er wird auto­ma­tisch inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter, aller­dings mit sehr begrenz­ter Amts­zeit. Als sol­cher ver­fügt er über kei­ne eigent­li­chen Lei­tungs­be­fug­nis­se, hat aber Sor­ge zu tra­gen, daß die Inter­es­sen des Ordens gewahrt wer­den kön­nen und die Wahl des neu­en Groß­mei­sters ord­nungs­ge­mäß ein­be­ru­fen wer­den und statt­fin­den kann. Doch genau das erweist sich als pro­ble­ma­tisch, und das Pro­blem dabei scheint der Groß­kom­tur selbst zu sein.

Der 80 Jah­re alte Por­tu­gie­se befin­det sich in sei­ner Hei­mat und nahm wegen des Coro­na­vi­rus nicht an dem Begräb­nis des Groß­mei­sters teil. Das Schrei­ben erging jedoch von Rom aus an die Mit­glie­der des Gro­ßen Staats­rats, der den Groß­mei­ster wählt, und die Vor­sit­zen­den der natio­na­len Ordens­ver­ei­ni­gun­gen. Ver­ges­sen wur­den eini­ge hohe Wür­den­trä­ger, vor allem Pro­feß­rit­ter. Das erstaunt ins­ge­samt, aber auch spe­zi­ell, da der Groß­kom­tur im Orden für die Pro­feß­rit­ter zustän­dig ist und die Zukunft des Ordens den Ersten Stand noch mehr betrifft als die ande­ren Stän­de.

In dem Schrei­ben teil­te der Groß­kom­tur in sei­ner Funk­ti­on als inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter nicht etwa die Ein­be­ru­fung des Wahl­ka­pi­tels zur Wahl des 81. Groß­mei­sters mit, son­dern das genaue Gegen­teil. Zunächst ver­si­cher­te er, daß für den ver­stor­be­nen Groß­mei­ster nach dem Ende der Coro­na-Maß­nah­men ein fei­er­li­ches Requi­em zele­briert wer­de. Einen Staats­akt, wie er dem Rang eines Groß­mei­sters gebührt, erwähn­te er nicht.

Dann kam der Groß­kom­tur auf das zu spre­chen, was als eigent­li­cher Grund sei­nes Schrei­bens zu erken­nen ist. In einer sei­ner schrift­li­chen Hin­ter­las­sen­schaf­ten, „ver­bal lega­ci­es“, wie es in der eng­li­schen Fas­sung des Brie­fes heißt, habe Groß­mei­ster Dal­la Tor­re „sein tie­fes Bedau­ern“ zum Aus­druck gebracht, „nicht imstan­de gewe­sen zu sein, sei­nem Ver­spre­chen nach­zu­kom­men, das er dem Hei­li­gen Vater gege­ben hat­te, die Reform des Ordens zu voll­enden“.

Es folgt ein Bekennt­nis des Groß­kom­turs, genau die­sem Bei­spiel und die­ser Ver­pflich­tung fol­gen und die­sen Weg fort­set­zen zu wol­len. Wört­lich schrieb er:

„Viel Arbeit wur­de bereits getan. Wir müs­sen die Ordens­re­form vor­wärts­brin­gen. Ich hof­fe, daß wir imstan­de sein wer­den, über die Reform unse­rer Ver­fas­sung und des Kodex noch in die­sem Jahr beim außer­or­dent­li­chen Gene­ral­ka­pi­tel zu ent­schei­den.“

Der Groß­mei­ster und der Papst: Dal­la Tor­re mit Fran­zis­kus

Wegen der Coro­na-Pan­de­mie sei es „nicht mög­lich“, das Wahl­ka­pi­tel zur Wahl des neu­en Für­sten und Groß­mei­sters inner­halb der in der Ordens­ver­fas­sung vor­ge­se­he­nen drei Mona­te ein­zu­be­ru­fen. Viel­mehr gibt der Groß­kom­tur zu ver­ste­hen, daß das Wahl­ka­pi­tel erst nach dem außer­or­dent­li­chen Gene­ral­ka­pi­tel vom Novem­ber statt­fin­den wer­de kön­nen, vor­aus­sicht­lich erst im Früh­jahr 2021.

Dabei bleibt völ­lig unklar, wes­halb das außer­or­dent­li­che Gene­ral­ka­pi­tel mit mehr Teil­neh­mern trotz Coro­na­vi­rus statt­fin­den kann, das Wahl­ka­pi­tel aber wegen Coro­na auf 2021 ver­scho­ben wer­den muß. Für das außer­or­dent­li­che Gene­ral­ka­pi­tel schreibt die Ordens­ver­fas­sung kei­ne Ein­hal­tung bestimm­ter Fri­sten vor, sehr wohl aber für die Abhal­tung des Wahl­ka­pi­tels. Das Wahl­ka­pi­tel ist vom Groß­kom­tur in sei­ner Funk­ti­on als inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter frü­he­stens drei Wochen, spä­te­stens aber drei Mona­te nach dem Tod des Groß­mei­sters abzu­hal­ten. Erfolgt kei­ne Eini­gung auf einen Nach­fol­ger des Groß­mei­sters, kann vom Wahl­ka­pi­tel (Gro­ßer Staats­rat) für die Dau­er eines Jah­res ein ordent­li­cher Statt­hal­ter gewählt wer­den, wie es 2017 gesche­hen ist. Er löst den inte­ri­mi­sti­schen Statt­hal­ter ab und ver­fügt über mehr Zustän­dig­kei­ten.

Im Schrei­ben des Groß­kom­turs kommt es dann aber noch hef­ti­ger. Der Sou­ve­rä­ne Rat (die Ordens­re­gie­rung unter der Füh­rung von Groß­kanz­ler von Boe­sela­ger) habe ein­hel­lig zuge­stimmt, daß der inte­ri­mi­sti­sche Statt­hal­ter, also der schrei­ben­de Fra Ruy Gon­ça­lo do Val­le Pei­xo­to de Vil­las Boas selbst, ent­spre­chend län­ger im Amt blei­ben sol­le. Er sol­le bis zur Wahl des neu­en Groß­mei­sters, für des­sen Wahl es aber noch nicht ein­mal einen Ter­min gibt, obwohl do Val­le Pei­xo­to de Vil­las Boas ihn fest­le­gen könn­te und fest­zu­le­gen hät­te, als inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter im Alt blei­ben.

Die­ser Weg ist von der Ordens­ver­fas­sung aber nicht vor­ge­se­hen, denn er bedeu­tet, daß die kla­ren Fri­sten zur Groß­mei­ster­wahl miß­ach­tet wer­den und ein Sta­tus quo ohne Bil­li­gung durch die recht­mä­ßi­gen Ordens­or­ga­ne pro­lon­giert wird. Das Coro­na­vi­rus, das in Euro­pa längst nicht mehr den Sta­tus einer Epi­de­mie hat, muß dazu als Vor­wand her­hal­ten.

Doch war­um die­ser Rechts­bruch?

Dafür gibt es der­zeit nur zwei mög­li­che Grün­de. Die Ordens­re­gie­rung um Boe­sela­ger ver­fügt noch über kei­nen geeig­ne­ten, ihr nahe­ste­hen­den Kan­di­da­ten, der Aus­sicht auf Erfolg hat. Und offen­sicht­lich soll die Reform des Ordens noch vor der Wahl des neu­en Groß­mei­sters durch­ge­zo­gen wer­den.

Was hat es aber mit dieser Ordensreform auf sich?

Bekannt ist, daß die „deut­sche Grup­pe“ um Boe­sela­ger, haupt­säch­lich im Zwei­ten und Drit­ten Stand behei­ma­tet, unzu­frie­den damit ist, daß nur der Erste Stand die höch­sten Ämter und damit die Letzt­ge­walt im Orden aus­üben kann. Boe­sela­ger selbst ist allein schon des­halb von der Wahl zum Groß­mei­ster aus­ge­schlos­sen, weil er dem Zwei­ten Stand ange­hört.

Bevor Boe­sela­ger Groß­kanz­ler wur­de, hat­te er in der Ordens­re­gie­rung das Amt des Groß­ho­spi­ta­liers inne und war damit für das inter­na­tio­na­le Hilfs­werk des Ordens, Mal­te­ser Inter­na­tio­nal, zustän­dig. Dabei kam es zur engen Zusam­men­ar­beit mit der UNO. Kri­ti­ker wer­fen sei­ner Rich­tung vor, den Mal­te­ser­or­den zu einer huma­ni­tä­ren NGO umbau­en zu wol­len, zu einer ganz beson­de­ren, denn der Orden hat durch sei­nen völ­ker­recht­li­chen Sta­tus Instru­men­te zur Ver­fü­gung, die ihm einen Allein­stel­lungs­cha­rak­ter ver­lei­hen.

Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Orden und der UNO war nicht zuletzt Grund für den Bruch zwi­schen Groß­mei­ster Festing und dem Groß­kanz­ler. Mal­te­ser Inter­na­tio­nal hat­te sich im Wider­spruch zur kirch­li­chen Moral­leh­re an meh­re­ren UNO-Kam­pa­gnen zur Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln betei­ligt. Als der Groß­mei­ster dahin­ter­kam, ver­lang­te er von Boe­sela­ger Rechen­schaft. Am Ende des Strei­tes, Anfang Dezem­ber 2016, setz­te er ihn ab. Der gefeu­er­te Boe­sela­ger akti­vier­te sei­ne Kon­tak­te zum vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at und es begann eine bei­spiel­lo­se Ein­mi­schung in die Anlie­gen eines ande­ren Staa­tes, denn im Kon­flikt ging es nicht um reli­giö­se Aspek­te, son­dern Fra­gen der Staats­re­gie­rung. Der Vati­kan kehr­te die mora­li­schen Streit­punk­te kur­zer­hand unter den Tisch, stell­te Boe­sela­ger einen Per­sil­schein aus und Papst Fran­zis­kus for­der­te von Groß­mei­ster Festing die Wie­der­ein­set­zung Boe­sela­gers als Groß­kanz­ler. Als sich Festing wei­ger­te, ver­lang­te Fran­zis­kus sei­nen Rück­tritt. Eine For­de­rung des Pap­stes, der sich der Groß­mei­ster nicht ent­zie­hen konn­te.

Der Groß­mei­ster und der Groß­kanz­ler: Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger (rechts)

Das Schrei­ben des Groß­kom­turs vom 6. Mai zei­ge, so der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti, daß die Ordens­re­gie­rung Zeit gewin­nen und die von ihr ange­streb­te Reform der Ordens­ver­fas­sung durch­zie­hen will. Tosat­ti deu­tet zugleich Zwei­fel an, ob das Schrei­ben über­haupt vom Groß­kom­tur stammt („Es ist zu hof­fen, daß ihm zumin­dest ein Ent­wurf vor­ge­legt wur­de“).

Tosat­ti spricht von einer „Phan­tom­re­form“ des Ordens, von der zwar stän­dig die Rede sei, von der aber selbst Ange­hö­ri­ge des Ersten Stan­des nichts Nähe­res wis­sen noch einen kon­kre­ten Ent­wurf ken­nen. Ist das ein Grund, wes­halb das Schrei­ben nur an aus­ge­wähl­te Ordens­ver­tre­ter ging?

Der Groß­kom­tur ver­mit­telt dar­in den Ein­druck, als sei die „Phan­tom­re­form“ ein Lega­tum mor­tis cau­sa (Ver­mächt­nis) des ver­stor­be­nen Groß­mei­sters. Sie wird zu einer „mora­li­schen Pflicht“ zu sei­nem Geden­ken erklärt, was eine ziem­lich mas­si­ve Beein­flus­sung und Len­kung des Ordens in eine bestimm­te Rich­tung ist. Und dar­um scheint es ja auch zu gehen.

Eine sol­che Wil­lens­be­kun­dung ste­he im Kon­trast zu den ersten Pflich­ten eines Sou­ve­räns, der nicht sei­nen Wil­len durch­zu­set­zen, son­dern sei­ne Pflich­ten zu erfül­len habe, so Tosat­ti. Das gel­te im kon­kre­ten Fall um so mehr, weil es zur Reform im Orden kei­nen Kon­sens gibt.

Die Sache ist noch schwer­wie­gen­der. Es fehlt nicht an wei­te­ren Unge­reimt­hei­ten. Die Ein­be­ru­fung eines außer­or­dent­li­chen Gene­ral­ka­pi­tels zur Ordens­re­form erfolg­te just am Tag, an dem Groß­mei­ster Dal­la Tor­re ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wur­de, wo er am näch­sten Tag gestor­ben ist. Ende Janu­ar war eine Erkran­kung dia­gno­sti­ziert wor­den, derent­we­gen der Groß­mei­ster seit­her in Behand­lung war. Am 28. April ver­schlech­ter­te sich sein Gesund­heits­zu­stand aber abrupt. In einem Begleit­schrei­ben zur Ein­be­ru­fung, das von Groß­kanz­ler Boe­sela­ger stammt, teil­te die­ser mit, den Ent­wurf für die Reform der Ordens­ver­fas­sung und des Kodex dem Hei­li­gen Stuhl zur Begut­ach­tung über­mit­telt zu haben.

Welcher Entwurf?

„Kein Ange­hö­ri­ger des Ersten Stan­des hat bis­her den Reform­ent­wurf zu Gesicht bekom­men“, so Tosat­ti.

Ist es denk­bar, daß der ver­stor­be­ne Groß­mei­ster den Orden „mora­lisch“ auf etwas ver­pflich­ten woll­te, was ordens­in­tern nicht ein­mal bekannt ist? Kein Wun­der, daß Zwei­fel bestehen, ob da nicht mit dem tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen „Wil­len“ des ver­stor­be­nen 80. Groß­mei­sters etwas gespielt wird.

Dunk­le Schat­ten lie­gen bereits auf dem Rück­tritt des 79. Groß­mei­sters. Sie haben die Wahl des 80. Groß­mei­sters über­schat­tet, und nun schei­nen die der­zei­ti­gen Ordens­re­gis­seu­re, allen vor­an Groß­kanz­ler Boe­sela­ger, es zu schaf­fen, daß auch die Wahl des 81. Groß­mei­sters davon getrübt wird.

In der eng­li­schen Fas­sung des Groß­kom­tur-Schrei­bens lau­tet der ent­schei­den­de Satz: „We will use this time to actively fina­li­ze the texts for the reform”. Wäh­rend ordens­in­tern gegen­über einem Teil der Ver­ant­wor­tungs­trä­ger der Ein­druck erweckt wird, die Fra­ge sei noch offen, wäh­rend ein ande­rer Teil erst gar nicht infor­miert wird, scheint die Boe­sela­ger-Grup­pe voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen zu wol­len. Wie aber kann ein außer­or­dent­li­ches Gene­ral­ka­pi­tel ein­be­ru­fen wer­den, wenn es nicht ein­mal einen kon­kre­ten Ent­wurf gibt? „Kann es sein, daß ein Mann wie Dal­la Tor­re, der all­ge­mein als vor­sich­tig und klug beschrie­ben wird, eine so gewag­te Unvor­sich­tig­keit began­gen haben könn­te?“

5. Mai: Begräb­nis von Groß­mei­ster Dal­la Tor­re in der Ordens­kir­che San­ta Maria del Prio­ra­to auf dem Aven­tin. Am Sarg steht der Päpst­li­che Dele­gat, Kar­di­nal Ange­lo Becciu.

Aus den Wider­sprü­chen lesen eini­ge Ordens­an­ge­hö­ri­ge zwei­er­lei her­aus: Es gibt Kräf­te im Orden, die das Gene­ral­ka­pi­tel zur Ordens­re­form so schnell als mög­lich abhal­ten und die Wahl des neu­en Groß­mei­sters so lan­ge als mög­lich ver­zö­gern wol­len.

Dafür spricht die auf unbe­stimm­te Zeit ver­län­ger­te inte­ri­mi­sti­sche Statt­hal­ter­schaft von Groß­kom­tur Fra Ruy Gon­ça­lo do Val­le Pei­xo­to de Vil­las Boas, die von der Ordens­ver­fas­sung nicht gedeckt ist. Dar­an ändert auch nichts, daß der Sou­ve­rä­ne Rat dem ein­stim­mig oder ein­hel­lig zustimm­te. Die Wil­lens­be­kun­dung der Ordens­re­gie­rung reicht nicht aus, um neu­es Recht zu set­zen. So funk­tio­niert ein Staats­we­sen nicht.

Ob eine päpst­li­che Dis­pens, die der­zeit nicht vor­liegt, aus­reicht, um den Rechts­bruch zu sanie­ren, wer­den die Juri­sten zu klä­ren haben. Und noch eine Vor­fra­ge dazu, denn:  Wel­che Ein­stim­mig­keit oder Ein­hel­lig­keit wur­de vom Sou­ve­rä­nen Rat über­haupt erzielt, da nie eine Sit­zung dazu statt­fand und auch kein ent­spre­chen­der Beschluß vor­liegt. Die ein­zi­ge Erwäh­nung fin­det sich im Schrei­ben des Groß­kom­turs, der nach­weis­lich nicht in Rom war, da er nicht ein­mal an der Beer­di­gung des Groß­mei­sters teil­nahm, son­dern sich in Por­tu­gal auf­hält.

Recht­lich gese­hen hat der Sou­ve­rä­ne Rat in der Fra­ge nur eine bera­ten­de, aber kei­ne beschlie­ßen­de Funk­ti­on. Kurz­um, die gan­ze Vor­ge­hens­wei­se steht auf töner­nen Füßen, als wären hier juri­sti­sche Hasar­deu­re am Werk. Eine Rechts­ord­nung ist eine nach Belie­ben bieg­ba­re Knet­mas­se.

Laut gel­ten­der Rechts­ord­nung des Mal­te­ser­or­dens hat das Wahl­ka­pi­tel zur Wahl des 81. Groß­mei­sters bis Ende Juli zusam­men­zu­tre­ten. Coro­na­vi­rus hin oder her: Ange­sichts der nun in schnel­lem Rhyth­mus fol­gen­den Locke­run­gen der von zahl­rei­chen Staats­re­gie­run­gen ver­häng­ten Radi­kal­maß­nah­men ist eine Ein­be­ru­fung für den Som­mer im Bereich des Rea­li­sti­schen, aber offen­bar nicht gewünscht.

Über den Inhalt der „Phan­tom­re­form“ kann in Erman­ge­lung eines Ent­wurfs nur spe­ku­liert wer­den. Die Vor­ge­hens­wei­se lie­fert aller­dings star­ke Indi­zi­en, daß der Erste Stand ent­mach­tet wer­den und die Wahl des näch­sten Groß­mei­sters bereits unter ganz ande­ren Vor­zei­chen und Mög­lich­kei­ten zur Ein­fluß­nah­me statt­fin­den soll.

De fac­to hat sich die eigent­lich Macht bereits vom Groß­mei­ster auf den Groß­kanz­ler ver­la­gert. Groß­mei­ster Festing, der sich Boe­sela­ger in den Weg stell­te, wur­de mit Hil­fe von Papst Fran­zis­kus aus dem Weg geräumt. Groß­mei­ster Dal­la Tor­re ließ den Groß­kanz­ler gewäh­ren. Kann oder will der 81. Groß­mei­ster sei­ne sou­ve­rä­nen Voll­mach­ten nicht aus­üben, wird das Groß­mei­ster­amt auf eine „deko­ra­ti­ve Rol­le“ ein­ge­schmol­zen. Die selek­ti­ve Aus­wahl der Adres­sa­ten, an die das Schrei­ben des Groß­kom­turs vom 6. Mai ging, spricht eine kla­re Spra­che. Unter den Wür­den­trä­gern, die „ver­ges­sen“ wur­den, befin­det sich auch der 79. Groß­mei­ster, Fra Mat­thew Festing, der als Pro­feß­rit­ter nicht nur zu den Wäh­lern, son­dern auch zu den weni­gen Wähl­ba­ren gehört.

Zum Tod des Groß­mei­sters von einer Orts­grup­pe des ita­lie­ni­schen Hilfs­corps des Ordens.

14. Mai: Öffentlicher Tadel für Kritik

Über die Recht­mä­ßig­keit der Pro­ze­du­ren hät­te der Päpst­li­che Dele­gat, Ange­lo Kar­di­nal Becciu, zu wachen, nach­dem der eigent­li­che Ver­tre­ter des Pap­stes beim Orden, Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke, ein exzel­len­ter Jurist, im Zuge der Ent­mach­tung des 79. Groß­mei­sters auch kalt­ge­stellt wur­de. Wer sich von der Pre­digt von Kar­di­nal Becciu bei der Bei­set­zung von Groß­mei­ster Dal­la Tor­re dazu etwas erwar­te­te, wur­de ent­täuscht. Der geüb­te Vati­kan­di­plo­mat hielt sich zurück.

„Schwei­gen ist in sol­chen Fäl­len Gold, aber die Klin­gen wer­den wahr­schein­lich schon gewetzt“, schreibt Tosat­ti.

Am 14. Mail ver­schick­te der Groß­kom­tur, obwohl immer noch in Por­tu­gal, über sei­ne Dienst­stel­le in Rom eine Mail an die Pro­feß­rit­ter, in der er Fra James Micha­el von Stro­ebel tadel­te. Der Vize­re­gent des Sub­prio­rats Unse­rer Lie­ben Frau von Lour­des in den USA hat­te sei­nen Mit­brü­dern schrift­lich sei­ne Miß­bil­li­gung kund­ge­tan, nur indi­rekt mit dem erwähn­ten Begleit­schrei­ben erfah­ren zu haben, daß von Groß­kanz­ler Boe­sela­ger dem Hei­li­gen Stuhl der Ent­wurf einer Ordens­re­form über­mit­telt wur­de, ohne daß die Pro­feß­rit­ter die­sen zu Gesicht bekom­men haben; und die­se wuß­ten auch nichts von der Über­mitt­lung an den Hei­li­gen Stuhl.

Fra James Micha­el von Stro­ebel

Der öffent­li­che Tadel, den der Groß­kom­tur gegen sei­nen Mit­bru­der aus­sprach, obwohl die­ser berech­tig­te Kri­tik äußer­te, ist eben­so unge­wöhn­lich. Und das will etwas hei­ßen für einen so tra­di­ti­ons­be­wuß­ten Orden, der bald sein tau­send­jäh­ri­ges Bestehen bege­hen wird und in dem beson­de­rer Wert auf die Ein­hal­tung von Form und Eti­ket­te gelegt wird. Der Groß­kom­tur, „oder wer immer für ihn“, so Tosat­ti, beharr­te in dem Tadel dar­auf, daß der Ent­wurf von der Ordens­re­gie­rung ein­stim­mig geneh­migt wor­den sei, was recht­lich aller­dings nichts ändert, da die Ordens­re­gie­rung nicht die Pro­feß­rit­ter ersetzt. Tosat­ti ver­merk­te dazu:

„Wir ken­nen nicht genau die Absich­ten der grau­en Emi­nen­zen die­ser zuneh­mend ver­schlun­ge­nen Palast­in­tri­ge, aber es wird immer deut­li­cher, daß die der­zei­ti­ge Ordens­re­gie­rung vie­le Unsi­cher­hei­ten zeigt und immer unge­schick­ter ver­sucht, die ver­schie­de­nen Män­gel zu stop­fen, die das System all­mäh­lich immer pein­li­cher offen­sicht­lich wer­den läßt.“

23. Mai: Die neue E‑Mail-Adresse

Am 23. Mai erging eine wei­te­re unge­wöhn­li­che Nach­richt an alle Pro­feß­rit­ter. Die Sekre­tä­rin des Groß­kom­turs, und schon sei­ner Vor­gän­ger, eine lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­te­rin der Ordens­lei­tung, teil­te mit, daß Fra Mar­co Luz­za­go, einer der Pro­feß­rit­ter, sei­ne E‑Mail-Adres­se geän­dert habe.

Na und, wer­den nun man­che sagen. Eine sol­che Mit­tei­lung durch den Groß­kom­tur ist unüb­lich. Abge­se­hen davon wür­de der Betrof­fe­ne sie direkt sei­nen Mit­brü­dern mit­tei­len, die Zahl der Pro­feß­rit­ter ist über­schau­bar. Fra Luz­za­go ver­fügt über eine eige­ne Face­book-Sei­te, er weiß also mit den tech­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln umzu­ge­hen.

Brief­mar­ke des Ordens mit dem Groß­mei­ster­wap­pen Dal­la Tor­res

Die Mit­tei­lung der Sekre­tä­rin erfolg­te im Abstand von einer Stun­de sogar zwei­mal. Das führ­te dazu, daß ordens­in­tern dar­in man­che den Ver­such sehen, daß die der­zei­ti­ge Ordens­re­gie­rung von Groß­kanz­ler Boe­sela­ger, die vom über­ra­schen­den Tod von Groß­mei­ster Dal­la Tor­re auf dem fal­schen Fuß erwischt wur­de, einen „Papa­bi­le“ ins Spiel brin­gen möch­te. Fra Mar­co aus dem Uradels­ge­schlecht der Gra­fen Luz­za­go, die ihre Her­kunft auf die Lan­go­bar­den zurück­führt, gehört zu den weni­gen Pro­feß­rit­tern, die alle Vor­aus­set­zun­gen für die Wahl zum 81. Groß­mei­ster erfül­len. Laut Tosat­ti wur­de Fra Luz­za­go von der Ordens­re­gie­rung auch über ande­re Kanä­le ins Gespräch gebracht.

Der 70 Jah­re alte Fra Mar­co Luz­za­go lebt in einer Ordens­kom­men­de und hat­te noch nie ein Amt in der Ordens­lei­tung inne. Was eigent­lich gegen ihn spre­chen müß­te, scheint ihn für die der­zei­ti­ge Ordens­re­gie­rung gera­de zu einem geeig­ne­ten Kan­di­da­ten zu machen: ein Kan­di­dat, der sich abseh­bar kaum in die Geschäf­te ein­mi­schen dürf­te und sich auf reprä­sen­ta­ti­ve Auf­ga­ben beschränkt. Das will nichts über die Inte­gri­tät des Genann­ten sagen, zumal Fra Luz­za­go all­ge­mein beliebt und geschätzt zu sein scheint.

27. Mai: Zwei neue Arbeitsgruppen

Am 27. Mai wur­de im Namen von Groß­kom­tur Ruy Gon­ça­lo do Val­le Pei­xo­to de Vil­las Boas allen Pro­feß­rit­tern und Kaplä­nen das außer­or­dent­li­che Gene­ral­ka­pi­tel für Novem­ber bestä­tigt („valid and stands“). Zugleich wur­de „die Hoff­nung“ geäu­ßert, bis dahin in der Lage zu sein, die Ent­wür­fe für die Reform von Ver­fas­sung und Kodex über­mit­teln zu kön­nen. Kuri­os:  War­um konn­ten die Ent­wür­fe nicht ein­fach allen zuge­schickt wer­den, wenn Boe­sela­ger sie schon vor dem 28. April dem Hei­li­gen Stuhl über­mit­teln konn­te?

Wes­halb die­se Wider­sprü­che? War­um die­se Geheim­nis­tue­rei?

Teil der Mit­tei­lung war auch, daß von Kar­di­nal Becciu in sei­ner Funk­ti­on als Päpst­li­cher Son­der­de­le­gat für den Orden die Bil­dung von zwei Arbeits­grup­pen ange­regt, sprich ange­ord­net, wur­de. Eine Arbeits­grup­pe soll sich mit der Reform des Ersten Stan­des, die ande­re mit der Reform des Zwei­ten und Drit­ten Stan­des befas­sen. Bis Monats­en­de wer­de der Kar­di­nal die Ver­tre­ter des Hei­li­gen Stuhls nam­haft machen.

Liegt hier bereits eine Reak­ti­on des Hei­li­gen Stuhls auf die Boe­sela­ger-Ent­wür­fe vor? Die Errich­tung von Arbeits­grup­pen legt das nahe. Will der Vati­kan nur zur Ein­hal­tung der Rechts­ord­nung drän­gen oder gibt es inhalt­li­che Vor­stel­lun­gen? Aller­dings ist nichts dar­über bekannt, wel­che Bean­stan­dun­gen durch Kar­di­nal Becciu vor­ge­bracht wur­den, da nicht ein­mal die Boe­sela­ger-Tex­te bekannt sind.

  • Der Groß­kom­tur als inte­ri­mi­sti­scher Statt­hal­ter ernann­te für die erste Arbeits­grup­pe Msgr. Jean Lafit­te, Ordens­prä­lat, Msgr. Andrea Ripa, Ordens­ka­plan und Unter­se­kre­tär der römi­schen Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on, sowie die bei­den Pro­feß­rit­ter Fra Emma­nu­el Rous­se­au und Fra John Dun­lap, die der der­zei­ti­gen Ordens­re­gie­rung ange­hö­ren
  • Der zwei­ten Arbeits­grup­pe gehö­ren Prof. Fran­ces­co Gaz­zo­ni von der Staats­ad­vo­ka­tur des Ordens, Prof. Pao­lo Papan­ti, Vor­sit­zen­der des Gerichts Erster Instanz des Ordens und Rich­ter im Vati­kan, und Prof. Giu­sep­pe Dal­la Tor­re, ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der des Gerichts des Vati­kan­staa­tes und Bru­der des ver­stor­be­nen 80. Groß­mei­sters, an.

Giu­sep­pe Graf Dal­la Tor­re war von 2011 bis 2017 Gene­ral­statt­hal­ter (Groß­mei­ster) des Rit­ter­or­dens vom Hei­li­gen Grab zu Jeru­sa­lem. Für eini­ge Wochen stan­den die Brü­der Dal­la Tor­re gleich­zei­tig an der Spit­ze der bei­den gro­ßen Rit­ter­or­den der Kir­che – ein Pri­mat. Giu­sep­pe Dal­la Tor­re ist nicht Ange­hö­ri­ger des Mal­te­ser­or­dens, war aber Bera­ter sei­nes Bru­ders als Groß­mei­ster.

Win­fried Graf Henckel von Don­ners­marck, wie Boe­sela­ger Ange­hö­ri­ger des Zwei­ten Stan­des und eben­falls Mit­glied der Ordens­re­gie­rung, wur­de vom Groß­kom­tur mit der Koor­di­nie­rung bei­der Grup­pen beauf­tragt. Der Groß­kom­tur teil­te zugleich mit, daß die Arbei­ten erst begin­nen, sobald der Hei­li­ge Stuhl sei­ne Ver­tre­ter ernannt haben wird.

Nichts ändern soll sich nach wie vor an der auf den Kopf gestell­ten Rei­hen­fol­ge. Wäre nicht zuerst der Groß­mei­ster zu wäh­len, um dem Orden eine hand­lungs­fä­hi­ge Regie­rung zu geben, bevor ordens­in­ter­ne Refor­men ange­gan­gen wer­den?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ordi­ne di Mal­ta (Screen­shots)