Pädophilie: Die „Nulltoleranz“ von Papst Franziskus „mit oder ohne befreundete Kardinäle“

Papst Franziskus und die "Nulltoleranz" bei Kindesmißbrauch. Am 28. Dezember schrieb Franzskus zum Fest der Unschuldgen Kinder einen Brief an alle Bischöfe, um sie zur Bekämpfung von Ungerechtigkeiten gegen Kinder aufzufordern. Die Tötung ungeborener Kinder erwähnt er darin nicht.
Papst Franziskus und die "Nulltoleranz" bei Kindesmißbrauch. Am 28. Dezember schrieb Franzskus zum Fest der Unschuldgen Kinder einen Brief an alle Bischöfe, um sie zur Bekämpfung von Ungerechtigkeiten gegen Kinder aufzufordern. Die Tötung ungeborener Kinder erwähnt er darin nicht.

(Rom) Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­lich­te am 28. Dezem­ber, dem Fest der Unschul­di­gen Kin­der, einen Brief an alle Bischö­fe der katho­li­schen Kir­che. Dar­in for­der­te er die Brü­der im Bischofs­amt zum The­ma Kin­des­miß­brauch auf: „Machen wir uns den Auf­trag zu ’null Tole­ranz‘ in die­sem Bereich klar und auf­rich­tig zu Eigen.“ In dem Schrei­ben geht es um „Not­si­tua­tio­nen und anhal­ten­de Kri­sen“, um „Sexu­al­han­del“ um Migra­ti­on und „Unter­ernäh­rung“, „Kin­der­ar­beit“, „Skla­ve­rei“, Schul­bil­dung, Aus­bil­dung und „äußer­ste Armut“.

Wört­lich schreibt Franziskus:

„Wir brau­chen den Mut, sie vor den neu­en Gestal­ten eines Hero­des unse­rer Zeit zu ver­tei­di­gen, wel­che die Unschuld unse­rer Kin­der miss­brau­chen. Unschuld gebro­chen unter der Last der Schwarz- und Skla­ven­ar­beit, unter der Last der Pro­sti­tu­ti­on und Aus­beu­tung. Unschuld zer­stört von Krie­gen und gezwun­ge­ner Aus­wan­de­rung zusam­men mit dem Ver­lust von allem, was dies mit sich bringt. Tau­sen­de unse­rer Kin­der sind in die Hän­de von Ban­di­ten, von Mafia­or­ga­ni­sa­tio­nen, von Todes­händ­lern gera­ten, die nichts ande­res machen, als ihre Bedürf­nis­se zu miss­brau­chen und auszubeuten.“

„Nulltoleranz“ unter Benedikt XVI. und Franziskus

Papst Bene­dikt XVI. war es, der die „Null­to­le­ranz“ zum Pro­gramm mach­te. Zuvor hat­te bereits Johan­nes Paul II. 2001 eine deut­li­che Reform durch­ge­führt. Unter Papst Fran­zis­kus ist die von den welt­li­chen Medi­en wie­der­hol­te Linie jedoch mit Vor­be­halt zu sehen. Die „Null­to­le­ranz“ gilt unter dem argen­ti­ni­schen Kir­chen­ober­haupt offen­bar je nach Nähe und Hal­tung der Betrof­fe­nen. Wäh­rend sie bei eini­gen exem­pla­risch ver­folgt wird, fällt sie bei ande­ren, wie dem bel­gi­schen Kar­di­nal God­fried Dan­neels, wun­der­sam unter den Tisch. Dan­neels ist ein Ver­trau­ter des Pap­stes, der im Team Ber­go­glio und im Geheim­zir­kel von Sankt Gal­len zusam­men mit den Kar­di­nä­len Kas­per, Leh­mann und Mur­phy-O’Con­nor orga­ni­sier­te. Der in Bel­gi­en bekann­te­ste Miß­brauchs­fall, den Kar­di­nal Dan­neels gedeckt haben soll, ist der von ihm geför­der­te ehe­ma­li­ge Bischof Roger VanG­he­lu­we von Brüg­ge. Den­noch hat Dan­neels frei­en Zugang zum Papst und wur­de von Fran­zis­kus per­sön­lich aus­ge­rech­net zum Syn­oda­len der bei­den Bischofs­syn­oden über die Fami­lie ernannt.

Micha­el Bren­dan Dougher­ty ver­öf­fent­lich­te am 3. Janu­ar in der US-Aus­ga­be des Wochen­ma­ga­zins The Week die Kolum­ne: „A child abu­se scan­dal is com­ing for Pope Fran­cis“ (Ein Kin­des­miß­brauchs­skan­dal kommt über Papst Fran­zis­kus). Dar­in schil­dert der Autor, was genau unter der pro­kla­mier­ten „Null­to­le­ranz“ von Fran­zis­kus zu ver­ste­hen ist.

Glaubenskongregation zu effizient?

Dem­nach beab­sich­ti­ge der Papst die Juris­dik­ti­on über Miß­brauchs­fäl­le von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on abzu­zie­hen und einer ande­ren Insti­tu­ti­on an der Römi­sche Kurie zu über­tra­gen. Dabei han­delt die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on unter der Lei­tung von Kar­di­nal­prä­fekt Ger­hard Mül­ler aus­ge­spro­chen schnell und effi­zi­ent. War­um also die­se Ver­än­de­rung, obwohl gute Resul­ta­te vor­lie­gen? Weil die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zu gut arbei­te, so Dougher­ty. „Inter­ven­tio­nen“ zugun­sten von beschul­dig­ten Kle­ri­kern haben zuletzt „ende­mi­sche“ Züge ange­nom­men. Dabei wer­de zwi­schen zwei Per­so­nen­grup­pen unter­schie­den: zwi­schen Beschul­dig­ten „mit befreun­de­ten Kar­di­nä­len“ und Beschul­dig­ten „ohne befreun­de­te Kardinäle“.

Der Fall „Don Mercedes“

Als Bei­spiel nennt Dougher­ty den Fall von Don Mau­ro Inzo­li, der wegen sei­nes auf­wen­di­gen Lebens­stils auch „Don Mer­ce­des“ genannt wird. Er wur­de beschul­digt Kin­der sexu­ell belä­stigt zu haben. „Er hat angeb­lich Min­der­jäh­ri­ge im Beicht­stuhl miß­braucht“, so The Week. Als sein Fall vor die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on kam, wur­de er 2012 für schul­dig befun­den und sus­pen­diert. Papst Bene­dikt XVI. ord­ne­te sei­ne Lai­sie­rung an.

„Don Mer­ce­des hat­te aber ‚befreun­de­te Kar­di­nä­le‘ “. Für ihn inter­ve­nier­ten Kar­di­nal Coc­co­pal­me­rio und der Dekan der Rota Roma­na, Pio Vito Pin­to. Papst Fran­zis­kus setz­te Inzo­li 2014 wie­der in den Prie­ster­stand ein mit der Auf­for­de­rung, ein Leben „der Demut und des Gebets“ zu füh­ren. Bei­de, Coc­co­pal­me­rio und Pin­to, gehö­ren im Streit um das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia zu treu­en Par­tei­gän­gern des Pap­stes. Coc­co­pal­me­rio lob­te im Juli 2016 die „Tie­fe, Trans­pa­renz und Sanft­mut“, die Papst Fran­zis­kus im umstrit­te­nen Ach­ten Kapi­tel von Amo­ris lae­ti­tia an den Tag lege. Msgr. Pin­to emp­fahl im Dezem­ber in Spa­ni­en den vier Kar­di­nä­len Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner, wegen ihrer Dubia zu Amo­ris lae­ti­tia die Kar­di­nal­s­wür­de abzu­er­ken­nen.

Der päpst­li­chen Emp­feh­lung scheint Inzo­li kei­ne beson­de­re Beach­tung geschenkt zu haben. Die ita­lie­ni­sche Staats­an­walt­schaft ermit­tel­te erneut gegen ihn. Im Juni 2016 wur­de er wegen Pädo­phi­lie in Cre­mo­na in einem ver­kürz­ten Ver­fah­ren (auto­ma­ti­sche Redu­zie­rung der Stra­fe um ein Drit­tel) zu vier Jah­ren und neun Mona­ten  Haft ver­ur­teilt. Zudem darf er sich nicht mehr Orten mit Kin­dern nähern. Sei­nen fünf Opfern muß­te er 25.000 Euro Schmer­zens­geld zah­len. Die Opfer waren zwi­schen 12 und 16 Jah­re alt. Ange­klagt wur­de er in acht Fäl­len, fünf­zehn wei­te­re waren bereits verjährt.

Schwächung der Glaubenskongregation

Glaubenskongregation
Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on

Dougher­ty gelang­te zum Schluß, daß es dem Papst in Sachen Juris­dik­ti­on nicht um die Bekämp­fung des Kin­des­miß­brauchs gehe, son­dern dar­um einen sei­ner ein­fluß­reich­sten Geg­ner, Kar­di­nal­prä­fekt Mül­ler, zu schwä­chen. In die­sem Kon­text ist wohl auch die jüngst erfolg­te Ent­las­sung von drei tüch­ti­gen Mit­ar­bei­tern der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zu sehen. Die Ent­las­sung wur­de direkt vom Papst ange­ord­net. Der Ver­lust von drei „aus­ge­zeich­ne­ten Prie­ster“ und pro­fes­sio­nell tüch­ti­gen Mit­ar­bei­tern bedeu­tet für eine Insti­tu­ti­on wie die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on einen erheb­li­chen Aderlaß.

Eini­ge „Ratz­in­ge­ria­ner“ unter den Prä­fek­ten der Römi­schen Kurie wur­den von Papst Fran­zis­kus seit Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats mehr oder weni­ger freund­lich ent­las­sen, so Kar­di­nal Pia­cen­za (Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on), Kar­di­nal Cañi­za­res (Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on) und Kar­di­nal Bur­ke (Apo­sto­li­sche Signa­tur). Ande­re Prä­fek­ten wer­den von Fran­zis­kus in Amt und Wür­den belas­sen (oder durch einen Betriebs­un­fall von ihm selbst ernannt), aber in ihrer Kon­gre­ga­ti­on weit­ge­hend iso­liert, ihrer Zustän­dig­kei­ten ent­klei­det oder ohne nen­nens­wer­ten Mit­ar­bei­ter­stab gelas­sen, so Kar­di­nal Pell (Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at) und Kar­di­nal Sarah (Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on). Die­ses Schick­sal scheint nun auch Kar­di­nal Mül­ler und die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zu treffen.

Selbst pro­gres­si­ve Krei­se wie der Vati­ka­nist John Allen schrei­ben, daß Papst Fran­zis­kus eine Abnei­gung gegen for­mel­le Wege hegt und die­se nach Mög­lich­keit umgeht. Er infor­miert sich lie­ber „infor­mell“, eine Vor­ge­hens­wei­se mit ein­deu­ti­gen Defi­zi­ten. Sie macht Ent­schei­dun­gen auch von weit­rei­chen­der Natur davon abhän­gig, ob der betref­fen­de Gesprächs­part­ner dem Papst zu Gesicht steht oder nicht.

Nur am Ran­de sei erwähnt, daß das päpst­li­che Schrei­ben an die Bischö­fe zum Fest der Unschul­di­gen Kin­der eine „Unge­rech­tig­keit“ nicht erwähnt: den Mas­sen­mord an den unschul­di­gen, unge­bo­re­nen Kin­dern durch Abtreibung.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: The Week (Screen­shot)

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8 Kommentare

  1. Den Miss­brauch von Unge­bo­re­nen zu Cremes und ähn­li­chem hat er sicher nur „ver­ges­sen“ zu erwähnen.…

  2. AL ist doch ein typi­scher Neben­schau­platz! Sol­len sich die Theo­lo­gen die Schä­del ein­schla­gen! Aber Haupt­schau­platz ist die Inva­si­on Euro­pas durch den Islam, die Abtrei­bung und die unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Bür­ger­krie­ge — ein schwa­ches Wort — in Ita­li­en, Deutsch­land, Frank­reich und anders­wo. Mit Ver­laub: es ist als ob man alle Kräf­te zum Löschen eines lächer­li­chen Lager­feu­ers ver­wen­det und sich beharr­lich wei­gert, den Gross­brand zu sehen.

    • Die Inva­si­on Euro­pas durch den Islam, die Abtrei­bung und die Bür­ger­krie­ge haben sehr viel zu tun mit einem alle­ge­mei­nen Glau­bens­ver­lust (oder ‑Abfall)innerhalb der Kir­che, und das sogar bei den höch­sten Wür­den­trä­gern (Die Glau­bens­in­hal­te wer­den, wie der Arti­kel ver­an­schau­licht, zu einem blo­ßen Lip­pen­be­kennt­nis, selbst beim Papst. Das ist erschütternd).

      Die­ser Glau­bens­ab­fall führt zu einer Zer­stö­rung des Fun­da­ments, auf dem sich Euro­pas Frie­den und Sicher­heit stützt. Wenn wir das Fun­da­ment enfer­nen, stürzt alles zusammen.

  3. Ist Don Mer­ce­des denn für nach 2014 began­ge­ne Taten ver­ur­teilt worden ?
    Da wäre die ita­lie­ni­sche Justiz aber mal schnell gewesen…Der Arti­kel hört sich eher so an (eini­ge Fäl­le ver­jährt), als habe die Justiz die­sel­ben Fäl­le abge­ur­teilt, die die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on 2012 eben­falls behan­delt hat…

  4. Wie kann man einen Mann wie Inzo­li wie­der in den Prie­ster­stand erheben?

    Was müs­sen die Opfer von sol­cher Barm­her­zig­keit denken!

  5. Wenn der Befrei­ungs­theo­lo­ge an der Spit­ze die ande­ren Befrei­ungs­theo­lo­gen aus die­sem Grun­de deckt und pro­te­giert, so wie es lei­der den Anschein hat, ist es eine Katastrophe.

  6. Was Kar­di­nal Cañizares betrifft, so kann ich nur wie­der­ho­len, was ich in einem Leser­brief bereits erwähn­te: Er ist ein Finanz­ex­per­te und wur­de von Papst Fran­zis­kus des­we­gen­auf den Bischofs­thron von València befördert.

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