Die Caritas und die „false-flag-operations“ des österreichischen Restkatholizismus

Michel Landau, Caritas-Präsident, bei seiner Rede vor dem SPÖ-Parlamentsklub.
Michel Landau, Caritas-Präsident, bei seiner Rede vor dem SPÖ-Parlamentsklub.

(Wien) Wofür steht die Cari­tas? Cari­tas-Direk­to­ren genie­ßen in Öster­reich seit Prä­lat Leo­pold Ungar (Direk­tor 1964–1991) beson­de­re media­le Auf­merk­sam­keit. Es folg­ten Hel­mut Schül­ler (1991–1995), heu­te bekannt als Vor­sit­zen­der der unge­hor­sa­men Prie­ster; Franz Küberl (1995–2013) als bis­her ein­zi­ger Laie; und seit Herbst 2013 Msgr. Micha­el Land­au. Doch wofür steht die Cari­tas eigent­lich, die sich selbst als „Kon­zern der Näch­sten­lie­be“ bezeich­net? Die­ser Fra­ge geht der Theo­lo­ge und Phi­lo­soph Wolf­ram Schrems mit sei­ner sen­si­blen Beob­ach­tungs­ga­be für gesamt­ge­sell­schaft­li­che und vor allem inner­irch­li­che Ent­wick­lun­gen in sei­nem jüng­sten Auf­satz nach. Das Ergeb­nis ist ernüch­ternd. Zuletzt wur­den von Wolf­ram Schrems fol­gen­de Auf­sät­ze ver­öf­fent­licht: Vor­bild im Beken­ner­mut – Not­wen­di­ger Nach­ruf auf Bischof Kurt Krenn und Noch ein­mal Rück­tritt von Papst Bene­dikt XVI. – Von der Zwei­deu­tig­keit eines Pon­ti­fi­ka­tes.

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Die Caritas und die „false-flag-operations“ des österreichischen Restkatholizismus

von Wolf­ram Schrems *

Seit Jah­ren fra­gen sich Katho­li­ken und Nicht-Katho­li­ken in Öster­reich, wofür die Cari­tas eigent­lich steht und inwie­fern sie noch eine Ein­rich­tung der Katho­li­schen Kir­che ist oder ob sie mitt­ler­wei­le doch eine Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on der hoch­ge­lob­ten und rot-grün gefärb­ten „Zivil­ge­sell­schaft“ gewor­den ist.

Trotz die­ser ideo­lo­gi­schen Nähe ist es aber etwas neu­es, daß ein Post­ge­werk­schaft­ler eine Kam­pa­gne zum Kir­chen­aus­tritt androht, weil der Cari­tas-Prä­si­dent umge­schul­te Post­be­am­te grund­sätz­lich für unqua­li­fi­ziert hält, Asyl­an­ge­le­gen­hei­ten zu bear­bei­ten. Nor­ma­ler­wei­se sind Gewerk­schaft und Cari­tas inhalt­lich nicht weit von ein­an­der ent­fernt. Aber in die­sem Fall hat selbst ein lin­ker Cari­tas-Prä­si­dent ein Tabu gebro­chen. Was an der Land­au­schen Vor­gangs­wei­se aber am mei­sten irri­tiert, ist, daß ihm die Anlie­gen der Mas­sen­im­mi­gra­ti­on offen­bar wich­ti­ger sind als die der hei­mi­schen Bevöl­ke­rung.

Land­au wird so zitiert: „Ich hal­te es für hoch­pro­ble­ma­tisch, wenn in die­ser sen­si­blen Mate­rie, wo es um Leben und Tod geht, künf­tig ange­lern­te Post­be­am­te ent­schei­den sol­len, auch wenn ich Umschu­lungs­maß­nah­men grund­sätz­lich für sinn­voll hal­te (…) Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass irgend­je­mand in Öster­reich sei­ne per­sön­li­che Frei­heit in die Hän­de eines noch so qua­li­fi­zier­ten Post­be­am­ten legen möch­te“ (sie­he).

Das hat die Post­ge­werk­schaft auf den Plan geru­fen. Dort über­legt man, zu einer Kir­chen­aus­tritts­ak­ti­on auf­zu­ru­fen (sie­he).

Zum Hintergrund:

Ende Novem­ber 2013 über­nahm Hoch­wür­den DDr. Micha­el Land­au, Direk­tor der Cari­tas der Erz­diö­ze­se Wien, das Amt des Prä­si­den­ten der gesamt­öster­rei­chi­schen Cari­tas aus den Hän­den sei­nes Vor­gän­gers Franz Küberl. Der Öffent­lich­keit war er ja kein Unbe­kann­ter gewe­sen, gemein­sa­me Auf­trit­te mit sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und grü­nen Poli­ti­kern und Par­tei­nah­me in deren Sinn sorg­ten für publi­ci­ty (vgl. Pro­fil, Global2000, Kath.net und Der Stan­dard). Ange­sichts die­ser und ande­rer Aus­sa­gen und Auf­trit­te hat man ein­fach nicht das Gefühl, hier einen katho­li­schen Chri­sten vor sich zu haben, einen Prie­ster schon gar nicht. Eine der vie­len fal­se flag ope­ra­ti­ons in der Kir­che Öster­reichs? Wie­der ein Wür­den­trä­ger, der eine ande­re agen­da betreibt und die ver­blie­be­nen Gläu­bi­gen zum Nar­ren hält? Genau­so sieht es aus.

Daher zur Illu­stra­ti­on eini­ge der abwe­gi­gen Optio­nen des Herrn Prä­si­den­ten.

Option für die Armut

Auf der Home­page der Cari­tas fin­det sich die fol­gen­de, in ihrer inhalt­li­chen Aber­wit­zig­keit und sprach­li­chen Ver­dral­lung kaum zu über­tref­fen­de Aus­sa­ge: „Der neue Cari­tas Prä­si­dent Micha­el Land­au hat sich gegen „Wohl­stands-Inseln“ aus­ge­spro­chen, ohne expli­zit Ver­mö­gens­steu­ern zu for­dern“ (sie­he).

Man glaubt, im fal­schen Film gelan­det zu sein, bei der KPÖ oder der Sozia­li­sti­schen Links­par­tei oder sonst irgend­wo in der mar­xi­sti­schen Wahn­welt.

Es geht dem Herrn Prä­si­den­ten also nicht dar­um, im Sin­ne der katho­li­schen Sozi­al­leh­re Wohl­stand durch unter­neh­me­ri­sche Initia­ti­ve im Rah­men rechts­staat­li­cher Ver­hält­nis­se, nied­ri­ger Steu­ern und sta­bi­ler Wäh­rungs­po­li­tik zu schaf­fen. Es geht ihm nicht um die Zehn Gebo­te, von denen zwei das Pri­vat­ei­gen­tum schüt­zen. Es geht ihm offen um Umver­tei­lung, eine der vie­len kran­ken Ideen des Mar­xis­mus. Offen­sicht­lich sol­len die „Wohl­stands-Inseln“ ver­schwin­den — und alle sol­len dann gleich arm sein. Will er jetzt Armut bekämp­fen oder Armut schaf­fen? Ein nicht unwe­sent­li­cher Unter­schied.

Option für kollektivistische Staatsallmacht

Ein wohl­mei­nen­der Zeit­ge­nos­se könn­te den Herrn Cari­ta­s­prä­si­den­ten fra­gen, von wo die­ser glau­be, daß Mit­tel für die Wer­ke der Näch­sten­lie­be erwirt­schaf­tet wer­den, wenn nicht von „Wohl­stands-Inseln“? Allei­ne die Fra­ge zu stel­len, ver­rät jedoch Unkennt­nis des Sta­tus quo. Es geht bei der Cari­tas näm­lich schon längst nicht mehr um „Wer­ke der Näch­sten­lie­be“ son­dern um eine Art Sozi­al­in­du­strie. Die wird auch nicht von frei­wil­li­gen Spen­den der Gläu­bi­gen finan­ziert son­dern von kon­fis­zier­tem Steu­er­geld. Ana­log dazu leben die gewal­tig auf­ge­bläh­ten kirch­li­chen Appa­ra­te vom mit­hil­fe eines Geset­zes aus der NS-Zeit zwangs­wei­se ein­ge­trie­be­nen Kir­chen­steu­er­geld.

Ange­sichts flei­ßi­ger und ehr­li­cher Unter­neh­mer, die unter hohem Risi­ko, hoher Steu­er­be­la­stung und gleich­sam insti­tu­tio­na­li­sier­ter Kri­tik durch kirch­li­che (wenn auch pseu­do-katho­li­sche) Pseu­do-Mora­li­sten vie­len Men­schen Arbeit geben und mit ihren Pro­duk­ten Bedürf­nis­se ande­rer abdecken, ist die salop­pe Rede von „Wohl­stands-Inseln“ ver­ant­wor­tungs­los und dumm. Man fühlt sich hier an das ana­log kam­pag­ni­s­ier­te Gere­de von den „Steu­er­oa­sen“ erin­nert, die ja auch abge­schafft wer­den müs­sen. Es läßt einen erschau­dern, wenn man sich vor Augen führt, daß „Insel“ und „Oase“ zu nega­tiv kon­no­tier­ten Aus­drücken gewor­den sind. Wir leben also in einer Welt, in der eine „Oase“, nor­ma­ler­wei­se etwas erfreu­li­ches, zu einer abzu­schaf­fen­den, mit­hin regel­recht zu „ver­wü­sten­den“ Regi­on gewor­den ist!

Wäre Herr Land­au ein glaub­wür­di­ger Cari­ta­s­prä­si­dent, müß­te er „Wohl­stands-Inseln“ ver­tei­di­gen. Denn „Wohl­stand“ ist – rich­tig ver­stan­den und gut gelebt – etwas posi­ti­ves. Histo­risch gese­hen waren es an erster Stel­le die Klö­ster, die – bei per­sön­li­cher Bedürf­nis­lo­sig­keit – für vie­le „Wohl­stand“ geschaf­fen und unse­re Län­der nach­hal­tig geprägt haben. Wäre Herr Land­au also ein glaub­wür­di­ger Cari­ta­s­prä­si­dent, dürf­te er nicht den „Wohl­stand“ ver­ur­tei­len, son­dern müß­te exor­bi­tan­te Akku­mu­la­tio­nen von Reich­tum anpran­gern, die in den sel­ten­sten Fäl­len mora­lisch und legal zustan­de­kom­men: durch Ver­bre­chen, durch mafiö­se Umtrie­be wie Schutz­geld­erpres­sung, Schlep­per­un­we­sen, Wäh­rungs­ma­ni­pu­la­tio­nen u. dgl. Er müß­te die „Wohl­stands-Inseln“ wie durch steu­er­geld­fi­nan­zier­te geschütz­te Berei­che im öffent­li­chen Dienst, in der „Kul­tur“ und in den „NGOs“ kri­ti­sie­ren, wo es sehr schnell zu para­si­tä­rem Ver­hal­ten kommt. Nicht zu ver­ges­sen, die Kir­chen­steu­er, die vie­len kirch­li­chen Ange­stell­ten eine beschei­de­ne, aber erquick­li­che „Wohl­stands-Insel“ bei eher gerin­gem per­sön­li­chen Risi­ko und erträg­li­cher Arbeits­last beschert, wobei aber eine poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Außen­wir­kung der kirch­li­chen Appa­ra­te und ein Nut­zen für die Gläu­bi­gen nicht erkenn­bar ist. Nach­dem es Herrn Land­au ja um „Ver­mö­gens­steu­ern“ geht (wenn auch aus­drück­lich nicht „expli­zit“ — wie para­dox), kann er die­se Art der „Wohl­stands-Inseln“ nicht gemeint haben, weil die­se ja kei­ne Steu­ern bezah­len, son­dern auf irgend­ei­ne Wei­se davon pro­fi­tie­ren.

Sozi­al­staat­li­che und cari­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen müs­sen Not­hil­fe bie­ten, dür­fen aber kei­ne Dau­er­lö­sung sein. „Wer nicht arbei­ten will, soll auch nicht essen“, sag­te der Apo­stel Pau­lus (2 Thess 3, 10). Ande­rer­seits besteht kein uni­ver­sa­les Men­schen­recht, in Öster­reich arbei­ten zu dür­fen. Ein staat­li­ches Gemein­we­sen hat nach natur­recht­li­cher und katho­li­scher Ord­nung selbst­ver­ständ­lich das Recht und die Pflicht, sich vor Über­stra­pa­zie­rung sei­ner Mög­lich­kei­ten zu schüt­zen. Es wäre wich­tig, in den betref­fen­den Her­kunfts­län­dern funk­tio­nie­ren­de Volks­wirt­schaf­ten auf­zu­bau­en, genau­so wie es wich­tig wäre, die öster­rei­chi­sche Wirt­schaft durch nied­ri­ge Steu­ern und rechts­staat­li­che Ver­hält­nis­se zu schüt­zen.

Option für den Neid

Zu einer katho­lisch ori­en­tier­ten Sozi­al­po­li­tik gehört not­wen­di­ger­wei­se die radi­ka­le Beja­hung mensch­li­cher Ungleich­heit. Wie es im Gleich­nis (Mt 25, 14–30) dar­ge­stellt wird, sind die Talen­te eben ungleich ver­teilt. Dage­gen gibt es kei­ne Beschwer­de­mög­lich­keit. Bega­bun­gen, Lebens­glück, Gesund­heit – alles ist ungleich ver­teilt, man­che Unbill ist durch Eigen­in­itia­ti­ve und glück­li­che Fügung zu ändern, ande­re nicht. Auf kei­nen Fall darf die Gesin­nung des Nei­des, eine der Sie­ben Haupt­sün­den, bedient wer­den. Nicht ein­mal „begeh­ren“ darf man, was der ande­re hat. Eine freie Gesell­schaft beruht auf Ungleich­heit. Die katho­lisch gepräg­ten Staa­ten des „Mit­tel­al­ters“ ver­hin­der­ten wei­test­ge­hend gro­ße Armut und über­schie­ßen­den Reich­tum (ein The­ma des katho­li­schen eng­lisch-fran­zö­si­schen Histo­ri­kers Hil­ai­re Bel­loc). Das vor­re­for­ma­to­ri­sche Eng­land ist dafür ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel. Die „Refor­ma­ti­on“ des 16. Jahr­hun­derts plün­der­te die Kir­chen­gü­ter, löste die Gil­den auf und kon­fis­zier­te deren Besitz. Wohl­fahrts­pfle­ge der Klö­ster und sozia­le Sta­bi­li­tät durch die Gil­den waren mit einem Schlag ver­nich­tet. Eini­ge weni­ge wur­den sehr reich, eine gro­ße Mas­se ver­arm­te.

Der Sozio­lo­ge Hel­mut Schoeck hat in sei­nem epo­cha­len Werk Der Neid und die Gesell­schaft (1971) geschrie­ben: „Die im Neu­en Testa­ment gelehr­te Ethik woll­te die dif­fe­ren­zier­te mensch­li­che Exi­stenz in einer Welt sichern, die vol­ler Nei­der war und sich nicht auf eine Gesell­schaft der Glei­chen hin ent­wickeln wür­de. (…) Selbst­ver­ständ­lich sol­len bestimm­te osten­ta­ti­ve Gesten des Hoch­mu­tes, der Ver­schwen­dung ver­mie­den wer­den, aber nie die gute mensch­li­che Lei­stung, die sinn­vol­le Tat, das Fest, nur damit der Nei­der sei­nen Frie­den hat.“

Das soll­ten sich alle Expo­nen­ten der kirch­li­chen Sozi­al­in­du­strie hin­ter die Ohren schrei­ben.

Option für marxistische Gesellschaftspolitik

Schließ­lich hat sich Herr Land­au auch für Kin­der­gar­ten­pflicht aus­ge­spro­chen, sowie – selbst­re­dend – für die Gesamt­schu­le. Im Zuge der Debat­te zur Pfle­ge­fi­nan­zie­rung fiel sogar das häß­li­che Wort von der „Erb­schafts­steu­er“. Das ist eine beson­ders abscheu­li­che Sache, da das ver­erb­te Eigen­tum ja schon besteu­ert wor­den ist, und zwar x‑fach. Zudem stammt die Idee der Abschaf­fung des Erbens aus dem Kom­mu­ni­sti­schen Mani­fest.

Noch ein­mal: Man hat bei Land­au ein­fach nicht den Ein­druck, daß ein Katho­lik spricht, um wie­viel weni­ger ein Prie­ster. Man hört aus der Cari­tas ja auch kei­ner­lei zum The­ma Abtrei­bung, Schutz der Fami­lie, Schutz der Kin­der vor sexu­el­ler Indok­tri­na­ti­on in der Schu­le u. dgl.

Option für innerkirchliche Subversion

Im ORF-Radio-Inter­view „Im Jour­nal zu Gast“ kurz nach sei­ner Wahl nann­te er auch den Anfüh­rer der „Pfar­re­rinitia­ti­ve“, Pfar­rer Hel­mut Schül­ler, und mein­te – offen­sicht­lich ohne Iro­nie – daß die­ser ein guter Bischofs­kan­di­dat wäre.

Ein Bild sagt auch hier mehr als tau­send Wor­te (Bild anschau­en):

Die Wöl­fe im – nur not­dürf­tig ver­hül­len­den – Schafs­pelz sind weit gekom­men in der des­ori­en­tier­ten Kir­che Öster­reichs. Man wird mit Abscheu erfüllt, wenn man sich vor Augen führt, wel­che Ver­wir­rung die­se Leu­te aus­lö­sen – eine Ver­wir­rung, die für das indi­vi­du­el­le und sozia­le Leben Fol­gen hat. Es ist gar kei­ne Fra­ge, daß hier eine kon­spi­ra­ti­ve Stra­te­gie weit­ge­hend zum Erfolg geführt hat. Die ver­kün­de­ten Leh­ren bzw. Irr­leh­ren haben mit katho­li­schen Inhal­ten nichts mehr zu tun. Die Kir­che ist eine Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on der irdisch Mäch­ti­gen gewor­den. Man muß hier auch die theo­lo­gi­sche Fra­ge stel­len, inwie­weit die­se Leu­te über­haupt noch in einem rele­van­ten Sinn zur Kir­che gehö­ren.

Wofür sich Michael Landau einsetzen müßte

Die ein­sei­ti­ge Par­tei­nah­me für „die Armen“ ist abzu­leh­nen. Sie stößt alle vor den Kopf, die Armut durch ehr­li­che unter­neh­me­ri­sche Lei­stung bekämp­fen bzw. durch die Schaf­fung von Arbeits­plät­zen ande­ren die Erar­bei­tung ihres Lebens­un­ter­hal­tes ermög­li­chen. Auch die­je­ni­gen, die nicht „arm“ sind, benö­ti­gen daher mora­li­sche Unter­stüt­zung sei­tens kirch­li­cher Struk­tu­ren.

Wert­schöp­fung und Pro­duk­ti­on sind etwas gutes – solan­ge sie nicht ver­götzt und zum Lebens­sinn erho­ben wer­den. Der Lebens­sinn liegt jen­seits die­ses Lebens – und zwar für Arme und Rei­che glei­cher­ma­ßen. Der Lebens­sinn liegt für alle in Jesus Chri­stus. Das wür­den wir ger­ne ein­mal von den Her­ren Kir­chen­füh­rern auf ein­deu­ti­ge Wei­se hören – und zwar ohne die übli­che Umlü­gung Chri­sti in einen Sozi­al­re­vo­lu­tio­när oder Uto­pi­sten.

Schließ­lich feh­len seit 1975 die qua­si-legal abge­trie­be­nen Kin­der. Auch und gera­de die Cari­tas müß­te sich unzwei­deu­tig gegen den ver­schwie­ge­nen Mord an den unge­bo­re­nen Kin­dern ein­set­zen. Im Gegen­teil ist die Cari­tas über die Koope­ra­ti­on mit öffent­li­chen Stel­len aber in die Abtrei­bungs­in­du­strie ein­ge­bun­den.

Fazit

Die Poli­tik der öster­rei­chi­schen Kir­che im all­ge­mei­nen und der Cari­tas im beson­de­ren beschä­digt die christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on und begün­stigt den sozia­li­sti­schen Zeit­geist. Inso­fern ermu­tigt sie auch mehr oder weni­ger direkt die­je­ni­gen Akti­vi­sten, die ihre sozia­li­sti­sche Gesin­nung auf ver­schie­de­ne Wei­se auf der Stra­ße zum Aus­druck brin­gen. Kirch­li­che Ver­bin­dun­gen zum weit links ste­hen­den Milieu sind ohne­hin noto­risch. Als Fer­ment dient eine ideo­lo­gisch auf­ge­la­de­ne und finan­zi­ell gut aus­ge­stat­te­te Asyl- und Migra­ti­ons­in­du­strie. Die­se ist so sen­si­bel, daß schon der Vor­schlag, Post­be­am­te für Asyl­auf­ga­ben umzu­schu­len, als inak­zep­ta­bel emp­fun­den wird und beim Cari­ta­s­prä­si­den­ten auf Ableh­nung stieß. Das wur­de als Ver­un­glimp­fung der Post­ler auf­ge­nom­men und rief wie­der­um den Vor­sit­zen­den der Post­ge­werk­schaft auf den Plan, wie oben fest­ge­stellt.

Die­ses Cha­os muß von Emi­nenz Kar­di­nal Schön­born mit­ver­ant­wor­tet wer­den. Bei einem „Talk“ (sic!) im Rah­men der Wie­ner Stadt­mis­si­on 2003 (Was hat die eigent­lich gebracht?) sag­te er näm­lich wort­wört­lich: „Wenn die Cari­tas spricht, spricht damit auch die Kir­che. Wenn der Cari­tas­di­rek­tor Land­au etwas sagt, ist das genau­so gewich­tig, wie wenn ich selbst es sage“ (sie­he). Als Dog­ma­tik­pro­fes­sor muß­te der Kar­di­nal wis­sen, daß das falsch ist, da die bischöf­li­che Voll­macht nicht dele­gier­bar ist. Aus irgend­wel­chen Grün­den hat er es aber doch gesagt. Das heißt aber, daß er für die Poli­tik der Cari­tas in erhöh­tem Aus­maß Mit­ver­ant­wor­tung trägt. Ange­sichts die­ser gan­zen Ver­wir­rung stellt sich die Fra­ge, inwie­weit lokal­kirch­li­che Aus­sa­gen über­haupt noch bin­dend sind.

Ope­ra­tio­nen unter fal­scher Flag­ge – das ist der Ein­druck, den man in der Kir­che Öster­reichs und der Cari­tas seit lan­ger Zeit hat. Das inner­kirch­li­che Immun­sy­stem funk­tio­niert nicht mehr, sub­ver­si­ve Ele­men­te gelan­gen unge­hin­dert ins Wei­he­amt, die Bischö­fe bekämp­fen allen­falls glau­bens­treue Prie­ster und Lai­en. Nach­dem also im Epi­sko­pat weit und breit kein ernst­haf­ter Wil­le zur Rück­be­sin­nung auf die Sub­stanz des Glau­bens fest­stell­bar ist, geht der Abbruch unver­min­dert wei­ter. Dann sind aber die inner­kirch­li­chen „Wohl­stands-Inseln“ auch bald Geschich­te.

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge und Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Kate­chist, rei­che inner­kirch­li­che Erfah­rung, umfang­rei­che Publi­ka­ti­ons- und Vor­trags­tä­tig­keit

Bild: Wikicommons/SPÖ/Thomas Leh­mann

3 Kommentare

  1. Ein herz­li­ches „Dan­ke­schön“ für die­sen so poin­tier­ten, gesto­chen schar­fen Bericht, für die­se Ana­ly­se, die in erschrecken­der Wei­se den Zustand unse­res Lan­des und der Kir­che in unse­rem Land beschreibt.

    Die­se Tat­sa­chen tun jedem Men­schen unend­lich weh, der das Vater­land und die Hei­li­ge Katho­li­sche Kir­che liebt.

    Gott schüt­ze Öster­reich!

    • Dem kann ich mich nur voll­in­halt­lich anschlie­ßen. Die Ana­ly­sen von Wolf­ram Schrems sind immer groß­ar­tig.

  2. Glän­zen­de Ana­ly­se!
    Sie­he auch http://www.caritas.at/mitarbeit-bildung/caritas-lehrgang-asyl-und-fremdenwesen/:

    … Der berufs­be­glei­ten­de Cari­tas-Lehr­gang Asyl- und Frem­den­we­sen rich­tet sich an Stu­die­ren­de der juri­sti­schen Fakul­tä­ten und Juri­stIn­nen (Kon­zi­pi­en­tIn­nen, NGO-Mit­ar­bei­te­rIn­nen, Juri­stIn­nen im öffent­li­chen Dienst), die ihre Kom­pe­ten­zen durch eine Spe­zia­li­sie­rung im Asyl- und Frem­den­recht erwei­tern möch­ten. Es han­delt sich der­zeit um den ein­zi­gen Lehr­gang öster­reich­weit, der in die­sem Umfang eine fun­dier­te juri­sti­sche Aus­bil­dung im Asyl- und Frem­den­recht mit der Ver­mitt­lung der für Bera­tungs­pro­zes­se uner­läss­li­chen Per­sön­lich­keits­bil­dung und einem struk­tu­rier­ten Volon­ta­ri­at in spe­zia­li­sier­ten Bera­tungs­ein­rich­tun­gen ver­bin­det. Der Lehr­gang wird von der Cari­tas Öster­reich ange­bo­ten. …

    Die Cari­tas unter­stützt voll die Agen­da der trans­at­lan­ti­schen Glo­ba­li­sten, die das christ­li­che Aben­dand durch Umvol­kung zer­stö­ren wol­len.

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