B’nai B’rith „Gedenkliturgie“ in Kathedrale von Buenos Aires mit Kardinal Bergoglio

Holocaust "Gedenkliturgie" 2012 der jüdischen Loge B'nai B'rith in katholischer Kathedrale von Buenos Aires mit Kardinal Jorge Mario Bergoglio, dem jetzigen Papst Franziskus(Bue­nos Aires) Kaum gewählt, wur­de der Ver­such unter­nom­men, Papst Fran­zis­kus eine Ver­strickung mit der argen­ti­ni­schen Mili­tär­dik­ta­tur (1976–1982) zu unter­stel­len. Die Absicht war ganz den Kate­go­rien „poli­tisch kor­rek­ten“ Den­kens ver­haf­tet, über die vie­le euro­päi­sche Medi­en und Per­so­nen des öffent­li­chen Lebens nicht hin­aus­zu­den­ken ver­mö­gen. Im links­li­be­ra­len Spek­trum ist die Rol­len­ver­tei­lung immer und von vor­ne­her­ein klar: Die Mili­tär­dik­ta­tur wird abge­lehnt, denn der Feind steht immer rechts.

Weit groß­zü­gi­ger blickt man auf die Gegen­sei­te, wo sich aller­lei links­ex­tre­me, bewaff­ne­te, auch ter­ro­ri­sti­sche Grup­pen tum­mel­ten, die nicht nur gegen die Mili­tär­dik­ta­tur Wider­stand lei­ste­ten, son­dern nicht unwe­sent­lich als Kämp­fer für den Mar­xis­mus, teils mit sowje­ti­scher Unter­stüt­zung, ursäch­lich dafür waren, daß es über­haupt zur Mili­tär­dik­ta­tur kam.

„Verstrickung“ von Papst Franziskus mit Militärdiktatur offenbart nur, wie Linksliberale ticken

Es scheint der­zeit, als soll­ten in einem Auf­guß mit den von den Gene­rä­len unschul­dig Ver­folg­ten, auch Ideo­lo­gen und Ideo­lo­gien „rein­ge­wa­schen“ wer­den, die es weder ver­die­nen, noch etwas mit der katho­li­schen Kir­che zu tun haben. Nicht jeder damals in Argen­ti­ni­en ver­folg­te Fran­zis­ka­ner oder Jesu­it war ein treu­er Sohn der Hei­li­gen Kir­che. Manch einer hat­te das Kreuz mit einer Kalasch­ni­kow vertauscht.

Jor­ge Mario Ber­go­glio hat ihnen wider­stan­den und ist sei­nem prie­ster­li­chen Auf­trag treu­ge­blie­ben. Als guter Hir­te setz­te er sich für die gefan­ge­nen Mit­brü­der ein, von denen er völ­lig zu Unrecht jah­re­lang als Denun­zi­ant ver­däch­tigt wur­de. Mit ein Grund, wes­halb die Wahl des neu­en Papst unter deut­schen Jesui­ten nicht nur Begei­ste­rung aus­lö­ste. Ein Ver­dacht, der übri­gens inzwi­schen von einem der damals von der Jun­ta ver­haf­te­ten Jesui­ten, Pater Franz Jalics, zurück­ge­nom­men wurde.

Erklärungsbedarf für „Holocaustgedenkliturgie“ von B’nai B’rith in katholischer Kathedrale

Wegen der Mili­tär­dik­ta­tur hat Papst Fran­zis­kus kei­nen Erklä­rungs­be­darf. Zumin­dest erklä­rungs­be­dürf­tig erscheint hin­ge­gen eine „Gedenk­fei­er zur [Reichs]Kristallnacht“, die von der jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on B’nai B’rith zusam­men mit der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires am 12. Novem­ber 2012 orga­ni­siert wur­de, um der „6 Mil­lio­nen wäh­rend der Sho­ah ermor­de­ten Juden zu geden­ken“. Die Gedenk­fei­er die­ser jüdi­schen Loge, offi­zi­ell sogar „Geden­k­lit­ur­gie“ genannt, fand in der Kathe­dra­le von Bue­nos Aires statt, an der der dama­li­ge Kar­di­nal Jor­ge Mario Ber­go­glio aktiv teilnahm.

B’nai B’rith gehört nicht der regu­lä­ren Frei­mau­re­rei an, wenn es auch teils per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen und For­men der Zusam­men­ar­beit gibt. Die „Söh­ne des Bun­des“, so die deut­sche Über­set­zung des Namens, ent­stan­den 1843 zu einer Zeit, als Juden in Frei­mau­rer­lo­gen häu­fig abge­wie­sen wur­den, wes­halb sie par­al­lel zur regu­lä­ren Frei­mau­re­rei ihre eige­nen Logen grün­de­ten, ohne sich jedoch als Geheim­bund zu kon­sti­tu­ie­ren. Der Unab­hän­gi­ge Orden B’nai B’rith kann daher, bei allen Unter­schie­den, als eine Art jüdi­sche Form der Frei­mau­re­rei bezeich­net wer­den mit eige­nen Riten und Erken­nungs­zei­chen. Die ein­zel­nen Nie­der­las­sun­gen wer­den des­halb Logen genannt. Die Logen eines Staa­tes sind in Distrikt-Groß­lo­gen zusam­men­ge­faßt. Die­ser jüdi­sche Orden wur­de gegrün­det, um die jüdi­schen Inter­es­sen auch in poli­ti­scher Hin­sicht zu ver­tre­ten. Gleich­zei­tig will er die Ethik der Brü­der beför­dern, die jener der Frei­mau­re­rei sehr ähn­lich ist. In den USA gehö­ren fast zehn Pro­zent aller männ­li­chen Juden der Loge an, ent­spre­chen­des Gewicht hat der Logenverband.

Warum veranstaltet jüdische Loge jüdisches Gedenken für jüdische Opfer in katholischen Kirchen?

Katho­li­sche argen­ti­ni­sche Orga­ni­sa­tio­nen frag­ten sich, wie es mög­lich sei, daß eine jüdi­sche Orga­ni­sa­ti­on, zudem eine Loge, in der Kathe­dra­le der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires eine Gedenk­fei­er abhal­ten kann. Bei Räum­lich­keits­pro­ble­men hät­te das Erz­bis­tum auch anders aus­hel­fen kön­nen. War­um aber wur­de ein lit­ur­gi­scher Ort zur Ver­fü­gung gestellt, in dem im Aller­hei­lig­sten Sakra­ment des Alta­res Chri­stus selbst auf­be­wahrt wird? Da Kar­di­nal Ber­go­glio Haupt­red­ner der Ver­an­stal­tung war, wird klar wer die Zweck­ent­frem­dung, Pagi­na Cato­li­ca spricht sogar von „Pro­fa­nie­rung“ der Kathe­dra­le, mög­lich mach­te. Tat­säch­lich wur­de mit der „Geden­k­lit­ur­gie“ eine Art Got­tes­dienst gefei­ert. Da die Fei­er bereits seit etli­chen Jah­ren statt­fin­det, gibt es bereits ein­ge­spiel­te riten­ähn­li­che Hand­lun­gen. Vor dem Altar saßen neben Kar­di­nal Ber­go­glio wei­te­re Ver­tre­ter christ­li­cher Deno­mi­na­tio­nen (Luthe­ra­ner, Pre­byte­ria­ner, Metho­di­sten). Das offi­zi­el­le Pro­gramm­heft mit dem Sym­bol von B’nai B’rith und dem Wap­pen der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires spricht von „Inter­re­li­giö­ser Lit­ur­gie“. Sechs Ker­zen sym­bo­li­sie­ren bei die­sem Holo­caust­ge­den­kri­tu­al je eine Mil­li­on jüdi­scher Opfer. Rab­bi Ale­jan­dro Avruj ent­zün­de­te jeweils mit dem Ver­tre­ter einer christ­li­chen Kon­fes­si­on oder einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on eine Ker­ze. Die letz­te der sechs Ker­zen ent­zün­de­te er gemein­sam mit Kar­di­nal Bergoglio.

Kar­di­nal Ber­go­glio pflegt seit Jah­ren enge Kon­tak­te zu B’nai B’rith mit jähr­lich meh­re­ren Tref­fen und gegen­sei­ti­gen Ein­la­dun­gen, bei denen der Kar­di­nal vor allem das sozia­le Enga­ge­ment der jüdi­schen Loge lobend beton­te. Aus die­sem Grund nah­men Ver­tre­ter der jüdi­schen Groß­lo­ge auch offi­zi­ell am 19. März an der Amts­ein­füh­rungs­fei­er von Papst Fran­zis­kus am Peters­platz teil und am näch­sten Tag am Emp­fang für die Reli­gi­ons­ver­tre­ter im Vati­kan, dar­un­ter der Direk­tor des B’nai B’rith-Komitee für UN-Ange­le­gen­hei­ten, David J. Michaels.

Unter Erz­bi­schof Ber­go­glio wur­de es in der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires üblich, daß B’nai B’rith sei­ne seit 1994 jähr­lich abge­hal­te­ne Gedenk­fei­er für die jüdi­schen Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus in katho­li­schen Kir­chen Argen­ti­ni­ens durch­führt. 2005 wur­de der Acto de Recorda­ción de la Noche de los Cri­sta­les Rotos in der katho­li­schen Pfarr­kir­che San Nico­las de Bari abge­hal­ten. Auch damals war Kar­di­nal Ber­go­glio anwe­send, wie ein Foto mit Rab­bi­ner Feli­pe Yafe zeigt. 2009 in der katho­li­schen Pfarr­kir­che San­ta Cata­li­na de Sie­na, immer in der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires. Bereits 2008 fand die Gedenk­fei­er zum 70. Jah­res­tag der Reichs­kri­stall­nacht, stets aus­schließ­lich für jüdi­sche Opfer der Sho­ah, in der Kathe­dra­le von Bue­nos Aires statt unter Anwe­sen­heit des israe­li­schen, deut­schen und öster­rei­chi­schen Bot­schaf­ters. 2007 fand die Fei­er in der Kir­che San Ignacio von Bue­nos Aires statt.

Interreligiöses Ritual mit katholischem Verständnis vereinbar?

Nach einem Tref­fen zwi­schen Kar­di­nal Ber­go­glio und Mario Wil­helm, dem argen­ti­ni­schen Vor­sit­zen­der von B’nai B’rith und Boris Kal­nicki, dem B’nai B’rith-Verantwortlichen für den inter­re­li­giö­sen Dia­log am 4. Juni 2012 hieß es in einer Pres­se­er­klä­rung der jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on, daß die „tra­di­tio­nel­le Gedenk­fei­er an die Kri­stall­nacht“ auch 2012 wie­der statt­fin­de und auf die „groß­zü­gi­ge Bereit­schaft des Kar­di­nals zäh­len“ kann. Die Ver­an­stal­tung wird für den 8. Novem­ber ange­kün­digt „in einer Kir­che, die recht­zei­tig bekannt­ge­ge­ben“ wer­den wird. Es han­del­te sich schließ­lich nicht um irgend­ei­ne Kir­che, son­dern um die Bischofs­kir­che selbst. Daß die Ver­an­stal­tung in einer katho­li­schen Kir­che statt­fin­det, war für B’nai B’rith offen­sicht­lich selbstverständlich.

2011 fand eine Gedenk­fei­er zur Reichs­kri­stall­nacht in der Kathe­dral­kir­che der Diö­ze­se San Isidro statt. Für die von der Diö­ze­san­kom­mis­si­on für Öku­me­ne und Inter­re­li­giö­sen Dia­log, B’nai B’rith-Argentinien, einer Jüdisch-christ­li­chen argen­ti­ni­schen Bru­der­schaft und der Gemein­schaft Lam­roth Hakol am 10. Novem­ber ver­an­stal­te­te Gedenk­fei­er arbei­te­ten der Rab­bi­ner Leon Kle­nicki und der katho­li­sche Theo­lo­ge Euge­ne Fischer Tex­te für eine eige­ne „Inter­re­li­giö­se Lit­ur­gie“ aus, „mit Zeu­gen, Gesän­gen und Hin­wei­sen auf die Nacht des 9. Novem­ber 1938 in Deutsch­land und Öster­reich, die als Beginn des jüdi­schen Holo­caust des 20. Jahr­hun­derts oder der Sho­ah gilt“. Sie war auch Grund­la­ge der „Geden­k­lit­ur­gie“ 2012.

Die Fra­ge lau­tet nicht, war­um Juden in Argen­ti­ni­en jener Ereig­nis­se geden­ken. Die Fra­ge lau­tet aber, war­um die katho­li­sche Kir­che in Argen­ti­ni­en ohne direk­ten Bezug die­ser Ereig­nis­se im fer­nen Euro­pa vor 70 Jah­ren in die­ser Form gedenkt, die – wie B’nai B’rith aus­drück­lich betont – kei­nes­wegs allen Opfern, son­dern aus­schließ­lich den jüdi­schen Opfern des Natio­nal­so­zia­lis­mus gilt. War­um fin­det dann die­ses jüdi­sche Geden­ken für jüdi­sche Opfer in einer katho­li­schen Kir­che statt?

Kathredale zwei Mal von politischen Gruppen besetzt

Besetzung Kathedrale von Buenos Aires politischer Mißbrauch und Profanierung Besetzung der Kathedrale von Buenos AIres durch LinksextremistenDie extreme Linke schreckte noch nie vor der Entweihung heiliger Orte zurückÜber­haupt geht es in der Kathe­dra­le von Bue­nos Aires bewegt zu. Sie wur­de in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zwei Mal von poli­ti­schen Grup­pen besetzt. Als der Erz­bi­schof von Bue­nos Aires, Kar­di­nal Ber­go­glio bereits in Rom war und gera­de das Kon­kla­ve begann, besetz­ten 200 Akti­vi­sten des links­ex­tre­men Movi­mi­en­to Popu­lar La Digni­dad (MPLD) die Kathe­dra­le von Bue­nos Aires, wie der spa­ni­sche Kir­chen­hi­sto­ri­ker Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigena berich­te­te. Der Dom­pfar­rer muß­te die Zele­bra­ti­on der Hei­li­gen Mes­se absa­gen. Bereits 2008 war die Kathe­dra­le für poli­ti­sche Zwecke miß­braucht wor­den. Damals wur­de die Bischofs­kir­che von den lin­ken Madres de Pla­za de Mayo besetzt. In bei­den Fäl­len rich­te­te sich der Pro­test gegen Kür­zun­gen von staat­li­chen Gel­dern für Pro­jek­te der jewei­li­gen Beset­zer­grup­pe, die mit der Kir­che in kei­nem Zusam­men­hang stehen.

 Text: Giu­sep­pe Nardi
Bil­der: Todocorrientes/La Nacion/Pagina Catolica/Info Catolica

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