Randnotiz eines Ungefragten
Das erwartungsgemäße Vorgehen des Heiligen Stuhls gegen die Priesterbruderschaft St. Pius X. bestätigt jenes eigentümlich ambivalente Verhalten des derzeitigen Rom: Die Kommunistische Partei Chinas wird geschont, weil sie mächtig ist; die Priesterbruderschaft St. Pius X. wird geschlagen, weil sie – gemessen an den weltlichen Machtverhältnissen – machtlos ist. Dieses wenig würdevolle Spiel weltlicher Rücksichtnahme hier und kirchlicher Machtausübung dort liegt schwer auf den jüngsten Ereignissen.
Das sei vor allem jenen vorausgeschickt, die zuletzt vor Eifer ihre Gewänder zerrissen wegen des angeblich so frevelhaften Ungehorsams der Piusbrüder, zum bergoglianischen Kniefall vor dem kommunistischen Regime Chinas und zur neuen Ostpolitik Roms jedoch eisern schweigen.
Die gestrigen römischen Veröffentlichungen enthalten überdies Stilblüten und Widersprüche, die diese Diskrepanz noch deutlicher hervortreten lassen.
Weiß Rom in seinen Feindseligkeiten gegen die Piusbruderschaft eigentlich noch selbst, wer wann angeblich exkommuniziert ist, war oder künftig sein soll?
Festzuhalten ist zunächst ein einfacher Befund: Rom hat gegenüber der Priesterbruderschaft St. Pius X. im wesentlichen den Rechtszustand von 1988 wiederhergestellt.
Dennoch überschlugen sich gestern zahlreiche Medien – gerade auch kirchliche –, um zu verkünden, nun seien Bischöfe, Priester, Seminaristen, Gläubige, Katze und Maus, kurzum alle, ganz bergoglianisch: „todos, todos, todos“, exkommuniziert.
Geschah dies aus Genugtuung? Aus Unkenntnis? Aus Lust an Angstmacherei? Oder aus schlichter Nachlässigkeit? Darüber läßt sich nur spekulieren.
Die Wirklichkeit ist eine andere.
Aus den gestern veröffentlichten drei Dokumenten des Glaubensdikasteriums – dem Dekret, der Erläuternden Note und dem Verfahren zur Versöhnung von Personen aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. – geht ausdrücklich hervor, daß gläubige Laien keineswegs automatisch exkommuniziert sind.
Für sie wird vielmehr ausdrücklich festgeschrieben, daß in jedem einzelnen Fall eine individuelle Prüfung stattzufinden hat. Selbst der regelmäßige Besuch der heiligen Messe und offenkundig auch der Kommunionempfang an Meßorten der Priesterbruderschaft werden nicht als ausreichender Beleg dafür angesehen, daß ein schismatischer Zustand vorliegt, der Voraussetzung einer Exkommunikation wäre.
Vielmehr wird ausdrücklich verlangt, daß sich die betreffende Person das von Rom behauptete Schisma der Priesterbruderschaft frei und bewußt zu eigen gemacht haben muß. Eben dies wäre in jedem einzelnen Fall erst nachzuweisen und kirchenrechtlich festzustellen.
Die Kanonisten werden sich über diese Details noch lange streiten.
Doch damit zu einer besonderen Stilblüte – nennen wir sie einmal wohlwollend so.
Der schon unrühmlich bekanntgewordene Kardinal Víctor Manuel „Tucho“ Fernández stützt seine Exkommunikationsdrohungen gegen Kleriker und Laien ausdrücklich auf eine Erläuternde Note des damaligen Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte vom 24. August 1996 mit dem Titel „Über die Exkommunizierung, die aus Gründen des Schismas über die Anhänger der Bewegung von Bischof Marcel Lefebvre verhängt wird“.
Gerade diese Note von 1996 bildet gemäß der gestern veröffentlichten Erläuternden Note die Rechtsgrundlage seiner heutigen Argumentation. Fernández erklärt ausdrücklich, daß die Note von 1996 unverändert Geltung besitze, und macht ihren Inhalt ausdrücklich zu seinem eigenen.
Genau hier beginnen jedoch die Widersprüche.
Bei der Note von 1996 handelt es sich um eine interne Argumentationshilfe des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, die seinerzeit für eine mögliche Antwort der Bischofskongregation an den damaligen Bischof von Sitten, Msgr. Norbert Brunner, erstellt wurde, in dessen Diözese Ecône liegt. Veröffentlicht wurde sie erst 1997 durch Bischof Brunner selbst.
Nach Fernández besitzt diese Note bis heute unverändert Rechtskraft. Demnach hätte sie folgerichtig seit 1996 ununterbrochen gegolten.
Das hätte allerdings bemerkenswert weitreichende Konsequenzen.
Dann wären 2009 lediglich die Exkommunikationen der vier 1988 geweihten Bischöfe aufgehoben worden, während Priester und Gläubige theoretisch, praktisch oder irgendwie irgendwo dazwischen exkommuniziert geblieben wären.
Eine solche Rechtsauffassung hat jedoch seit 2009 keine römische Stelle vertreten.
Im Gegenteil.
Papst Franziskus erkannte ausdrücklich die Legitimität – von der Gültigkeit ganz zu schweigen – der vor Priestern der Piusbruderschaft geschlossenen Ehen an und bestätigte ebenso die Gültigkeit der von ihnen gehörten Beichten.
Mehr noch: Er übertrug dem damaligen Generaloberen der Priesterbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, sogar die Jurisdiktion, gegen des Mißbrauchs verdächtige Kleriker der Bruderschaft kirchenrechtlich vorzugehen.
All das paßt schwerlich zu der Behauptung, Priester und Gläubige – wer auch immer genau, denn das scheint auch nicht ganz klar – seien während derselben Zeit faktisch exkommuniziert gewesen.
Wer war also nach 1988, nach 1996 und nach 2009 exkommuniziert? Oder ist die Exkommunikation gegenüber der Piusbruderschaft ein Instrument, das je nach kirchenpolitischem Bedarf ein- oder ausgeschaltet werden kann? Heute gilt sie, morgen nicht – und übermorgen wird sie wieder entdeckt?
Kardinal Fernández scheint dieses Dilemma zumindest zu ahnen. Anders läßt sich kaum erklären, weshalb in Punkt 3 seiner gestrigen Erläuternden Note Eheschließungen vor Priestern der Priesterbruderschaft und die von ihnen gehörten Beichten ausdrücklich für „invalidi“, also ungültig, erklärt werden. Nicht bloß für unerlaubt („illeciti“), sondern für ungültig. Ein weiterer zweifelhafter Knackpunkt.
Diese Bestimmung gilt allerdings erst seit gestern. Rückwirkend kann sie gerade nicht gelten.
Genau das müßte sie jedoch, wenn zugleich behauptet wird, die Note von 1996 habe ununterbrochen gegolten und Priester wie Gläubige seien deshalb bereits seit Jahrzehnten faktisch exkommuniziert gewesen.
Das kann freilich nicht sein.
Denn damit würde Kardinal Fernández den eigenen großen Mentor, Jorge Mario Bergoglio, seit 2013 Papst Franziskus, öffentlich widerlegen, der die Legitimität eben jener Eheschließungen und Beichten ausdrücklich anerkannt hatte.
Kurzum: ein kirchenrechtliches Kuddelmuddel, ein Durcheinander, ein Chaos.
Und am Ende bleibt eine kaum zu überbietende Absurdität.
Jene, gegen die sich die von Papst Pius XII. 1958 eingeführte Exkommunikation latae sententiae für unerlaubte Bischofsweihen ursprünglich richtete – nämlich die chinesischen Kommunisten –, ernennen weiterhin frisch und fröhlich Bischöfe, seit 2018 sogar unter römischem Beifall. Jene hingegen, gegen die Pius XII. diese Strafbestimmung nie gerichtet hatte, sollen nun mit aller Härte unter ihr fallen.
Auch darin offenbart sich die eigentliche Tragik der gegenwärtigen Kirchenpolitik: Gegenüber der weltlichen Macht übt man Nachsicht, gegenüber der Ohnmacht (weltlich gesehen) Strenge.
Bild: Glaubensdikasterium/VaticanNews (Screenshots)
Bei allem Verständnis für die Trauer, die Verletzung und die Erschütterung über die Exkommunikation – man sollte Artikel hier doch einmal gegenlesen. Vom fehlenden Wohlwollen – welches gerade der Hl. Pius X. gegenüber dem Papst fordert – ist dieser Artikel in sich nicht viel mehr wert als einige der berühmt gewordenen Flugzeug-Interviews. Unvollständig, fehlleitend und einfach rein emotional gegen jede Sachlichkeit. Dabei beantwortet er eine Frage nicht: Hat Rom, hat der Papst diese Schlüsselvollmacht rechtmässig – oder nur, wenn ich sie bejahe?
Ich lese hier nur einen journalistischen Ansatz mit Schlussfolgerungen, die sich aus den Fakten ergeben.
@Rückpass
Der Artikel des anonymen Autors wirft berechtige Fragen auf. Ihre Kritik „unvollständig, fehlleitend und einfach rein emotional“ ist unzutreffend.
Ihre Frage zum Schluß verrät Ihren Mangel an Problembewußtsein. Denn erstens hat Papst Leo XIV. äußerst unbillig, unpastoral und unväterlich gehandelt. Zweitens – in Zeiten wie diesen muß man streng sein – hat er mit Magnifica humanitas und dem ganzen auch dort verbreiteten Synodalitätsunsinn Häresie gelehrt, was für die Gültigkeit seiner Rechtsakte bedenkenswerte Konsequenzen hat. Drittens hat der Vatikan praktisch sämtliche Häresien und Verratshandlungen in Europa und USA unbeeinsprucht durchgehen lassen. Bei der Piusbruderschaft dreinzuschlagen, ist zumindest unbillig. Von Schiedsrichterentscheidungen erwartet man auch, daß sie homogen sind und nicht nur eine Seite benachteiligen.
Ihre Stellungnahme ist also komplett entbehrlich und außerdem schlecht formuliert.
Diskutieren Sie nicht: Sie sind draußen. In der Liturgie der Bischofsweihe wurde gefragt, ob ein apostolisches Mandat vorliege. Es wurde eine Erklärung verlesen. Erklärung statt Mandat. Damit sind Sie draußen. Erklären Sie jetzt bitte nicht, wie dumm Rom sei, denn es verstärkt den Verdacht, dass Ihr Bekenntnis zum Papst und Catholica nur geheuchelt ist. Ersparen Sie uns Erklärungen, sondern legen Sie schlicht das Erforderliche vor. Wir wollen auch nicht vom Synodalen Weg hören, wie dumm Rom doch ist. Mit denen können Sie sich ja zu antirömischen Affekten zusammentun, gleichsam im theologischen Bälleparadies.
@Sicut
„Mit denen können Sie sich ja zu antirömischen Affekten zusammentun,“
Irgendwer hat mal gesagt „Rom wird den Glauben verlieren und zum Sitz des Antichristen werden.“
Was meinen sie Sicut. Ist das nicht total antirömisch und gehörte diese Person nicht exkommuniziert?
Das macht mich alles so fertig. Immer wieder kommt mir derselbe Gedanke. Was passiert wenn der Herr unser Gott selber Katholiken exkommuniziert und aus seiner Kirche rausschmeißen tut ohne vorher Rom zu fragen ob das rechtmäßig ist.
Es sind verrückte Zeiten und keiner weiß am Ende mehr wer er ist und wohin sein Weg ihn führen tut.
Per Mariam ad Christum.
Der Kommentator Rückpass sollte seinen Schrieb noch einmal gegenlesen. Hat er den kommentierten Text gelesen oder kann er den hier unpassend wiederholten Ruf nach Gehorsam als einziges Argument zu seiner sinnlosen, weil bereits mehrfach beantworteten, papalistisch-primitiven Frage voranstellen?
Es passt nichts mehr zusammen, weil offenbar auch die untergeordneten Mitarbeiter der Dikasterien, die ja die eigentliche Arbeit machen, nicht mehr so gediegen und gut ausgebildet sind wie früher. Die Widersprüche fallen niemandem dort auf, weil frühere Äußerungen bestenfalls oberflächlich zitiert werden, nicht jedoch vollumfänglich rezipiert werden, um diese logisch weiterzuführen.
Man holt sich bestenfalls Stücke heraus, die einem zum aktuellen Anlaß passend scheinen.
Es erinnert mich an die Verwendung der alten Kirchenmusik. Die Stücke der großen Messen werden ungefähr dort aufgeführt wo die Neue Messe gerade ist. Das frühere perfekte Ineinandergreifen der Musik und des alten Ritus, das ja auch in Dauer und Charakter vollkommen abestimmt war, ist verloren gegangen.
Die Würfel sind gefallen, und man könnte hinzufügen, wenn es nicht so traurig wäre: Dank sei Gott! Die Entscheidung und die Zeit der Entscheidung ist gekommen. Jetzt gilt es wo und wie Zeugnis abzulegen für den wahren Glauben. Zu denken, es wäre alles nicht so schlimm und es könne ein weiter so geben wie bisher, das hat sich erledigt.
Papst Leo XIV. hat sich als ein reißender Wolf gezeigt. Zwar ist auch die Piusbruderschaft nicht ohne Fehl und sollte auch mea culpa sagen. Es mußte von Rom reagiert werden, aber so? Die Piusbruderschaft war für den Bischof von Rom nur der Aufhänger soz. für anderes, denn das Ganze richtet sich insbesondere gegen alle Katholiken, die bspw. gerne die überlieferte hl. Messe mitfeiern und gegen solche, auch diejenigen im sog. Novus Ordo, die einige Fragen an manche Konzilstexte und an einige lehramtliche Schreiben haben. Es geht den Mächtigen im Vatikan um die Schaffung einer anderen Kirche und einer antichristlichen „Einheitsreligion“.
Was gilt überhaupt noch in der Kirche? Ist Katholischsein die große Sünde? Danach sieht es aus und Papst Leo wird nunmnehr gegen alle Katholiken guten Willens wüten und vorgehen. Da war PF nur ein „Vorgeschmack“.
Ja, die Umwandlung der katholischen Kirche in eine Welteinheitskirche nach Gusto von satanischen Eliten und zum egoistischen woken „Wohl‘ der abgefallenen Menschen ist schon deutlich im Werden. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil steht im Dokument, daß der Allah des Islam identisch sei mit unserem Dreieinen Gott. Das ist falsch.Ein Gott mit einem Sohn kann niemals identisch sein mit einem Gott ohne Sohn, das versteht jedes Kleinkind. Diese ganzen Treffen mit irgendwelchen Islam-Eliten führten zu päpstlichen Aussagen wie Gott hätte alle Religionen erschaffen, auch das ist falsch. Die Zuarbeit von Papst Franziskus zusammen mit seinem heutigen Kardinal Czerny mit 20 Punkten zum Migrationspakt, den Angela Merkel in Marokko unterschrieben hat, zeigt, daß er die Überflutung des alten Abendlandes mit Mohammedanern wollte, ganz im Gegensatz zum Papst der Seeschlacht von Lepanto. Das ein Kardinal Fernandez noch im Rom sitz ist ebenso falsch wie eine Abtreibungsbefuerworterin im einem päpstlichen Gremium usw. usw
Da sich die Aussage Roms ab Ecclesia Dei ableitet, wenn auch in einer frevelhaften Kurzform empfehle ich allen interessierten den hervorragenden Vortrag von Dr Gregorius Hesse über Ecclesia Dei.
Dort kommen die kirchenrechtlichen und lehrmässigen Irrtümer und Häresien zur Sprache die diesem Dokument innewohnt.
Bei den sogenannten Exkommunikationen kommt der Verdacht auf das sich kaum einer, am wenigsten Herr Fernandez oder auch Her Prevost mit Theologie resp. dem Kirchenrecht auskennen.
Das nimmt auch nicht Wunder, da die Herren derart mit freimaurerischen Themen befasst sind,das der katholische Glaube zur Nebensache degradiert wurde.
Die Bruderschaft ist wahrscheinlich eine der ganz wenigen Gruppen in der Kirche die nicht im Schisma mit dem mystischen Leib der Kirche Christi sind, bei den Petrusbrüdern bin ich da nicht so sicher da ihre Gründung eben auf Ecclesia Dei beruht, aber das hängt daran wie sehr man mit der Konzilskirche übereinstimmt.
Die derzeitige Kirche ist nach der Religionsfreiheit, Unitatis retintegrato,Lumen Gentium etc.und natürlich der neuen Messe nicht mehr in der Kirche sondern schlichtweg, wie Bischof Tissier de Mallerais sagte „eine gnostische Sekte“
Was sorgen wir uns?
Ich gehe das „Risiko“ gerne ein,denn hätte Gott es gewollt wäre die Bruderschaft längst weg.
Sie hat sich aber über die ganze Welt ausgebreitet und hat Berufungen und zahllose junge Menschen mit echter Begeisterung für den Glauben.
Dagegen steht die Konzilskirche in rauchenden Trümmern kommunistscher und freimaurerischer Zerstörung seit 1962
Der Papst hat die Pflicht durch die unversehrte Bewahrung der Doktrin, Liturgie und Disziplin das katholische Leben zum Heil der Seelen aufrechtzuerhalten. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, hat er nicht das Recht, einem Bischof zu verbieten, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das katholische Leben unversehrt fortzusetzen. Ein solches Verbot seitens des Papstes, welches zum Erlöschen des katholischen Lebens führen würde, wäre unrechtmäßig und daher nicht rechtskräftig.