Zusammen stärker! – Fünfte St​.​-Adal​berts​-Kon​fe​renz in Prag

Praga caput regni

Die St.-Adalbert-Konferenz in Prag fand bereits zum fünften Mal statt und etabliert sich als wichtiger europäischer Begegnungsort des Gedankenaustausches
Die St.-Adalbert-Konferenz in Prag fand bereits zum fünften Mal statt und etabliert sich als wichtiger europäischer Begegnungsort des Gedankenaustausches

Von Wolf­ram Schrems*

Bereits zum fünf­ten Mal wur­de in Prag, dies­mal vom 23. bis 25. Okto­ber, die bedeu­ten­de St​.​-Adal​berts​-Kon​fe​renz (Sva­to­voj­těšs­ká kon­fe­rence) des Patri­mo­ni­um Sanc­ti Adal­ber­ti durch­ge­führt. Sie stand heu­er unter dem Mot­to „Tog­e­ther Stronger!“1

Die Absicht der Ver­an­stal­ter war die kul­tu­rel­le und wirt­schaft­li­che Stär­kung der mit­tel- und ost­mit­tel­eu­ro­päi­schen Völ­ker und Staa­ten gegen­über der EU und den Groß­mäch­ten. Die Kon­fe­renz bekennt sich laut Schluß­de­kla­ra­ti­on zur Ver­tei­di­gung der natio­na­len Inter­es­sen der Staa­ten Mit­tel­eu­ro­pas und zur Zusam­men­ar­beit auf allen Gebie­ten, ohne eine wei­te­re supra­na­tio­na­le Büro­kra­tie zu errich­ten. Nicht nur durch wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung wer­de die Zukunft unse­rer Län­der gesi­chert, daher müß­ten sie auch mora­lisch und geist­lich stark gemacht werden. –

Etwa 200 Per­so­nen aus zwölf Län­dern nah­men teil. Neun­zehn Orga­ni­sa­tio­nen aus zen­tral- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern schei­nen als Mit­ver­an­stal­ter auf. Nach­dem das für die Leser von Katho​li​sches​.info von Inter­es­se sein wird (oder sein soll­te), hier ein etwas umfang­rei­che­rer Bericht.

St​.​-Adal​berts​-Preis an Kardinal Dominik Duka (†) und Fürst Leo von Hohenberg

Die Ver­an­stal­ter ver­lie­hen das Pre­ti­um Sanc­ti Adal­ber­ti postum an S. Em. Kar­di­nal Domi­nik Duka OP und an S. D. Fürst Leo von Hohenberg.

Der Fürst, Uren­kel des in Sara­je­wo ermor­de­ten Thron­fol­gers Franz Fer­di­nand, Unter­neh­mer und Miliz­of­fi­zier (Oberst­leut­nant), hat­te sich bei Kon­fe­ren­zen auf dem Hohen­berg­schen Besitz Schloß Art­stet­ten (Nie­der­öster­reich) als wich­ti­ge Stim­me für die Erhal­tung von Glau­ben, Natur­recht und Frie­den und gegen die Kriegs­trei­be­rei gegen Ruß­land gewandt.

In sei­ner Dan­kes­re­de sag­te Fürst Hohen­berg, daß durch christ­li­che Iden­ti­tät ver­ein­te Natio­nen eine „unbe­sieg­ba­re Macht“ sind, weil Gott die ein­zi­ge Wahr­heit ist und die einig wah­re Macht besitzt. Dar­um attackie­re jedes tota­li­tä­re Regime zunächst Gott selbst. Der Fürst beklag­te die Pas­si­vi­tät der Kir­che und ihre Infil­tra­ti­on mit einem fal­schen Tole­ranz­be­griff, der den lin­ken Glo­ba­li­sten in die Hän­de spie­le. Die Kir­che mit ihren Kar­di­nä­len, Bischö­fen und allen Gläu­bi­gen sol­le unse­re Gesell­schaft zurück zu den Leh­ren Chri­sti brin­gen. Er rief dazu auf, das Wah­re, Gute und Schö­ne anzu­stre­ben, weil wir dar­auf ja gera­de­zu „pro­gram­miert“ sind.

Die Ver­an­stal­ter luden den Prä­mon­stra­ten­ser­pa­ter Jakub Ber­ka für eine Anspra­che und die Spen­dung des Segens ein, nach­dem Weih­bi­schof Zdeněk Was­ser­bau­er abge­sagt hat­te. Sr. Domi­ni­ka Bohušo­vá, Ange­hö­ri­ge des Drit­ten Ordens der Domi­ni­ka­ner und ursprüng­lich Kin­der­ärz­tin und Neo­na­to­lo­gin, stell­te das Leben des St​.​-Adal​berts​-Preis​trä​gers und ehe­ma­li­gen poli­ti­schen Häft­lings im Kom­mu­nis­mus Kar­di­nal Duka ein­drucks­voll vor. Voj­těch Mátl nahm als ehe­ma­li­ger Zere­mo­ni­är des ver­ewig­ten Kar­di­nals den Preis ent­ge­gen. Der Wahl­spruch des Kar­di­nals In spi­ri­tu veri­ta­tis wur­de häu­fig zitiert und als blei­ben­de Ver­pflich­tung proklamiert. –

Wie im Vor­jahr wur­de auch ein kul­tu­rel­ler Pro­gramm­punkt gesetzt: Die vier Damen des Kla­ri­net­ten­quar­tetts Cant­a­ri­na Cla­ri­ne­te boten ein wun­der­ba­res Konzert.

Am Sams­tag wur­de ein Podi­ums­ge­spräch mit illu­stren Gästen durchgeführt:

Tschechische Stellungnahmen: aus dem Patrimonium und von den drei Regierungsparteien

Patri­mo­ni­um-Vor­sit­zen­der Tomáš Kul­man, Mana­ger in einem Ener­gie­un­ter­neh­men, lei­te­te das Podi­ums­ge­spräch mit kri­ti­schen Wor­ten ein. Es gebe star­ke Unter­schie­de in den Regio­nen Euro­pas, der Westen sei durch Green Deal und Geschichts­ver­ges­sen­heit im Nie­der­gang begrif­fen, wäh­rend Zen­tral- und Ost­eu­ro­pa die Kul­tur bewahr­ten. Wenn wir dem west­li­chen Vor­bild fol­gen, wäre das fatal für unse­re Zukunft.

Tomio Oka­mu­ra, Prä­si­dent der tsche­chi­schen Abge­ord­ne­ten­kam­mer (Unter­haus), Grün­der der EU-kri­ti­schen Par­tei für Frei­heit und Direk­te Demo­kra­tie (SPD), Geg­ner des Stell­ver­tre­ter­krie­ges in der Ukrai­ne und der Isla­mi­sie­rung Euro­pas, kam für sein Gruß­wort prak­tisch direkt von einer Par­la­ments­de­bat­te, die bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den gedau­ert hat­te. Er wür­dig­te den hl. Adal­bert als Hir­ten, der die Geschich­te Euro­pas geprägt hat. Er sprach sich gegen den Ver­lust der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät durch die „Föde­ra­li­sie­rung“ Euro­pas, Green Deal und Immi­gra­ti­on aus.

Auch Vize-Pre­mier­mi­ni­ster und Außen­mi­ni­ster Petr Macin­ka (Moto­ri­sten) und der erste Vize-Pre­mier­mi­ni­ster und Han­dels­mi­ni­ster Karel Hav­lí­ček (ANO) gaben Stel­lung­nah­men ab. Letz­te­rer beton­te, daß nur der Pri­vat­sek­tor Wohl­stand und Wer­te schaf­fe, der Staat sol­le ein markt­freund­li­ches Umfeld garan­tie­ren. Er lehn­te social engi­nee­ring und Bevor­mun­dun­gen wie das von oben dekre­tier­te Aus für Ver­bren­ner­mo­to­ren ab.

Der Mode­ra­tor des Panels, TV-Jour­na­list und Buch­au­tor Petr Holec, beton­te, daß das Mot­to „Zusam­men stär­ker!“ gera­de für die Tsche­chen pas­send sei, die immer Part­ner und Ver­bün­de­te such­ten. Vor 25 Jah­ren habe man die Visegrád-Kon­fe­renz („V4“) gegrün­det (Polen, Tsche­chi­en, Slo­wa­kei und Ungarn), jetzt stre­be man mit der St. Adal­berts-Initia­ti­ve eine stär­ke­re „V12“ an, denn die EU sei nicht imstan­de, auf die geo­po­li­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen zu reagie­ren, aber unse­re Inter­es­sen sei­en von Belang.

Informationen und Kommentare aus acht Ländern: Kontrast zur Einheitsmeinung

Der erste Red­ner war der rumä­ni­sche Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker Geor­ge Simi­on von der pro-ortho­do­xen, fami­li­en­freund­li­chen, Coro­na­maß­nah­men-kri­ti­schen und natio­na­li­sti­schen Par­tei AUR, Alli­anz zur Ver­ei­ni­gung der Rumä­nen. Simi­on ver­wies auf die Kri­se der west­eu­ro­päi­schen Län­der, der­zeit beson­ders Frank­reich, und rief ernst­haft zum Gebet und zur Rück­kehr zu den christ­li­chen Wur­zeln auf. In vie­len Län­dern haben sich die Men­schen von Gott ent­fernt. Simi­on erin­ner­te an die Annul­lie­rung des Ergeb­nis­ses der Prä­si­den­ten­wah­len: „Ich kom­me aus einem Land, in dem wir Pro­ble­me mit Wah­len haben.“ Das „Ver­bre­chen“ von Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Călin Geor­ges­cu sei gewe­sen, daß er die Wah­len gewon­nen hat­te. Er habe dann unter einem lächer­li­chen Vor­wand vier­zig Tage im Gefäng­nis ver­bracht. Simi­on sprach von der Ein­füh­rung einer „Mario­net­ten­re­gie­rung“ auf Befehl von Ursu­la von der Ley­en. Er erin­ner­te an die Prah­le­rei von Ex-EU-Kom­mis­sar Thier­ry Bre­ton, Wah­len über­all annul­lie­ren zu kön­nen: „Wir haben es in Rumä­ni­en gemacht, wir machen es über­all.“ Simi­on bezich­tig­te die rumä­ni­schen TV-Sen­der der syste­ma­ti­schen Lüge. Aber die Rumä­nen hät­ten sich ihre skep­ti­schen Refle­xe aus der kom­mu­ni­sti­schen Zeit bewahrt, beson­ders auch wäh­rend Covid.

Tho­mas Gri­scha­ny, Histo­ri­ker und FPÖ-Lokal­po­li­ti­ker, ver­trat die erkrank­te Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Susan­ne Fürst. Euro­pa erle­be der­zeit einen Alp­traum. Die Kri­se im Westen gehe aber schon auf das spä­te 19. Jahr­hun­dert zurück. Vie­le Euro­pä­er hät­ten 1914 den Krieg als „rei­ni­gen­de Erfah­rung“ will­kom­men gehei­ßen, was eine Fol­ge der Ideo­lo­gie Nietz­sches u. a. gewe­sen sei. Das Alte Euro­pa, das frei­lich nicht feh­ler­los war, wur­de 1914 in Sara­je­wo ermor­det, eine per­ver­tier­te Form von Natio­na­lis­mus war die Ursa­che. Nach fünf Jah­ren Patri­mo­ni­um Sanc­ti Adal­ber­ti rich­ten sich unse­re Augen nach Prag (wo auf den Tag genau 500 Jah­re zuvor, am 23.10.1526, Fer­di­nand I. von Habs­burg zum König von Böh­men gekrönt wur­de). Wir könn­ten das Rad nicht vor die Zeit eines säku­la­ren Euro­pas zurück­dre­hen, soll­ten aber unse­re gemein­sa­men Inter­es­sen ver­tre­ten. Der Tota­li­ta­ris­mus sei schon hier, er wer­de von der EU im Namen der „Demo­kra­tie“ betrieben.

Ein aus katho­li­scher Per­spek­ti­ve beson­ders inter­es­san­ter Red­ner war der slo­wa­ki­sche Euro­par­la­men­ta­ri­er Milan Uhrík von der patrio­ti­schen Par­tei Hnu­tie Repu­bli­ka. Er sprach sich gegen die Auf­he­bung des Veto­rechts in der EU und für die Strei­chung von 30.000 Beam­ten­jobs in der EU-Büro­kra­tie aus. Es brau­che einen Not­fall­plan, wenn die EU schei­tert, und einen Ener­gie­plan. Daß der Ener­gie­be­darf mit „erneu­er­ba­rer“ Ener­gie abge­deckt wer­den kön­ne, sei ein Mär­chen. Son­ne und Wind sei­en nicht ver­läß­lich und führ­ten zum Black­out wie in Spa­ni­en. Uhrík rief zur Auf­he­bung der Sank­tio­nen gegen Ruß­land auf. Er sprach sich auch gegen Isla­mi­sie­rung und Errich­tung von Moscheen in der Slo­wa­kei aus. Euro­pa muß christ­lich blei­ben: „Wir sol­len beten, ja, aber wir müs­sen auch han­deln.“ Uhrík benann­te als ein­zi­ger Red­ner auch das Pro-Life-Anlie­gen: Er beklag­te, daß die Lin­ken im EU-Par­la­ment gegen jeden Schutz unge­bo­re­ner Kin­der mobil machen und daß die EU Abtrei­bun­gen för­dert. Uhrík for­der­te auch, daß die Kir­che „Teil des euro­päi­schen Lebens“ sein soll, sie ist eine „Säu­le Europas“.

Wei­te­re Red­ner waren Krzy­sz­tof Tuduj, Mit­glied des pol­ni­schen Sejm und Ange­hö­ri­ger des Sicher­heits­ko­mi­tees, und der ser­bi­sche Staats­se­kre­tär Per­ko Mato­vić, der sich über das Schwei­gen des Westen zur Chri­sten­ver­fol­gung und Isla­mi­sie­rung des Koso­vo beklag­te und kri­ti­sier­te, daß die jet­zi­ge EU nicht im ent­fern­te­sten dem ähn­le, wofür Schu­man und de Gaul­le stan­den. Zu vie­le Leu­te sei­en ein­fach „zu müde“, um zu regi­strie­ren, was Brüs­sel so treibt.

Aus Europas Süden: der italienische Volkstribun und der griechische Diplomat

Ein her­vor­ste­chen­der Podi­ums­teil­neh­mer war der sus­pen­dier­te ita­lie­ni­sche Eli­te­sol­dat Gene­ral­ma­jor Rober­to Van­n­ac­ci, Euro­par­la­men­ta­ri­er, Grün­der der Par­tei Futu­ro nazio­na­le und Autor eines Buches, das ihm vie­le Schwie­rig­kei­ten ein­brach­te. Er sprach vor allem zu Fra­gen der Ener­gie- und Ernäh­rungs­si­cher­heit. In sei­ner mit­rei­ßen­den Rede kri­ti­sier­te er die „Ver​schmut​zungs“​-Rhe​to​rik: Ener­gie­pro­duk­ti­on ist schmut­zig? Ver­schmut­zung tötet die Mensch­heit? Die Welt­be­völ­ke­rung ent­wickel­te sich von einer Mil­li­ar­de Men­schen im Jahr 1900 auf acht Mil­li­ar­den 2026. So schlimm kann die­se „Ver­schmut­zung“ dann wohl nicht sein. Er iro­ni­sier­te „den gro­ßen Guru“ Mario Draghi, der drei Haupt­ur­sa­chen für die gegen­wär­ti­gen Pro­ble­me aus­ge­macht habe: Glo­ba­li­sie­rung, „geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen“ („auch Krie­ge genannt“) und den Import­stopp bil­li­ger Ener­gie aus Ruß­land. Daher gebe es eine ein­fa­che Lösung, näm­lich die Umkeh­rung die­ser Vor­gän­ge. Gene­ral Van­n­ac­ci pran­ger­te an, daß heut­zu­ta­ge sogar Land­wirt­schaft und Vieh­hal­tung als „Ver­schmut­zung“ gel­ten. Da Ursu­la von der Ley­en mög­li­cher­wei­se nicht kochen kön­ne und daher kei­nen Bezug zu den Lebens­mit­teln habe, gefähr­de sie eben leicht­fer­tig die Landwirtschaft.

Van­n­ac­ci stell­te abschlie­ßend fest, daß die 30.000 Büro­kra­ten in Brüs­sel das Orche­ster der sin­ken­den Tita­nic dar­stel­len wür­den. Nach etwa 35 Jah­ren euro­päi­scher „Inte­gra­ti­on“ im Zei­chen von Maas­tricht habe unse­re Pro­duk­ti­vi­tät dra­stisch abge­nom­men und die Sub­si­dia­ri­tät ist prak­tisch verschwunden.

Der letz­te Red­ner am Podi­um war der ehe­ma­li­ge grie­chi­sche Bot­schaf­ter und Bera­ter der Par­tei NIKI Theo­do­re Eco­no­mou-Kama­ri­nos. Er bezeich­ne­te die EU als „deka­dent“ und als „geschei­ter­te Insti­tu­ti­on“, die sich mit „grü­nem Unsinn“ und „Kuh­für­zen“ befas­se. Er emp­fahl die Kon­sul­ta­ti­on von John Mears­hei­mer, der jede euro­päi­sche Inte­gra­ti­on ohne Ruß­land, sei­ne Bevöl­ke­rung, Kul­tur und Wirt­schaft als unvoll­stän­dig begrei­fe. Zur Vor­ge­schich­te des jet­zi­gen Ukrai­ne-Krie­ges sag­te er: „Wir pro­vo­zier­ten Ruß­land zur Inva­si­on in der Ukrai­ne.“ Für Eco­no­mou-Kama­ri­nos sei die Außen­po­li­tik der Tür­kei viel gefähr­li­cher als die Rußlands.

Was man sonst noch hören konnte: EU-Kritik, hybride Kriegsführung, mächtige „NGOs“

Teil­neh­mer und Red­ner äußer­ten sich im per­sön­li­chen Gespräch vehe­ment EU-kri­tisch. Es wur­de etwa beklagt, daß in Brüs­sel drei­ßig­tau­send Büro­kra­ten beschäf­tigt wer­den, die oft fürst­li­che Gehäl­ter für nicht oder kaum erkenn­ba­re Lei­stun­gen ein­strei­fen (etwa 4.500 Euro Monats­ge­halt für einen Biblio­the­kars­po­sten). Zudem hat die EU-Mit­glied­schaft, sieht man auf aus­schlag­ge­ben­de Zah­len wie Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, Wirt­schafts­kraft, Ein­kom­men und Sicher­heit, nichts zum Bes­se­ren bewegt, im Gegenteil.

Wäh­rend gut infor­mier­te Teil­neh­mer aus ost­mit­tel­eu­ro­päi­schen Staa­ten um den Ein­fluß der rus­si­schen Füh­rung auf ihre Län­der im Rah­men einer wie auch immer genau­er zu fas­sen­den „hybri­den Kriegs­füh­rung“ wis­sen, wis­sen sie auch um sol­che Ein­fluß­nah­men durch west­li­che, offi­zi­ell „befreun­de­te“ Staa­ten, und sind dar­über nicht amüsiert.

Sehr inter­es­sant sind auch die Infor­ma­tio­nen über den teil­wei­se erfolg­rei­chen Kampf der slo­wa­ki­schen Regie­rung unter Mini­ster­prä­si­dent Robert Fico gegen aus­län­di­sche „NGOs“, die über­pro­por­tio­nal viel Macht aus­üben und tief in den euro­päi­schen Struk­tu­ren ver­netzt sind. Allei­ne schon die gesetz­li­che For­de­rung nach Trans­pa­renz der Finan­zie­rung der „NGOs“ löste einen Sturm der Empö­rung aus: EU, Euro­pa­rat, OSZE und die – ver­mut­lich nur weni­gen bekann­te – Vene­dig Kom­mis­si­on (Euro­päi­sche Kom­mis­si­on für Demo­kra­tie durch Recht) übten Druck aus, eini­ge Bot­schaf­ter west­li­cher Län­der mar­schier­ten des­we­gen sogar zu den Rich­tern des slo­wa­ki­schen Ver­fas­sungs­ge­richts (!), das das Gesetz dann tat­säch­lich auf­hob. Nicht­de­sto­trotz wur­de ein Teil­erfolg erzielt, zumal das Trei­ben der sub­ver­si­ven, oft „ruß­land­has­sen­den“ „NGOs“ in das Licht der Öffent­lich­keit gerückt ist und die Regie­rung nun­mehr ver­stärkt patrio­ti­sche Initia­ti­ven finan­ziert. Die slo­wa­ki­sche Regie­rung för­dert auch nur mehr nicht-poli­ti­sche Pro­jek­te im Aus­land, wie Kran­ken­häu­ser in Afri­ka. Gel­der für dubio­se „pro-demo­kra­ti­sche“ und „gegen Des­in­for­ma­ti­on kämp­fen­de“ „NGOs“ in Weiß­ruß­land, Koso­vo und Geor­gi­en sind gestrichen.2

Resümee: ein Zukunftsprojekt

Die Ver­an­stal­ter lei­ste­ten eine sehr gute Arbeit. Dank und Aner­ken­nung gehen daher an Tomáš Kul­man und David Částek, stell­ver­tre­tend für alle Organisatoren.

Die gela­de­nen Red­ner hat­ten beher­zi­gens­wer­te Bot­schaf­ten: Sou­ve­rä­nis­mus und Zusam­men­ar­beit der Staa­ten schlie­ßen ein­an­der selbst­ver­ständ­lich nicht aus. Kriegs­trei­be­rei ist abzu­leh­nen. Wohl­stand kommt nur aus der pri­va­ten Initia­ti­ve, nicht von der Bürokratie.

Der christ­li­che Glau­be kam pro­mi­nent vor, mehr als im Vor­jahr, inso­fern ist man auf einem guten Weg. Wir wer­den es brauchen.

Bemer­kens­wert war auch der Anteil an katho­li­schen Teil­neh­mern, die ihren Glau­ben ernst neh­men und in ihre Arbeit in Poli­tik und Meta­po­li­tik einbringen.

Der Alters­durch­schnitt ent­sprach dem, was man bei erfah­re­nen Poli­ti­kern und meta­po­li­ti­schen Akti­vi­sten erwar­ten kann, aller­dings gab es gera­de in den Dele­ga­tio­nen aus Polen, der Slo­wa­kei und Ita­li­en auch etli­che jun­ge Leute. –

Ob wir mit allen Red­nern in allen Punk­ten ihrer jewei­li­gen Par­tei­pro­gram­me kon­form gehen? Wohl nicht.3 Ver­mut­lich wer­den gewis­se Unter­schie­de auch in Zukunft blei­ben. Auf der Kon­fe­renz spiel­ten sie kei­ne Rol­le. Histo­ri­sche oder son­sti­ge Kon­tro­ver­sen wur­den nicht ver­han­delt, son­dern auf die Her­aus­for­de­run­gen der Gegen­wart geblickt. Das ist auf jeden Fall ein Zukunftsprojekt. –

Am Pra­ger Alt­städ­ter Rat­haus befin­det sich die Inschrift: PRAGA CAPUT REGNI. Daß das stark ent­christ­lich­te Böh­men mit der Initia­ti­ve des Patri­mo­ni­um Sanc­ti Adal­ber­ti in Mit­tel- und Ost­mit­tel­eu­ro­pa vor­an­geht, ist eine erfreu­li­che Überraschung.

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de war Prag jeden­falls die Haupt­stadt eines ideel­len regnum unter dem Patro­nat eines Hei­li­gen aus dem 10. Jahr­hun­dert, somit vor dem Mor­gen­län­di­schen Schis­ma, der Tsche­chen und Slo­wa­ken, Polen und Ungarn, Deut­sche, Öster­rei­cher, Kroa­ten und Ser­ben und noch eini­ge ande­re Völ­ker ver­bin­det und Vor­bild und Für­spre­cher ist.

Deo gratias.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro Lifer, Teil­neh­mer an der St. Adal­berts-Kon­fe­renz 2025 und 2026.

Bild: psazs​.cz


1 Für den Bericht zur letzt­jäh­ri­gen Kon­fe­renz sie­he hier, zur Per­son des namens­ge­ben­den hei­li­gen Adal­bert (Voj­těch, Wojciech, Béla) sie­he hier.

2 Wir erin­nern auch an den Mord­an­schlag auf Pre­mier Fico im Mai 2024. Die Fra­ge stellt sich, ob die Hin­ter­grün­de tat­säch­lich alle auf­ge­hellt wurden.

3 Inter­es­san­ter­wei­se sind etli­che der an der Kon­fe­renz betei­lig­ten Par­tei­en aus­weis­lich der Aus­künf­te auf Wiki­pe­dia pro-zio­ni­stisch. Erfreu­lich ist, daß das kei­nen Ein­fluß auf die Kon­fe­renz hatte.

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