Leo XIV. und die extreme Rechte – Und was ist mit der Linken?

Der katholische Glaube unterliegt weder der Rechten noch – weniger – der Linken

Papst Leo XIV. mit Frankreichs Staatspräsident Emmanule Macron. Auf Wunsch der deutschen Bischöfe, aber wohl auch mit Blick auf Frankreich, erklärte Leo XIV. die "extreme Rechte" mit dem Christentum für nicht vereinbar. Papst Franziskus hatte bereits Donald Trump sein Christsein abgesprochen. Gibt es im Interesse der an den Wahlurnen bedrängten herrschenden Eliten eine neue Kategorie der politischen Exkommunikation?
Papst Leo XIV. mit Frankreichs Staatspräsident Emmanule Macron. Auf Wunsch der deutschen Bischöfe, aber wohl auch mit Blick auf Frankreich, erklärte Leo XIV. die "extreme Rechte" mit dem Christentum für nicht vereinbar. Papst Franziskus hatte bereits Donald Trump sein Christsein abgesprochen. Gibt es im Interesse der an den Wahlurnen bedrängten herrschenden Eliten eine neue Kategorie der politischen Exkommunikation?

„Man erlebt eine gewis­se Ver­bin­dung die­ser rechts­extre­men Sicht­wei­sen mit einer bestimm­ten Form von Reli­gi­on, die – und das ist nicht nur mei­ne per­sön­li­che Auf­fas­sung, son­dern auch die Auf­fas­sung der füh­ren­den Ver­tre­ter sowohl der katho­li­schen als auch der pro­te­stan­ti­schen Kir­che in Deutsch­land – kein authen­ti­scher Aus­druck des Chri­sten­tums ist.“

So äußer­te sich Leo XIV. im Flug­zeug im Gespräch mit Jour­na­li­sten auf dem Rück­flug aus Frank­reich. Damit sekun­dier­te er – ganz im Sin­ne der deut­schen Bischö­fe und der mit ihnen ver­bun­de­nen Alt­par­tei­en – dem viel­be­schwo­re­nen „Kampf gegen Rechts“. Leo XIV. nann­te zwar kei­ne Par­tei beim Namen, doch der Sei­ten­hieb ziel­te offen­kun­dig auf die auf­stre­ben­de AfD, deren Wahl­er­fol­ge die eta­blier­ten Macht­ver­hält­nis­se zuneh­mend infra­ge stel­len und von den der­zei­ti­gen poli­ti­schen Eli­ten nicht akzep­tiert wer­den wollen.

Ein Papst soll­te sich aller­dings für der­art durch­sich­ti­ge tages­po­li­ti­sche Macht­spie­le nicht her­ge­ben. Leo XIV. erwies sei­nem Amt damit – wie schon sein Vor­gän­ger Fran­zis­kus – kei­nen guten Dienst. Wenn ein Papst sich in die poli­ti­schen Front­stel­lun­gen des Tages ein­reiht, läuft er Gefahr, die über­par­tei­li­che und über­zeit­li­che Auto­ri­tät sei­nes Amtes zu verspielen.

Zu die­sen Äuße­run­gen über die „extre­me Rech­te“ – man beach­te bereits das ein­schlä­gi­ge lin­ke Voka­bu­lar – schrieb Mas­si­mo Vigli­o­ne einen Kom­men­tar an „Duc in altum“:

Leone und die extreme Rechte – nicht mit dem Christentum vereinbar. Und was ist mit der Linken?

Von Mas­si­mo Viglione

Kann ein Papst öffent­lich erklä­ren, daß die extre­me Rech­te nicht mit dem Chri­sten­tum ver­ein­bar sei, und gleich­zei­tig nicht das­sel­be über die extre­me Lin­ke sagen?

Kann er das behaup­ten, ohne zugleich das­sel­be über die Lin­ke zu bekräf­ti­gen? Und über die Mit­te-links-Par­tei­en? Und über die soge­nann­te Mit­te? Und über die soge­nann­te Mitte-rechts-Seite?

Sind die Links­de­mo­kra­ten (PD), die für Abtrei­bung, Schei­dung, Eutha­na­sie, Homo­se­xua­lis­mus, Gen­de­ris­mus, Dro­gen­frei­ga­be, Ein­wan­de­rung, Post­hu­ma­nis­mus und Zio­nis­mus ein­tre­ten und dem Glo­ba­lis­mus die­nen, etwa mit dem Chri­sten­tum vereinbar?

Und sind all die ande­ren Par­tei­en, die alle­samt – mehr oder weni­ger, in einem Punkt mehr, in einem ande­ren weni­ger – exakt das­sel­be wie die Links­de­mo­kra­ten ver­tre­ten, mit dem Chri­sten­tum vereinbar?

Die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung von Con­te und Casa­li­no? Und For­za Ita­lia der Ber­lus­co­ni-Frau­en? Und die Lega von Zaia? Und die Fra­tel­li d’Italia von La Russa?

Sind das nicht alles radi­ka­le Mas­sen­par­tei­en? Alle­samt Kin­der jener Emma Boni­no, die sie zur Staats­prä­si­den­tin machen wollten?

Ach ja, hat­te Leos Men­tor Fran­zis­kus nicht etwa gesagt, die­se Frau sei eine „ganz Gro­ße“?

Wie kann man das Papst­tum auf die­se Wei­se her­ab­wür­di­gen? Wäh­rend man jene Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on ver­herr­licht, die fünf­hun­dert­tau­send Men­schen – fast alle­samt Katho­li­ken – aus­rot­te­te und das Schis­ma mit Pius VI. sowie den Krieg gegen das Chri­sten­tum in Frank­reich aus­lö­ste, ein­schließ­lich des Kul­tes um die Göt­tin der Vernunft?

Aber ich ver­ges­se ja, daß sol­che Ein­zel­hei­ten in den Augen der Ver­eh­rer der Pacha­ma­ma über­haupt kei­ne Rol­le spielen …

Seht her: Das sind die Exkom­mu­ni­ka­to­ren. Die­je­ni­gen, die die katho­li­sche Tra­di­ti­on auf­grund ihrer gro­ben Unwis­sen­heit als „extre­me Rech­te“ diskreditieren.

Ich per­sön­lich ste­he als Kon­ter­re­vo­lu­tio­när jen­seits der extre­men Rech­ten. Aber ich bezweif­le, daß Leo XIV. das auch nur zu begrei­fen ver­mag. Andern­falls wäre er nicht auf das Niveau des TV-Salons von Lil­li Gru­ber1 herabgestiegen.

Ich dan­ke Gott immer mehr dafür, daß er mich zum Katho­li­ken gemacht hat. Und zwar in dem ein­zi­gen Sinn, in dem man Katho­lik sein kann: in dem einer voll­stän­di­gen und unein­ge­schränk­ten Zustim­mung zur ein­zi­gen Wahr­heit, die unver­än­der­lich und unend­lich ist und die Fal­len der Ideo­lo­gie der Moder­ne und des Moder­nis­mus nicht kennt.

Der katho­li­sche Glau­be unter­liegt weder der Rech­ten noch – weni­ger – der Lin­ken, denn er ist unend­lich, umfas­send und voll­kom­men. Wer das nicht ver­steht, kennt ihn ent­we­der nicht oder hat ihn verleugnet.

*Mas­si­mo Vigli­o­ne, Histo­ri­ker, Essay­ist, Hoch­schul­leh­rer und katho­li­scher Publi­zist, Jahr­gang 1964, stu­dier­te Phi­lo­so­phie und Geschich­te, pro­mo­vier­te an der Uni­ver­si­tät La Sapi­en­za (Rom) in Geschich­te und befaßt sich schwer­punkt­mä­ßig mit anti­re­vo­lu­tio­nä­ren Auf­stän­den gegen Jako­bi­ner und Napo­le­on, mit dem ita­lie­ni­schen Risor­gi­men­to und dem Kreuzzugsgedanken.

Einleitung/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi


  1. Lil­li Gru­ber, aus Süd­ti­rol stam­men­de Jour­na­li­stin und ehe­ma­li­ge EU-Abge­ord­ne­te der Links­de­mo­kra­ten, Teil­neh­me­rin der Bil­der­ber­ger-Kon­fe­renz. ↩︎

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