„Man erlebt eine gewisse Verbindung dieser rechtsextremen Sichtweisen mit einer bestimmten Form von Religion, die – und das ist nicht nur meine persönliche Auffassung, sondern auch die Auffassung der führenden Vertreter sowohl der katholischen als auch der protestantischen Kirche in Deutschland – kein authentischer Ausdruck des Christentums ist.“
So äußerte sich Leo XIV. im Flugzeug im Gespräch mit Journalisten auf dem Rückflug aus Frankreich. Damit sekundierte er – ganz im Sinne der deutschen Bischöfe und der mit ihnen verbundenen Altparteien – dem vielbeschworenen „Kampf gegen Rechts“. Leo XIV. nannte zwar keine Partei beim Namen, doch der Seitenhieb zielte offenkundig auf die aufstrebende AfD, deren Wahlerfolge die etablierten Machtverhältnisse zunehmend infrage stellen und von den derzeitigen politischen Eliten nicht akzeptiert werden wollen.
Ein Papst sollte sich allerdings für derart durchsichtige tagespolitische Machtspiele nicht hergeben. Leo XIV. erwies seinem Amt damit – wie schon sein Vorgänger Franziskus – keinen guten Dienst. Wenn ein Papst sich in die politischen Frontstellungen des Tages einreiht, läuft er Gefahr, die überparteiliche und überzeitliche Autorität seines Amtes zu verspielen.
Zu diesen Äußerungen über die „extreme Rechte“ – man beachte bereits das einschlägige linke Vokabular – schrieb Massimo Viglione einen Kommentar an „Duc in altum“:
Leone und die extreme Rechte – nicht mit dem Christentum vereinbar. Und was ist mit der Linken?
Von Massimo Viglione
Kann ein Papst öffentlich erklären, daß die extreme Rechte nicht mit dem Christentum vereinbar sei, und gleichzeitig nicht dasselbe über die extreme Linke sagen?
Kann er das behaupten, ohne zugleich dasselbe über die Linke zu bekräftigen? Und über die Mitte-links-Parteien? Und über die sogenannte Mitte? Und über die sogenannte Mitte-rechts-Seite?
Sind die Linksdemokraten (PD), die für Abtreibung, Scheidung, Euthanasie, Homosexualismus, Genderismus, Drogenfreigabe, Einwanderung, Posthumanismus und Zionismus eintreten und dem Globalismus dienen, etwa mit dem Christentum vereinbar?
Und sind all die anderen Parteien, die allesamt – mehr oder weniger, in einem Punkt mehr, in einem anderen weniger – exakt dasselbe wie die Linksdemokraten vertreten, mit dem Christentum vereinbar?
Die Fünf-Sterne-Bewegung von Conte und Casalino? Und Forza Italia der Berlusconi-Frauen? Und die Lega von Zaia? Und die Fratelli d’Italia von La Russa?
Sind das nicht alles radikale Massenparteien? Allesamt Kinder jener Emma Bonino, die sie zur Staatspräsidentin machen wollten?
Ach ja, hatte Leos Mentor Franziskus nicht etwa gesagt, diese Frau sei eine „ganz Große“?
Wie kann man das Papsttum auf diese Weise herabwürdigen? Während man jene Französische Revolution verherrlicht, die fünfhunderttausend Menschen – fast allesamt Katholiken – ausrottete und das Schisma mit Pius VI. sowie den Krieg gegen das Christentum in Frankreich auslöste, einschließlich des Kultes um die Göttin der Vernunft?
Aber ich vergesse ja, daß solche Einzelheiten in den Augen der Verehrer der Pachamama überhaupt keine Rolle spielen …
Seht her: Das sind die Exkommunikatoren. Diejenigen, die die katholische Tradition aufgrund ihrer groben Unwissenheit als „extreme Rechte“ diskreditieren.
Ich persönlich stehe als Konterrevolutionär jenseits der extremen Rechten. Aber ich bezweifle, daß Leo XIV. das auch nur zu begreifen vermag. Andernfalls wäre er nicht auf das Niveau des TV-Salons von Lilli Gruber1 herabgestiegen.
Ich danke Gott immer mehr dafür, daß er mich zum Katholiken gemacht hat. Und zwar in dem einzigen Sinn, in dem man Katholik sein kann: in dem einer vollständigen und uneingeschränkten Zustimmung zur einzigen Wahrheit, die unveränderlich und unendlich ist und die Fallen der Ideologie der Moderne und des Modernismus nicht kennt.
Der katholische Glaube unterliegt weder der Rechten noch – weniger – der Linken, denn er ist unendlich, umfassend und vollkommen. Wer das nicht versteht, kennt ihn entweder nicht oder hat ihn verleugnet.
*Massimo Viglione, Historiker, Essayist, Hochschullehrer und katholischer Publizist, Jahrgang 1964, studierte Philosophie und Geschichte, promovierte an der Universität La Sapienza (Rom) in Geschichte und befaßt sich schwerpunktmäßig mit antirevolutionären Aufständen gegen Jakobiner und Napoleon, mit dem italienischen Risorgimento und dem Kreuzzugsgedanken.
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
- Lilli Gruber, aus Südtirol stammende Journalistin und ehemalige EU-Abgeordnete der Linksdemokraten, Teilnehmerin der Bilderberger-Konferenz. ↩︎
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