Wird das blühende Stift Heiligenkreuz „normalisiert“?

Der offene Ausgang

Will Rom das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, als blühendes Mönchskloster eine seltene Ausnahme im deutschen Sprachraum, "normalisieren"?
Will Rom das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, als blühendes Mönchskloster eine seltene Ausnahme im deutschen Sprachraum, "normalisieren"?

Das Zister­zi­en­ser­stift Hei­li­gen­kreuz im Wie­ner­wald gehört zu den weni­gen wirk­li­chen Erfolgs­ge­schich­ten des Katho­li­zis­mus, die sich in jüng­ster Zeit im deut­schen Sprach­raum nach­wei­sen las­sen. Beru­fun­gen, Klo­ster­grün­dun­gen, eine flo­rie­ren­de Hoch­schu­le und ein über­re­gio­nal aus­strah­len­des geist­li­ches Pro­fil machen die Abtei zu einem Gegen­bild zur all­ge­mei­nen kirch­li­chen Kri­se. Gera­de des­halb stellt sich nach der Cau­sa Wald­stein, der Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on und dem ange­kün­dig­ten Rück­tritt von Abt Maxi­mi­li­an Heim die Fra­ge: Was geschieht in Hei­li­gen­kreuz – und wohin soll das Stift geführt werden?

Die Fra­ge drängt sich gera­de des­halb auf, weil das 1133 gegrün­de­te Zister­zi­en­ser­stift etwas ver­kör­pert, das im deutsch­spra­chi­gen Katho­li­zis­mus sel­ten gewor­den ist: ech­te Leben­dig­keit, Wachs­tum und Berufungen.

Wäh­rend alt­ehr­wür­di­ge Klö­ster in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, in Öster­reich und in der Schweiz schrump­fen oder aus­ster­ben, ist Hei­li­gen­kreuz in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten auf­ge­blüht. Im Jahr 2025 gehör­ten mehr als 100 Mön­che der Gemein­schaft an, mehr als je zuvor in der bald 900jährigen Exi­stenz des Klosters.

Das Stift konn­te sogar dar­an den­ken, neue Klö­ster zu grün­den bezie­hungs­wei­se alte monasti­sche Orte wie­der­zu­be­le­ben. Eine sol­che Ent­wick­lung fällt auf: Was die from­men Katho­li­ken begei­stert, weckt bei ande­ren Neid und Mißgunst.

Die Wur­zeln für die­se Blü­te rei­chen in die Nach­kriegs­zeit zurück. Die Äbte jener Jahr­zehn­te leg­ten, auch über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hin­aus, beson­de­ren Wert auf die Pfle­ge der Hei­li­gen Lit­ur­gie. Das Latein wur­de nicht als Relikt einer ver­gan­ge­nen Epo­che besei­tigt. Das Chor­ge­bet blieb Bestand­teil des klö­ster­li­chen Lebens. Das Klo­ster beweg­te sich inner­halb des nach­kon­zi­lia­ren Rah­mens, aber nicht auf des­sen pro­gres­si­ver Sei­te, auch nicht in der medio­kren Mit­te, son­dern auf der kon­ser­va­ti­ven Seite.

Die Kon­se­quenz war lang­fri­stig bemer­kens­wert: Hei­li­gen­kreuz wur­de zu einem Beru­fungs­ma­gne­ten. Das ist im deut­schen Sprach­raum das genaue Gegen­teil von selbstverständlich.

Rudolphinum und Leopoldinum

Eine wich­ti­ge Rol­le spiel­te dabei die Prie­ster­aus­bil­dung. 1802 war von den Zister­zi­en­sern in Hei­li­gen­kreuz eine ordens­in­ter­ne Hoch­schu­le errich­tet wor­den. Die­se wur­de 2007 von Papst Bene­dikt XVI. zu einer Hoch­schu­le päpst­li­chen Rechts erho­ben. Eini­ge Mona­te spä­ter besuch­te der deut­sche Papst Stift und Hoch­schu­le per­sön­lich und mach­te damit sei­ne Wert­schät­zung sicht­bar. Er zeig­te auf Hei­li­gen­kreuz als Vor­bild. Hei­li­gen­kreuz erwi­der­te die­se Ver­bin­dung, indem die Hoch­schu­le zu Ehren des deut­schen Pap­stes sei­nen Namen erhielt. 2018 besuch­te Abt Heim, mit­ten im berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kat, Bene­dikt XVI. im Klo­ster Mater Eccle­siae. Jede noch so klei­ne Posi­tio­nie­rung, und sei es durch eine beschei­de­ne Geste, scheint im uner­bitt­li­chen kir­chen­in­ter­nen Kampf jedoch unentschuldbar.

Und dar­in spie­gelt sich auch schon wider, war­um es Kräf­te gibt, die dem Stift und sei­ner aka­de­mi­schen Bil­dungs­stät­te nicht gewo­gen sind. Es sind die­sel­ben Kräf­te, die bereits Bene­dikt XVI. feind­se­lig gegen­über­stan­den und sein Pon­ti­fi­kat sabo­tier­ten, wo immer es ihnen mög­lich war. Und im deut­schen Sprach­raum war es ihnen in sehr hohem Maße möglich.

Im Ver­gleich zum Main­stream der sich selbst­auf­lö­sen­den Kir­che ist Hei­li­gen­kreuz nur eine klei­ne Insel, doch sie stört.

Um die Bedeu­tung von Hei­li­gen­kreuz zu ver­ste­hen, ist auch an Bischof Rudolf Gra­ber von Regens­burg zu erin­nern, der 1975 in Hei­li­gen­kreuz das Col­le­gi­um Rudol­phinum errich­te­te, um Semi­na­ri­sten aus­bil­den zu las­sen. Spä­ter wur­de das Col­le­gi­um in ver­än­der­ter Form wei­ter­ge­führt, erhielt den Namen Leo­pol­dinum und dient öster­rei­chi­schen Diö­ze­sen als über­diö­ze­sa­nes Prie­ster­se­mi­nar. Kon­ser­va­ti­ve­re Semi­na­ri­sten kön­nen auf die­se Wei­se in Hei­li­gen­kreuz stu­die­ren, um dem apo­sta­ti­schen Kli­ma der theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten zu ent­ge­hen. Damit ist zugleich auch schon viel über das ambi­va­len­te Ver­hal­ten der öster­rei­chi­schen Bischö­fe ausgesagt.

Die­se Ent­wick­lung im Aus­bil­dungs­be­reich ist kir­chen­po­li­tisch bemer­kens­wert. Wäh­rend die klas­si­schen theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­we­ge – Theo­lo­gi­sche Fakul­tä­ten und Prie­ster­se­mi­na­re – im deut­schen Sprach­raum zuneh­mend in eine Kri­se gerie­ten und sich teils wie ein Feind im eige­nen Haus ver­hal­ten, ent­stand in Hei­li­gen­kreuz eine Aus­bil­dungs­stät­te, die jun­ge Män­ner für das Prie­ster­tum gewann und deren Aus­bil­dung sicher­te. Das ist einer der Aspek­te, der das Pro­fil des Stif­tes klar erkenn­bar machte.

Hei­li­gen­kreuz ist dabei kei­ne Hoch­schu­le der Tra­di­ti­on. Das Stift ver­steht sich nicht als Gegen­ent­wurf zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Hei­li­gen­kreuz ist viel­mehr nach­kon­zi­li­ar-kon­ser­va­tiv geprägt. Und genau dar­in liegt eine Stär­ke gegen­über der nach­kon­zi­li­ar-pro­gres­si­ven Kir­che – mög­li­cher­wei­se aber auch sei­ne Achillesferse.

Konservativ, aber nicht traditionsverpflichtet

Die Kon­ser­va­ti­ven der Nach­kon­zils­zeit, unter ihnen Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, haben vie­les rich­tig erkannt. Sie woll­ten das Kon­zil nicht gegen die gesam­te Tra­di­ti­on aus­spie­len. Sie hiel­ten an Prie­ster­amt, Zöli­bat, sakra­men­ta­lem Leben, katho­li­scher Moral­leh­re und einer wür­di­gen Lit­ur­gie fest. Doch der kon­ser­va­ti­ve Katho­li­zis­mus hat eine chro­ni­sche Schwä­che: Er scheut den offe­nen Kon­flikt, erst recht mit der kirch­li­chen Obrig­keit, und ver­mei­det eine grund­sätz­li­che Ana­ly­se der Kir­chen­kri­se, weil er das ein­zig ver­blie­be­ne Tabu, das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil, akzep­tiert.

Man möch­te bewah­ren, aber nicht kämp­fen. Man möch­te treu sein, aber nicht unbe­quem werden.

Man möch­te die über­lie­fer­te Leh­re ver­tre­ten, ohne den über­lie­fer­ten Ritus wie­der­zu­ent­decken und ohne den Preis zu bezah­len, der mit einem wirk­li­chen Wider­stand gegen den Zeit­geist ver­bun­den sein kann.

Das erklärt auch das ambi­va­len­te Ver­hält­nis von Hei­li­gen­kreuz zur lit­ur­gi­schen Tradition.

Die verbotene Frage nach dem überlieferten Ritus

Bei der Abts­be­ne­dik­ti­on von P. Maxi­mi­li­an Heim am 25. April 2011 wür­dig­te Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born das Stift als eine „hoff­nungs­vol­le jun­ge Klo­ster­ge­mein­schaft“ und sprach sogar von einer „kaum je dage­we­se­nen Blü­te­zeit“ sowie von einem Boom bei Nach­wuchs und Hochschule.

Im Kon­vent bestan­den damals, als Bene­dikt XVI. in Rom regier­te, erheb­li­che Sym­pa­thien dafür, auch den über­lie­fer­ten römi­schen Ritus wie­der­zu­ent­decken und ihm einen Platz im Leben des Stif­tes ein­zu­räu­men. Eine sol­che Ent­wick­lung war in der kirch­li­chen Hier­ar­chie Öster­reichs aber nicht erwünscht. In sei­ner Pre­digt bei der Abts­be­ne­dik­ti­on sprach Kar­di­nal Schön­born daher eine War­nung aus. Er warn­te den neu­en Abt und sei­nen Kon­vent vor einem Schritt hin zum über­lie­fer­ten Ritus.

Und Hei­li­gen­kreuz ging tat­säch­lich die­sen Weg nicht. Abt Heim füg­te sich in die kir­chen­po­li­ti­sche Rea­li­tät, denn Bene­dikt XVI. dank­te ab, und es folg­te ihm im März 2013 Fran­zis­kus. Bald war allen klar, daß der Weg einer Rück­kehr zur lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on ver­sperrt ist. Hei­li­gen­kreuz blieb inner­halb des nach­kon­zi­lia­ren Rah­mens. Der Abt unter­sag­te sei­nen Prie­stern, öffent­lich im über­lie­fer­ten Ritus zu zele­brie­ren oder an sol­chen Zele­bra­tio­nen mitzuwirken.

Tochtergründungen

Da das Stift so vie­le Beru­fun­gen anzog, konn­te an Toch­ter­grün­dun­gen gedacht wer­den. 1988 grün­de­te Hei­li­gen­kreuz das Prio­rat Bochum-Stie­pel im Ruhr­ge­biet. 2018 folg­te die Neu­grün­dung in Neu­zel­le in Bran­den­burg. Und 2023 wur­de geprüft, ob das Klo­ster Säben in Süd­ti­rol wie­der von Zister­zi­en­sern besie­delt wer­den könn­te. Die letz­ten Bene­dik­ti­ne­rin­nen hat­ten Säben 2021 ver­las­sen. Hei­li­gen­kreuz führ­te Gesprä­che mit der Diö­ze­se Bozen-Bri­xen über eine mög­li­che Niederlassung.

Der Kon­trast ist frap­pie­rend. Wäh­rend ande­re Klö­ster ster­ben, kann Hei­li­gen­kreuz über neue Klo­ster­grün­dun­gen nach­den­ken. Wäh­rend die Beru­fungs­pa­sto­ral vie­ler­orts mit dem dra­ma­ti­schen Man­gel an Prie­stern und Ordens­leu­ten kämpft, kann Hei­li­gen­kreuz aus­wäh­len. Wäh­rend theo­lo­gi­sche Fakul­tä­ten mit sin­ken­den Stu­den­ten­zah­len kämp­fen, aber flei­ßig einer zuneh­men­den Ent­fer­nung vom kirch­li­chen Lehr­amt frö­nen, ent­wickel­te sich die Hei­li­gen­kreu­zer Hoch­schu­le zu einem über­re­gio­na­len Anziehungspunkt.

Das Stift wur­de zum Kon­tra­punkt einer theo­lo­gi­schen und geist­li­chen Land­schaft, die vie­ler­orts in Auf­lö­sung begrif­fen ist.

Jeder Wachs­tums­schritt des Stif­tes zog aller­dings auch Kri­ti­ker, Nei­der und vie­le ver­bor­ge­ne Geg­ner an.

Die Causa Waldstein

P. Edmund Wald­stein, Jahr­gang 1983, ist Moral­theo­lo­ge und Enkel des bedeu­ten­den öster­rei­chi­schen Juri­sten und Kir­chen­recht­lers Prof. Wolf­gang Wald­stein. Er pro­mo­vier­te 2019 an der Uni­ver­si­tät Wien und befand sich an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck in einem Habi­li­ta­ti­ons­ver­fah­ren in Moraltheologie.

Im Früh­jahr 2025 wur­de P. Wald­stein zum Gegen­stand einer Kam­pa­gne lin­ker Medi­en – und damit auch das Stift. Im Mit­tel­punkt stan­den älte­re Aus­füh­run­gen Wald­steins in einem US-ame­ri­ka­ni­schen Medi­um zur Todes­stra­fe. Die­se waren im Zusam­men­hang mit der Ände­rung des Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che durch Papst Fran­zis­kus im Som­mer 2018 erfolgt. Kon­kret ging es um Fra­gen des Ver­hält­nis­ses von geist­li­cher und welt­li­cher Gewalt in der Behand­lung von Häre­ti­kern (man könn­te als Bei­spie­le Jan Hus und Giord­a­no Bru­no nen­nen). Wald­stein hat­te die über­lie­fer­te kirch­li­che Leh­re aus­ge­führt. In der Häre­ti­ker­fra­ge nahm er, was sei­ne For­mu­lie­run­gen betrifft, spä­ter sogar Kor­rek­tu­ren vor, was sei­ne empör­ten Geg­ner natür­lich nicht besänftigte.

Jene, die zum gro­ßen Empö­rungs­ge­schrei aus­hol­ten wegen histo­ri­scher Ereig­nis­se, die vie­le Jahr­hun­der­te zurück­lie­gen und deren Kon­text sie meist kaum ken­nen und noch weni­ger ver­ste­hen, und wegen der in den USA nach wie vor gel­ten­den Todes­stra­fe (2024 waren in den USA 25 Todes­ur­tei­le voll­streckt wor­den), fin­den kein Wort der Empö­rung für die Hin­rich­tung von jähr­lich unzäh­li­gen Mil­lio­nen unge­bo­re­ner Kin­der durch Abtrei­bung. Viel­mehr ver­tei­di­gen sie den Kin­der­mord im sel­ben empör­ten Ton. Dar­in liegt eine star­ke Aussagekraft.

Die Theo­lo­gi­sche Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Inns­bruck wuß­te jeden­falls schnell, auf wel­che Sei­te sie sich zu schla­gen gedach­te. Im Mai 2025 leg­te Dekan Gug­gen­ber­ger Pater Wald­stein nahe, sei­ne Habi­li­ta­ti­ons­schrift erst gar nicht ein­zu­rei­chen. Gug­gen­ber­ger erklär­te, Wald­steins in einem US-Medi­um geäu­ßer­ten Ansich­ten, die nichts mit sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrift zu tun hat­ten, stün­den im Wider­spruch zum Kir­chen­ver­ständ­nis des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils; des­halb sei prak­tisch von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen, daß die not­wen­di­gen Gut­ach­ter sei­ne Habi­li­ta­ti­on posi­tiv bewer­ten wür­den. So ein­fach, so radi­kal und so unbrü­der­lich geht das heu­te in der Kir­che von­stat­ten, wenn Pro­gres­si­ve Gele­gen­heit haben, über Kon­ser­va­ti­ve zu rich­ten. Kirch­li­che Struk­tu­ren kopie­ren den welt­li­chen „Kampf gegen rechts“. Es ist ein Trau­er­spiel, doch so ist es.

Pater Wald­stein, des­sen Ansich­ten, die er in einem US-ame­ri­ka­ni­schen Medi­um vor­ge­tra­gen hat­te, waren Anlaß für die Fakul­tät, ihn vor die Tür zu set­zen und ihm das Habi­li­tie­ren ohne jede Prü­fung zu ver­wei­gern, unab­hän­gig davon, was er in sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrift vor­le­gen würde.

Nicht etwa die Qua­li­tät sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrift war also als wis­sen­schaft­lich man­gel­haft fest­ge­stellt wor­den. Ent­schei­dend waren Wald­steins in ande­rem Kon­text geäu­ßer­ten Posi­tio­nen, die den Pro­fes­so­ren miß­fie­len. Um die Wis­sen­schafts­frei­heit ist es also in Öster­reich nicht gut bestellt, jeden­falls wenn man nicht im lin­ken Main­stream mitsingt.

Die Cau­sa Wald­stein war damit weit mehr als ein Streit um eine ein­zel­ne Per­son. Sie wur­de zum Test­fall dafür, wie viel über­lie­fer­te katho­li­sche Theo­lo­gie an einer katho­li­schen Fakul­tät über­haupt noch ver­tre­ten wer­den darf. Und in der Fol­ge: Wie vie­le über­lie­fer­te katho­li­sche Posi­tio­nen in Öster­reichs Kir­che noch gedul­det werden.

Wie die Ereig­nis­se zei­gen, fiel das Ergeb­nis nega­tiv aus.

Was an der Cau­sa Wald­stein beson­ders auf­fällt, ist die Geschwin­dig­keit, mit der aus einer theo­lo­gi­schen Kon­tro­ver­se eine Fra­ge der insti­tu­tio­nel­len Exi­stenz­be­rech­ti­gung wurde.

Divide et impera

Der Fall erhielt schnell auch eine inner­klö­ster­li­che Dimension.

Die Hoch­schu­le Hei­li­gen­kreuz stell­te sich zunächst gegen pau­scha­le Medi­en­vor­wür­fe. Doch dann ging sie auf deut­li­che Distanz.

Rek­tor Wolf­gang Klaus­nit­zer – Prie­ster des Erz­bis­tums Bam­berg und Karl-Rah­ner-Preis­trä­ger – „beur­laub­te“ Pater Wald­stein von sei­ner Lehr­tä­tig­keit an der Hoch­schu­le und erklär­te schließ­lich, daß er eine Rück­kehr Wald­steins in die Leh­re wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Rek­tor aus­schlie­ße. Cau­sa finita.

Man beden­ke: Der Rek­tor der Hoch­schu­le ist Karl-Rah­ner-Preis­trä­ger, der Abt des Klo­sters Joseph-Ratz­in­ger-Preis­trä­ger. Klaus­nit­zer wur­de für eine Arbeit über das Papst­amt aus­ge­zeich­net, Heim für sein theo­lo­gi­sches Werk über Joseph Ratz­in­ger. Die bei­den Prei­se stam­men aus ganz unter­schied­li­chen theo­lo­gi­schen Tra­di­ti­ons­li­ni­en. Daß in die­ser Kon­stel­la­ti­on etwas nicht zusam­men­zu­pas­sen scheint, liegt auf der Hand. Die eigent­li­che Dis­so­nanz ent­stand dort, wo die berg­o­glia­ni­sche Kir­chen­po­li­tik aus Rom ein­wirk­te.

Und auch Beru­fung Klaus­nit­zers zum Rek­tor hat­te eine Vor­ge­schich­te, die mit den aktu­el­len Ereig­nis­se zu tun hat. 

Unter Papst Fran­zis­kus war bereits ein Apo­sto­li­scher Visi­ta­tor an die Hoch­schu­le von Hei­li­gen­kreuz ent­sandt wor­den. Damals war der Hei­lig­kreu­zer Zister­zi­en­ser Pater Buch­mül­ler Rek­tor. Über die Ergeb­nis­se wur­de kir­chen­üb­lich Still­schwei­gen bewahrt. Grund für die Visi­ta­ti­on scheint jeden­falls die „zu kon­ser­va­ti­ve“ Aus­rich­tung der Hoch­schu­le gewe­sen zu sein, wes­halb Rom ent­spre­chen­de Ände­run­gen ver­lang­te. Hei­li­gen­kreuz – durch die Aner­ken­nung als Hoch­schu­le päpst­li­chen Rechts von Rom abhän­gig – muß­te „nach­bes­sern“. Dazu gehör­te, daß Pater Buch­mül­ler als Rek­tor abtre­ten muß­te und mit Klaus­nit­zer erst­mals ein Nicht-Zister­zi­en­ser zum Rek­tor bestellt wur­de.

Es war nur eine Unter­wer­fung von vie­len seit 2013.

Als ein inter­na­tio­na­ler Kreis von Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen eine Cor­rec­tio filia­lis de hae­re­si­bus pro­pa­ga­tis an Papst Fran­zis­kus ver­faß­te und ihn auf­for­der­ten, das scharf kri­ti­sier­te nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia zurück­zu­neh­men, und sich unter den Unter­zeich­nern auch ein Dozent der Hoch­schu­le von Hei­li­gen­kreuz befand, wur­de ihm umge­hend der Lehr­auf­trag ent­zo­gen und Klo­ster und Hoch­schu­le gin­gen auf Distanz zu ihm. Kri­tik ist in der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che unerwünscht.

Und was Pater Wald­stein betrifft, so wur­de er sozuagen via Rek­tor Klaus­nit­zer aus den „eige­nen Rei­hen“ an den Pran­ger gestellt. Weder durch die Säu­be­run­gen von Fran­zis­kus-Kri­ti­kern oder die „Nach­bes­se­run­gen“ nach der römi­schen Visi­ta­ti­on noch durch die Distan­zie­run­gen von Pater Wald­stein wur­de für die Hoch­schu­le etwas gewonnen.Vielmehr führt jede Unter­wer­fung auf Zuruf dazu, daß man sich immer mehr vom geg­ne­ri­schen Urteil abhän­gig macht.

Zwi­schen dem Schraub­stock kir­chen­feind­li­cher welt­li­cher Medi­en auf der einen und einer nicht min­der unfreund­lich gesinn­ten ober­sten kirch­li­chen Hier­ar­chie samt Juris­dik­ti­on auf der ande­ren Sei­te ein­ge­klemmt, ist das Über­le­ben zuge­ge­be­ner­ma­ßen kein leich­tes Unterfangen.

Man kann in den genann­ten Reak­tio­nen der Hoch­schu­le und des Klo­sters ein klas­si­sches kir­chen­po­li­ti­sches Muster der nach­kon­zi­lia­ren Zeit erken­nen: Tei­le eines kon­ser­va­ti­ven Milieus ver­su­chen, sich durch Distan­zie­rung vor äuße­rem Druck zu schüt­zen – und tra­gen damit selbst zur Mar­gi­na­li­sie­rung der Betrof­fe­nen und zur Schwä­chung der eige­nen Posi­tio­nen bei. Das Prin­zip ist alt und lau­tet divi­de et impe­ra.

Gera­de kon­ser­va­ti­ve Katho­li­ken sind dafür anfäl­lig, weil sie Kon­flik­te mit der kirch­li­chen Obrig­keit mög­lichst ver­mei­den wol­len und ins­ge­samt eher kon­flikt­scheu sind. 

Wenn sich die Ämter der kirch­li­chen Hier­ar­chie in den fal­schen Hän­den befin­den, kann das, was als Unter­stüt­zung und Schutz gedacht war, schnell zu einem engen Kor­sett wer­den, das abwürgt. Bene­dikt XVI. hat­te Hei­li­gen­kreuz unter­stüt­zen und schüt­zen wol­len, indem er der Hoch­schu­le päpst­li­ches Recht ver­lieh. Doch nur weni­ge Jah­re spä­ter erlaub­te dies Rom unter unter Fran­zis­kus einen unge­hin­der­ten Zugriff unter Sanktionsdrohungen. 

Dann kam die Apostolische Visitation

Nach­dem unter Fran­zis­kus bereits die Hoch­schu­le von Rom visi­tiert wor­den war, soll­te schließ­lich auch das Stift selbst ins römi­sche Visier gera­ten. Am 5. Juni 2025 erließ das römi­sche Dik­aste­ri­um für die Insti­tu­te geweih­ten Lebens und für die Gesell­schaf­ten apo­sto­li­schen Lebens das Dekret zur Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on des Klo­sters Hei­li­gen­kreuz. Als Visi­ta­to­ren wur­den Abt­pri­mas Jere­mi­as Schrö­der OSB und Sr. Chri­sti­ne Rod MC ein­ge­setzt. War­um für die­se Auf­ga­be eine Frau ernannt wur­de, ver­steht wahr­schein­lich nur, wer die Mäan­der der poli­tisch kor­rek­ten Gen­der-Ideo­lo­gie inha­liert hat. Öffent­lich bekannt wur­de die Visi­ta­ti­on Mit­te Juni.

Papst Fran­zis­kus war zwar bereits eini­ge Wochen zuvor ver­stor­ben, doch die ent­spre­chen­den Vor­be­rei­tun­gen gehen noch auf sein Pon­ti­fi­kat zurück. Und sein Nach­fol­ger Leo XIV. setzt in vie­len Berei­chen, nicht zuletzt im Bereich der Per­so­nal­fra­gen, die Poli­tik sei­nes Vor­gän­gers zwar lei­ser, aber unver­än­dert fort.

Die Visi­ta­ti­on war Aus­druck der berg­o­glia­ni­schen Kir­chen­po­li­tik und belegt, daß deren Umgang mit kon­ser­va­ti­ven kirch­li­chen Gemein­schaf­ten kei­nes­wegs erle­digt ist – vom Umgang mit tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten ganz zu schweigen.

Offi­zi­ell hat­te die Visi­ta­ti­on einen brei­ten Auf­trag: Unter­sucht wer­den soll­ten unter ande­rem der Lei­tungs­stil der Abtei, das Füh­rungs­ver­hal­ten des Abtes, der Umgang mit Miß­brauchs­vor­wür­fen¹, die Prü­fung der Beru­fun­gen und die Aus­bil­dung der jun­gen Mönche.

Ein blü­hen­des Klo­ster, die her­aus­ra­gen­de Aus­nah­me unter den neu­ri­tu­el­len monasti­schen Gemein­schaf­ten im deut­schen Sprach­raum, wur­de einer umfas­sen­den römi­schen Prü­fung unterzogen.

Bemer­kens­wert ist dabei die Spra­che Roms. Das Dik­aste­ri­um selbst sprach von einem „blü­hen­den Stift“. Die Visi­ta­ti­on wur­de nicht damit begrün­det, daß Hei­li­gen­kreuz schwer­wie­gen­de Pro­ble­me habe oder gar geist­lich am Ende sei. Im Gegen­teil. Die Gemein­schaft hat Beru­fun­gen, sie hat Nach­wuchs, sie ver­fügt über eine eige­ne Hoch­schu­le, sie grün­det neue Klö­ster. War­um also die Visitation?

Eine Erklä­rung wur­de bis­her von kei­nem Beob­ach­ter genannt, näm­lich, daß Rom erfah­ren möch­te, wie man es schafft, ein so leben­di­ges Klo­ster und eine so leben­di­ge Ordens­ge­mein­schaft zu sein. Die­se Opti­on wird mit gutem Grund aus­ge­schlos­sen, denn eine solch Absicht heg­te das Dik­aste­ri­um nicht.

War­um wur­de also aus­ge­rech­net eine der weni­gen blü­hen­den Gemein­schaf­ten des deut­schen Sprach­raums so inten­siv untersucht?

Die Ant­wort ist eben­so ein­fach wie für vie­le Katho­li­ken irri­tie­rend: „Weil sie blüht.“ Weil sie blüht, wird der Apo­sto­li­sche Visi­ta­tor geschickt. Denn seit dem berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kat ist bekannt, daß blü­hen­de Gemein­schaf­ten als „ver­däch­tig“ gel­ten. Was wie ein schlech­ter Scherz klingt – ein sehr schlech­ter Scherz sogar –, gibt lei­der die kirch­li­che Wirk­lich­keit wieder.

Beru­fungs­star­ke kon­ser­va­ti­ve Gemein­schaf­ten in der Kir­che – beru­fungs­star­ke pro­gres­si­ve Gemein­schaf­ten exi­stie­ren nicht –, sind durch ihre blo­ße Exi­stenz ein zwangs­läu­fi­ger Kon­trast zu den pro­gres­si­ven Struk­tu­ren, die unter noto­ri­schem Nach­wuchs­man­gel lei­den. Ein Nach­wuchs­man­gel, der frei­lich struk­tu­rell bedingt ist, denn wer die Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats, die Ein­füh­rung des Frau­en­prie­ster­tums oder gar eine prie­ster­lo­se Kir­che anstrebt, ist an Beru­fun­gen erst gar nicht interessiert. 

Am 8. April 2026 wur­de die Visi­ta­ti­on von Stift Hei­li­gen­kreuz offi­zi­ell abge­schlos­sen. Nach Anga­ben des Klo­sters führ­ten die Visi­ta­to­ren Gesprä­che mit rund 90 Mön­chen und zahl­rei­chen exter­nen Per­so­nen, die nicht näher benannt wur­den. Anschlie­ßend wur­den von Rom „Vor­schlä­ge für die wei­te­re Ent­wick­lung“ der Gemein­schaft über­mit­telt. Im Mit­tel­punkt ste­hen unter ande­rem Kom­mu­ni­ka­ti­on, stra­te­gi­sche Fra­gen sowie die Refle­xi­on über Iden­ti­tät und Selbst­ver­ständ­nis des Stif­tes. Und dar­um geht es.

Rom wünscht, daß sich das Stift „wei­ter­ent­wickelt“. Und damit ste­hen eini­ge Fra­gen im Raum: Paßt der bis­he­ri­ge Kurs denn nicht? In wel­che Rich­tung soll­te sich das Klo­ster denn „wei­ter­ent­wickeln“?

Der Rücktritt des Abtes

Am 20. August 2026 folg­te der näch­ste Schlag. Abt Maxi­mi­li­an Heim kün­dig­te sei­nen Rück­tritt zum 14. Sep­tem­ber 2026, dem Fest Kreuz­erhö­hung, an. Nach 16 Jah­ren als Abt und ins­ge­samt 30 Jah­ren in Lei­tungs­funk­tio­nen des Stif­tes will er künf­tig „wie­der stär­ker in der Seel­sor­ge und als Theo­lo­ge wir­ken“. So die offi­zi­el­le Dik­ti­on. Als einen Grund nann­te er sei­ne Herz­er­kran­kung im ver­gan­ge­nen Jahr und das Ende sei­ner zwei­ten Amtsperiode.

Man folgt damit dem unge­schrie­be­nen kirch­li­chen Usus, beson­ders unter Kon­ser­va­ti­ven, selbst radi­ka­le Ein­grif­fe, tief­grei­fen­de Inter­ven­tio­nen und sogar Will­kür­ak­te schön­zu­re­den und nach außen wie nor­ma­le Rou­ti­nen erschei­nen zu lassen.

Mit dem Rück­tritt endet aller­dings eine Ära. Es endet nicht nur die Ära von Abt Heim, son­dern es endet womög­lich auch die Ära Hei­li­gen­kreuz als Aus­nah­me unter den monasti­schen Rea­li­tä­ten im deut­schen Sprachraum.

Der Rück­tritt erfolgt weni­ge Mona­te nach dem Abschluß der Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on und ist in einem direk­ten Zusam­men­hang mit den römi­schen „Wün­schen“ nach einer „Wei­ter­ent­wick­lung“ des Stif­tes zu sehen. Die­se Wün­sche kann er offen­sicht­lich vor sei­nem Gewis­sen nicht mit­tra­gen, will aber auch nicht dage­gen ankämp­fen. So tritt er zur Sei­te und über­läßt dem berg­o­glia­ni­schen Rom das Feld.

Zum „Umbau“ von Hei­li­gen­kreuz paßt, daß zunächst kein neu­er Abt gewählt wird, was sehr unge­wöhn­lich ist. Nach „Rück­spra­che“ mit dem vati­ka­ni­schen Ordens­dik­aste­ri­um soll vor­erst ein Admi­ni­stra­tor für drei Jah­re gewählt wer­den. Die Begrün­dung für die­sen Schritt, die die ultra­pro­gres­si­ve Redak­ti­on von ORF-Reli­gi­on lie­fer­te, ist gro­tesk lächer­lich: Weil mehr als ein Drit­tel der Wahl­be­rech­tig­ten noch nie an einer Abt­wahl teil­ge­nom­men habe. Bis vor kur­zem wur­den die Äbte auf Lebens­zeit gewählt; da war es selbst­ver­ständ­lich, daß der Groß­teil des Kon­vents noch nie an einer Abt­wahl teil­ge­nom­men hatte.

Die Admi­ni­stra­to­ren­lö­sung läßt wenig Zwei­fel dar­an, daß die­se Über­gangs­pha­se von Rom ver­langt wur­de, um in die­ser Zeit die zukünf­ti­ge Aus­rich­tung des Stif­tes neu zu bestimmen.

Die Gefahr für Hei­li­gen­kreuz besteht nicht so sehr dar­in, daß das Stift – wie Fran­zis­kus es mit ande­ren Klö­stern, Orden und Gemein­schaf­ten mach­te – auf­ge­löst oder sei­ne Hoch­schu­le geschlos­sen wür­de. Eine viel sub­ti­le­re Gefahr ist aber denk­bar: die „Nor­ma­li­sie­rung“ von Heiligenkreuz.

Die Normalisierung

Das Stift wird wei­ter­be­stehen, die Hoch­schu­le wird wei­ter­be­stehen, das Leo­pol­dinum könn­te wei­ter­be­stehen. Die Mön­che könn­ten wei­ter­hin Beru­fun­gen erhal­ten. Aber das Pro­fil, so scheint es Rom zu for­dern, soll schritt­wei­se ver­än­dert wer­den. Im kirch­li­chen Main­stream ist im Zusam­men­hang mit der römi­schen Inter­ven­ti­on zu hören, daß Hei­li­gen­kreuz „ein wenig weni­ger kon­tro­vers“ wer­den könn­te. Such­te das Stift die Kon­fron­ta­ti­on? Wider­setz­te es sich der pro­gres­si­ven Hier­ar­chie? Nein, nichts der­glei­chen. Es ist die blo­ße Exi­stenz einer ande­ren, einer kon­ser­va­ti­ve­ren Aus­rich­tung, die stört. Je leuch­ten­der die­se strahlt und als Alter­na­tiv­mo­dell Auf­merk­sam­keit fin­det, desto mas­si­ver sind die Angrif­fe dage­gen – aus Rom.

Von Hei­li­gen­kreuz wird also „ein wenig mehr Anpas­sung“ an den kirch­li­chen Main­stream erwar­tet; weni­ger Bereit­schaft, auch unbe­que­me Posi­tio­nen zu ver­tre­ten und zu ver­tei­di­gen; eine „zurück­hal­ten­de­re“ Aus­wahl der Lehr­be­auf­trag­ten; eine grö­ße­re Distanz zu Ver­tre­tern der Tra­di­ti­on und natür­lich kei­ne Wie­der­ent­deckung des über­lie­fer­ten Ritus.

Kurz­um: Hei­li­gen­kreuz soll – so die Vor­stel­lung höhe­rer kirch­li­cher Krei­se – eine Theo­lo­gie ver­tre­ten, die kon­ser­va­tiv genug bleibt, um attrak­tiv zu wir­ken und der Tra­di­ti­on nicht ganz das Feld zu über­las­sen, aber ange­paßt genug wird, um nie­man­den in den kirch­li­chen Appa­ra­ten mehr zu beunruhigen.

Hei­li­gen­kreuz soll nicht zer­stört, aber gezähmt, eben „nor­ma­li­siert“ werden. 

Die­se Rech­nung wird natür­lich nicht auf­ge­hen. Wenn Hei­li­gen­kreuz sich in die­sem Sin­ne „nor­ma­li­siert“, wird es eben­so in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­sin­ken, wie die zahl­rei­chen alten Klö­stern und Orden, die jedes Jahr irgend­wo auf die­ser Welt auf­ge­löst wer­den und aussterben.

Den kirch­li­chen Obe­ren, ob in Öster­reich oder in Rom, scheint dabei egal zu sein, daß der „Erfolg“ von Hei­li­gen­kreuz ein­zig dar­in besteht, daß jun­ge Män­ner dort ein­tre­ten, weil sie dort fin­den, was sie anders­wo in der Kir­che ver­mis­sen: Lit­ur­gie; Aske­se; Ver­bind­lich­keit; ein Ver­ständ­nis von Kir­che und Prie­ster­tum, das von „syn­oda­len“ Struk­tu­ren bis zur Unkennt­lich­keit auf­ge­löst wird; eine Leh­re, die nicht erst mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil beginnt, und eine katho­li­sche Iden­ti­tät, also auch ein geist­li­ches Leben, das nicht stän­dig um die Zustim­mung der Welt bemüht ist.

Wenn Hei­li­gen­kreuz sei­nen Cha­rak­ter ver­liert, ver­liert die Kir­che in Öster­reich und im deut­schen Sprach­raum nicht ein­fach irgend­ein Klo­ster, wie es andau­ernd der Fall ist, weil Klö­ster und Orden am nach­kon­zi­lia­ren Geist ersticken und aus­ster­ben. Sie ver­liert eine ihrer letz­ten gro­ßen Rea­li­tä­ten, die gezeigt hat, daß katho­li­sche Klar­heit und geist­li­ches Wachs­tum zusam­men­ge­hö­ren und sich untrenn­bar bedingen.

Hei­li­gen­kreuz steht damit an einem Scheideweg.

Die Gemein­schaft kann sich dar­auf beschrän­ken, die Erwar­tun­gen der kirch­li­chen Appa­ra­te mög­lichst geschickt zu erfül­len. Oder sie kann das bewah­ren, was sie groß gemacht hat. Das bedeu­tet, zwi­schen not­wen­di­ger Kor­rek­tur und poli­ti­scher Anpas­sung zu unterscheiden.

Die Kir­che braucht kei­ne kon­ser­va­ti­ven Ein­rich­tun­gen, die nur des­halb kon­ser­va­tiv hei­ßen, weil sie ein wenig lit­ur­gi­scher fei­ern und etwas mehr Latein ver­wen­den als ande­re. Sie braucht geist­li­che Gemein­schaf­ten, die auch dann katho­lisch blei­ben, wenn Katho­lisch­sein unbe­quem wird. Dar­in liegt die Bewäh­rungs­pro­be, vor die der Kon­vent ohne eige­nes Zutun und ohne erkenn­ba­re Not durch Rom gestellt wurde.

Der Aus­gang ist offen. Dem Klo­ster steht kei­ne ein­fa­che Zeit bevor.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons


¹ Der Miß­brauchs­skan­dal ist selbst­ver­ständ­lich stets ernst zu neh­men. Dar­über darf jedoch nicht aus dem Blick gera­ten, in wel­chem Maße er sowohl von kir­chen­fer­nen Medi­en als auch von pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen, ins­be­son­de­re inner­halb der römi­schen berg­o­glia­ni­schen Hier­ar­chie, als kir­chen­po­li­ti­sches Kampf­in­stru­ment instru­men­ta­li­siert wird. So wer­den etwa Homo-Seil­schaf­ten nur dann ent­deckt und ange­pran­gert, wenn damit eine kon­ser­va­ti­ve Gemein­schaft zer­schla­gen wer­den soll, wäh­rend Homo-Seil­schaf­ten in pro­gres­si­ven Kon­tex­ten nicht nur gedul­det, son­dern sogar geför­dert werden.

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