Die Bischöfe von Köln, Regensburg und Passau gelten vielen Katholiken als Bewahrer traditioneller Positionen. Doch beim überlieferten Römischen Ritus und der Tradition zeigt sich ein anderes Bild: Eine echte Zuerkennung gleicher Würde für den Vetus Ordo ist auch dort nicht in Sicht.
Wenn in Deutschland über konservative Stützpunkte gesprochen wird, fallen häufig die Namen Köln, Regensburg und Passau. Diese Diözesen gelten im Vergleich zu anderen deutschen Ortskirchen als konservativer. Ihre Bischöfe werden vielfach mit einer größeren Nähe zu klassischen katholischen Positionen verbunden. In der Deutschen Bischofskonferenz stellen sie seit Jahren die Minderheitenfraktion. Doch ein Blick auf den Umgang mit der überlieferten römischen Liturgie zeigt: Von einer wirklichen Freiheit der Tradition kann auch dort keine Rede sein.
Die Einschränkungen sind manchmal weniger sichtbar als in manchen anderen Diözesen, manchmal aber sogar restriktiver. Der überlieferte Ritus wird geduldet, an bestimmten Orten ermöglicht und pastoral begleitet – doch er ist nicht als selbstverständlicher Bestandteil des kirchlichen Lebens anerkannt, schon gar nicht gleichberechtigt. Ihm wird nicht die gleiche Würde zuerkannt.
Regensburg: Zentrum der Tradition – aber ohne Ausweitung
Das Bistum Regensburg nimmt eine besondere Stellung ein. Seit den Zeiten von Msgr. Rudolf Graber, Bischof von Regensburg von 1962 bis 1982, gilt sie als Hort der Rechtgläubigkeit. Bischof Graber war ein Befürworter der Tradition und des überlieferten römischen Ritus, während er die nachkonziliaren Kirchenreformen mit Sorge beobachtete. Seit Jahrzehnten befindet sich in Zaitzkofen das deutsche Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X., dem jedoch alle Nachfolger Grabers mit großer Distanz begegneten. Gleichzeitig gibt es im Bistum zahlreiche Gläubige, die mit der traditionellen Liturgie verbunden sind.
Im Gesamtkontext überrascht deshalb die Zurückhaltung der Diözese. Regensburg sieht keinen Bedarf für eine grundlegende Veränderung der bisherigen Praxis, wie CNA Deutsch berichtete. Die vorhandenen Möglichkeiten zur Feier der Heiligen Messe nach dem Missale Romanum von 1962 werden als ausreichend betrachtet.
Auch an der Haltung des Bistums Regensburg zeigt sich, daß der überlieferte Ritus nicht als normaler Ausdruck der römischen Liturgie, sondern als eine pastorale Sonderform gesehen wird, deren Verwendung einer besonderen Begründung bedarf.
Passau: Keine Erweiterung vorgesehen
Auch das Bistum Passau, das traditionell als kirchlich konservativ geprägt gilt, sieht keinen Anlaß, die Möglichkeiten für die Feier der alten Messe auszuweiten.
Die Haltung entspricht damit dem allgemeinen deutschen Trend: Die bestehenden Angebote werden fortgeführt, eine Öffnung über den bisherigen Rahmen hinaus ist jedoch nicht geplant.
Für traditionsverbundene Katholiken ist das ein ernüchterndes Zeichen. Denn wenn selbst jene Diözesen, die in anderen Fragen Wert auf Kontinuität mit der überlieferten Lehre legen, keine stärkere Förderung des überlieferten Ritus anstreben, zeigt dies die begrenzte Stellung der alten Liturgie innerhalb der deutschen Kirchenlandschaft.
Köln: Traditionelle Akzente, aber keine liturgische Wende
Das Erzbistum Köln nimmt seit Jahrzehnten eine besondere Stellung im deutschen Katholizismus ein. Unter Kardinal Joachim Meisner galt Köln vielen Gläubigen als eines der letzten großen Bollwerke gegen eine weitgehende Anpassung der Kirche an gesellschaftliche Entwicklungen.
Doch auch hier ist die Situation der traditionellen Gemeinschaften keineswegs frei von Spannungen.
Die Priesterbruderschaft St. Petrus konnte im Erzbistum Köln zwar apostolisch tätig werden und ist heute an mehreren Orten präsent. Eine umfassende Anerkennung des überlieferten Ritus als gleichberechtigte Ausdrucksform des römischen Glaubenslebens bedeutete dies jedoch nie.
Gerade die Zeit unter Kardinal Meisner zeigt, daß auch ein als konservativ geltender Oberhirte gegenüber der Tradition kirchenrechtliche Zurückhaltung walten ließ. Einschränkungen gegenüber Priestern und Gemeinschaften der Tradition gehörten auch zur Kölner Realität.
Die Unterstützung Meisners blieb selektiv und brachte sogar die unglaubliche Einschränkung mit sich, die Petrusbrüdern untersagte, im Erzbistum Köln die Beichte zu hören.
Die eigentliche Frage: Duldung oder Anerkennung?
Die Debatte um die alte Messe wird häufig auf die Frage reduziert, ob sie „erlaubt“ oder „verboten“ sei. Die tiefere Frage lautet jedoch: Welchen Stellenwert besitzt sie im Leben der Kirche?
Eine bloße Duldung bedeutet etwas anderes als eine echte Anerkennung. Viele Anhänger des überlieferten Ritus wünschen keine Sonderbehandlung, sondern eine selbstverständliche Zugehörigkeit zur Kirche – ohne den Eindruck, eine pastorale Ausnahmeerscheinung zu sein, ohne sich ständig Sprechverboten unterwerfen zu müssen und ohne ständigen Rechtfertigungsdruck.
Auch in den konservativen Diözesen Deutschlands blieb eine wirkliche Öffnung für den überlieferten Ritus bis heute aus.
Das ambivalente Verhältnis der Augsburger Bischöfe zu dem in ihrer Diözese bestehenden Priesterseminar der Petrusbruderschaft ist Ausdruck einer gewissen Unfreundlichkeit, mit der konservative Bischöfe traditionsverbundenen Gemeinschaften, Priestern und Gläubigen begegnen.
Obwohl sich durch das Seminar zahlreiche Priester der Petrusbruderschaft in Wigratzbad befinden, weigert sich die Diözese trotz der räumlichen Nähe und des bestehenden Priestermangels ihnen die Gebetsstätte Wigratzbad anzuvertrauen.
Dahinter verbirgt auch nach bald 40 Jahren eine Restannahme, die Anwesenheit der Petrusbrüder sei nur ein Provisorium, ein Kuckucksei, das man der Diözese 1988 ins Nest gelegt habe.
Ein Prüfstein für die kirchliche Einheit
Der Umgang mit dem überlieferten Ritus ist jedoch mehr als eine liturgische Detailfrage. Er berührt grundlegende Fragen des katholischen Selbstverständnisses: das Verständnis von Tradition, die Bewahrung der Rechtgläubigkeit, das Wesen der Kirche und das Verhältnis von kirchlicher Kontinuität und lehramtlicher Autorität.
Bis heute gibt es kaum Anzeichen dafür, daß der überlieferte Ritus von den Diözesen als ein Teil des eigenen liturgischen Erbes neu entdeckt wird. Auch die unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft haben daran nichts geändert. Während die kirchenrechtlichen Folgen klar benannt wurden, blieb eine weitergehende kirchliche Geste – anders als nach der Krise von 1988 – aus. Weder kam es zu einer grundlegenden Neubewertung noch zu nennenswerten pastoralen Initiativen.
So bleibt die Situation paradox: Selbst jene deutschen Diözesen, die gemeinhin als konservative Gegenpole wahrgenommen werden, sind von einer wirklichen Freiheit der Tradition weit entfernt.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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