„Before You Accuse Me, Take a Look at Yourself“

Zur Diskussion um die angekündigten Bischofsweihen der Piusbruderschaft


Von Gott­fried Paschke

War­um ist Rom damit ein­ver­stan­den, daß chi­ne­si­sche Kom­mu­ni­sten dik­tie­ren, wer in Chi­na Bischof wird, wäh­rend es den Pius­brü­dern unter Andro­hung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on das Wei­hen eige­ner Bischö­fe verbietet?

Ein mei­nes Erach­tens nicht unwich­ti­ger Aspekt ist, daß die FSSPX-Prie­ster (wie auch die Eccle­sia-Dei-Prie­ster) in der Regel phi­lo­so­phisch und theo­lo­gisch erheb­lich bes­ser aus­ge­bil­det sein dürf­ten als die mei­sten Prie­ster, die die Prie­ster­aus­bil­dung der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che „genos­sen“ haben.

Das könn­te einer der Grün­de für die rigo­ro­se Hal­tung Roms gegen­über den Pius­brü­dern sein. Man fürch­tet mög­li­cher­wei­se ihre intel­lek­tu­el­le Über­le­gen­heit und Schlag­kraft. So zahm wie die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten sind die Pius­brü­der nicht. Wür­de sie Rom in die katho­li­sche Kir­che ein­glie­dern, wären sie natür­lich eine Bedro­hung für die links­ideo­lo­gisch durch­wirk­te Theo­lo­gie und deren Pasto­ral, die sich nach dem Kon­zil in der Kir­che breit­ge­macht und bis heu­te eine bei­spiel­lo­se Ver­wü­stung ange­rich­tet haben. Die tra­di­tio­nel­le Mes­se lie­ße sich nicht mehr unter dem Deckel hal­ten, wie das vie­ler­orts trotz Eccle­sia Dei und Sum­morum Ponti­fi­cum geschah und seit Tra­di­tio­nis cus­to­des auf päpst­li­che Anord­nung wie­der geschieht. Mit der dem katho­li­schen Volk auf­ge­zwun­ge­nen Mono­kul­tur des Novus ordo wäre es vor­bei. Doch dage­gen stemmt sich die Novo-Ordo-Frak­ti­on vehe­ment. Die Gläu­bi­gen könn­ten ja mit den Füßen abstimmen.

Mit der Qua­li­tät des Kle­rus der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che ver­hält es sich vor­nehm­lich im west­li­chen Kul­tur­kreis ähn­lich wie mit der Qua­li­tät des Per­so­nals im pro­fa­nen poli­ti­schen Bereich. Dem dort zuneh­men­den Man­gel an Bil­dung und per­sön­li­cher Inte­gri­tät ent­spricht beim Kle­rus ein Nie­der­gang des intel­lek­tu­el­len und geist­li­chen Niveaus. Ver­häng­nis­voll ist das ins­be­son­de­re auf der Ebe­ne des höhe­ren und hohen Kle­rus und eben­so beim Spit­zen­per­so­nal in Staat und Poli­tik. Hier wie dort wer­den Schlüs­sel­po­si­tio­nen viel zu oft mit Leu­ten besetzt, die dafür schlicht­weg unge­eig­net sind.

Das Ergeb­nis: Mit Staat und Kir­che geht es rapi­de den Bach run­ter. Dabei beach­te man, daß in bei­den Berei­chen lin­ke Ideo­lo­gen die trei­ben­den Kräf­te des rui­nö­sen Kur­ses sind.

Für einen regel­rech­ten Schub an in man­cher­lei Hin­sicht min­der­qua­li­fi­zier­tem kirch­li­chen Füh­rungs­per­so­nal sorg­te die Ära Fran­zis­kus. An erster Stel­le zu nen­nen ist Jor­ge Mario Berg­o­glio selbst. Er hät­te nie zum Papst gewählt, viel­leicht nicht ein­mal in das Amt eines Bischofs gelan­gen dür­fen. Auch Leu­te wie Fernán­dez, Grech und Paro­lin gehö­ren nicht in kirch­li­che Spit­zen­äm­ter. Sie sind fata­le Fehlbesetzungen.

Daß Leo XIV. auch im zwei­ten Jahr sei­nes Pon­ti­fi­kats an sol­chen Per­so­nen fest­hält, fin­de ich schlimm. Für Zwei­fel an Leo sor­gen bei mir auch sein per­ma­nen­tes, über­schweng­li­ches Lob für sei­nen unmit­tel­ba­ren Vor­gän­ger, des­sen Pon­ti­fi­kat wahr­lich ein kata­stro­pha­les war, sowie sei­ne Bischofs­er­nen­nun­gen, durch die er auf­fal­lend vie­le der Homo-Ideo­lo­gie zuge­ta­ne Män­ner auf Bischofs­stüh­le hievt. War­um reha­bi­li­tiert er nicht lie­ber den durch und durch recht­gläu­bi­gen Bischof Joseph Strick­land, den Papst Fran­zis­kus wegen sei­nes uner­schrocke­nen Ein­tre­tens für urka­tho­li­sche Posi­tio­nen sei­nes Amtes ent­hob? War­um been­det er nicht end­lich den deut­schen Spuk des apo­sta­ti­schen „Syn­oda­len Weges“? War­um über­haupt stoppt er nicht den der Gesamt­kir­che von Fran­zis­kus ver­ord­ne­ten Syn­oda­li­täts­zir­kus, der hin­ter einer Kas­ka­de von Wort­ge­klin­gel die Unter­mi­nie­rung der Catho­li­ca betreibt?

Von daher stellt sich die Fra­ge, ob Pater Robert Pre­vost eine dem Amt des Pap­stes ange­mes­se­ne phi­lo­so­phi­sche und theo­lo­gi­sche Bil­dung und die für die­ses Amt uner­läß­li­che Recht­gläu­big­keit mit­bringt. Er hat in den 1970er Jah­ren in den USA stu­diert. Dort aber war das nach­kon­zi­lia­re Cha­os beson­ders groß. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Teil­kir­che gehör­te zu den Teil­kir­chen mit den schlimm­sten Zustän­den und dem größ­ten Ein­fluß. Fer­ner bin ich kei­nes­wegs sicher, ob Pre­vosts lan­ge Jah­re in Süd­ame­ri­ka sei­ner Katho­li­zi­tät för­der­lich waren. Außer­dem ist er Ordens­mann, und gera­de in den Orden rich­te­te „der Geist des Kon­zils“ ver­hee­ren­de Schä­den an.

Die Geschich­te seit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on lehrt: Wo immer lin­ke Kräf­te die Ober­hand gewin­nen und behal­ten, fol­gen ihren Taten und groß­spu­ri­gen Ver­spre­chen Ernüch­te­rung, Unfrei­heit und Nie­der­gang bis hin zum Zusam­men­bruch. Die nach­kon­zi­lia­re Kir­che ist dabei, das am eige­nen Leib zu erfah­ren. Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ver­tei­dig­ten die katho­li­schen Bastio­nen gegen den umstürz­le­ri­schen Links­ka­tho­li­zis­mus, doch ihr Nach­fol­ger öff­ne­te ihm die Tore. Mit Papst Fran­zis­kus ist der Marsch der „Pro­gres­si­ven“ durch die katho­li­schen Insti­tu­tio­nen ganz oben ange­kom­men. Seit­dem beschleu­nigt sich die Fahrt der Kir­che nach ganz unten. Ein alar­mie­ren­des Bei­spiel dafür ist der bereits erwähn­te „Syn­oda­le Weg“. Eine gro­ße Mehr­heit der deut­schen Bischö­fe hat gemein­sam mit einer Trup­pe von Funk­tio­när­s­ka­tho­li­ken aus dem Lai­en- und dem Kle­ri­ker­stand einen radi­ka­len Pro­zeß ein­ge­lei­tet, der die katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land zur Insti­tu­ti­on einer neo­pro­te­stan­ti­schen, poli­tisch kor­rek­ten Zivil­re­li­gi­on umbaut.

Könn­te in die­ser bri­san­ten Situa­ti­on nicht der Pius­bru­der­schaft die Auf­ga­be zukom­men, die katho­li­sche Kir­che vor dem Schlimm­sten zu bewahren?

Dar­über soll­ten der Papst und sei­ne Bera­ter gründ­lich nach­den­ken, bevor sie gegen die Pius­brü­der die ganz gro­ße Keu­le aus­packen. Als Leit­fa­den kann der schein­bar bana­le Refrain eines ame­ri­ka­ni­schen Rock­klas­si­kers die­nen: „Befo­re you accu­se me, take a look at yours­elf.“ *

Auch die Pius­bru­der­schaft täte gut dar­an, die­se schlich­te Lied­zei­le als Ein­stieg für eine selbst­kri­ti­sche Über­prü­fung ihrer Stand­punk­te und ihres Agie­rens zu nutzen.

*„Bevor du mich anklagst, wirf einen Blick auf dich selbst.“

Cree­dence Cle­ar­wa­ter Revi­val, Cover
Eric Clap­ton, Cover live
Bo Didd­ley, das Original

Bild: Quot­Fan­cy


Von Gott­fried Pasch­ke bis­her ver­öf­fent­lich­te Bei­trä­ge fin­den sich hier.

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