Malteserorden in Lourdes – liturgische Spannungen und kirchenpolitische Nebentöne

Das allgegenwärtige bergoglianische Pontifikat


Kardinal Roche wurde 2023 das Ehren- und Devotions-Großkreuz des Malteserordens verliehen, nun nahm er an der internationalen Wallfahrt des Ordens nach Lourdes teil
Kardinal Roche wurde 2023 das Ehren- und Devotions-Großkreuz des Malteserordens verliehen, nun nahm er an der internationalen Wallfahrt des Ordens nach Lourdes teil

Der Sou­ve­rä­ne Mal­te­ser­or­den führt bis mor­gen sei­ne 68. inter­na­tio­na­le Wall­fahrt nach Lour­des durch. Im Rah­men des Pro­gramms fin­det unter ande­rem ein „inter­na­tio­na­les Pon­ti­fi­kal­amt“ statt, der Kar­di­nal Arthur Roche, Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung im Vati­kan, vor­ste­hen wird.

Der „Vorsteher“ in der Messe

Mit der Lit­ur­gie­re­form nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil und der Ein­füh­rung des Novus Ordo Mis­sae (1970) wur­de die bereits im Kon­zils­do­ku­ment Sacro­sanc­tum con­ci­li­um von 1963 erlaub­te Kon­ze­le­bra­ti­on in der latei­ni­schen Kir­che nor­ma­tiv vor­ge­se­hen und stark geför­dert. Damit ver­än­der­te sich auch die sprach­li­che Beschrei­bung der lit­ur­gi­schen Rollen.

Bis dahin war im römi­schen Sprach­ge­brauch durch­ge­hend vom cele­brans die Rede, also vom Prie­ster, der die Mes­se zele­briert und damit das eucha­ri­sti­sche Gesche­hen voll­zieht. Die­se Ter­mi­no­lo­gie blieb im latei­ni­schen Grund­be­stand der Lit­ur­gie wei­ter­hin bestehen.

Mit der Zulas­sung und För­de­rung der Kon­ze­le­bra­ti­on ergab sich jedoch, kon­kret ab 1970, die Not­wen­dig­keit, inner­halb gemein­sa­mer Fei­ern zwi­schen meh­re­ren Prie­stern zu unter­schei­den. Dabei eta­blier­te sich der Begriff des prae­si­dens (bzw. prae­si­dens lit­ur­giae) für den­je­ni­gen, der der Fei­er vor­steht, wäh­rend die übri­gen Prie­ster als Kon­ze­le­bran­ten bezeich­net werden.

Dabei ging es nicht nur um einen neu­en Begriff, son­dern um eine all­ge­mei­ne­re lit­ur­gie­theo­lo­gi­sche Akzent­ver­schie­bung: die Gemein­de war nun das fei­ern­de Sub­jekt, der Prie­ster ihr Vorsitzender.

In den Volks­spra­chen wur­den die­se Begrif­fe seit den 1970er Jah­ren unter­schied­lich über­setzt. Beson­ders früh setz­te sich im deut­schen Sprach­raum die Bezeich­nung „Vor­ste­her“ (wört­lich „Vor­sit­zen­der“) durch, die das latei­ni­sche prae­si­dens funk­tio­nal wiedergibt.

In Rom setz­te sich die­se Ver­än­de­rung erst unter Papst Fran­zis­kus kon­se­quent durch, ins­be­son­de­re in den letz­ten Jah­ren sei­nes Pon­ti­fi­kats, in denen er selbst nicht mehr zele­brier­te, son­dern sich am Altar durch Kar­di­nä­le ver­tre­ten ließ, sich jedoch als „Vor­ste­her“ ankün­di­gen ließ. Die­se auch optisch unge­wöhn­li­che Situa­ti­on wur­de durch die 1963/​1970 ein­ge­führ­te Kon­ze­le­bra­ti­on ermöglicht.

Kardinal Roche in Lourdes

Die Anwe­sen­heit von Kar­di­nal Roche ist inso­fern bemer­kens­wert, als er in kirch­li­chen Debat­ten seit Jah­ren eine zen­tra­le Rol­le in der Umset­zung der vati­ka­ni­schen Regu­lie­rung der Meß­for­men spielt. Kon­kret setzt er die Lit­ur­gie­re­form von 1970 um, wäh­rend er im Sin­ne von Tra­di­tio­nis cus­to­des die Zele­bra­ti­on des über­lie­fer­ten Ritus torpediert.

Roche selbst betont hin­ge­gen, daß er nur für die kon­se­quen­te Anwen­dung der gel­ten­den lit­ur­gi­schen Nor­men ste­he, wie sie ins­be­son­de­re durch die jün­ge­ren vati­ka­ni­schen Rege­lun­gen zur Meß­ord­nung bekräf­tigt wurden.

Bis mor­gen unter­nimmt der Mal­te­ser­or­den sei­ne 68. Inter­na­tio­na­le Wall­fahrt nach Lour­des. Links im Bild ein Rup­nik-Mosa­ik im Heiligtum

Neu­er­dings gibt es Gerüch­te, die durch sei­ne Anwe­sen­heit in Lour­des neue Nah­rung fin­den, daß Roche näch­ster Kar­di­nal­pa­tron des Mal­te­ser­or­dens wer­den könn­te. Im Herbst 2014 hat­te Papst Fran­zi­kus Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke auf die­sen Posten straf­ver­setzt. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Pur­pur­trä­ger war in der ersten Fami­li­en­syn­ode jenes Jah­res der äuße­re Wort­füh­rer der Ver­tei­di­ger der tra­di­tio­nel­len Ehe- und Moral­leh­re gegen die Plä­ne von Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal Wal­ter Kas­per gewe­sen, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne und ande­re „irre­gu­lä­re Situa­tio­nen“ zum Kom­mu­nion­emp­fang zuzu­las­sen. Fran­zis­kus setz­te Bur­ke als Prä­si­dent des Ober­sten Gerichts­hofs der Apo­sto­li­schen Signa­tur ab und ent­fern­te ihn aus dem Vati­kan, indem er ihn auf den Ehren­po­sten des Kar­di­nal­pa­trons der Mal­te­ste weg­be­för­der­te. Dort unter­stütz­te der Kar­di­nal jedoch den dama­li­gen Für­sten und Groß­mei­ster Fra Matthew Fest­ing gegen zeit­gei­sti­ge Umtrie­be. Fra Fest­ing för­der­te im älte­sten Rit­ter­or­den der Welt auch den über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus. Auch dar­an räch­te sich Fran­zis­kus, indem er den 79. Groß­mei­ster 2017 zum Rück­tritt zwang. Sein Nach­fol­ger, der 2018 bis 2020 regie­ren­de 80. Groß­mei­ster Gia­co­mo dal­la Tor­re del Tem­pio di San­gui­net­to erließ umge­hend ein bis heu­te gül­ti­ges Dekret, das bei allen offi­zi­el­len Zere­mo­nien des Mal­te­ser­or­dens die Zele­bra­ti­on des über­lie­fer­ten Ritus untersagt.

Der Mal­te­ser­or­den selbst befin­det sich seit eini­gen Jah­ren in einer Pha­se inten­si­ver, von Papst Fran­zis­kus ver­od­ne­ter inne­rer Neu­ord­nung. Seit dem berg­o­glia­ni­schen Putsch von 2017 griff der Hei­li­ge Stuhl unter Fran­zis­kus mehr­fach ein, um „Reform­pro­zes­se“ in Gang zu set­zen. Der Orden erhielt in der Fol­ge neue Kon­sti­tu­tio­nen, die sei­ne insti­tu­tio­nel­len Struk­tu­ren enger an die vati­ka­ni­schen Vor­ga­ben binden.

2017 wur­de Kar­di­nal Bur­ke zwar nicht auch als Kar­di­nal­pa­tron abge­setzt, aber den­noch erneut bestraft, indem Fran­zis­kus dem US-Ame­ri­ka­ner die Ver­tre­tung des Hei­li­gen Stuhls beim Mal­te­ser­or­den ent­zog und den dama­li­gen Kuri­en­erz­bi­schof Ange­lo Becciu zum Son­der­de­le­ga­ten ernann­te. Becciu wur­de von Fran­zis­kus 2018 zum Kar­di­nal erho­ben, stürz­te aber 2020 über eine Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on in Lon­don. Das des­halb gegen ihn ein­ge­lei­te­te Gerichts­ver­fah­ren ist noch anhängig.

Schon weni­ge Tage bevor Kar­di­nal Bur­ke Mit­te 2023 sein 75. Lebens­jahr voll­ende­te, ersetz­te ihn Fran­zis­kus unter Ver­weis auf kano­ni­sche Alters­be­schrän­kun­gen als Kar­di­nal­pa­tron durch den Jesui­ten Gian­fran­co Kar­di­nal Ghir­lan­da – der zu dei­sem Zeit­punkt bereits über 80 war. Anfang Juli wird Kar­di­nal Ghir­lan­da sei­nen 83. Geburts­tag bege­hen, wes­halb dem­nächst mit der Neu­er­nen­nung des Kar­di­nal­trons der Mal­te­ser gerech­net wird.

Rupniks Kunst

Die Bil­der von Kar­di­nal Roches Anwe­sen­heit in Lour­des mach­ten einen wei­te­ren Punkt sicht­bar: Die Mosai­ken des Prie­ster­künst­lers und ehe­ma­li­gen Jesui­ten Mar­ko Ivan Rup­nik sind im Mari­en­hei­lig­tum wei­ter­hin sicht­bar. Sie wur­den nicht ent­fernt. Rup­nik wird von einem Dut­zend Ordens­frau­en des sexu­el­len und psy­chi­schen Miß­brauchs beschul­digt. Das römi­schen Ver­fah­ren gegen ihn ist seit Jah­ren anhän­gig, kommt aber auch ein Jahr nach dem Tod von Papst Fran­zis­kus – Rup­niks schüt­zen­de Hand – nicht vom Fleck.

Aus Rück­sicht auf Miß­brauchs­op­fer wur­den ab Juli 2024 die Rup­nik-Mosai­ke in Lour­des nicht mehr beleuch­tet. Im Früh­jahr 2025 wur­den als noch deut­li­che­res Zei­chen jene direkt über den Ein­gangs­to­ren zum Hei­lig­tum über­deckt, aber nicht ent­fernt. Die­se Abdeckun­gen sind noch da, ver­decken aber nur einen klei­nen Teil der Rup­nik-Mosai­ke, was den Ein­griff von Anfang an eher zei­fel­haft erschei­nen ließ. 

Ergeb­nis­se einer damals ein­ge­setz­ten Arbeits­grup­pe, die Vor­schlä­ge erar­bei­ten soll­te, was mit den Mosai­ken gesche­hen sol­le, wur­den bis­her nicht bekannt. Offi­zi­el­le diö­ze­sa­ne Stel­len ver­wei­sen auf lau­fen­de Prüf­pro­zes­se und den Bedarf wei­te­rer Klärung.

Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on hat­te Rup­niks Exkom­mu­ni­ka­ti­on als Tat­stra­fe fest­ge­stellt, doch wur­de sie nie exe­ku­tiert, da Fran­zis­kus sei­nen Ordens­mit­bru­der schütz­te. Erst auf öffent­li­chen Druck hin ord­ne­te er 2023 ein neu­es Ver­fah­ren gegen Rup­nik an, das sich seit­her aber nicht von der Stel­le rührt. 

Kar­di­nal Roche ist einer der bedeu­tend­sten Reprä­sen­tan­ten des berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kats. Fran­zis­kus ernann­te den eng­li­schen Pur­pur­trä­ger 2021, zwei Mona­te vor Erlaß des tra­di­ti­ons­feind­li­chen Motu pro­prio Tra­di­tio­nis cus­to­des, zum Prä­fek­ten des römi­schen Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung.

Ob der Mal­te­ser­or­den, ob Rup­nik und sei­ne Wer­ke, ob Lour­des, ob Kar­di­nal Roche und der über­lie­fer­te Ritus, über­all schei­nen die 13 Jah­re des berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kats gegen­wär­tig zu sein und die Gegen­wart der Kir­che zu belasten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: orderof​mal​ta​.int/​O​r​der de Malte/​Facebook (Screen­shots)

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