La Croix, die Tageszeitung von Bayard Presse, dem Medienhaus des Assumptionistenordens mit besonderer Nähe zur Französischen Bischofskonferenz, veröffentlichte am 25. Februar die Kolumne eines französischen Diözesanpriesters mit einem Lizentiat in Kanonischem Recht zur angekündigten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X., die manche als ermutigendes Zeichen deuten, in jedem Fall aber lesens- und bemerkenswert ist.
„Warum sollte es in der Kirche nicht auch einen Platz für die ‚Tradis‘ geben?“
Von Père Pierre Amar, Priester der Diözese Versailles
Kennen Sie den Instagram-Account „Catholic trash“? Gehen Sie lieber nicht darauf: Er ist wie eine Maschine, die einen direkt in die Arme der Priesterbruderschaft St. Pius X. treibt. Verwaltet von italienischen Katholiken, sammelt er – mit Belegen – Beispiele dafür, wie man in der Liturgie (wirklich) alles noch schlimmer machen kann. Fragwürdige Ikonographien, kitschige Andachtsgegenstände, extreme religiöse Marketingprodukte, grauenhafte Kirchendekorationen, skandalöse Gewänder von Zelebranten … Kurz gesagt: Man findet dort die Verkörperung dessen, was Benedikt XVI. einst beklagte, als er sagte, eine „Kreativität“ habe „oft zu Entstellungen der Liturgie bis an die Grenze des Erträglichen geführt“.
Hier liegt das eigentliche Problem. Denn die von Erzbischof Lefebvre begonnene Bewegung ist nicht aus dem Nichts entstanden: Sie gründet in den Missbräuchen und in der Härte, mit der manche die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil umgesetzt haben. Warum gibt es zum Beispiel in Polen deutlich weniger Priorate der Priesterbruderschaft St. Pius X. als in Frankreich? Weil dort die vom heiligen Papst Paul VI. promulgierte Liturgiereform friedlich durchgeführt wurde, ohne den Willen, alles zu zerstören. So kann man heute in diesem noch immer tiefgläubigen Land die Messe „mit dem Rücken zum Volk“ feiern (etwa in Tschenstochau, dem nationalen Heiligtum), Soutane tragen und einen lateinischen Gesang anstimmen, ohne als Integrist abgestempelt zu werden.
Gewissenserforschung
Und wenn wir mit einer kirchlichen Gewissenserforschung beginnen würden? Gestern wie heute verletzen willkürliche Entstellungen der Liturgie Menschen zutiefst, die im Glauben der Kirche verwurzelt sind. Mit anderen Worten: Sind wir nicht selbst für unser eigenes Unglück mitverantwortlich? Wie Frankenstein haben wir unser eigenes Monster geschaffen. Das Unbehagen ist umso größer, als dieses Geschöpf aus unserer eigenen Familie stammt. Wie einst bei Luther, hervorgebracht durch die korrupten Bischöfe des 16. Jahrhunderts, sind wir auch am Auftreten von Marcel Lefebvre nicht unbeteiligt. Das liturgische Unbehagen der Nachkonzilszeit wurde genährt durch Kleinlichkeiten, Lieblosigkeiten und unglückliche Neuerungen – und auch durch einen „Geist des Konzils“, der schlicht nicht das Konzil war.
Das Ergebnis? Eine Geschichte, von der wir uns nicht lösen können – ein wenig wie das Pflaster von Kapitän Haddock. Und eine schmerzhafte Geschichte, denn es geht nicht mehr nur um die Einheit unter den Christen – was an sich schon ein großes Thema ist –, sondern um die Einheit unter Katholiken.
Gewiss, wie in jeder familiären Auseinandersetzung sind die Schuldanteile geteilt. So sind etwa die jüngsten Äußerungen von Pater Davide Pagliarani, dem Generaloberen der FSSPX, besonders verletzend: „Es ist eine Tatsache: In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern.“ Nach einer solchen Aussage ist man versucht zu sagen, es gebe wirklich nichts mehr zu besprechen und der Bruch sei endgültig.
Das Problem ist jedoch, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht völlig Unrecht hat, wenn sie neben liturgischen Neuerungen auch eine gewisse doktrinelle Verwirrung anprangert, die die Klarheit der Glaubensbotschaft untergräbt. Man gewinnt sogar den Eindruck eines „doppelten Maßstabes“: Warum sollte man gegenüber der Priesterbruderschaft St. Pius X. besonders streng sein, während man – zumindest aus meiner Sicht – eine erstaunliche Geduld gegenüber dem deutschen Synodalen Weg oder der Patriotischen Vereinigung der chinesischen Katholiken zeigt? In einer Zeit, in der nahezu alles akzeptiert wird, warum sollte es da innerhalb der Familie keinen Platz für Brüder und Schwestern geben – gewiss sehr turbulente –, aber eben doch Brüder und Schwestern?
Zwei Wege
Der erste besteht darin, gemeinsam voranzugehen. Könnte man nicht historische Großzügigkeit zeigen und zumindest eine teilweise Integration der Bruderschaft in das Leben der Kirche ermöglichen, ohne die doktrinelle Frage sofort zum ersten und entscheidenden Hindernis zu machen? Ein Bischof bemerkte kürzlich, wie sehr die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass Versöhnungs- und Integrationsprozesse nicht immer mit einer vollständigen doktrinellen Einigung beginnen. Sie können im Gegenteil schrittweise voranschreiten, indem zunächst die sichtbare Gemeinschaft gefördert wird und Raum für einen späteren, ruhigeren und fruchtbareren theologischen Dialog bleibt.
Natürlich nicht um jeden Preis. Und es ist Sache Roms, die Mindestanforderungen festzulegen. Doch ebenso wenig darf man auf den langen Atem und auf die Gnade des Heiligen Geistes verzichten.
Der zweite Weg besteht darin, eine Alternative zu fördern. Das war das kühne Werk Johannes Pauls II., später etwas geschwächt durch Franziskus. Es gibt Orte, an denen die traditionelle Liturgie friedlich und in Gemeinschaft mit dem Bischof gefeiert wird. So etwa in meiner Diözese Versailles – in Ruhe, fernab von Scheinwerfern und Pressemitteilungen. Viele junge Menschen unserer Pfarreien wechseln mit Freude von einem Messbuch zum anderen. Einige entdecken den Glauben sogar durch eine Messe auf Latein. In der Kirche Saint-Georges in der Diözese Lyon, wo täglich die Messe nach dem Ritus des heiligen Pius V. gefeiert wird, gibt es derzeit dreiundsechzig Katechumenen! In manchen Diözesen Frankreichs sind fast die einzigen jungen Priester jene, die die traditionelle lateinische Messe zelebrieren. Diese Realität können wir nicht ignorieren. Ist es nicht an der Zeit, mit dieser traditionalistischen Welt Frieden zu schließen, die das Zweite Vatikanische Konzil annimmt? Und wenn Papst Franziskus selbst sagte, es gebe einen Platz für alle in der Kirche („alle … alle!“), warum dann nicht auch für die „Tradis“?
Denn diese Spaltungen sind verlorene Zeit angesichts der eigentlichen Aufgabe, die seit Pfingsten alle Getauften erwartet: die Evangelisierung.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Les sessions de l’Abbaye/FSSPX.org (Screenshots)
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