Von Caminante Wanderer*
In Kontinuität mit den Lehren von Franziskus beginnt Papst Leo, „Unruhe zu stiften“. Und das auf mehreren Ebenen. Ein Beispiel dafür ist das, was sich in Spanien ereignet hat.
Es ist bekannt, daß er vor einigen Wochen José Kardinal Cobo Cano, den Erzbischof von Madrid, anrief, um ihm mitzuteilen, daß er in diesem Jahr Spanien besuchen wolle. Mit anderen Worten: Er hat sich selbst eingeladen – niemand weiß so recht, warum. Das Problem ist, daß die offizielle Einladung vom Staatsoberhaupt, dem König, sowie vom Regierungschef Pedro Sánchez ausgesprochen werden muß. Der erste wird tun, was man ihm sagt; der zweite jedoch sträubte sich, die Einladung zu unterzeichnen. Genau deshalb sind die Termine des Besuchs bislang nicht bestätigt. Und alle fürchten diesen Besuch – Politiker wie Bischöfe gleichermaßen. Unter anderem würde er mitten in der „Neuinterpretation“ der Valle de los Caídos (des Tals der Gefallenen; ein monumentales Mausoleum mit über 30.000 Gefallenen des Spanischen Bürgerkrieges, beider Seiten, und bis 2019 auf mit dem Grab von General Francisco Franco, der Spanien vor der Volksfront befreite und von 1936 bis 1975 diktatorisch regierte) stattfinden, die ausgerechnet von dem gleichen berüchtigten Kardinal Cobo gutgeheißen und unterzeichnet wurde, indem er sich den Wünschen der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez beugte, ohne überhaupt die Zuständigkeit dafür zu haben, da es sich um eine päpstliche Basilika handelt.
Doch es gibt andere, schwerwiegendere Unruhen, die die Kirche selbst betreffen. In der vergangenen Woche „nahm“ Leo XIV. ohne vorheriges Verfahren den Rücktritt eines jungen Bischofs aus Indonesien an [Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo], den Franziskus zum Kardinal ernannt hatte. Die Furcht vor der Ordnung, die der Pontifex zu Beginn des Jahres offenbar im weltweiten Episkopat durchsetzt, beginnt sich nun auch der Argentinischen Bischofskonferenz zu bemächtigen – einer Institution, in der viele Töpfe brodeln und zahlreiche Leichen in Schränken liegen, die man für unantastbar hielt. Es sind Leichen, die Leo sehr gut kennt, denn er war Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe.
Das eigentliche Entsetzen des argentinischen Episkopats trat jedoch am Donnerstag, dem 22. Januar, also erst vor wenigen Tagen, ein, als das Tagesbulletin des Heiligen Stuhls bekanntgab, daß der Papst Msgr. Óscar Sarlinga, emeritierter Bischof von Zárate-Campana, in Audienz empfangen habe – jenen ersten der die „Barmherzigkeit“ von Franziskus zu spüren bekam, der sich auf diese Weise an einem persönlichen Haß schadlos hielt, den er jahrelang in seinem „barmherzigen“ Herzen eingesperrt hatte. Die Frage drängt sich geradezu auf: Aus welchem Grund gewährt der Heilige Vater einem emeritierten Bischof eine Audienz, der vollkommen vergessen und aus allen aktuellen bischöflichen Kreisen verschwunden ist? Sicherlich nicht, um gemeinsam ein Mate zu trinken.
Daß Msgr. Sarlinga erneut mit dem Zentrum der kirchlichen Macht in Verbindung gebracht wird, sorgt für Unruhe. Für viel Unruhe. In den vatikanischen Gängen und im Sitz der Argentinischen Bischofskonferenz ist von alten Akten die Rede, die wieder hervorgeholt werden, von Namen, die genau in dem Moment wieder auftauchen, in dem das neue Pontifikat beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen; in dem Leo beginnt, Unruhe zu stiften.
In diesem Zusammenhang nährten zwei eher nebensächliche – aber suggestive – Fakten die bischöfliche Besorgnis. Einerseits die diskrete Versetzung des argentinischen Apostolischen Nuntius, der ohne Nachfolger blieb (auf Wunsch der Führungsspitze der Bischofskonferenz); andererseits die Annahme des vorzeitigen Rücktritts des indonesischen Bischofs, den wir oben erwähnt haben. Für keines davon gibt es eine öffentliche Erklärung. Aber in Rom kommen Erklärungen ohnehin nie zuerst.
Und im Zentrum dieses Klimas steht Msgr. Sarlinga: der Bischof, der vorzeitig gegangen wurde, der nie ganz gesprochen hat und der nun wieder dort auftaucht, wo Entscheidungen Gewicht haben. Für manche ist es ein bloßer Zufall. Für andere ein Zeichen dafür, daß die jüngste Vergangenheit der argentinischen Kirche ihre Rechnungen noch nicht vollständig beglichen hat.
„Im Vatikan taucht niemand aus Versehen wieder auf“, murmelt ein erfahrener Beobachter der Kurie. Währenddessen hält das offizielle Schweigen an. Doch die implizite Botschaft verbreitet sich mit Nachdruck: Etwas ist in Bewegung geraten, und der Name Óscar Sarlinga steht wieder geschrieben – wenn auch nur mit Bleistift – am Rand der Macht.
*Caminante Wanderer ist ein argentinischer Philosoph und Blogger.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Caminante Wanderer
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