Der albanische Kardinal Ernest Simoni steht exemplarisch für ein Christentum, das sich nicht im Diskurs erschöpft, sondern aus erlittenem Zeugnis lebt. Am gestrigen 27. April wurde er von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen. Kardinal Simoni ist Mahner, Zeitzeuge – und Symbolfigur einer leidensgeprägten Glaubenstreue.
Ein Leben unter Verfolgung
Kardinal Simonis Biographie ist untrennbar mit der kommunistischen Diktatur in Albanien verbunden. 1963 verhaftet, zunächst zum Tode verurteilt und schließlich zu jahrzehntelanger Zwangsarbeit verurteilt, verbrachte er insgesamt mehr als 25 Jahre unter härtesten Bedingungen. Dennoch setzte er sein priesterliches Wirken im Untergrund fort. Erst 1991, mit dem Ende des Regimes, konnte er wieder frei als Priester wirken.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte sein Schicksal durch Papst Franziskus, der 2014 während seiner Albanienreise auf Simonis Zeugnis reagierte und ihn später als „lebenden Märtyrer“ bezeichnete. Die Kardinalserhebung des damals bereits 88jährigen im Jahr 2016 war weniger eine Auszeichnung im üblichen Sinn als vielmehr eine kirchliche Anerkennung dieses außergewöhnlichen Lebenszeugnisses.
Auftritt im Petersdom: Exorzismus und Traditionsbezug
Bei einer am 25. Oktober 2025 von Kardinal Raymond Burke zelebrierten Heiligen Messe im Petersdom – einem Pontifikalamt im überlieferten Römischen Ritus – nahm auch Kardinal Simoni teil. Am Ende der Zelebration sprach er öffentlich einen Exorzismus, konkret eine Fassung des traditionellen Gebets gegen Satan, das auf Papst Leo XIII. zurückgeht.
Dieser Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen verwies er auf eine Dimension des katholischen Glaubens, die in der modernen Öffentlichkeit oft marginalisiert wird: die Realität des Bösen und die liturgische Antwort darauf. Zum anderen zeigte er, daß Simoni nicht nur als historischer Zeuge wahrgenommen wird, sondern auch als jemand, dem eine besondere geistliche Autorität zugeschrieben wird.

Der Gesamteindruck war – ohne daß dies ausdrücklich erwähnt wurde –, als habe Kardinal Simoni gleichsam eine Exorzierung des Petersdoms vorgenommen, was wenige Monate nach dem Tod von Papst Franziskus einigen Spielraum an Interpretationen läßt.
Der Kardinal aus Albanien, heute 97 Jahre alt, bekannte sich zugleich zum sogenannten usus antiquior und der größeren innerkirchlichen Bewegung für die Bewahrung des liturgischen Erbes.
Audienz als geistliches Signal
Vor diesem Hintergrund erhält auch die jüngste Begegnung mit Papst Leo XIV. ihr Gewicht. Kardinal Simoni, der den Papst zusammen mit 40 Angehörigen seiner Familien besuchen durfte, sprach von „Freude und Hoffnung“, die die Audienz geprägt hätten, und deutete sie als Gnade, gemeinsam die Botschaft von Frieden und Auferstehung zu bezeugen. Frieden sei kein politisches Projekt, sondern eine „vom Himmel kommende“ Wirklichkeit, so der Kardinal.
Das Geschenk, das Kardinal Simoni dem Papst überreichte – ein Kreuz und eine Reliquie albanischer Märtyrer –, fügt sich in diese Perspektive ein. Es verweist auf die Opfer der Vergangenheit und stellt zugleich die Frage nach der Gegenwart: Wie präsent ist das Bewußtsein für Verfolgung und Glaubenstreue heute noch?
Kontinuität des Zeugnisses
Ob bei der Audienz im Vatikan oder bei seinem Auftritt im Petersdom – Kardinal Simonis Botschaft bleibt konsistent. Sie kreist um Treue, Opfer und die unerschütterliche Hoffnung auf die Auferstehung. Dabei wirkt seine Präsenz wie die eines lebendigen Erinnerungsortes.
Kardinal Simoni verkörpert eine Kirche, die nicht aus Strukturen, sondern aus den Sakramenten und dem treuen Zeugnis lebt – Erfahrungen von Verfolgung, Standhaftigkeit und einem Glauben, der sich gerade im Leiden bewährt hat.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia(Messa in Latino (Screenshots)
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