Der sogenannte „christliche Zionismus“ ist ein Phänomen, das bis zum Angriff der USA und Israels auf den Iran der breiten Öffentlichkeit in Europa unbekannt war. Aufmerksame Beobachter wußten freilich schon länger um seine Existenz. Auf den ersten Blick erscheint diese Strömung ie eine bloße politische Sympathiebewegung, bei näherer Betrachtung offenbart sie sich jedoch als eine eigentümliche Verbindung von Theologie, Endzeiterwartung und geopolitischer Strategie. Seine wachsende Bedeutung – insbesondere im angelsächsischen Raum – macht es notwendig, seine Grundlagen, seine Entwicklung und seine inneren Widersprüche genauer zu beleuchten.
Dabei ist aus katholischer Sicht eine grundsätzliche Vorbemerkung unerläßlich: Der christliche Zionismus stellt nicht bloß eine problematische Frömmigkeitsrichtung oder eine politisch einseitige Haltung dar, sondern berührt den Kern der Glaubenslehre selbst. Insofern ist er – in seinen zentralen Aussagen – als eine Häresie zu bezeichnen, da er wesentliche Inhalte der christlichen Heilsgeschichte verfälscht und in unzulässiger Weise politisiert.
Begriff und Selbstverständnis des christlichen Zionismus
Unter christlichem Zionismus versteht man jene religiös motivierte Haltung, die den Staat Israel nicht nur politisch unterstützt, sondern ihm eine besondere Rolle im Heilsplan Gottes zuschreibt. Diese Überzeugung speist sich aus einer sehr spezifischen, einseitigen Auslegung biblischer Texte, vor allem der prophetischen Bücher des Alten Testaments sowie apokalyptischer Passagen des Neuen Testaments.
Nach dieser Sichtweise ist die Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel kein historischer Zufall, sondern die sichtbare Erfüllung göttlicher Verheißungen. Der moderne Staat Israel erscheint somit als ein heilsgeschichtliches Zeichen, ja als notwendige Voraussetzung für das Eintreten endzeitlicher Ereignisse. Diese Deutung ist eng verbunden mit der Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi und einem dramatischen Endzeitgeschehen, das sich – so die Überzeugung – wesentlich im Nahen Osten abspielen wird.
Historische Wurzeln des christlichen Zionismus
Die ideellen Grundlagen des christlichen Zionismus reichen bis in die frühe Neuzeit zurück. Sie sind in ihrer Entstehung ein Produkt der Reformation. Insbesondere im englischen Puritanismus und später im Pietismus entwickelten sich Vorstellungen, wonach die „Sammlung Israels“ im Heiligen Land ein entscheidender Schritt im göttlichen Heilsplan sei.
Diese frühen Strömungen verbanden eine intensive, oft wörtliche Bibellektüre mit einer ausgeprägten Endzeiterwartung. Die Geschichte wurde als Abfolge göttlich gelenkter Epochen verstanden, an deren Ende eine dramatische Zuspitzung stehen sollte. Bereits hier zeigt sich ein Denkmuster, das später für den christlichen Zionismus prägend werden sollte: die enge Verknüpfung aktueller politischer Ereignisse mit biblischen Prophezeiungen.
Ende des 19. Jahrhunderts traten erste konkrete Verbindungen zwischen christlichen Unterstützern und dem entstehenden politischen Zionismus hinzu. Einzelne protestantische Kreise begannen, die jüdische Rückkehr nach Palästina aktiv zu fördern – nicht zuletzt, weil sie darin eine Bestätigung ihrer theologischen Erwartungen sahen.
Vor dem Hintergrund der Schwäche des Osmanischen Reiches wurde das Heilige Land im 19. Jahrhundert für europäische Christen zunehmend leichter zugänglich. Diese Entwicklung stand zunächst noch in einem völlig christlich geprägten Kontext, in dem Pilgerwesen und religiös motivierte Interessen dominierten. Gleiches galt parallel für jüdisch-religiöse Bestrebungen durch kleine Ansiedlungen in Palästina.
Im weiteren Verlauf verbanden sich diese Vorstellungen jedoch mit dem aufkommenden Zionismus als politischer, laizistischer Idee, die Theodor Herzl formulierte. Dieser entwickelte den Zionismus als bewußter Kopie der nationalstaatlichen Denkmodelle des späten europäischen 19. Jahrhunderts, insbesondere des Deutschnationalismus, dem er selbst bis zu seinem Ausschluß – weil Jude – angehört hatte.
Die Herausbildung des christlichen Zionismus als Bewegung
Trotz dieser protestantischen Vorläufer ist der christliche Zionismus in seiner heutigen Gestalt erst ein Produkt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Entscheidende Impulse gingen von drei Entwicklungen aus.
Erstens wurde die Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 von vielen protestantischen Christen als spektakuläre Bestätigung biblischer Verheißungen interpretiert. Was zuvor als ferne Hoffnung erschien, schien nun konkrete historische Gestalt anzunehmen.
Zweitens – als Voraussetzung für erstens – erlebten die evangelikalen Bewegungen in den USA seit den 1940er Jahren einen erheblichen Aufschwung. Mit dem Ausbau eigener Medienstrukturen – insbesondere durch Radio und Fernsehen – entstand eine neue Form religiöser Massenkommunikation, wie sie die Welt bis dahin nicht gekannt hatte. Prediger erreichten Millionenpublika und prägten deren Weltbild nachhaltig.
Drittens – und dies stellt den eigentlichen Wendepunkt dar – wirkte der Sechstagekrieg des Jahres 1967 wie ein Katalysator. Israel ging weitgehend aus eigener Kraft (Frankreich war damals der wichtigste Waffenlieferant, nicht die USA) als militärischer und politischer Sieger hervor. Die zionistischen Kräfte in Israel und weltweit erkannten jedoch die Notwendigkeit, Unterstützung und Verbündete zu suchen und initiierten breitangelegte, vor allem indirekte Kampagnen in der westlichen Welt. Die Hauptkonzentration lag dabei auf den USA. Dort trafen sie auf erstarkte evangelikale Kreise, die die militärischen Erfolge Israels, insbesondere die Einnahme Ost-Jerusalems, als unmittelbares Eingreifen Gottes deuteten. Die Ereignisse schienen, aus ihrer Sicht, die biblischen Prophezeiungen nicht nur zu bestätigen, sondern geradezu vor den Augen der Zeitgenossen zu erfüllen.
Erst von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich der christliche Zionismus zu einer breiten, mobilisierungsfähigen protestantischen Bewegung mit erheblicher politischer Reichweite.
Netzwerke, Akteure und mediale Verbreitung
Seit dem Ende der 1960er Jahre entstand ein dichtes Geflecht aus Predigern, Organisationen, Medien und politischen Akteuren, das den christlichen Zionismus nachhaltig prägte.
Im Zentrum standen charismatische evangelikale Prediger, die ihre Botschaften über Massenmedien verbreiteten. Bücher mit endzeitlichen Szenarien erreichten Millionenauflagen, religiöse Fernsehsender gewannen stetig an Einfluß. Parallel dazu entstanden Organisationen, die sich ausdrücklich der Unterstützung Israels verschrieben und zugleich als Schnittstelle zur Politik fungierten.
Diese Strukturen waren keineswegs nur religiös, sondern von Anfang an auch politisch und strategisch ausgerichtet. Sie ermöglichten die Bündelung finanzieller Ressourcen, die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung und die Mobilisierung großer Wählergruppen.
Im Zusammenhang mit der Wahl von Ronald Reagen 1980 zum US-Präsidenten wurde erstmals von einem entscheidenden Beitrag evangelikaler Kreise gesprochen – und damit auch des christlichen Zionismus, obwohl dieser Umstand damals noch wenig öffentliche Beachtung fand.
Ursachen und Hintergründe
Die Attraktivität des christlichen Zionismus läßt sich nur verstehen, wenn man seine religiösen, psychologischen und politischen Dimensionen gemeinsam betrachtet.
Religiös bietet er eine scheinbar klare Deutung der Geschichte: Komplexe geopolitische Entwicklungen werden in ein überschaubares Schema göttlicher Vorsehung eingeordnet. Für viele Gläubige entsteht dadurch ein Gefühl von Gewißheit und Orientierung.
Psychologisch kommt hinzu, daß endzeitliche Szenarien offenbar eine besondere Faszination ausüben und im evangelikalen Bereich eine wichtige Rolle spielen. Sie verdichten die Geschichte zu einem dramatischen Geschehen mit klaren Fronten und eindeutigen Rollenverteilungen. Das Gut-Böse-Schema ist eindeutig. Dieses alttestamentlich geprägte Denken bestimmter, vor allem englischer Protestanten, die als sogenannte Dissenters (Abweichler) nach Nordamerika auswanderten, prägen dort bis heute das kollektive christliche Grundverständnis.
Politisch schließlich eröffnete sich nach 1967 ein Feld gegenseitiger Interessen. Israelische Akteure erkannten früh das Potential evangelikaler Unterstützung in den USA – sowohl finanziell als auch politisch. Umgekehrt fanden evangelikale Gruppen in der Unterstützung Israels ein konkretes Betätigungsfeld für ihre theologischen Überzeugungen und endzeitlichen Projektionen.
Es wäre also verkürzt, hier nur von einer einseitigen zionistischen „Instrumentalisierung“ der US-Evangelikalen zu sprechen. Vielmehr entwickelte sich eine wechselseitige Beziehung, in der religiöse Überzeugung und politische Strategie ineinandergreifen. Es entwickelte sich ein gemeinsames Ziel, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven.
Einfluß auf die Politik der USA
Der politische Einfluß des christlichen Zionismus, insbesondere in den USA, ist kaum zu überschätzen. Evangelikale Christen stellen eine bedeutende Wählergruppe dar, deren außenpolitische Präferenzen – vor allem in bezug auf Israel – von politischen Entscheidungsträgern nicht ignoriert werden können.
Hinzukommt die Lobbyarbeit zionistischer politischer Gruppen, allen voran des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), einer 1954 gegründeten Lobby-Organisation, die den Wahlkampf einer großen Mehrheit der US-Senatoren und der Abgeordneten des Repräsentantenhauses finanziell unterstützt.
Was in den späten 1960er Jahren entstand, entwickelte sich weiter, verdichtete sich nicht nur, sondern radikalisierte sich auch. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden enge Verbindungen zwischen religiösen Führern und politischen Eliten. Unterstützung für Israel wurde zu einem festen Bestandteil konservativer Politik, wobei religiöse Motive und strategische Interessen oft untrennbar miteinander verschmolzen. Es enstanden geradezu Formen mit Absolutheitsanspruch.
Die Frage, ob dieser Einfluß von Anfang an intendiert war oder sich erst später entwickelte, läßt sich nicht eindeutig beantworten. Von zionistischer Seite ist die Frage klar. Vieles spricht dafür, daß auf protestantischer Seite ursprünglich theologische Überzeugungen im Vordergrund standen, die jedoch im Laufe der Zeit zunehmend politisch kanalisiert und bewußt genutzt wurden.
Die besondere Rolle der US-Evangelikalen
Daß der christliche Zionismus gerade in den USA eine so große Resonanz fand, ist kein Zufall. Mehrere Faktoren wirken hier zusammen.
Zum einen begünstigt die in evangelikalen Kreisen verbreitete wörtliche Bibelauslegung eine direkte Übertragung biblischer Aussagen auf gegenwärtige politische Ereignisse. Zum anderen spielt der sogenannte Dispensationalismus eine zentrale Rolle, der Israel eine bleibende heilsgeschichtliche Sonderstellung zuschreibt.
Hinzu kommt eine ausgeprägte Endzeiterwartung, die konkrete historische Entwicklungen als Vorboten der Wiederkunft Christi interpretiert. Schließlich bietet die US-amerikanische Religionslandschaft mit ihrer engen Verbindung von Glauben, Medien und Politik einen besonders fruchtbaren Boden für solche Bewegungen.
Zu den bedenklichen Folgen des christlichen Zionismus gehören legislative Maßnahmen zur Einschränkung der Meinungsfreiheit. So verabschiedete der US-Congreß einen Antrag, der Anti-Zionismus mit Antisemitismus gleichsetzt und strafbewehrt. Ähnliche Bestrebungen gibt es seither in Europa.
Theologische Bewertung aus katholischer Sicht: Der häretische Charakter
Aus katholischer Sicht wirft der christliche Zionismus nicht nur einzelne Schwierigkeiten auf, sondern berührt fundamentale Glaubenswahrheiten. Gerade darin liegt sein häretischer Charakter.
Zunächst widerspricht die dem christlichen Zionismus eigene Vorstellung einer fortdauernden heilsgeschichtlichen Sonderstellung eines ethnischen, gar rassisch definierten irdischen Volkes dem katholischen Verständnis der Kirche als des neuen und universalen Gottesvolkes. Mit Christus ist der Alte Bund in seiner heilsgeschichtlichen Funktion erfüllt; eine Rückkehr zu territorial gebundenen Heilsvorstellungen stellt eine theologische Regression dar.
Jeder Rückgriff auf das Alte Tesamtent, auf judaisierende Formen oder gar eine spzielle Auserwähltsheits-Vorstellungen des heutigen jüdischen Volkes ist auch katholischer Schritt ein schwerwiegender Rückschritt in vorschrictliche Zeit und damit eine offene Häresie.
Ferner liegt eine Verwechslung von Heilsgeschichte und Weltgeschichte vor. Politische Ereignisse werden unmittelbar als Handlungen Gottes interpretiert, ohne die notwendige theologische Unterscheidung zu wahren. Dies führt zu einer Sakralisierung des Politischen, die dem christlichen Glauben wesensfremd ist.
Auch die Eschatologie wird in unzulässiger Weise verengt. An die Stelle der von der Kirche gelehrten Hoffnung tritt ein System spekulativer Endzeitszenarien, das konkrete historische Abläufe vorwegnehmen will und dabei den freien Ratschluß Gottes funktionalisiert.
Mit dem katholischen Kultus kollidiert die dem christlichen Zionismus eigene Zielsetzung frontal, an der Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempels mitzuwirken und insbesondere die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Nach katholischem Verständnis ist der Jerusalemer Tempelkult jedoch mit dem Kreuzestod Jesu Christi endgültig zu seinem Ende gekommen. Diese Vollendung wird in der Überlieferung symbolisch darin sichtbar, daß beim Tod Jesu am Kreuz der Tempelvorhang zerriß und damit offenbar wurde, daß das Allerheiligste des Tempels leer war.

Schon der zweite Jerusalemer Tempel kann in dieser Perspektive lediglich als eine nachgeordnete, letztlich unvollkommene Kultgestalt verstanden werden. Der wahre Kultus hingegen wurde durch Christus selbst am Abend vor seinem Leiden eingesetzt und findet seine bleibende Verwirklichung im Meßopfer der Kirche.
Vor diesem Hintergrund erscheint der Versuch, den Jerusalemer Tempel im alttestamentlichen Sinn wiederaufzurichten, aus katholischer Sicht als ein Bruch mit dem christlichen Glaubensverständnis. Wer ein solches Ziel theologisch bejaht, kann im strengen Sinn aus katholischer Sicht nicht mehr als Christ gelten. Hier und in anderen Bereichen begibt sich der christliche Zionismus auf blasphemisches Terrain.
Daran zeigt sich zugleich, in welchem Maß sich Teile des evangelikalen Zionismus durch eine nahezu absolute Identifikation mit dem modernen Staat Israel – einem Staat, der historisch erst wenige Jahrzehnte besteht und dessen politische Ordnung wesentlich von laizistischen Voraussetzungen geprägt ist – vom klassischen christlichen Glaubensverständnis entfernt haben.
Besonders problematisch ist in diesem Kontext auch die implizite Instrumentalisierung des Judentums. In vielen Varianten des christlichen Zionismus wird das jüdische Volk in ein vorgezeichnetes endzeitliches Drama eingespannt, dessen Ausgang bereits festgelegt ist. Damit wird es nicht um seiner selbst willen geachtet, sondern zu einem Mittel innerhalb eines theologischen Systems gemacht.
In der Summe zeigt sich, daß der christliche Zionismus wesentliche Elemente der christlichen Offenbarung verzerrt. Er stellt daher nicht lediglich eine theologische Randmeinung dar, sondern ist in seinem Kern mit der katholischen Glaubenslehre unvereinbar und als Häresie zu qualifizieren.
Die dem christlichen Zionismus implizite Häresie paralleler Heilswege – eines christlichen und eines weiterhin eigenständig gültigen „alttestamentlich-jüdischen“ Heilswegs – ist aus katholischer Sicht nicht vereinbar mit der Glaubenslehre, wenngleich er in den vergangenen Jahrzehnten teilweise auch in innerkirchliche Debatten hineingetragen wurde. Kritiker sehen darin eine direkte und indirekte Rückwirkung der oben genannten zionistischen Kampagnen und auch bestimmter evangelikaler, zionistisch geprägter Theologien auf katholische Denkfiguren, insbesondere im Kontext des interreligiösen Dialogs.
Die katholische Kirche hält demgegenüber eindeutig an der Einzigkeit des Heils in Jesus Christus fest. Nach ihrem Verständnis ist Jesus Christus der universale Mittler des Heils, und es gibt keinen von ihm unabhängigen Heilsweg. Zugleich existiert seit Jesus Christus ein „Neues Israel“, das nicht ethnisch oder politisch, sondern sakramental zu verstehen ist: als das Volk Gottes aus Juden und Heiden, das durch die Taufe in der Kirche Christi zur Einheit berufen ist.
Die heutigen Juden folgen der Tradition, die Jesus durch die Römer ans Kreuz schlagen ließen und der im Talmud, ebenso wie seine Mutter, die Jungfrau Maria, und die Apostel auf die schändlichste und grausamste Weise diskreditiert werden.
Wie jedem Menschen steht aber auch ihnen der Weg zum Heil offen, durch die Taufe.
Schlußbemerkung
Der christliche Zionismus ist ein Produkt moderner Religionsgeschichte, das alte Deutungsmuster mit neuen medialen und politischen Möglichkeiten verbindet. Seine Wirkungskraft beruht gerade auf dieser Verbindung von Glaubensüberzeugung, emotionaler Mobilisierung und strategischer Organisation. Charakteristisch ist dabei eine enge politische Verflechtung, die in aktuellen internationalen Krisenlagen besonders deutlich hervortritt.
In diesem Kontext wird auch die Rolle politischer Entscheidungsträger in den USA diskutiert, die sich im Umfeld evangelikaler und christlich-zionistischer Akteure bewegen. Dabei entsteht in Teilen der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck einer Verschiebung politischer Prioritäten, die im Spannungsfeld zwischen innenpolitischen Leitmotiven und außenpolitischen Bindungen steht.
Konkret zeigt sich dies an US-Präsident Donald Trump, der mit der Aussage America First die Wahlen gewann, während ihm nun enttäuschte Wähler vorwerfen, in Wirklichkeit eine Israel-First-Politik zu betreiben.
Gerade in einer emotional, politisch wie religiös hoch aufgeladenen Situation ist eine nüchterne Analyse notwendig. Sie ist erforderlich, um die aus katholischer Sicht irrigen Grundannahmen des christlichen Zionismus klar zu benennen und zugleich zu vermeiden, daß in der öffentlichen Debatte das Christentum insgesamt in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch den stark missionarischen Charakter tragen evangelikale zionistische Gruppen diese Ideologie in alle Welt hinaus.
Die nüchterne Analyse zeigt, daß es sich beim christlichen Zionismus nicht lediglich um eine Form religiöser Solidarität handelt, sondern um ein komplexes ideologisches Gefüge – eines, das aus katholischer Sicht nicht nur kritisch zu beurteilen, sondern in seinen grundlegenden Irrtümern zurückzuweisen ist.
Ein größerer Ausschnitt des Sonntagsgottesdienstes von John Hagee am Tag nach dem Beginn des Angriffs auf den Iran.
Zu den Kuriositäten gehört auch die evangelikale Predigerin Paula White, Trumps „geistlicher Beistand“ und bekannte christliche Zionistin. Das Video zeigt White bei einem „Exorzismus“.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/Youtube (Screenshots)
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