Die Audienz von Papst Leo XIV für die Spitze der Internationalen Exorzistenvereinigung hat in den vergangenen Tagen ein erhebliches Medienecho ausgelöst – allerdings nicht immer ein zutreffendes. Während säkulare Berichterstattung teils zur Überzeichnung oder gar zur Lächerlichmachung neigte, erlaubt ein kurzes Interview der Nuova Bussola Quotidiana mit dem stellvertretenden Vorsitzender der Vereinigung, dem italienischen Priester Francesco Bamonte, eine nüchterne Einordnung der Inhalte und Anliegen dieser Audienz.
Im Zentrum des Gesprächs stand nach Angaben Don Bamontes eine Entwicklung, die innerhalb der Kirche zunehmend als pastorale Herausforderung wahrgenommen wird: die wachsende Zahl von Menschen, die sich okkulten Gruppierungen, esoterischen Zirkeln oder neopaganen Praktiken zuwenden und infolgedessen – so die kirchliche Deutung – unter „außergewöhnlichen Einwirkungen des Bösen“ leiden. Anders als oft angenommen, handelt es sich dabei nicht um isolierte Einzelfälle. Vielmehr ist ein breiteres, gesellschaftlich diffuses Phänomen zu beobachten, das durch digitale Medien erheblich begünstigt wird. So erleichtern soziale Netzwerke, aber auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, den Zugang zu entsprechenden Inhalten und Praktiken; bereits ein gewöhnliches Smartphone genügt, um mit solchen Angeboten in Berührung zu kommen.
Ein weiterer Schwerpunkt betraf die Ausbildung künftiger Priester. Nach Einschätzung Don Bamontes ist die Auseinandersetzung mit Dämonologie und Exorzismus in vielen Priesterseminaren und theologischen Fakultäten nur unzureichend verankert. Zwar tauchen entsprechende Themen in verschiedenen Disziplinen – etwa der Dogmatik, der biblischen Exegese oder der Religionsgeschichte – auf, doch fehlt häufig eine systematische pastorale Vorbereitung und die nötige Vertieferung, um die ganze Dimension zu erfassen. Allerdings gebe es seit einigen Jahren Anzeichen für ein Umdenken: In mehreren Seminaren werden regelmäßige Begegnungen mit erfahrenen Exorzisten organisiert, um angehenden Priestern einen realistischen Einblick in dieses spezielle kirchliche Amt zu vermitteln. Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen speziell beauftragten Exorzisten und der übrigen Geistlichkeit – zum Nutzen der Gläubigen, die sich in entsprechenden Notsituationen an die Kirche wenden.
Auch die religiöse Bildung der Laien wurde thematisiert. Don Bamonte plädiert dafür, grundlegende Kenntnisse über das Thema in den Pfarreien zu vermitteln, etwa im Rahmen qualifizierter Katechese. Voraussetzung dafür ist jedoch die Bereitschaft der Pfarrer, sich der Thematik anzunehmen. Zugleich ist unter den Gläubigen selbst ein wachsendes Interesse an verläßlicher Information festzustellen. Die Internationale Exorzistenvereinigung bemüht sich nach eigenen Angaben, diesem Bedarf nachzukommen – etwa durch ihre Online-Präsenz, durch Radiosendungen sowie durch Vorträge in Gemeinden.
Was die spezifische Ausbildung von Exorzisten betrifft, verweist Don Bamonte auf ein inzwischen global ausgebautes Fortbildungsangebot. Die Vereinigung organisiert jährlich Konferenzen, Grundkurse und Weiterbildungen auf mehreren Kontinenten. Die steigende Nachfrage – sowohl in Europa als auch international – wertet man als Bestätigung der eigenen Arbeit. Ergänzend dazu wirken Mitglieder der Vereinigung als Dozenten in einem spezialisierten Kurs über den Exorzismusdienst, der am Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum in Rom in Zusammenarbeit mit dem Forschungsnetzwerk GRIS angeboten wird.
Abschließend ging Don Bamonte auch auf die symbolische Dimension des neuen Pontifikats ein. Die Wahl von Papst Leo XIV. fiel auf den Gedenktag einer Erscheinung des Erzengels Michael auf der süditalienischen Halbinsel Gargano – ein Datum, das in der kirchlichen Tradition mit dem Kampf gegen das Böse verbunden ist. Zudem knüpft der gewählte Name an Papst Leo XIII. an, der für das allgemein bekannteste Exorzismusgebet steht.
In der Audienz selbst, so Don Bamonte, habe der Papst die Delegation aufmerksam und wohlwollend empfangen. Zum Abschluß überreichten die Exorzisten ihm ein Metallbild des Erzengels Michael aus dem Heiligtum von Monte Sant’Angelo auf dem Gargano und versicherten ihm ihre Gebete – insbesondere die Fürsprache des Erzengels und der Gottesmutter – für sein Amt als oberster Hirte der Kirche.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia (Screenshot)
Hinterlasse jetzt einen Kommentar