In Kanada stehen Organisationen wie Dying With Dignity Canada zunehmend im Fokus ethischer Kritik, da sie finanziell von der schleichenden Ausweitung der Euthanasie profitieren. Während in vielen gesellschaftlichen Bereichen eine grundlegende moralische Regel gilt – daß man nicht aus eigenem Vorteil Entscheidungen vorantreibt – scheint dies im Bereich der Euthanasie, Sterbehilfe genannt, kaum Beachtung zu finden. In der Medizin, bei Richtern oder Aufsichtsbehörden würde ein direkter finanzieller Nutzen von Entscheidungen sofort als Interessenkonflikt gewertet. Im Bereich der Sterbehilfe jedoch wird eine solche Verbindung nahezu unhinterfragt toleriert.
Die Organisation, die sich offiziell für „Wahlfreiheit“ und „Würde“ einsetzt, besitzt Millionenvermögen, investiert erhebliche Summen und gibt allein für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit hunderttausende Dollar aus. Dieses Vorgehen geht weit über reine Aufklärungsarbeit hinaus und verfolgte die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung, um die Akzeptanz von Euthanasie zu erhöhen. In diesem Zusammenhang wird der Tod zunehmend zu einem vermarkteten Produkt und die vermeintliche „Würde“ zur Marke.
Besonders betroffen sind dabei vulnerable Gruppen: ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Belastungen und sozial isolierte Personen. Gerade diese sind oft nicht in der Lage, subtilen gesellschaftlichen oder medialen Druck abzuwehren, und geraten dadurch in eine Lage, in der sie die eigene Existenz als Belastung wahrnehmen.
Hinzu kommt die enge Verzahnung zwischen Euthanasie-Lobbyisten und Institutionen wie der Canadian Association of MAiD Assessors and Providers (CAMAP), die Ärzte ausbildet und die Standards für assistierten Suizid mitgestaltet. Ein derartiges Zusammenspiel von Ausbildung, Regelsetzung und Lobbyismus verstärkt die Expansion der Euthanasie und führt zu einem geschlossenen System, in dem ethische Zurückhaltung zunehmend in den Hintergrund tritt.
Seit der Legalisierung der ärztlich assistierten Sterbehilfe unter Premierminister Justin Trudeau und seiner Liberalen Partei (die in Europa einer sozialistischen oder sozialdemokratischen Partei entspricht) im Jahr 2016 wurden in Kanada mehr als 75.000 Menschen durch MAiD getötet. Im Jahr 2024 entfielen bereits 5,1 Prozent aller Todesfälle in Kanada auf Euthanasie – eine erschütternde Zahl, die das Ausmaß der Normalisierung des Todes und des Tötens verdeutlicht.
Parallel dazu bleibt die Finanzierung von palliativer Versorgung und psychischer Betreuung in Kanada überaus unzureichend. Während Organisationen für Euthanasie über beträchtliche Mittel verfügen, fehlen ausreichende Ressourcen für lebenserhaltende und lebensqualitätssteigernde Maßnahmen. Dies verdeutlicht eine fundamentale Fehlorientierung der Prioritäten: Der Tod wird gefördert, das Leben oft vernachlässigt.
Insgesamt wirft diese Entwicklung die Frage auf, ob in einem System, in dem der Tod finanziell belohnt wird, freiwillige Zustimmung überhaupt noch möglich ist. Es geht nicht nur um individuelle Wahlfreiheit, sondern um die ethische Integrität einer Gesellschaft, die das Leben schützen sollte. Wenn Euthanasie zu einem lukrativen, steuerlich privilegierten Geschäft wird, muß die Gesellschaft kritisch prüfen, ob echte Freiheit des Willens noch gewährleistet ist.
Über all dem steht das mahnende Wort von Papst Johannes Paul II.: „Eine Nation, die ihre ungeborenen Kinder tötet, hat keine Zukunft.“ Wie Verteidiger des Lebensrechts vorausgesagt haben, breitet sich in einer Gesellschaft, die die Ungeborenen tötet, die Kultur des Todes auch auf das Lebensende aus. Letztlich verliert jedes Leben seinen unveräußerlichen Schutz, denn das elementarste aller Menschenrechte ist das Recht auf Leben. Eine Gesellschaft, die dieses Grundrecht mißachtet, zerstört sich selbst.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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