Nach dem „bombastischen“ Marx und dem vergessenswerten Bätzing hat die Deutsche Bischofskonferenz mit Msgr. Heiner Wilmer SCJ einen neuen Vorsitzenden. Für Religion en Libertad, eines der bedeutendsten Medien der spanischsprachigen Welt, zeichnet José M. García Pelegrín ein Bild des neuen DBK-Vorsitzenden, der kurzzeitig Anfang 2023 sogar als Präfekt des römischen Glaubensdikasteriums im Gespräch war. Ein Amt, für das Papst Franziskus jedoch schon seit 2017 seinen Protegé Victor Manuel „Tucho“ Fernández vorgesehen hatte. Die gute Nachricht: Die Ära Bätzing ist endlich zu Ende. Wird nun eine bessere Ära beginnen?
Die deutschen Bischöfe wählen Heiner Wilmer zum Vorsitzenden – ein versöhnlicher, aber widersprüchlicher Charakter
Er gehört dem Dehonianerorden an und ist Bischof von Hildesheim; einige seiner Ansichten liegen außerhalb der orthodoxen Linie, dennoch zeichnet ihn ein versöhnlicher Charakter aus.
Monsignore Heiner Wilmer SCJ, Bischof von Hildesheim, wurde zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt. Er folgt auf Bischof Georg Bätzing von Limburg, der das Amt seit 2020 innehatte und auf eine Wiederwahl verzichtete. Die Wahl fand am 24. Februar 2026 während der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Würzburg statt.
Ein ungewöhnliches Profil
Wilmer weist unter den deutschen Bischöfen ein eher ungewöhnliches Profil auf, da er als „Mann der universalen Kirche“ gilt. Geboren 1961 in Schapen (Emsland), war er von 2015 bis 2018 Generaloberer der Priester vom Heiligsten Herzen Jesu (Dehonianer) in Rom – eine Erfahrung, die ihm direkte Einblicke in die Weltkirche und die Römische Kurie verschaffte. Neben seiner Tätigkeit in Deutschland arbeitete er ein Jahr lang als Lehrer in der Bronx in New York und war in verschiedenen internationalen kirchlichen Kontexten präsent.
Seine Wahl wird als Zeichen für eine moderierende Linie innerhalb einer DBK interpretiert, die von inneren Spannungen geprägt ist.
Wilmer gilt als dialogorientierte, umgängliche Persönlichkeit mit der Fähigkeit, Brücken zwischen unterschiedlichen Positionen zu schlagen. Hinzu kommen seine Vertrautheit mit dem Vatikan, seine Sprachkenntnisse und seine Erfahrung in kirchlicher Leitung – Faktoren, die in einer Phase entscheidend sein können, in der die deutsche Kirche ihre internen Debatten im Einklang mit der universalen Kirche ausbalancieren muss.
Konfrontationen vermeiden
Wilmers Werdegang unterstreicht dieses Bild. 1980 trat er in die Kongregation der Priester vom Heiligsten Herzen Jesu ein, studierte Theologie und andere geisteswissenschaftliche Fächer in Freiburg, Paris und Rom und wurde 1987 zum Priester geweiht. Nach mehreren Jahren in der Lehre leitete er das Kollegium Leoninum in Handrup und war Provinzial der deutschen Provinz der Dehonianer, bevor er zum Generaloberen ernannt wurde. 2018 ernannte Papst Franziskus ihn zum Bischof von Hildesheim; innerhalb der DBK leitete er die Kommission für soziale Fragen.
Kirchlich läßt sich Wilmer nur schwer einordnen. Er hat verschiedene Reformen unterstützt, ohne einen konfrontativen Ton anzuschlagen. Zum Synodalen Weg betonte er die Notwendigkeit der Erneuerung, zugleich aber auch die Geduld und die spirituelle Dimension unter ständiger Bezugnahme auf die Weltkirche. „Wir sind keine deutsche Kirche, sondern eine universale Kirche“, sagte er. Er unterstreicht zudem, daß sich die Debatte nicht nur auf Strukturen konzentrieren dürfe, sondern auch Evangelisierung und die Präsenz der Kirche im Leben der Menschen umfassen müsse. Als Papst Franziskus im Juni 2019 zu Beginn des „Synodalen Wegs“ seinen Brief an das Pilgervolk Gottes in Deutschland schrieb, bemerkte Monsignore Wilmer in einem Pastoralbrief an sein Bistum: „Ich bin persönlich dem Papst Franziskus für seinen wegweisenden Brief dankbar. Seine Worte zeigen große Wertschätzung für die Kirche in Deutschland.“
Kontroverse Aspekte
In seinem Bistum hat er verschiedene Reformen vorangetrieben, darunter Führungsmodelle, die die Beteiligung von Frauen in Leitungspositionen ermöglichen. Wilmer hat sich zudem für eine Überprüfung bestimmter Aspekte der katholischen Sexualmoral ausgesprochen. Als 2022 der Text zur Reform der Sexuallehre im Synodalen Weg bei den Bischöfen nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhielt, äußerte er seine Enttäuschung über die Ablehnung: Er erklärte, er habe dafür gestimmt und teile die „Frustration vieler Gläubiger“. Er betonte außerdem, daß die „Erneuerung der Sexualmoral“ weiterhin ein zentrales Thema sei, und kündigte an, diese in seinem Bistum weiter voranzutreiben; unter anderem befürwortete er öffentlich die Möglichkeit, homosexuelle Paare zu segnen.
Nach seiner Wahl gehörte der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, zu den ersten, die ihm öffentlich gratulierten, und wünschte ihm „Erfolg“ und „den Segen Gottes“ für seine neue Aufgabe.
Trotz der prominenten Rolle der letzten DBK-Voristzenden, Kardinal Reinhard Marx und Monsignore Bätzing, insbesondere im Kontext des Synodalen Wegs, agiert der Präsident einer Bischofskonferenz in erster Linie als Sprecher und Koordinator, ohne hierarchische Autorität über die übrigen Bischöfe.
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons
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