Bischofsweihen aussetzen, dafür bietet Rom den Dialog

Kardinal Fernández bietet: Nehmen oder lassen


In Rom trafen sich Kardinal Victor Manuel Fernández, Präfekt des Glaubensdikasteriums, mit Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX)
In Rom trafen sich Kardinal Victor Manuel Fernández, Präfekt des Glaubensdikasteriums, mit Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX)

Am heu­ti­gen Vor­mit­tag fand im römi­schen Palaz­zo del San­t’Uf­fi­zio eine Begeg­nung zwi­schen Kar­di­nal Vic­tor Manu­el Fernán­dez, Prä­fekt des Glau­bens­dik­aste­ri­ums, und dem Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft Pater Davi­de Pagli­a­ra­ni statt. Anlaß für die Gewäh­rung der Audi­enz war die Ankün­di­gung Pagli­a­ra­nis vom 2. Febru­ar, die Prie­ster­bru­der­schaft wer­de am 1. Juli 2026 neue Bischö­fe weihen.

Wäh­rend es in den Jah­ren seit dem Schei­tern der Gesprä­che 2017 nur schrift­li­chen Aus­tausch gab, der zur Unzu­frie­den­heit der Pius­bru­der­schaft führ­te, reagier­te der Vati­kan nun eilends. Am 5. Febru­ar gab das Gene­ral­haus der Bru­der­schaft bekannt, eine Ein­la­dung von Glau­bens­prä­fekt Fernán­dez an den Gene­ral­obe­ren Pater Pagli­a­ra­ni erhal­ten zu haben. Die ange­kün­dig­ten Bischofs­wei­hen lie­ßen Rom auf­schrecken und brach­ten Bewe­gung in eine Sache, die der Hei­li­ge Stuhl in die Schub­la­de ver­bannt hatte.

Zur heu­ti­gen Begeg­nung liegt bis­her nur die Stel­lung­nah­me des Glau­bens­dik­aste­ri­ums vor, die sofort nach der Begeg­nung ver­öf­fent­licht wur­de. Rom legt offen­sicht­lich Wert auf die Deu­tungs­ho­heit. Unter Papst Fran­zis­kus wur­de die­se in der Regel den Besu­chern über­las­sen, vor allem dann, wenn die­se Neue­run­gen ver­tra­ten. Dies ist bei der Pius­bru­der­schaft natür­lich nicht der Fall.

Kar­di­nal Fernán­dez mach­te offen­bar ein sehr deut­li­ches Ange­bot: Die Bru­der­schaft habe auf die Bischofs­wei­hen zu ver­zich­ten, dann wer­de es eine Fort­set­zung des Dia­logs geben. Es darf ange­nom­men wer­den, daß der näch­ste Dia­log­ter­min erst nach dem 1. Juli vor­ge­se­hen sein wird. Hier die voll­stän­di­ge Stel­lung­nah­me des Glaubensdikasteriums:

Dikasterium für die Glaubenslehre

MITTEILUNG

über das Tref­fen zwi­schen dem Prä­fek­ten des Dik­aste­ri­ums für die Glau­bens­leh­re
und dem Gene­ral­obe­ren der FSSPX

Die römi­sche Stel­lung­nah­me (anklicken)

Am 12. Febru­ar 2026 fand am Dik­aste­ri­um für die Glau­bens­leh­re mit dem Wohl­wol­len des Hei­li­gen Vaters Leo XIV. ein herz­li­ches und auf­rich­ti­ges Tref­fen zwi­schen dem Prä­fek­ten, S. E. Kar­di­nal Víc­tor Manu­el Fernán­dez, und dem Gene­ral­obe­ren der FSSPX, dem ehr­wür­di­gen Don Davi­de Pagli­a­ra­ni, statt. 

Nach­dem eini­ge von der FSSPX in ver­schie­de­nen Brie­fen vor­ge­tra­ge­ne Punk­te, die ins­be­son­de­re in den Jah­ren 2017–2019 über­mit­telt wur­den, geklärt wor­den waren – unter ande­rem wur­de die Fra­ge nach dem gött­li­chen Wil­len bezüg­lich der Viel­falt der Reli­gio­nen erör­tert –, schlug der Prä­fekt einen spe­zi­fisch theo­lo­gi­schen Dia­log­weg mit einer klar defi­nier­ten Metho­dik vor, der sich auf The­men bezieht, die bis­her noch kei­ne aus­rei­chen­de Prä­zi­sie­rung erfah­ren haben, wie etwa: der Unter­schied zwi­schen dem Glau­ben und dem „reli­giö­sen Hul­di­gungs­ge­stus des Gei­stes und des Wil­lens“ oder die ver­schie­de­nen Gra­de der Bin­dung, die durch die unter­schied­li­chen Tex­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und deren Inter­pre­ta­ti­on ver­langt wer­den. Gleich­zei­tig schlug er vor, eine Rei­he von von der FSSPX in einem Brief vom 17. Janu­ar 2019 auf­ge­li­ste­ten The­men zu behandeln.

Die­ser Weg hät­te zum Ziel, in den dis­ku­tier­ten The­men die not­wen­di­gen Min­dest­an­for­de­run­gen für die vol­le Gemein­schaft mit der Katho­li­schen Kir­che und infol­ge­des­sen zur Aus­ar­bei­tung einer kano­ni­schen Sta­tu­ten­ord­nung der Bru­der­schaft sowie wei­te­rer Aspek­te, die noch ver­tieft wer­den müs­sen, herauszuarbeiten.

Von Sei­ten des Hei­li­gen Stuhls wur­de bekräf­tigt, daß die Wei­he von Bischö­fen ohne Man­dat des Hei­li­gen Vaters, wel­cher die ober­ste ordent­li­che Juris­dik­ti­ons­ge­walt inne­hat, die voll, uni­ver­sell, unmit­tel­bar und direkt ist (vgl. CIC, Can. 331; Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Pastor aeter­nus, Kap. I und III), eine ent­schei­den­de Zer­rüt­tung der kirch­li­chen Gemein­schaft (Schis­ma) mit schwe­ren Fol­gen für die Gemein­schaft der Bru­der­schaft ins­ge­samt nach sich zie­hen wür­de (JOHANNES PAUL II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Eccle­sia Dei, 2. Juli 1988, Nr. 3 und 5c; PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE GESETZESTEXTE, Nota expli­ca­ti­va, 24. August 1996, Nr. 1).

Daher setzt die Mög­lich­keit, die­sen Dia­log zu füh­ren, vor­aus, daß die Bru­der­schaft die Ent­schei­dung über die ange­kün­dig­ten Bischofs­wei­hen aussetzt.

Der Gene­ral­obe­re der FSSPX wird den Vor­schlag sei­nem Rat vor­le­gen und dem Dik­aste­ri­um für die Glau­bens­leh­re eine Ant­wort geben.

Im Fal­le einer posi­ti­ven Ant­wort wer­den die Schrit­te, Etap­pen und Ver­fah­ren ein­ver­nehm­lich festgelegt.

Die gan­ze Kir­che wird gebe­ten, die­sen Weg beson­ders in der kom­men­den Zeit im Gebet zum Hei­li­gen Geist zu beglei­ten. Er ist der Haupt­ur­he­ber der wah­ren kirch­li­chen Gemein­schaft, die Chri­stus gewollt hat.

+ Víc­tor Fernández

Bild: MiL