Und dennoch bleibt es ein Schisma

Dafür beten, dass Papst und Kardinäle endlich die desaströse Lage in der Kirche erkennen und den Mut finden, notwendige Reformen und Klarstellungen einzuleiten


Steht die Schismagefahr im Raum? Ja, sagt Msgr. Marian Eleganti und warnt davor
Steht die Schismagefahr im Raum? Ja, sagt Msgr. Marian Eleganti und warnt davor

Die­se Stel­lung­nah­me schließt an eine vor­her­ge­hen­de an: Für die, wel­che bis jetzt zwei­fel­ten: Nun gehen sie wie­der ins Schisma!

Von Msgr. Dr. Mari­an Eleganti*

Nach Canon 1382 CIC zieht eine Bischofs­wei­he ohne päpst­li­ches Man­dat die Tat­stra­fe der auto­ma­ti­schen Exkom­mu­ni­ka­ti­on (latae sen­ten­tiae) für Spen­der und Emp­fän­ger nach sich:

Can. 1382: «Ein Bischof, der jeman­den ohne päpst­li­chen Auf­trag zum Bischof weiht, und eben­so, wer von ihm die Wei­he emp­fängt, zieht sich die dem Apo­sto­li­schen Stuhl vor­be­hal­te­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on als Tat­stra­fe zu.»

Das bestä­tigt auch Can. 1013:

«Kei­nem Bischof ist es gestat­tet, jeman­den zum Bischof zu wei­hen, wenn nicht zuvor der päpst­li­che Auf­trag feststeht.»

Das Fest­ste­hen des päpst­li­chen Auf­trags wird durch ein päpst­li­ches Dekret zum Aus­druck gebracht. Der Auf­trag zur Bischofs­wei­he muss zwei­fels­frei vom Papst stam­men. Wer weiss, dass kei­ne Ernen­nung durch den Papst vor­liegt, erfüllt den Tat­be­stand des Schis­mas. Es bedeu­tet die Wei­ge­rung, sich juri­si­dik­tio­nell dem Papst zu unter­wer­fen, indem an der eige­nen Auto­no­mie (Selbst­re­gie­rung) fest­ge­hal­ten wird.

Pius XII. lehrt (Mysti­ci Cor­po­ris), dass die Aus­übung des Amtes in der Kir­che eine juris­dik­tio­nel­le Grund­la­ge hat, wel­che in der Offen­ba­rung bzw. in der Ein­set­zung durch Jesus Chri­stus begrün­det ist. Des­halb ver­sieht das Kon­zil von Tri­ent jeden mit dem Ana­the­ma, der Bischö­fe unter­stützt, die nicht «ord­nungs­ge­mäss geweiht oder durch kano­ni­sche kirch­li­che Auto­ri­tät gesandt sind» (vgl. Den­zin­ger-Schön­metz Nr. 1777.)1. Es betrach­tet die­se als «Die­be und Räu­ber». Denn sol­che Vor­gän­ge betref­fen direkt die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che, die durch recht­li­che Bin­dun­gen sicht­bar ist. Prak­ti­sche, recht­li­che Auto­no­mie durch eigen­wil­li­ge, vom Papst nicht auto­ri­sier­te Bischofs­wei­hen ein­fach durch­zu­set­zen, bedeu­tet daher, sich von der sicht­ba­ren und real geleb­ten Gemein­schaft des mysti­schen Lei­bes Chri­sti abzuschneiden.

Ich ver­mu­te, dass die FSSPX an der vol­len Auto­no­mie und Selbst­re­gie­rung fest­hal­ten wird und in die­sem Sinn auch kei­ne Regu­lie­rung ihres irre­gu­lä­ren Ver­hält­nis­ses zur Uni­ver­sal­kir­che wünscht, denn eine sol­che Rege­lung wür­de bedeu­ten, Bischö­fe zu akzep­tie­ren, die ihnen der Papst gibt, und die ihr vor­ste­hen und sie lei­ten, oder, wenn sie aus ihren eige­nen Rei­hen kom­men, dem Papst gegen­über wei­sungs­ge­bun­den und juris­dik­tio­nell von ihm ernannt und abhän­gig sind. Aber die FSSPX beur­teilt viel­leicht die Situa­ti­on der Kir­che anders als er, wes­halb sie die­ser Abhän­gig­keit ausweicht.

Es über­zeugt nicht, trotz­dem das Bild des Pap­stes in den eige­nen Sakri­stei­en auf­zu­hän­gen, für ihn im Hoch­ge­bet zu beten, die hier­ar­chi­sche Ver­fas­sung der Kir­che und des Lehr­am­tes mit dem Papst an der Spit­ze grund­sätz­lich zu beja­hen und zu leh­ren, Erge­ben­heit vor­zu­täu­schen, wäh­rend man sich juris­dik­tio­nell von ihm voll­stän­dig abkop­pelt und selbst regiert. Dazu gehört, eine eige­ne Hier­ar­chie aus­zu­bau­en und eine von Rom unab­hän­gi­ge Lei­tung, die Rechts­ak­te selbst ent­schei­det und aus­führt (Selbst­er­mäch­ti­gung auf­grund der Sor­ge für das Heil der See­len und des vor­ge­scho­be­nen kirch­li­chen und eige­nen Not­stan­des). Das ist schis­ma­tisch. Ande­re tun es mit ande­ren Vor­zei­chen auch, was eben­so zu ver­ur­tei­len ist.

Noch ein­mal: Die Uni­ver­sal­kir­che und der Papst täten gut dar­an, berech­tig­te Kri­tik von die­ser Sei­te und Anlie­gen des gläu­bi­gen Vol­kes in Bezug auf die Lit­ur­gie ernst zu neh­men, eige­nes Ver­sa­gen seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil end­lich ein­zu­ge­ste­hen. Dazu gehört auch das Schei­tern der Lit­ur­gie­re­form und der öku­me­ni­schen und inter­re­li­giö­sen Bemü­hun­gen, die nicht zu einer Ein­heit in der Wahr­heit geführt haben, son­dern zu einem bei­spiel­lo­sen Nie­der­gang des Glau­bens­le­bens der Katho­li­ken (Rudi­men­tä­res Glau­bens­wis­sen und ent­täu­schend wenig akti­ve Teil­nah­me; Ableh­nung der Sexu­al­mo­ral der Kir­che und wesent­li­cher Tei­le ihres Credo’s). Zu nen­nen sind auch eine histo­risch bei­spiel­lo­se Rela­ti­vie­rung der abso­lu­ten Heils­mit­t­ler­schaft und Heils­not­wen­dig­keit Jesu Chri­sti und sei­ner Kir­che in den eige­nen Rei­hen. Ein Blick nach Deutsch­land genügt, wo die Expo­nen­ten des syn­oda­len Weges nur noch eine lin­ke Sozi­al­agen­da ver­tre­ten, die mit dem Glau­ben der Kir­che nichts mehr, aber umso mehr mit den Stan­dards der Welt zu tun hat und ideo­lo­gisch auch ohne JESUS CHRISTUS aus­kommt. In der Tat: Der Anti­christ kommt aus unse­ren eige­nen Rei­hen und zeigt damit, dass er nie zu uns gehör­te. Man soll­te die­se Leu­te und ihre Häre­si­en end­lich beim Namen nen­nen und aus­schlie­ssen, bevor sie den Leib Chri­sti voll­ends zerreissen.

Wir kön­nen nur dafür beten, dass der Papst und die Kar­di­nä­le in den kom­men­den Kon­si­sto­ri­en end­lich die desa­strö­se Wirk­lich­keit in der katho­li­schen Kir­che zur Kennt­nis zu neh­men und den Mut fin­den, ech­te Refor­men und Klar­stel­lun­gen ein­zu­lei­ten. Zu letz­te­ren zäh­le ich nicht die von Papst Fran­zis­kus aus­ge­ru­fe­ne Syn­oda­li­tät, die für das Glau­bens­le­ben der Katho­li­ken und die Über­win­dung der Miss­stän­de in der Kir­che abso­lut nichts gebracht hat. Nie­mand in der Kir­che hat etwas gegen das Hören auf GOTT und auf­ein­an­der, wie Etty Hil­le­sum geschrie­ben hat: «Das Tief­ste in mir, das auf das Tief­ste in Dir hört: Gott zu Gott!» Ver­wech­seln wir dabei nicht unse­ren Geist (was wir wol­len) mit dem Geist Got­tes (was GOTT will).2

*Msgr. Mari­an Ele­gan­ti OSB, pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, war von 1999 bis 2009 Abt der Bene­dik­ti­ner­ab­tei St. Otmars­berg im Kan­ton Sankt Gal­len, dann von 2009 bis 2021 Weih­bi­schof der Diö­ze­se Chur. Bischof Ele­gan­ti betreibt einen eige­nen Blog.

Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shots)


1 Der Arti­kel stellt klar, dass nur recht­mä­ssig ordi­nier­te und ein­ge­setz­te Bischö­fe gül­ti­ge Trä­ger des apo­sto­li­schen Amtes sind.

2 Vgl. Kar­di­nal Joseph Zen in sei­ner drei­mi­nü­ti­gen Rede an Papst und Kar­di­nä­le im letz­ten Konsistorium.

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