Papst Leo XIV. hält sich derzeit im Nahen Osten auf. Am Donnerstag brach das Kirchenoberhaupt in die Türkei auf. Morgen wird die Reise in den Libanon fortgesetzt. Unterdessen wird in Rom viel über das für Anfang Januar 2026 angekündigte Konsistorium gesprochen, doch offiziell existiert dieses Konsistorium gar nicht. Es handelt sich dabei um eine Anfang November von Medien verbreitete Nachricht, während aus dem Vatikan bis heute weder eine Bestätigung noch ein Dementi vorliegt. Das Konsistorium werde stattfinden, meldete nun ein linksliberales Magazin und habe ein große, geheime Mission.
L’Espresso (der italienische Spiegel) legte am Donnerstag seine kryptische Lesart vor. Und natürlich dürfen dabei die gewohnten linken „Freundlichkeiten“ nicht fehlen, die an dieser Stelle aber übergangen werden sollen.
Gemeinhin meinte man, so das Magazin, die Kirche befinde sich durch das Heilige Jahr in einer Phase wohltuender Ruhe. Doch hinter den Mauern des Apostolischen Palastes zeige sich ein anderes Bild: Die Atmosphäre sei angespannt, „die Gewässer brodeln“. Denn das für den 7. und 8. Januar 2026 kolportierte Konsistorium soll, folgt man „gut informierten vatikanischen Kreisen“, weit mehr sein als eine übliche Zusammenkunft zur Beratung personeller Fragen und pastoraler Ausrichtungen.
Eine weltweite Kardinalsversammlung mit verdecktem Hauptziel
Seit Wochen werde in den Gängen des Vatikans an dieser Zusammenkunft gefeilt, die in Wahrheit, so L’Espresso, das leisten soll, was manche römische Beobachter bereits als „Mutter aller Befriedungen“ bezeichnen. Das eigentliche Ziel sei nicht die interne Diplomatie, sondern etwas ungleich Größeres: die Überbrückung des tiefen Grabens, der sich in den vergangenen Jahren zwischen progressiven und traditionsverbundenen Kräften aufgetan hat.
Eine „Quelle aus dem Staatssekretariat“ formuliert es nüchtern: Beide Lager „sprächen schon lange nicht mehr miteinander, es gebe nur noch offizielle Kommunikation – oder gezielt lancierte Indiskretionen“.
Alte Risse, die nie geheilt sind
Die Spannungen, die unter Papst Franziskus offen zutage traten – wobei „viele“, so das Magazin, darin schon einen der Gründe für den überraschenden Amtsverzicht Benedikts XVI. sähen –, konnten nie mehr gedämpft werden. Im Gegenteil. Papst Leo XIV., so berichten „vertraute Stimmen“, sei sich bewußt, daß das Heilige Jahr diese Konflikte nur eingefroren habe. Nun wolle er ihnen direkt begegnen.
Aus dem Umfeld „eines Monsignores, der Santa Marta regelmäßig aufsucht“, stammt die wohl sprechendste Hintergrundinformation: Der Papst wünsche alle Beteiligten an einem gemeinsamen Tisch, ohne Vermittler, ohne Hintergedanken. Das heißt: Progressive und Hüter der Tradition sollen einander unmittelbar gegenübertreten zu einer wirklichen Aussprache, fernab von Kameras und den medialen Stellvertretergefechten der vergangenen Jahre.
Zustimmung, Widerstand und der Wille des Papstes
Gerüchteweise sollen bereits drei einflußreiche Kardinäle – ein Europäer, ein Lateinamerikaner und ein Afrikaner – ihre Bereitschaft signalisiert haben, den Papst in seinem Vorhaben einer „Wiederherstellung der Ruhe“ zu unterstützen.
Doch Widerstand rege sich vor allem im konservativen Spektrum: Ein Purpurträger aus dieser Richtung habe davor gewarnt, daß ein solches Konsistorium leicht zu einer bloßen „Abrechnung mit der Vergangenheit“ werden könnte.
Im Vatikan sehe man das anders: Leo XIV. habe seine Entscheidung bereits gefällt. Der Abschnitt nach dem Heiligen Jahr werde alles andere als friedlich verlaufen.
Eine vatikanische Quelle faßt die Stimmung zusammen: „Der Papst will umblättern. Und diesmal wird niemand auf der Tribüne als bloßer Zuschauer sitzenbleiben dürfen.“
Text: Giuseppe Nardi
Bild: L’Espresso (Screenshot)

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