„Diese Erkältung, die nicht weggeht“ – Papst Franziskus und die Identität katholischer Universitäten

Katholisches Bekenntnis versus "echten Humanismus"?


Papst Franziskus gestern mit Vertretern der Föderation katholischer Universitäten (FIUC). In der Mitte sitzend Kardinal José Tolentino Calaça de Mendonça, Präfekt des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung.
Papst Franziskus gestern mit Vertretern der Föderation katholischer Universitäten (FIUC). In der Mitte sitzend Kardinal José Tolentino Calaça de Mendonça, Präfekt des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung.

(Rom) Heu­te aus­nahms­wei­se eine Mel­dung aus dem Vati­kan mit etwas Sati­re. Papst Fran­zis­kus labo­riert schon eini­ge Zeit an einer Erkäl­tung. (Pole­mi­ker mit einem gesun­den Gespür wür­den nun sagen, daß Fran­zis­kus immer­hin des­we­gen noch kei­nen neu­en Lock­down ver­häng­te. Natür­lich nicht! Schließ­lich wur­de von Bill Gates auch noch kei­ner gewünscht. Sati­re Ende.) Trotz der von Fran­zis­kus beklag­ten Erkäl­tung hielt er gestern an einem dicht­ge­dräng­ten Pro­gramm fest. Kei­ne sei­ner Ver­pflich­tun­gen wur­de abge­sagt. Aller­dings ver­zich­te­te er dar­auf, wie schon am 12. Janu­ar, die vor­be­rei­te­ten Reden zu ver­le­sen. Viel­mehr sprach er frei, so zum Bei­spiel beim Emp­fang für eine Dele­ga­ti­on der Inter­na­tio­na­len Föde­ra­ti­on Katho­li­scher Uni­ver­si­tä­ten (FIUC). Die­ser sag­te er etwas Eigentümliches:

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Emi­nen­zen und Exzel­len­zen!
Lie­be Brü­der und Schwestern!

Ich wür­de Ihnen ger­ne eine lan­ge Rede vor­le­sen, aber ich habe Schwie­rig­kei­ten beim Atmen. Wie Sie sehen kön­nen, ist die­se Erkäl­tung noch nicht ver­schwun­den. Des­halb erlau­be ich mir, Ihnen den Text zu geben, damit Sie ihn selbst lesen kön­nen. Ich möch­te Ihnen für die­ses Tref­fen dan­ken, für das Gute, das die Uni­ver­si­tä­ten, unse­re katho­li­schen Uni­ver­si­tä­ten, tun: Sie säen die Wis­sen­schaft, das Wort Got­tes und den wah­ren Huma­nis­mus. Ich dan­ke Ihnen sehr. Und wer­den Sie nicht müde, wei­ter­zu­ma­chen, immer wei­ter­zu­ma­chen mit der schö­nen Mis­si­on der katho­li­schen Uni­ver­si­tä­ten. Was ihnen ihre Iden­ti­tät ver­leiht, ist nicht nur das katho­li­sche Bekennt­nis – das ist nur ein Aspekt, aber nicht der ein­zi­ge –, son­dern viel­leicht ist es der ech­te Huma­nis­mus, der Huma­nis­mus, der uns begrei­fen läßt, daß der Mensch Wer­te hat und daß die­se Wer­te geach­tet wer­den müs­sen. Ich den­ke, das ist das Schön­ste und das Größ­te an Ihren Uni­ver­si­tä­ten. Ich dan­ke Ihnen vielmals.

Papst Fran­zis­kus selbst stu­dier­te drei Jah­re an einer Hoch­schu­le, 1967–1970 an den Facul­ta­des de Filosofía y Teo­lo­gía de San Miguel in Argen­ti­ni­en, wo er ein Lizen­ti­at in Theo­lo­gie erwarb. Als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires war er von 1998 bis 2013 als Ver­tre­ter des Pap­stes und der Erz­diö­ze­se auch Groß­kanz­ler der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en.

Ange­führt wur­de die Dele­ga­ti­on von Kar­di­nal José Tolen­ti­no Cala­ça de Men­don­ça, Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für die Kul­tur und die Bil­dung, der schon ein­mal, vor sei­ner Erhe­bung in die höch­sten Wür­den, die Kir­che von ihren Dog­men „befrei­en“ wollte.

Durch die gest­ri­gen päpst­li­chen Aus­füh­run­gen weiß die katho­li­sche aka­de­mi­sche Welt nun, daß „nicht nur“ das katho­li­sche Bekennt­nis ihr ihre Iden­ti­tät und ein unver­kenn­ba­res Allein­stel­lungs­merk­mal ver­leiht. Der „ech­te Huma­nis­mus“ scheint für Fran­zis­kus noch wich­ti­ger, „das Schön­ste und das Größ­te“, zu sein. Fran­zis­kus spricht nicht von „ech­ter Huma­ni­tät“, die aus dem katho­li­schen Bekennt­nis erwächst, weil die­ses die Grund­la­ge und Quel­le ech­ter Mensch­lich­keit ist. Das sag­te er nicht. 

Nun mag jeder selbst dar­über nach­den­ken, in wel­chem Ver­hält­nis oder Span­nungs­ver­hält­nis, gar Gegen­satz das katho­li­sche Bekennt­nis und der „ech­te Huma­nis­mus“ ste­hen könn­ten, die Fran­zis­kus als von­ein­an­der getrenn­te Grö­ßen sieht. Befürch­tet Fran­zis­kus, daß blo­ßes katho­li­sches Bekennt­nis etwas „Obsku­res“ an sich hat, also durch „ech­ten Huma­nis­mus“ kor­ri­giert wer­den muß, wie es die illu­mi­nier­ten Illu­mi­na­ten des 18. Jahr­hun­derts sag­ten? Aus wel­cher Quel­le kommt aber die­ser das katho­li­sche Bekennt­nis kor­ri­gie­ren­de „ech­te Humanismus“? 

(Pole­mi­ker mit einem gesun­den… wür­den nun sagen, daß das katho­li­sche Bekennt­nis das eine, der „ech­te Huma­nis­mus“ der Frei­mau­re­rei aber natür­lich etwas ganz ande­res ist, eben „das Schön­ste und das Größ­te“. Euge­nio Scal­fa­ri läßt grü­ßen. Natür­lich nicht! Das ist alles nur ein Miß­ver­ständ­nis.)

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­News (Screen­shot)

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Katho­li­sches war die erste katho­li­sche Publi­ka­ti­on, die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus kri­tisch beleuch­te­te, als ande­re noch mit Schön­re­den die Qua­dra­tur des Krei­ses versuchten.

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4 Kommentare

  1. Für den Huma­nis­mus braucht man kei­ne katho­li­sche Uni­ver­si­tät! Und man braucht nicht weni­ger einem katho­lisch- huma­ni­sti­schen Glau­ben, der aller­dings vor­zugs­wei­se ver­brei­tet wird, wie es scheint!

    • Ich dre­he es ein­fach mal rum:
      Wer das Chri­sten­tum hat das von Gott kommt, braucht kei­nen men­schen­ge­mach­ten Humanismus.

  2. Was ist Huma­nis­mus ohne Gott? Wer defi­niert, was human ist? Viel­leicht ein Abrei­bungs- oder ein KZ-Arzt oder ein Gendertheoretiker?

    • Die älte­ste Defi­ni­ti­on die­ser heu­te allein­herr­schen­den Abir­rung fin­det sich in Weis­heit, Kapi­tel 2. Eine beson­ders wich­ti­ge Abhand­lung, weil sie uns genau zeigt, was unrich­tig ist. 

      „Sie tau­schen ihre ver­kehr­ten Gedan­ken aus und sagen: Kurz und trau­rig ist unser Leben; für das Ende des Men­schen gibt es kei­ne Arz­nei und man kennt kei­nen, der aus der Welt des Todes befreit. Durch Zufall sind wir gewor­den und danach wer­den wir sein, als wären wir nie gewe­sen. Der Atem in unse­rer Nase ist Rauch und das Den­ken ist ein Fun­ke, der vom Schlag des Her­zens ent­facht wird; ver­löscht er, dann zer­fällt der Leib zu Asche und der Geist ver­weht wie dün­ne Luft. Unser Name wird bald ver­ges­sen, nie­mand denkt mehr an unse­re Taten. Unser Leben geht vor­über wie die Spur einer Wol­ke und löst sich auf wie ein Nebel, der von den Strah­len der Son­ne ver­scheucht und von ihrer Wär­me zu Boden gedrückt wird. Unse­re Zeit geht vor­über wie ein Schat­ten, unser Ende wie­der­holt sich nicht; es ist ver­sie­gelt und kei­ner kommt zurück.“

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