Kardinal Hummes: „Amazonassynode wird über verheiratete Priester entscheiden“

Das Amazonas-Priestertum

Kardinal Hummes: Amazonassynode „wird entscheiden“, ob es verheiratete Priester geben wird.
Kardinal Hummes: Amazonassynode „wird entscheiden“, ob es verheiratete Priester geben wird.

(Bra­si­lia) Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, der rang­höch­ste an den Syn­oden­vor­be­rei­tun­gen betei­lig­te Kir­chen­ver­tre­ter, bekräf­tigt: Die Ama­zo­nas­syn­ode wird über die Prie­ster­wei­he für ver­hei­ra­te­te Män­ner spre­chen. Wird sie auch dar­über ent­schei­den?

Der Fran­zis­ka­ner Clau­dio Kar­di­nal Hum­mes war in Bra­si­li­en Erz­bi­schof von Sao Pau­lo, zuvor Erz­bi­schof von For­ta­le­za und noch zuvor Bischof von San­to André. Nach 31 Jah­ren an der Spit­ze ver­schie­de­ner Diö­ze­sen wur­de er 2006 über­ra­schend als Prä­fekt der römi­schen Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on nach Rom beru­fen. Noch vor dem Abflug gab er zum Besten, für eine Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster zu sein. Auf Druck des Hei­li­gen Stuhls nahm er die Aus­sa­ge zwar öffent­lich zurück, aber offen­kun­dig ohne sei­ne Mei­nung zu ändern. Kaum war Bene­dikt XVI. zurück­ge­tre­ten, wor­über sich der deutsch­stäm­mi­ge Bra­si­lia­ner begei­ster­te, kehr­te er zu sei­nem Anlie­gen zurück. Er gehört zu den Wäh­lern von Papst Fran­zis­kus und soll ihm auch den Papst­na­men Fran­zis­kus emp­foh­len haben.

Auch Frau­en könn­te sich Hum­mes als Prie­ster­in­nern vor­stel­len. Zusam­men mit dem öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schof, dem inzwi­schen eme­ri­tier­ten Mis­sio­nar vom Kost­ba­ren Blut Erwin Kräut­ler, wur­de er – ab 2014 auch öffent­lich – zum Aus­hän­ge­schild für die bevor­ste­hen­de Ama­zo­nas­syn­ode. Die Syn­ode wur­de erst im Herbst 2017 von Papst Fran­zis­kus ein­be­ru­fen. Bis dahin fir­mier­ten die Vor­be­rei­tun­gen als soge­nann­te „Ama­zo­nas-Werk­statt“ (sie­he den Bericht von Katholisches.info vom Novem­ber 2014).

Das zen­tra­le Anlie­gen, fast bis zur Unkennt­lich­keit ver­packt und getarnt unter Indi­ge­nis­mus und Öko­lo­gis­mus, ist ein Angriff auf das Wei­he­sa­kra­ment. Das Kon­zept der viri pro­ba­ti als geweih­te Dia­ko­ne, wie es vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ohne jede Not­wen­dig­keit ein­ge­führt wur­de, soll auf den Prie­ster­stand aus­ge­wei­tet wer­den. Das war bereits damals das eigent­li­che Ziel der Moder­ni­sten. Die nie­de­ren Wei­hen wur­den gekappt und das Dia­ko­nat umge­baut. Dabei han­del­te es sich ledig­lich um einen „Kom­pro­miß“, weil die Wider­stän­de gegen ein fak­ti­sches Ende des prie­ster­li­chen Zöli­bats, zumin­dest für den Weltk­le­rus, zu groß waren. Mit der Wahl von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. war aber nicht mehr dar­an zu den­ken. Das erklärt, war­um die heu­ti­gen Haupt­ak­ti­vi­sten der Zöli­bats­be­sei­ti­gung bereits 80 Jah­re und älter sind.

Der größ­te anti-zöli­ba­tä­re Druck kommt von der Kir­che im deut­schen Sprach­raum. Es ist die „deut­sche“ Agen­da, die hier umge­setzt wer­den soll. Dies­mal nicht im direk­ten Anlauf, son­dern mit dem gro­ßen Umweg über den exo­tisch-fer­nen Ama­zo­nas.

Als Ende 2015 erste Berich­te ver­öf­fent­licht wur­den, daß die Absicht bestehe, eine Ama­zo­nas­syn­ode zur Auf­wei­chung des prie­ster­li­chen Zöli­bats ein­zu­füh­ren, wur­de dies gera­de­zu abschät­zig bestrit­ten. Inzwi­schen herrscht Klar­heit. Das Anlie­gen wird immer offe­ner aus­ge­spro­chen, was vor allem bedeu­tet, daß sich die Zöli­bats­geg­ner sicher füh­len.

In einem gestern in der bra­si­lia­ni­schen Tages­zei­tung O Estado de Sao Pau­lo ver­öf­fent­lich­ten Inter­view bestä­tig­te Clau­dio Kar­di­nal Hum­mes unum­wun­den, daß die Ama­zo­nas­syn­ode, die von Fran­zis­kus für den kom­men­den Som­mer ein­be­ru­fen wur­de, über die Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern spre­chen wird.

O Estado de Sao Pau­lo titel­te:

„Die Syn­ode wird ver­hei­ra­te­te Prie­ster für den Ama­zo­nas prü­fen“.

Das Gespräch führ­te die Zei­tung mit Kar­di­nal Hum­mes als Vor­sit­zen­den der Red Ecle­si­al Pana­ma­zo­ni­ca REPAM. Das kirch­li­che Netz­werk wur­de Ende 2014 eigens für die Syn­oden­vor­be­rei­tung gegrün­det. Der Kar­di­nal ist Vor­sit­zen­der des Gesamt­netz­wer­kes, Bischof Kräut­ler des REPAM-Able­gers in Bra­si­li­en. Das sind die bei­den Schlüs­sel­po­si­tio­nen.

Die zen­tra­len Stel­len des Inter­views in deut­scher Über­set­zung:

Fra­ge: Im Bereich der Evan­ge­li­sie­rung waren Sie immer wegen des Prie­ster­man­gels im Ama­zo­nas besorgt. Ist es mög­lich, einen Schritt vor­wärts zu machen, um mehr geweih­te Amts­trä­ger zu erhal­ten?

Kar­di­nal Hum­mes: Der Papst spricht von neu­en Wegen. Die Dis­kus­si­on über die Ämter dreht sich um die­se neu­en Wege. Der­zeit ver­fügt die Kir­che nicht über genü­gend Prie­ster für die Gemein­schaf­ten. Es man­gelt an Prie­stern. Es ist der Prie­ster, der die Mes­se zele­briert, die Beich­te hört und die Kran­ken­sal­bung spen­det.

Fra­ge: Ist es mög­lich, daß man die Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Män­nern, christ­li­che Män­ner von bewähr­ter Tugend, erlaubt?

Kar­di­nal Hum­mes: Die Syn­ode ist es, die Ja oder Nein sagen wird. Es wird aber not­wen­dig sein, wie sich in der Vor­be­rei­tung bis­her gezeigt hat, beson­ders die­se Fra­ge der Ämter in der Kir­che des Ama­zo­nas zu dis­ku­tie­ren. Das heißt nicht, daß es für die gan­ze Welt ist, son­dern für die­se Situa­ti­on von extre­mer Not­wen­dig­keit.

Fra­ge: Gilt das Glei­che auch für Frau­en? Besteht die Mög­lich­keit das Frau­en­prie­ster­tum oder Frau­en­dia­ko­nat ein­zu­füh­ren?

Kar­di­nal Hum­mes: Das ist viel wei­ter ent­fernt.

Deu­tet Kar­di­nal Hum­mes in der Beant­wor­tung der zwei­ten Fra­ge an, daß der Son­der­syn­ode beschlie­ßen­de Auto­ri­tät zukom­men wird?

Im Sep­tem­ber 2018 führ­te Papst Fran­zis­kus mit der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Epi­scopa­lis Com­mu­nio neue Regeln für die Bischofs­syn­ode ein. Sie sol­len die „Syn­oda­li­tät“ der Kir­che stär­ken. Die bedeu­tend­ste Neue­rung ent­hält Art. 18:

§ 1. […] Wenn das Schluss­do­ku­ment aus­drück­lich vom Papst appro­biert wur­de, hat es Anteil am ordent­li­chen Lehr­amt des Nach­fol­gers Petri.

§ 2. Sofern der Papst der Syn­oden­ver­samm­lung gemäß can. 343 des Codex des kano­ni­schen Rechts Ent­schei­dungs­ge­walt gewährt haben soll­te, hat das Schluss­do­ku­ment am ordent­li­chen Lehr­amt des Nach­fol­gers Petri Anteil, nach­dem es von ihm rati­fi­ziert und pro­mul­giert wur­de.

In die­sem Fall wird das Schluss­do­ku­ment mit der Unter­schrift des Pap­stes zusam­men mit der der Mit­glie­der ver­öf­fent­licht.

Bei der Jugend­syn­ode, die im Okto­ber 2018 im Vati­kan tag­te, fan­den die neu­en Regeln noch kei­ne Anwen­dung. Da Papst Fran­zis­kus die Kon­sti­tu­ti­on Epi­scopa­lis Com­mu­nio sicher bewußt und über­legt erließ, könn­te sie erst­mals für die Ama­zo­nas­syn­ode umge­setzt wer­den. Die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zur Prie­ster­wei­he könn­te von den Orts­bi­schö­fe des Ama­zo­nas­becken, Dikaste­ri­en­lei­tern und vom Papst ernann­ten Syn­oda­len, eine über­schau­ba­re Zahl, mit Zwei-Drit­tel-Mehr­heit beschlos­sen wer­den. Wei­te­re Lan­des­syn­oden kön­nen die Bestim­mun­gen dann auf ande­re Län­der aus­deh­nen.

Bei der in man­chen Krei­sen geheg­ten Annah­me, Fran­zis­kus wer­de „nicht so weit gehen“, viri pro­ba­ti als Prie­ster zuzu­las­sen, scheint der Wunsch Vater des Gedan­kens zu sein. Der Weg, der in Epi­scopa­lis Com­mu­nio von ihm auf­ge­tan wur­de, kommt Fran­zis­kus ent­ge­gen. Er ent­spricht einer Art von Insti­tu­tio­na­li­sie­rung des von ihm im Zusam­men­hang mit der Fami­li­en­syn­ode und dem nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia beschrit­te­nen Weg. Fran­zis­kus könn­te unter Ver­weis auf die von ihm erlas­se­nen, neu­en Bestim­mun­gen erklä­ren, an den Beschluß gebun­den zu sein, ohne sich inhalt­lich zur Fra­ge äußern zu müs­sen. Er könn­te wei­ter­hin sagen, er habe die­se Neue­rung nicht ein­ge­führt. Im Sep­tem­ber 2017 beton­te er in Kolum­bi­en mit Nach­druck, daß die Behaup­tung, er wer­de ver­hei­ra­te­te Prie­ster ein­füh­ren, „ein Mär­chen“ sei, „ist das klar!?“.

Folgt man dem päpst­li­chen Umfeld, sie­he Kar­di­nal Hum­mes, dann scheint die Behaup­tung, man wol­le kei­ne ver­hei­ra­te­ten Prie­stern ein­füh­ren, wirk­lich ein Mär­chen zu sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: O Estado de Sao Pau­lo (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Am 24.05.1994 ent­schied Papst Johan­nes Paul II mit päpst­li­cher Voll­macht in der Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis:
    „Damit also jeder Zwei­fel bezüg­lich der bedeu­ten­den Ange­le­gen­heit, die die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che selbst betrifft, besei­tigt wird, erklä­re ich kraft mei­nes Amtes, die Brü­der zu stär­ken (vgl. Lk 22,32), daß die Kir­che kei­ner­lei Voll­macht hat, Frau­en die Prie­ster­wei­he zu spen­den, und daß sich alle Gläu­bi­gen der Kir­che end­gül­tig an die­se Ent­schei­dung zu hal­ten haben.“ Dies ist end­gül­tig. selbst dann, wenn eine Syn­ode irrt und fälsch­li­cher­wei­se etwas ande­res ent­schei­det. Alle, die in der Amo­zo­nas Syn­ode etwas anders lau­ten­des ent­schei­den, spre­chen gegen die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che und damit gegen die Kir­che.

  2. Deutsch­land hat einen ekla­tan­ten Man­gel an recht­gläu­bi­gen Bischö­fen. Ist die Lösung auch „Viri pro­ba­ti“? Wie ist „pro­ba­ti“ defi­niert? Leh­ren die über­lie­fer­ten Wahr­hei­ten und die Inhal­te des Kate­chis­mus zu 70%, zu 40%, zu 25%; sind nur ein­mal geschie­den, haben nur zwei seri­el­le Lebens­part­ner­schaf­ten?

  3. Die Fra­ge „Was sind viri pro­ba­ti“ von Herrn Bengsch ist voll­kom­men berech­tigt Genau so wich­tig ist die Beant­wor­tung der Fra­ge „Was sol­len viri pro­ba­ti“ und wenn sie sün­di­gen, sind es dann immer noch „viri pro­ba­ti“? Kurz­um in der heu­ti­gen Zeit sagt der Begriff „viri pro­ba­ti“ nichts mehr aus und ist nicht das Qua­li­täts­kri­te­ri­um, was er vor­gibt. Soll­te die Kir­che wirk­lich nicht Zöli­ba­tä­re mit sacra­men­ta­len Dien­sten betrau­en, dür­fen sie nicht nach so ober­fläch­li­schen Kri­te­ri­en aus­ge­wählt wer­den. Jede Ehe­frau hält zum Zeit­punkt des Ken­nen­ler­nens den Mann für einen „vir pro­ba­tus“. Es ist bekannt, wie schnell sich die­se Beur­tei­lung ändern kann. Ich muss befürch­ten, dass die­ses auch die kirch­li­chen „viri pro­ba­ti“ betref­fen wird.

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